Frust auch bei anderen?

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Ciao,

es gibt ein paar Massnahmen, die Enttäuschungen bei Shows vorbeugen (teilweise sind sie ja schon genannt worden):

(1) Die Erwartungen von vorneherein dämpfen und sagen warum man nur wenig sehen kann (u.a. astronomische Entfernungen klarmachen).

(2) Erstmal mit dem blossen Auge schauen, dann evtl Feldstecher, dann Fernrohr... (Steigerungseffekt, Beobachter kann besser Lichtschwäche
besser einordnen)

(3) Die Bedeutung des gesehenen erläutern, was ist die Astronomie + Physik dahinter (Rahmeninformation)

(4) Erläutern dass es sich bei der visuellen Astronomie um subjektive Wahrnehmungen im Grenzgebiet der Wahrnehmung handelt (zumal wenn man nicht geübt ist)

(5) Das Fernrohr bei schwachen Objekten über das Objekt hinwegbewegen, dann sieht man es oft besser (z.B. Dunkelwolken in der Milchstrasse, grosse Emissionsnebel, schwache Nebel)

(6) Indirektes Sehen erläutern und üben

(7) Einen wirklich dunklen und guten Standort wählen zum Beobachten, nicht unter der heimischen Laterne am Strassenrand ...!

(8) Für Deepsky ist ein 4Zöller ein kleines Fernrohr. Mit meinem C11 bekomme ich immer noch manchmal missmutige Kommentare 'Hä, was soll ich sehen...?', aber mit ein paar Erläuterungen lässt man dann sogar ein paar Galaxien über sich ergehen (das schlimmste vom Schlimmen sind Galaxien, leider eigentlich ja mein Spezialgebiet).

(9) Letztlich die Leute nicht überfordern, sondern nur die echten Knallerobjekte (im jeweiligen Instrument) zeigen.

Schöne Grüsse,
Peter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Leute,

ich denke vielen kann man zeigen was man will. Es gehört Leidenschaft, Phantasie und etwas Traümerei dazu. Und dann kann ein Orionnebel auch s/w sein.

CS

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Joachim
 
Hallo,

ich habe bisher niemanden gefragt, ob er mal schauen WILL. Vielleicht war das auch gut so :-) Natürlich tingeln auch mal Leute vorbei, die die Gelegenheit nutzen wollen.

Da hätte ich eine Nachbarin älteren Semesters im Angebot, die so um Mitternacht ihren Hund Gassi führt. Sie fragt immer nach dem Mond. Den kann sie mit blossem Auge sehen - und sie ist immer depremiert, wie zerklüftet der Arme ist, den sie immer so schön am Himmel stehen sieht. Letztens habe ich ihr mal den Saturn vorgesetzt, und da war sie platt. Ich musste ihr erst ganz genau zeigen, welchen "Punkt" am Himmel sie da gerade sieht. Eine Sunde später war sie dann noch mal da, und wollte mehr Saturn... Bei ihr habe ich das Gefühl, dass sie Fotos nicht traut, sondern nur dem, was sie selber sehen und verifizieren kann. Sie räumt dem, was sie selber sieht, einen viel höheren Wert ein, als Bildern. Beim Saturn war sie sichtlich schockiert, daß dieser kleine unscheinbare Punkt so herrlich aussieht - und sie bisher nicht die leiseste Ahnung davon gehabt hat, und keine Andeutung davon wahrgenommen hat. Da war anfangs schon fast ein Misstrauen zu spüren, daß ich da irgentwo im Tubus ein Foto versteckt habe und sie foppen will... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Der nächste Kanditat kommt eher selten und zufällig. Egal was ich gerade eingestellt habe, er schaut, murmelt dann etwas wie "...und wir machen uns Sorgen um dies und jenes..." und dann kann ich gehen, denn die nächste Stunde hängt er am Okular und ist nicht ansprechbar. Dann taucht meist seine Frau auf, und zerrt ihn weg. Letztens hat er entdeckt, daß die Jupitermonde sich bewegen... Er findet es wohl sehr entspannend, und lässt die Phantasie spielen - was ich übrigens auch gern mache.

Aber ein "Fall" - da bin ich wirklich noch nicht drüber weg. Irgentwann tauchte mal ein Paar auf, eher jünger. Es war eine dieser wirklich guten Nächte mit einem prächtigen Jupiter. Nun, sie schauten mal durch, sagten höflich "toll...", dann "naja, hab ich auch schon mal besser gesehen (im Fernsehen vermutlich...)" und weg waren sie. Letztens habe ich mal mit der Webcam gespielt, [zensiert] seeing, und auf dem LCD des Schlepptop waberte so ein Wattebausch namens Jupiter herum. Selbiges Paar tauchte wieder auf - und war begeistert. "Toll! sowas geht? Von der Erde aus? Booohhr". Natürlich meinten sie den Farbkleks auf dem LCD. Sie haben ewig auf den Monitor gestarrt... Mal ehrlich, wie sieht ein Webcam-Jupiter in der Preview aus? Noch dazu bei schlechtem seeing? Und die waren wirklich begeistert. So blind kann man doch gar nicht durch die Welt laufen?! Nö, ich habe sie nicht mehr durch's Okular schauen lassen, offensichtlich funktioniert die Wahrnehmung bei denen nur, wenn ein TV-änlicher Rahmen drumm ist. Kopfschüttel.

cu - Arndt
 
Frust gibts, wenn meine geliebte Frau beim Blick durch das Okular sagt: "was, wegen dem Fliegendreck auf der Linse stellst Du Dich 3 Stunden in die Kälte", keinen Frust dagegen gabs im letzten Urlaub, wie der Bericht zeigt:

"Der alte Bauer und der Mars"
Bericht vom Toskana-Urlaub mit Celescope (FH 150/1200) östlich von Florenz in den Bergen bei Pelago-Ferano:

wir waren in einer absolut einsamen kleinen Ferienanlage, umgebautes altes Landhaus mit nur 4 Appartements, wunderschöner Pool mit frischem Quellwasser, 7 km zum nächsten Dorf (ich wusste gar nicht, daß es in Europa noch so einsame Gegenden gibt), außer uns nur noch 2 französische Familien und der alte Bauer, dem das Landgut gehört, mit seiner Familie.

Leider war der Himmel der täglichen Hitze entsprechend nachts relativ dunstig, meist waren z.B. nur die beiden hinteren Kastensterne vom kleinen Wagen mit bloßem Auge zu sehen, von der Leier selbst mit Brille nichts zu erkennen, einmal konnte ich früh um 4.30 h erstmals für diese Saison den Saturn wieder beobachten, noch sehr tief stehend, und einmal den Mars bis 300-fach vergrössern, zwar scharf, aber außer Poleiskappe kaum Einzelheiten zu erkennen, Haupterkenntnis dabei: der Unterschied zwischen einem schönen 10-Zoll-Dobson ("Helena von Droja", von deren nächtlichen Beobachtungsergebnissen ich verwöhnt bin) und einem 6"-FH-Refraktor ("Celescope") ist doch sehr gravierend. So konnte ich Nachts wenigstens meist gut schlafen, dafür tagsüber die Familie, den Pool und die Ausflüge nach Florenz, Pisa und Sienna ausgeschlafen genießen.

Trotzdem hat es sich gelohnt Celescope mitzunehmen, weil ich dem alten, nur italienisch sprechenden Bauern, damit zum Freund gewonnen habe: am 2. Abend, 10. August, gegen 22.00 Uhr, hab ich ihn mit Händen und Füssen gefragt, wann in der Nacht die Lichter der Aussenanlage abgeschaltet werden, weil ich mit meinem Teleskope Sterne schauen möchte. Er hat mich verstanden ("astronomico") und alle Lichter im gesamten Landhauskomplex sofort abgeschaltet und ist mit seiner Taschenlampe nicht mehr von meiner Seite gewichen, bis ich Celescope auf der EQ5 aufgebaut hatte, hat dazu die französischen Feriengäste verständigt und so saßen sie alle erwartungsvoll rund um mein Celescope und beleuchteten mich mit diversen Taschenlampen.
Nur: was zeigt man bei einem so schlechten Seeing noch dazu kurz vor Vollmond den erwartungsvollen Gästen, ich bin ganz schön ins Schwitzen gekommen, von der Leier mit M57 nichts zu sehen, M13 nur ein kleiner undeutlicher matschiger Fleck, so hab ich erst mal die Andromedagalaxie vorgeführt, danach Albireo, und der hat sie dann alle orange-blau begeistert, die Franzosen ("ohlala-ohlala-ohlalah") und vor allem immer wieder den italienischen Bauern ("megagallacito"), der sich immer wieder von neuem hinten in die Warteschlange angestellt hat.
Dann kam der Mond über die Bäume, zwar fast Vollmond, aber am Rand waren zum Glück noch ein paar Krater mit Schattenwurf vorzuführen, so daß die Warteschlage, insbesondere natürlich "Romeo", der alte Bauer, nacheinander den Mond in Vergrösserung von 30 bis 200 fach beobachten konnten.
Und gegen 23.50 h tauchte auch noch der Mars über den Bäumen auf, war zwar nur bis 150-fache Vergrösserung gut zu sehen, nur mit weisser Polkappe als Scheibchen, aber damit hatte ich Romeo als Freund gewonnen, alle anderen, meine Familie und die Franzosen, waren längst im Bett, als Romeo, der alte Bauer, immer noch neben mir und Celescope stand und den Mars mit den unterschiedlichsten Okularen und Vergrösserungen beobachten wollte. Erst ein "finito" und "buona notte" von mir, ermöglichte mir dann gegen 1.00 h das Celescope wieder abzubauen.

Den Rest des Urlaubs verwöhnte uns Romeo dafür mit einem besonders strahlenden Lächeln, bestem Rotwein und wiederholten "astra", "astronomico"- und "Mars"-Ausrufen.



 
Re: Bildschirme

Hallo.
es ist wirklich traurig und ermutigend zugleich, was wir alle so jeder für sich erleben. Meine großen Jungs heulen schon mal, wenn sie den Mizar nicht als Doppelstern erkennen oder der Ringnebel aus dem Okular weg ist, weil der andere zu lange geglotzt hat - die beiden sind 7 und fast 9. Übrigens bin ich auch deshalb überzeugter Dobsonaut, weil mich die tollen Fotos so abschrecken, mein bisschen Zeit für eine halbstündige Belichtung zu opfern. Aber mit eigenen Augen sehen, das isses doch, Bildschirm oder Fotoabzug wäre doch wieder nur mttelbar.
Als langjähriger Rockmusiker kenne ich das auch, das Publikum war genervt und hat die Coverversion entweder nicht mitgekriegt oder meckerte, dass es aud CD ganz anders klingt, aber wir haben Spaß beim Spielen - und Sternguckerneulinge sind wie Musikanfänger - klar ist so eine Gitarre doof, wenn sie nicht gleich wie Jimi Hendrix klingt...
Übrigens Clabebe, wenn du willst, im Sommer kommen wir öfter in die Uckermark, der Parsteiner See ist unser Stamm-Urlaubsrevier...
Grüße von
Kay
 
Re: Frust auch bei anderen? - nö!

Aber ich bin hier weit und breit der einzige, der ein kleines Teleskop hat und das Interesse der Mitmenschen an der Astronomie hält sich in Grenzen. Das meinige in Sachen Volksbildung inzwischen auch.
Das ist eben der Frust.
Gutn Tag,

Das ist genau der Punkt, worüber du dich am meisten freuen müsstest.
Zu wissen, dass du dich dafür interessierst und genau das schätzst, was du durchs Fernrohr siehst.
Gerade das Desinteresse und die geringen Erwartungen der Anderen können dir doch nur noch Mut machen. Sei froh, dass du einer der wenigen! Menschen bist, die sich überhaupt mit dieser Materie befassen, allen anderen geht das am Allerwertesten vorbei. Und das ist es, was mich so freut, dass ich das Glück habe Hintergründe zu verstehen, und dann über die Einfältigkeit anderer zu lachen.
 
Re: Frust auch bei anderen? - nö!

Hallo Sternenforscher,

danke Dir für den Zuspruch, ich werde mich an Deine Ratschläge halten!

Gruß Clapebe
 
nature is pinnacled in the stars

Hallo Sterngucker,

Ich habe nie versucht, anderen Naturliebhabern (Schmetterlingssammlern oder Vogelkundlern etwa) ihre Passion mieszumachen, aber habe immer versucht, ihnen darzulegen, daß die Beschäftigung mit den Objekten des Sternenhimmels der Gipfel der Naturliebhaberei ist.

Nun hat das mal ein ganz berühmter Philosoph opder Astronom oder Schriftsteller in die Worte gefaßt

nature is pinnacled in the stars

Ich komme aber nicht mehr darauf, wer das gewesen ist.
Kann da jemand helfen?

Gruß Clapebe


 
Re: nature is pinnacled in the stars

Heute beim Venustransit ein ermutigendes Erlebnis
in dieser Hinsicht.
Hatte vor alleine zu beobachten, später stand aber
die halbe Nachbarschaft Schlange. Schön!

Gruß
Steve
 
Re: nature is pinnacled in the stars

Hi stardust,

gratuliere zum erfolgserlebnis!

Wir hatten die Wolken über Strasburg, und ich konnte nur meine frau dazu bringen, geduldig bis zu einer der seltenen Wolkenlücken auszuharren, dann hat sie gesagt, im Fernsehen sei das aber viel besser gewesen, aber immerhin, für einen Moment war sie auch direkt dabei

Gruß Clapebe
 
Re: nature is pinnacled in the stars

Hallo zusammen,
bei mir leider (wieder einmal) genau das Gegenteil:
Als ich um 07:00 Uhr mein Teleskop aufgebaut hatte, ließen Neugierige nicht lange auf sich warten. Von ca. 12-15 Leuten wußte ein einziger (!!) was sich dort oben abspielt. Den anderen kurze Erklärung abgegeben.

Den ersten Kontakt habe ich für mich allein in Anspruch genommen. Danach: reihenweise Durchschau.

Kommentare:
"Ich seh´nix." Schnell ein prüfender Blick ins Okular, alles bestens. "Ach, ja, da! Wie, mehr ist das nicht?" "Wegen sonem Sch....stellen sie sich hierher?" "Wie, so ein Punkt soll ein tolles Ereignis sein?" usw. usw. Tauchte sofort der von Clapebe angesprochene Frust auf.

Aber dann......... Zwei Schulmädchen, vielleicht 10 Jahre alt. "Was machst du da?" Kurze Erklärung. "Dürfen wir auch mal gucken?" "Klar. Hier müßt ihr und da müßt ihr, und achtet auf" usw.
Kommentare: "OOOH. geil! Guck mal, Janina! Super! Ist das wirklich die Venus, da, der schwarze Fleck?"

Ich habe sie dann losgeschickt, damit sie nicht zu spät zur Schule kämen.

Meine Welt ist wieder in Ordnung. Ich liebe die Jugend von heute! Ich wünsche ihnen ein langes und gesundes Leben!

Viele Grüße und wenig Frust wünscht Euch allen, Ernst.
 
Re: nature is pinnacled in the stars

Ja, die jüngeren von denen waren bei mir auch
am meisten begeistert. Sie hatten schulfrei
(vom Alter her vielleicht 5./6. Klasse) und
haben richtig gestaunt. Auf den Hinweis, daß
es ohne Filter ziemlich schlecht wäre
durchs Teleskop zu gucken waren sie auch
erstaunt wie gefährlich das ist. Dann hab
ich ihnen noch die hintere Plastikkappe
meines Suchers gezeigt, die an einem
Punkt angeschmort ist, da ich mal die
vordere Kappe unvorsichtigerweise
abgenommen hatte. Wieder Staunen. :-)
Und nur die Kids haben alle vier
Sonnenflecken gesehen. Es waren ja da
diese beiden, die etwas strukturiert waren,
und etwas auseinandergezogen daneben noch
zwei winzige. Den Kids brauchte man das
gar nicht zu sagen, die haben das so
schon gesehen.
 
Re: nature is pinnacled in the stars

Ich habe gute Efahrungen gemacht, als ich zwei Freunde zum spechteln mit meinem 8'' Newton eingeladen habe. Wir haben das ein paar Tage im voraus geplant. So hatte jeder Zeit und war drauf vorbereitet.
Wenn man natürlich im Garten steht und der Nachbar kommt mit dem alten Spruch "dürfte ich da auch mal durchschauen", dann ist die Schlacht natürlich verloren. Ist klar, dass der dann gegen eine astronomische Mauer fährt.
DIE VORBEREITUNG IST ENTSCHEIDEND!

Bei der Session selbst, ist es vor allem wichtig einem "unwissenden" BEVOR er in das Okular schaut kurz aber verständlich zu erklären WAS er gleich sehen wird. Auch sollte man kurz die Technik erläutern, mit der das Teleskop das Bild erzeugt. Das hat einen entscheideden Effekt: Wer die Technik versteht, erwartet keine WUNDER mehr. Z.B. können die Gäste auch helfen das Tele aufzubauen (bei einem 10kg 8-Zöller auf 15kg parallaktischer Montierung plus Zubehörkoffer kann man schon damit Wunder abbauen und die bedeutung von "per aspera at astra" hervorheben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> )

Mit Mond anfangen ist ideal, dann langsam zu Planeten übergehen (Jupiter bei hoher Vergrößerung mit seinen Monden, aber auch hier erklären, dass das MONDE sind) Dann weiter zu Saturn (der ist wichtig! wegen den Ringe). Auch Venus gibt einen AHA-Effekt (wegen der Phasen)

Wenn man damit durch ist kann man sich langsam aber sicher z.B. an offene Sternhaufen machen. Auch hier sind erläuterungen natürlich wichtig, aber die vielen funkelnden Sterne sind doch beeindruckend.

Auch einfach mal das eine oder andere Sternbild aufzeigen und benennen bringt die Erst-Kucker gut in die Materie hinhein. Sternbilder kennen die meisten schon ein bischen, damit kann man also gut Brücken schlagen.

Auf dunkle Deep-Sky-Objekte würde ich gänzlich verzichten, sie sind einfach nicht spektakulär genug, außer jemand MÖCHTE eine Galaxie sehen. Und wenn dann nicht grad Andromeda um den Weg ist: vorwarnen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Ideal, wenn man am schluss noch gemeinsam ein PHOTO macht, das man der Audienz, dann nach dem Entwickeln schenken kann. Ich denke, so können die Gäste dann den Unterschied zwischen visueller Beobachtung und bunten Prospekt-Bildchen erkennen und haben obendrein noch ein nettes Andenken.
 
Seltsame Sterne

Hallo ciel,

>Es gehört Leidenschaft, Phantasie und etwas Traümerei dazu.

Richtig! Und um die Phantasie nicht zu kurz kommen zu lassen, schildere ich häufig, was dieser oder jener Stern für seltsame Eigenschaften hat.

Denn der Laie kommt mit der vorstellung, die Sterne seien alle weit entfernte Sonnen. Und wenn ich dann die Unterschiede erkläre, die etwa Beteigeuze so ganz anders machen als die sonne, ist das Erstaunen über die Vielseitigkeit des Universums doch zu merken.

Es muß ja nicht immer Beteigeuze sein oder Deneb,
auch kleinere Sterne sind da geeignet:

gamma cas, ein heller blauer Stern, der ist etwa zehnmal größer als die Sonne und rotiert 200 mal schneller. Dadurch wird rings um den Äquator Gas abgeschleudert und der Stern zeigt unregelmäßige Helligkeitsfluktuationen.

Wenn jemand ähnliche erfahrungen hat und meine Sammlung seltsamer Sterne, die bei den astronomischen Neulingen gut ankommen, noch bereichern kann, ich bin dankbar dafür.

Gruß Clapebe
 
Entführung in die Dunkelheit

Hallo,

mich würde mal interessieren, was passiert, wenn man interessierte Stadtbewohner zu einer ersten Nacht unter einen, sagen wir mal, 6er Himmel (nicht erst langsam hochfahren, gleich alles was geht!) mitnimmt? Und dann nur Naked Eye... das dürfte eigentlich schon reichen (Stichwort: "shock and awe")! Hat jemand die Erfahrung schon gemacht? Ich würde ja fast wetten, dass es sich dann lohnt, ein Diktiergerät laufen zu lassen.
Man kennt das ja eigentlich selbst: Zumeist beobachtet man unter bescheidenen bis besch... Bedingungen und alle Jubeljahre bzw. Jubelmonate kommt dann ein Bombenhimmel (also: Bombenplatz) daher. Dann bleibt einem - mir zumindest, immer noch - schnell mal die Spucke weg.
Gruß,

CVn
 
Re: Entführung in die Dunkelheit

Hallo miteinander,

da ich zu den frisch-gebackenen Astrogucker gehöre möchte ich euch auch mal meine Erfahrungen berichten. Astronomie und überhaupt das ganze Weltall haben mich schon seit Kind mitgerissen und interessiert. Vorab denke ich, daß die Eindrücke, die andere Gäste vermittelt bekommen, sehr stark von ihrem jeweiligen Interesse abhängen. Wenn mir persönlich das Fischen nicht interessiert und ich das öde und langweilig finde, dann kann mir sonst jemand seinen supertollen Fang zeigen und mir alles mögliche erklären. Natürlich würde ich ihm zuhören und über den dicken Brocken mit Geschichtskunde staunen, aber weit weniger wie er das wahrscheinlich erwarten würde. Daher: Interesse ist Faktor 1, um jemanden beeindrucken zu können. Was ich auch erfahren habe, an Punkt 2 steht die Erklärung und die Geschichte, wie auch der von euch oft beschriebe Vergleich (der ist 100x so gross, das Licht saust 8x um die Erde in einer Sekunde und mit dessen Geschdindigkeit müsste man 500 Erdenjahre lang fliegen, um dorthin zu gelangen, usw usw...) Ich hatte lange Zeit auf ein gutes Teleskop gespart, und durch Hilfe des Bruders und meines Onkels, ging ein unglaublicher Wunsch für mich in Erfüllung. Das Resultat seht ihr in meiner Signatur. Natürlich ist dieses Equipment untauglich für einen Newbie. Als wir das auspackten, kamen natürlich die ersten Kommentare wie "Boaaah, willst du damit 'nen Satelitten anpeilen und abschiessen...Was ist denn das für 'ne Waffe sag mal..." oder ganz einfach: "LECK M... .. .....!" Ich war genauso baff und hab mich natürlich mordsmässig gefreut. Das Problem ist eben, da man vorher schon zig Bilder im Fernsehen und in den Zeitschriften gesehen hat, erwartet man vor allem mit so einem Monsterteleskop (im Vergleich zu den anderen handelsüblich versteht sich) doch schon einiges. Und das ist das Problem: um so grösser die Erwartungen und Hoffnungen, desto grösser auch die Enttäuschung beim ersten Blick. Ging mir auch nicht anders. Ich war jetzt vielleicht nur 3-4x mit dem Teleskop spechteln und alleine hab ich die besten Fortschritte machen können, ich musste mir keine enttäuschten Gesichter anschauen oder irgendwelche Kommentare anhören. Nunja, mittlerweile warte ich noch auf meinen Kollimationslaser und ganz ehrlich: seit über 1 Monat hab ich das Ding noch im Auto und nicht mehr ausgepackt. Warum? Ganz einfach, ich bin grad fast jede wolkenfreie Nacht mit meinem Fernglas, meiner drehbaren Sternkarte und dem Karkoschka Himmelsatlas unterwegs. Und ich muss dazu sagen: Ich bin noch nie so begeistert gewesen wie in letzter Zeit. Erstmal habe ich schon eine Menge lernen können, auch das indirekte Sehen und auch gemerkt, dass ich mit dem Teleskop oft zu stark vergrössert habe. Kein Wunder, was will ich dann von einem stark vergrössterten Sternhaufen erwarten? Sah natürlich ganz anders aus wie beschrieben *grins* Meine Bekannte und Freunde wollen natürlich alle mal mit und sich das auch anschauen. Ich für mich machs einfach folgendermassen: Ich erkläre denen den Unterschied zwischen visueller Beobachtung und den Bildern, was sie von Fotos her kennen. Ich erkläre Ihnen auch wie das zusammenhängt, wegen den Rezeptoren des Auges, der Dunkeladaption, wie Langzeitbelichtung funktioniert usw. Auch erkläre ich Ihnen warum keine Farben bei der visuellen Beobachtung sichtbar sind, weil es das Auge bei diesen schwachen Lichtpunkten nicht rafft Farbe zu übermitteln. Dann erkläre ich und übe auch das indirekte Sehen, denn das ist meiner Meinung ein ganz wichtiger Punktk, den ich als Neuling ebenfalls oft unterschätzte. Nunja, dann gehts natürlich erstmal mit dem Mond los wenn er zu sehen ist. Beim Jupiter und Saturn staunt man ebenfalls und zu guterletzt die Sternhaufen. Galaxien und Nebel waren nicht sehr berauschen wie ich feststellen mußte, aber mir fehlen auch noch die Filter.

Summa summarum habe ich gemerkt, dass man bei anderen das Interesse und das Verständnis erst wecken kann, wenn man etwas Hintergrund-KnowHow übermittelt. Denn wir alle leben ja irgendwo als kleiner Punkt im Universum und mit dem Sternenhimmel sind wir schon eh und je vertraut gewesen. Doch die wenigsten wissen was es überhaupt da oben gibt. Fragen wie: "und was sieht man da ausser Sterne und vielleicht mal 'nen Planeten?" waren immer die ersten. Dann zeige ich mal auf 'nem Foto überhaupt eine Galaxie, nehme als Vergleich unsere her und zeige wo sich unser Sonnensystem befindet und was wir überhaupt sind in unserer Milchstrasse, eigentlich gar nix. Und dann kommen Fragen auf wie: "Also gibts ja bestimmt ausserirdisches Leben, das gibts doch nicht, unfassbar!..usw" Dann erkläre ich noch dass jeder Stern eine Sonne ist und manche grösser wir unsere und das manche auch gar nicht mehr existieren. Und dann machen die erstmal grosse Augen und fragen neugierig brav weiter ;-)

Ich für meinen Part muss sagen, wie sehr ich anfangs auch mal enttäuscht war, um so grösser wird grad mein Interesse, weil ich sehr viel lese und mich Schritt für Schritt einarbeite. Equipmentpotential habe ich ja jetzt genug, und so kann ich Schritt für Schritt mehr ausprobieren und habe erstmal eine solide Basis für die nächsten paar Jahre.

Ich glaube kaum, dass mich auch jemand von diesem Trip und starkem Interesse wieder runterbringen wird, seien es die noch so tollen Hubble-Bilder und Zeitschriftpics. "Live dabei zu sein" ist nunmal ein ganz anderes Gefühl.

Astrobegeisternde Grüsse
Sloop <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
Ja, Manchmal nervt das schon. Spechteln bei -10 C°! Die Geschäftsführerpräsentation am nächsten Morgen - mit den Wäscheklammern an den Augenlidern!

Letzte Nacht wollte ich mir mal h & chi Perseus vornehmen und ein vom Mond zusätzlich aufgehellter Stadthimmel ließ nur in Ansätzen das erahnen, worauf mir so manch Astrofotografie den Mund wässrig gemacht hatte.

Der Nachbar von der Dachterrasse gegenüber wollte wissen: "Und? Was sieht man?". Ich habe mit einem lapidarem "Ein paar helle Punkte." geantwortet.

Wenn wir Besuch haben und unsere Gäste zum ersten Mal das Teleskop sehen, werde ich auch oft gefragt, ob ich nicht mal eine "Einführungstour" mit ihnen machen möchte. In der Regel antworte ich klar, morgen früh um 3 Uhr ist dies und jenes am Himmel zu sehen, ob ich ihn/sie dann um 2:30 Uhr wachklingeln dürfte, denn das dürfe er/sie auf keinen Fall verpassen.

So wichtig war es dann doch noch niemandem.

Ausnahmen sind meine Eltern (die sich sehr für Astronomie interessieren) und Kinder, am besten zu Zeiten, in denen Jupiter oder Saturn am Himmel sichtbar sind.

Ansonsten: Es gibt auch die schönen Momente: Ein Sonnenbad beim Venustransit, das Erfolgserlebnis nach einem Jahr endlich M15 selbst gefunden zu haben oder nach dreimonatiger Abstinenz vom Spechteln das Beobachtungsbuch aufzuschlagen, um dann festzustellen, dass die Liste der beobachteten Objekte doch schon länger als erwartet ist. Oder dass das fast in Vergessenheit geratene Fernglas genauso viel Spaß bringt wie das Teleskop.

LG,

enzo
 
Aliens als Lockvögel

Hi Enzo,

ich habe auch bis auf eine Ausnahme noch keinen Astroneugierigen nach Mitternacht ans Fernrohr gekriegt.

Einer hat mir mal gesagt,
ja wenn um diese Zeit die Außerirdischen kommen, dann will ich dabei sein, aber sonst ist mir das meine Nachtruhe nicht wert.

Ich werde häufig gefragt, ob denn von den vielen Sternen und Galaxien nicht zumindest einige bewohnt sind.
Und ich beantworte diese Fragen dann immer ganz im Geiste von Frank Drake und Carl Sagan. Das hebt das Interesse der Leute ungemein. Unbewohnte Himmelskörper, die nur der Illumination für uns Erdlinge dienen, sind weit weniger attraktiv.

Gruß Clapebe
 
Hallo Clapepe

Du bist also weit und breit der Einzige. Well, da bist du nicht alleine - ich lebe hier auf 15 N und 98 O an der Grenze zu Burma und mein naechster Astrokumpel lebt in Bangkok, 350 km von meiner Heimat.
Ich habe aus Frust-Beobachtungsabenden gelernt: Stuerz dich nur nicht auf Nebel und Galaxien (ausser M42 vielleicht). Planeten, Mond, Doppelsterne mit zwei faerbigen Komponenten. Ja, sogar einzelne helle Sterne kommen gut an. Ich fuehre immer Rigel und Betelgeuse, Wega und Antares vor und erklaere dann den Unterschied, einer ist gleissend weiss und der andere orange. Erklaere den Leuten das Betelgeuse am Ende seines Lebens steht, usw.
M37 ist auch ein dankbares Objekt mit einem hellen orangen Stern in der Mitte. Biete den Gaesten Vergleiche, Z.B. Feldstecher - 4 Zoeller oder Freies Auge - Feldstecher - 4 Zoeller. Dann kommt das "Waauuu".
Ich habe hier jahrelang mit einem 4,5" Newton Beobachtungsabende gemacht. Glaub mir, Deep Sky ist selbst mit einem grossen Fernrohr schwierig, weil die Erstlinge einfach nicht wissen koennen, wie man beobachtet und ins Okular blickt.
Ich habe bereits einige Male versucht, Galaxien und Nebel mit meinem 15 Zoeller vorzufuehren. Ich haette auch den 4 Zoeller nehmen koennen.... Die Erstbeobachter wissen nicht, was auf sie zukommt, es liegt nicht an der Groesse des Scopes.
Gib nicht auf! Irgendwann findest du Leute, denen es Spass macht, lass ihenen Zeit. Erinnere dich, wie lange du gebraucht hast, um irgend etwas in den Baendern Jupiters zu sehen, alas...

Clear Skies!
Armin
 
ich lebe hier auf 15 N und 98 O an der Grenze zu Burma und mein naechster Astrokumpel lebt in Bangkok, 350 km von meiner Heimat
Hallo Armin,

Wenn man Dein posting liest, sollte man nicht denken, dass auf 15 N und 98 O jemand mit einem 15zoeller Astropropaganda macht und diese Gegend auch noch seine Heimat nennt.

Da hast Du sicher mit der einsamkeit (astronomisch gesehen) groessere Probleme als irgendwer hier in D, und ich werde mich nicht mehr so sehr beklagen. . . .

Gruss Clapebe
 
Re: Entführung in die Dunkelheit

mich würde mal interessieren, was passiert, wenn man interessierte Stadtbewohner zu einer ersten Nacht unter einen, sagen wir mal, 6er Himmel (nicht erst langsam hochfahren, gleich alles was geht!) mitnimmt? Und dann nur Naked Eye... das dürfte eigentlich schon reichen (Stichwort: "shock and awe")!
Genau das ist der Punkt!
Eigentlich ist die Milchstraße mit bloßem Auge bei klarer Sicht und ohne Lichtverschmutzung zum Knie erweichen: Mir kamen jedenfalls die Tränen.
Nur sieht man sie so praktisch nie in Deutschland. Jeder Blick auf eine solche Milchstraße würde IMHO mehr Erreichen als jede Lichtverschmutzungskampagne. Nur wie kommen die Laien zu solchen Himmeln, wenn ich schon kaum dahin komme?

Zurück zum Thema: Ansonsten ist der Vergleich mit Alltagssituationen beim Interesse wecken von Laien die beste Wahl. Bevor man das Teleskop frei macht, muß dem Laien klar werden, dass man mit dem Auge an einem 200 Euro Teleskop natürlich viel mehr sieht als eine computersgestützte Hochleistungskamera, die an einem Multimilliarden teuren Teleskop mit über 4 Meter Druchmesser, welches extra in den Weltraum geschossen wurde. Selbstverständlich! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Ansonsten vergleichen, vergleichen, vergleichen, je lustiger/abstruser oder noch besser anzüglicher (zugegeben schwierig bei der Astronomie) der Vergleich , um so besser. Wenn man es zu sehr in eine wissenschaftliche Abhandlung verpackt, desto nervtötend wird es für die meisten Zuhörer. Konkrete Zahlen sind meist pures Interessengift, und ich denke, man muß sich da schon dem Laien anpassen!
Wenn der Laie dann umgekehrt von Hawking anfängt, dann kann man von naturwissenschaftlichen Interesse ausgehen und mit Zahlen und physikalischen Fakten beginnen.

Als schöner Vergleich für den riesigen Abstand zwischen den Sternen, den ich aus diesem Board entnommen habe, verwende ich gerne auf Kirschgröße geschrumpfte Sonnen. Dann befinden sich die Kirschen in Nachbars Garten so ungefähr in den anderen Hauptstädten Europas. Der Weltraum ist also ziemlich leer.
Kinder immer loben, was mir meist nicht schwerfällt, da sie oft aufgeweckter und aufgeschlossener sind als Erwachsene.

Ich oute mich aber mal hier als Warmspechtler, der keineswegs bei straffen Ostwinden im Winter gerne rausfährt. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Wenn man wie gestern mit T-Shirt noch draußen stehen kann, dann ist das schon etwas Schönes!

 
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Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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