Fragen vor dem ersten Spiegel

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Spitzi

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
ich habe in den letzten Monaten überlegt einen Spiegel zu schleifen - meinen ersten. Da ich bisher recht langsame Instrumente (ein 8"LX10 mit f/10 und mein erstes Teleskop, einen 70/900er Refraktor mit f/12,9) sollte es ein Newton mit 6" Spiegeldurchmesser und f/4 für ein grosses Gesichtsfeld werden. Bevor ich aber irgendwelche Materialien bestelle, habe ich noch ein paar Fragen:
- Schleift man mit einem Schleiftool im Gegensatz zu einem zweiten Spiegelrohling anders oder gibt es irgendwas, was ich beim Arbeiten mit einem Schleiftool besonders beachten muss?
- Das Gerät soll für bestmöglichen Transport möglichst kleine Abmessungen im zerlegten Zustand haben, daher dachte ich an einen Gitterrohrtubus. Braucht man für die Kollimation unbedingt einen Kollimationslaser, oder geht das bei kurzen Gitterstreben auch ohne? (Weil bei etwa 45 cm Stebenlänge nicht so viel Spiel drin ist.)
- Wieviele Zonen sollte ich beim parabolisieren anlegen, habe wegen der kurzen Brennweite an 3 Zonen gedacht.
Vielen Dank, CS und GUTEN RUTSCH, Daniel
 
Hallo,

zu 1):
Ich habe mein Erstlingswerk (8 Zoll f/5) mit einem "Newport Glastool" geschliffen, das ist im Prinzip eine runde Floatglas-Scheibe (flaschengrün) mit eingefrästen, runden, konzentrischen Rillen.
Das soll das Carbo besser zwischen Spiegel und Tool halten.
Nach dem 80-er Carbo waren die Rillen allerdings alle weg, ab da wars wohl wie ein normales Tool <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Ich hatte den Eindruck, das der Grobschliff schneller ging als gemeinhin angenommen bzw. geschätzt wurde, vielleicht lag das an den Rillen.
Ansonsten sollte zwischen einer zweiten Scheibe und einem speziellen Tool kein großer Unterschied bestehen...beide werden halt sphärisch abgeschliffen, sollten daher etwa dieselbe Härte wie das Glas haben, sonst ist das Tool durch bis der Spiegel fertig ist. Bei mir wars mit dem Glastool nicht so, der Borofloat-Spiegel scheint deutlich härter zu sein, jedenfalls hat das Tool immer mehr Masse verloren als der Spiegel.

Mein Tool war ca. 5mm kleiner als der Spiegelrohling, das scheint sich beim Polieren günstig auf die Kante ausgewirkt zu haben, ich hatte mit der jedenfalls keine Probleme...wenn du also ein Tool maßschneidern kannst, dann wär ein leicht kleineres als der Spiegel IMHO von Vorteil...aber nicht mehr als 5mm, sonst macht der Rand beim Polieren Zicken.

zu 2):
Nein, je schneller das Öffnungsverhältnis ist, umso genauer muß kollimiert werden, wenn das dann noch nach jedem Aufbauen (da Gitterrohr) erfolgen muß, ist ein Laser schon warm zu empfehlen, es geht damit einfach schneller, vor allem als Anfänger.

zu 3):
Ich habe bei meinem f/5-Spiegel 4 Zonen gemacht, allerdings größtenteils deswegen, weil ich eine fertige, 4-zonige-Coudermaske aus dem Netz gezogen hatte <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...sonst hätte ich auch nur 3 Zonen gemacht.

Bedenke, das du bei f/4 sehr genau messen mußt, also ein Kreuztisch mit Nonius wäre empfehlenswert...ansonsten kann ich nur sagen, das meine Scherbe hier relativ leicht zu parabolisieren war, ein f/4 scheint mir daher durchaus eine machbare Herausforderung, solange man sich nicht Lambda/10-tel oder besser als Ziel setzt...meine hat inzwischen Lambda/6-tel, und das langt mir fürs erste.

 
Hallo , ich habe erst einen Spiegel geschliffen 8" und bin jetzt an einem 10" aber ich würde nicht mit einem f4er anfangen zu wenig toleranzen beim Messen .Mag sein das es klappt aber darauf Wetten würde ich nicht .
 
Hallo,
Ich würde es an deiner Stelle bei f/6 belassen, das ist für den ersten Spiegel schon mutig genug. Du kannst den Spiegelrohling mit einem Metalltool vorschleifen, dazu nimmst du einen Flansch oder eine Hantelscheibe und höhlst den Rohling grob aus, bis du die gewünschte Pfeiltiefe erreicht hast. Dann gießt Du eine Gipsscheibe auf dem vorgeschliffenen Rohling. Beklebst sie mit Fliesenstückchen mittels Epoxikleber. Nach einer Stunde Grobschliff haben sich die Fliesenstücke an den Spiegelrohling angepasst, dann kannst Du mit Feinschliff weitermachen. Das ist die preiswerteste und rationellste Vorgehensweise.
Feinsteinzeugfliesen sind am besten geeignet, sie sind hart genug und tragen nicht zu schnell ab.
Grüße Martin
 
Re: warum f/4?

Ich sehe in f/4 schwerwiegende Nachteile:
- ist wesentlich schwerer zu parabolisieren (auch um ein vielfaches schwerer als f/5)
- Muss genauer justiert werden (ich justiere übrigens mit der Filmdose oder am Stern und behaupte felsenfest, dass das genauer ist als mit normalem Laser. Siehe Bau und Benutzung in meinem Beitrag hier )
- Erfordert teure Okulare um die Randschärfe auch nur einigermaßen zu halten.

Mit den passenden Okularen (z.B. 25-35 mm) kriegt man auch bei längerer Brennweite die 4-7 mm Austrittspupille für echten Richfield Genuss.

Einen Vorteil hat es natürlich: es ist sehr kompakt, mit tiefem Schwerpunkt und hat kurze Stangen (siehe z.B. den von Jörg Peters oder von Michael Koch). Wenn du unbedingt sowas Ultrakurzes willst, mach doch wenigstens f/4,5 oder f/4,8. Das packen die Okulare besser (ist immer noch ein großer Unterschied zu f/4, da die Abbildungsfehler ca. mit der dritten Potenz des Offnungsverhältnisses zunehmen - und der nötige Ehrgeiz, um den Spiegel scharf zu kriegen auch)
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben