003sec
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Hallo zusammen,
meine Deep-Sky Ambitionen sind nahezu eingeschlafen. Es sind nur auf den ersten Blick die ganzen X- und KI-Tools und die remote gemachten Bilder, mit denen ich mich nicht anfreunden kann. Vielmehr ist es diese neue, grundsätzlich andere Sicht auf die Fotografie und das Fotografieren an sich, und das nicht nur im Astrobereich. Das ist aber nicht das Thema hier.
In der Planetenfotografie ist das für mich anders. Hier geht es mir um die Darstellung kleinster und feinster Details und das ist für mich dann wieder ein Foto-Dokument. (alles sehr subjektiv und nur meine eigene Einschätzung)
Nun habe ich diese Maßstäbe auch auf die Deep-Sky Fotografie übertragen und es klappt für mich wieder ganz gut. Ich suche mir Objekte heraus, bei denen es nicht um Tiefe geht oder um bunte Erhabenheit, sondern ausschließlich um die Darstellung von kleinsten Details. Im Grunde habe ich schon oft so gearbeitet, aber ohne den für mich klar definierten Hintergrund dazu. Heute zeige ich zwei Beispiele. Drei Monate lagen diese Bilder fertig herum, aber ich hatte bisher irgendwie keine Lust, sie zu zeigen. Heute aber:
Da ist zunächst der unscheinbare PN IC4593. Das helle Zentrum misst nur 13“ , der äußere Halo ist deutlich schwächer und etwa 40“ groß. Er ist nicht geschlossen. Ich habe natürlich bewusst auf gutes Seeing gewartet. Na ja, aber erst einmal finden. Eigentlich kann ich mich auf mein GoTo verlassen, aber da war nichts. Vor, zurück, hoch, runter, … Mist. Ein paar Sterne, aber sonst nichts. Neues Alignment gemacht und ich bin wieder am gleichen Ort. OK, dann eben Starhopping. Upsi, der helle Stern in der Bildmitte ist der Nebel. Erst jetzt, bei 100 % Darstellung auf dem Bildschirm, sehe ich, dass der flächig ist und überbelichtet. Zum besseren Suchen war ich auf 2 Sek. Einzelbelichtungszeit gegangen. Ausgebrannt! Jetzt, bei 250 ms sehe ich Strukturen. Belichtet habe ich in Blöcken von jeweils 2000 Bildern und ich habe auch ein wenig mit den Zeiten experimentiert. Zum ersten Mal habe ich auch eine Verwendungsrate genutzt, sehr hoch zwar, aber ich bilde mir ein, so ein bisschen Schärfe gewonnen zu haben. Ebenfalls neu war die konsequente Feld-Derotation mittels Derotator, weil mein Dobson ja Alt/AZ nachführt. Wichtig war mir, nicht allzu viel Technik draußen zu haben, und IT kann ich auch nicht. Aber es hat hervorragend geklappt. Ein Kabel, ein Programm, eine Einstellung, stand alone mittels Ascom-Simulators. Die Details in den Lichtern konnte ich mit der iterativen PSF Schärfung in Fitswork herausarbeiten, allerdings gefiel mir das Ergebnis nicht wirklich gut. Ich habe dann eine weitere Version gemacht mit der unscharfen Maskierung in PS und dann beide gemittelt. Testweise habe ich auch mal die KI schärfen lassen. Ich bekam einen Würgereiz.
Aberr ist ja auch klar, auf solche Details sind die nicht trainiert worden. Die Tiefe ist erstaunlich gut für diese kurze Gesamtbelichtung (~22 mag ca.) und die ist ganz sicher dem guten bzw. sehr guten Seeing geschuldet. Unten am Nebel schließen sich weitere schwache Nebelfetzen an. Fälschlicherweise werden diese in Simbad als Galaxienhaufen gelistet, sind aber eindeutig Nebel und gehören wohl zu einer früheren Schale des Objekts. Übrigens mache ich weder Darks noch Flats noch Bias. Ich mache Himmelflats bei exakt gleichen Einstellungen (also auch nicht in der Dämmerung). Die enthalten alles und sogar noch mehr und ich habe da eine kleine Bibliothek.
Dann der „eisige Löwe“: Seinen Namen hat er erhalten, weil Wassereis im Nebel entdeckt wurde. Er ist ein protoplanetarischer Nebel. PPN sind ja noch keine PN und der Zentralstern beleuchtet die Gas- und Staubwolken, die der sterbende Stern bereits ausgestoßen hat. Für Emissionsstrahlung ist der Stern aber zu kühl. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung dieser seltenen Objekte. Alle sind sehr klein und hell und sehen ungewöhnlich aus. Oft gibt es eine Staubscheibe um den Stern herum. Meine ultrakurzen Einzelbelichtungen, aber auch die kurze Gesamtbelichtung erinnerten mich wirklich an die Planetenfotografie und die Arbeitsweise ist auch recht ähnlich. Für dieses Bild brauchte ich nur etwa 15 Minuten.
Auf der langen Achse ist der Nebel knappe 30“ lang. Bei der Bildbearbeitung habe ich die helleren Pixel-(Bereiche) stärker geschärft als die dunkleren. Außerdem konnte ich eine feine PSF-Deconvolution anwenden in Fitswork. Es zeigte sich, dass es wohl nicht mehr viele Amateurbilder gibt, in denen mehr Details sichtbar sind. Ich war also sehr zufrieden. Was mir aber fehlte, war die Farbe. Oder besser gesagt, ich wusste nicht, ob sie mir fehlte. Auf keinen Fall sollte der Nebel bunt werden, aber ein bisschen? Wie soll ich das entscheiden, wenn ich keinen Vergleich habe? Also am nächsten Abend war die Farbe dran. Das Seeing war mir da fast egal, Farbe geht auch bei schlechten Bedingungen. Aber was war das? Hammergutes Seeing. Ich verwarf meinen Plan und belichtete erneut die Luminanz mit Rotfilter, dieses Mal auch länger und mit 500 ms auch knapp hintergrundlimitiert, um schwache Details zu erwischen.
Hier mal bei 300 % der Originalgröße:
Ich konnte es kaum glauben, was ich da an Details sah. Ich musste sie mit einem Hubble-Bild verifizieren und ja, praktisch alles da und alles echt. Und dann konnte ich auch diesen kleinen Punkt in der Staubscheibe bestimmen. Da war doch glatt der Zentralstern sichtbar. Zuerst war ich skeptisch, denn die theor. Auflösung meines Systems sollte eigentlich den Stern in der Staubscheibe gar nicht auflösen können. Aber, wenn man genau hinschaut, ist der auch gar nicht wirklich aufgelöst, so nach dem Motto dunkel-hell-dunkel, zumindest nach unten hin nicht, sondern nur „dargestellt“ als Störung im gleichmäßigen Verlauf der Staubscheibe. Theorie ist eben theoretisch und manchmal geht mehr, als man glaubt.
In diesem Stil habe ich nun vor, weiterzumachen. Der Mond stört nicht, die Durchsicht ist deutlich weniger wichtig als das Seeing, Remote macht also keinen größeren Sinn. Das Schöne ist, ich muss mich gar nicht entscheiden. Es nützt einfach nichts, die Sterne zu entfernen. Ich brauche keinen Hintergrund glätten, ich muss keine Schmalbandbilder farblich codieren. Eine KI-Schärfung macht keinen Sinn und ganz wichtig: Ich muss kein Rauschen künstlich unterdrücken. In diesem Sinne hoffe ich, den DS-Faden wieder aufnehmen zu können.
Viele Grüße,
ralf
meine Deep-Sky Ambitionen sind nahezu eingeschlafen. Es sind nur auf den ersten Blick die ganzen X- und KI-Tools und die remote gemachten Bilder, mit denen ich mich nicht anfreunden kann. Vielmehr ist es diese neue, grundsätzlich andere Sicht auf die Fotografie und das Fotografieren an sich, und das nicht nur im Astrobereich. Das ist aber nicht das Thema hier.
In der Planetenfotografie ist das für mich anders. Hier geht es mir um die Darstellung kleinster und feinster Details und das ist für mich dann wieder ein Foto-Dokument. (alles sehr subjektiv und nur meine eigene Einschätzung)
Nun habe ich diese Maßstäbe auch auf die Deep-Sky Fotografie übertragen und es klappt für mich wieder ganz gut. Ich suche mir Objekte heraus, bei denen es nicht um Tiefe geht oder um bunte Erhabenheit, sondern ausschließlich um die Darstellung von kleinsten Details. Im Grunde habe ich schon oft so gearbeitet, aber ohne den für mich klar definierten Hintergrund dazu. Heute zeige ich zwei Beispiele. Drei Monate lagen diese Bilder fertig herum, aber ich hatte bisher irgendwie keine Lust, sie zu zeigen. Heute aber:
Da ist zunächst der unscheinbare PN IC4593. Das helle Zentrum misst nur 13“ , der äußere Halo ist deutlich schwächer und etwa 40“ groß. Er ist nicht geschlossen. Ich habe natürlich bewusst auf gutes Seeing gewartet. Na ja, aber erst einmal finden. Eigentlich kann ich mich auf mein GoTo verlassen, aber da war nichts. Vor, zurück, hoch, runter, … Mist. Ein paar Sterne, aber sonst nichts. Neues Alignment gemacht und ich bin wieder am gleichen Ort. OK, dann eben Starhopping. Upsi, der helle Stern in der Bildmitte ist der Nebel. Erst jetzt, bei 100 % Darstellung auf dem Bildschirm, sehe ich, dass der flächig ist und überbelichtet. Zum besseren Suchen war ich auf 2 Sek. Einzelbelichtungszeit gegangen. Ausgebrannt! Jetzt, bei 250 ms sehe ich Strukturen. Belichtet habe ich in Blöcken von jeweils 2000 Bildern und ich habe auch ein wenig mit den Zeiten experimentiert. Zum ersten Mal habe ich auch eine Verwendungsrate genutzt, sehr hoch zwar, aber ich bilde mir ein, so ein bisschen Schärfe gewonnen zu haben. Ebenfalls neu war die konsequente Feld-Derotation mittels Derotator, weil mein Dobson ja Alt/AZ nachführt. Wichtig war mir, nicht allzu viel Technik draußen zu haben, und IT kann ich auch nicht. Aber es hat hervorragend geklappt. Ein Kabel, ein Programm, eine Einstellung, stand alone mittels Ascom-Simulators. Die Details in den Lichtern konnte ich mit der iterativen PSF Schärfung in Fitswork herausarbeiten, allerdings gefiel mir das Ergebnis nicht wirklich gut. Ich habe dann eine weitere Version gemacht mit der unscharfen Maskierung in PS und dann beide gemittelt. Testweise habe ich auch mal die KI schärfen lassen. Ich bekam einen Würgereiz.
Aberr ist ja auch klar, auf solche Details sind die nicht trainiert worden. Die Tiefe ist erstaunlich gut für diese kurze Gesamtbelichtung (~22 mag ca.) und die ist ganz sicher dem guten bzw. sehr guten Seeing geschuldet. Unten am Nebel schließen sich weitere schwache Nebelfetzen an. Fälschlicherweise werden diese in Simbad als Galaxienhaufen gelistet, sind aber eindeutig Nebel und gehören wohl zu einer früheren Schale des Objekts. Übrigens mache ich weder Darks noch Flats noch Bias. Ich mache Himmelflats bei exakt gleichen Einstellungen (also auch nicht in der Dämmerung). Die enthalten alles und sogar noch mehr und ich habe da eine kleine Bibliothek.Dann der „eisige Löwe“: Seinen Namen hat er erhalten, weil Wassereis im Nebel entdeckt wurde. Er ist ein protoplanetarischer Nebel. PPN sind ja noch keine PN und der Zentralstern beleuchtet die Gas- und Staubwolken, die der sterbende Stern bereits ausgestoßen hat. Für Emissionsstrahlung ist der Stern aber zu kühl. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung dieser seltenen Objekte. Alle sind sehr klein und hell und sehen ungewöhnlich aus. Oft gibt es eine Staubscheibe um den Stern herum. Meine ultrakurzen Einzelbelichtungen, aber auch die kurze Gesamtbelichtung erinnerten mich wirklich an die Planetenfotografie und die Arbeitsweise ist auch recht ähnlich. Für dieses Bild brauchte ich nur etwa 15 Minuten.
Auf der langen Achse ist der Nebel knappe 30“ lang. Bei der Bildbearbeitung habe ich die helleren Pixel-(Bereiche) stärker geschärft als die dunkleren. Außerdem konnte ich eine feine PSF-Deconvolution anwenden in Fitswork. Es zeigte sich, dass es wohl nicht mehr viele Amateurbilder gibt, in denen mehr Details sichtbar sind. Ich war also sehr zufrieden. Was mir aber fehlte, war die Farbe. Oder besser gesagt, ich wusste nicht, ob sie mir fehlte. Auf keinen Fall sollte der Nebel bunt werden, aber ein bisschen? Wie soll ich das entscheiden, wenn ich keinen Vergleich habe? Also am nächsten Abend war die Farbe dran. Das Seeing war mir da fast egal, Farbe geht auch bei schlechten Bedingungen. Aber was war das? Hammergutes Seeing. Ich verwarf meinen Plan und belichtete erneut die Luminanz mit Rotfilter, dieses Mal auch länger und mit 500 ms auch knapp hintergrundlimitiert, um schwache Details zu erwischen.
Hier mal bei 300 % der Originalgröße:
Ich konnte es kaum glauben, was ich da an Details sah. Ich musste sie mit einem Hubble-Bild verifizieren und ja, praktisch alles da und alles echt. Und dann konnte ich auch diesen kleinen Punkt in der Staubscheibe bestimmen. Da war doch glatt der Zentralstern sichtbar. Zuerst war ich skeptisch, denn die theor. Auflösung meines Systems sollte eigentlich den Stern in der Staubscheibe gar nicht auflösen können. Aber, wenn man genau hinschaut, ist der auch gar nicht wirklich aufgelöst, so nach dem Motto dunkel-hell-dunkel, zumindest nach unten hin nicht, sondern nur „dargestellt“ als Störung im gleichmäßigen Verlauf der Staubscheibe. Theorie ist eben theoretisch und manchmal geht mehr, als man glaubt.
In diesem Stil habe ich nun vor, weiterzumachen. Der Mond stört nicht, die Durchsicht ist deutlich weniger wichtig als das Seeing, Remote macht also keinen größeren Sinn. Das Schöne ist, ich muss mich gar nicht entscheiden. Es nützt einfach nichts, die Sterne zu entfernen. Ich brauche keinen Hintergrund glätten, ich muss keine Schmalbandbilder farblich codieren. Eine KI-Schärfung macht keinen Sinn und ganz wichtig: Ich muss kein Rauschen künstlich unterdrücken. In diesem Sinne hoffe ich, den DS-Faden wieder aufnehmen zu können.
Viele Grüße,
ralf