Frustrierendes First Light

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

denkfisch

Aktives Mitglied
Hallo, möchte euch von meinen ersten Versuchen mit meinem neu erworbenem Teleskop (130/900) berichten. Eins vorweg: Es war ziemlich enttäuschend.
Meine Ausrüstung neben dem Teleskop: 32mm TS Super Plössl, 20mm- 10mm- 6,3mm- Kellner sowie ein Feldstecher 7x50 (Nachtglas und ziemlich teuer)
Da ich in Berlin lebe und nun bei meinen Eltern auf dem Land zu Besuch bin, habe ich mich ewig nicht am Himmel zurecht gefunden. Es waren weit mehr Sterne als gewohnt zu sehen. Seeing war m.E. gut, kein Flackern der Sterne zu bemerken. Beeinträchtigt wurde die Sicht durch eine Straßenlaterne, 40 Meter entfernt und durch zwei beleuchtete Fenster 15 Meter entfernt. Habe mir dann als erstes Jupiter vorgenommen. Was mich ziemlich gewundert hat, war der Eindruck, dass trotz Okularwechsel die Größe des Planeten sich nicht wesentlich änderte. Das 6,3 Kellner ist in seiner Abbildungsleistung sehr schwach. Wenn überhaupt von Schärfe zu sprechen ist, dann nur unmittelbar in der Mitte des Okulars. Zu den Seiten hin wurde das Bild immer unschärfer. Mit diesem Okular war eine Betrachtung sehr unbefriedigend. Das war mir schon bei meinen Versuchen am Tage aufgefallen: Im Super Plössl war die Abbildung eines entfernt stehenden Baumes noch sehr scharf. Je stärker ich vergrößerte, um so unschärfer wurde auch das Bild. Ist das normal?
Schön zu sehen waren aber dennoch vier Monde und einige Wolkenstrukturen. Alles aber –wie gesagt – viel kleiner als erwartet.
Da ich eh schon im Löwen war, habe ich mir dann 41 Leo, einen Doppelstern vorgenommen. Im 10er Kellner war dann auch mehr oder weniger deutlich zu erkennen, dass es sich um zwei Sterne handelt.
Da mich die Bilder von M13, seit ich mich wieder mit Astronomie beschäftige, unheimlich beeindruckt haben, wollte ich mir diese Objekt vornehmen, wissend, dass ich mit meinem Gerät nicht zuviel erwarten darf. Nach langer Suche nach Herkules (Anfänger), konnte ich M13 dann endlich ausmachen. Im 32mm Super Plössl habe ich einen größeren, schwachen und verwaschenen Fleck, nicht annährend so hell wie die umgebenden Sterne, gesehen, bei stärkerer Vergrößerung gar nichts mehr. Diese Aussicht hat mich dann doch sehr enttäuscht. Habe zwar nicht das erwartet, was man von den Bildern kennt, aber das was ich gesehen habe, hatte mit der Leuchtkraft von 300.000 Sonnen wenig gemeinsames. Was ich auch nicht verstehe, ist, dass ich mit meinem Feldstecher ein weitaus brillianteres Bild, deutlich heller und auch viel mehr Sterne sehe, als mit dem 32mm Okular und dem im Verhältnis zum Feldstecher doch riesigem Teleskop.
Was mir auch nicht gelungen ist, war die Überprüfung der Kollimation an einem Stern. Das Abbild des in beiden Richtungen „übersschärften“ Fixsterns wich immer stärker nach aussen aus, war sehr schwach und unscharf und hatte keine Ähnlichkeit mit den mir bekannten Abbildungen. Denke aber, dass das Gerät wenn, nur minimal dejustiert ist. Beim Einblick ohne Okular sind die Komponenten alle zentriert zu sehen.
Ich hoffe, ihr macht mir ein paar Hoffnungen, dass das, was ich gestern gesehen habe, nicht dass darstellt, was mein Gerät zu leisten im Stande ist. Ich brauche ein wenig moralische Unterstützung!!!!!!!!!!!
Peter
 
Hallo Peter,

dein Teleskop ist meinem ersten, einen 150/1200 nicht unähnlich. Um es vorwegnzunehmen: dein Teleskop kann sicher mehr! M13, der Herkuleshaufen kann mit 130mm Öffnung in viele Dutzend Außenbereichssterne aufgelöst werden, das Zentrum ist dann als grieselige Kugel zu sehen. Um welche Uhrzeit hast Du auf M13 gepeilt? der Haufen kommt erst relativ spät hoch, wenn er noch horizontnah steht, ist der Hintergrund meist noch aufgehellt, die vielen Luftschichten beeinträchtigen auch das Seeing. M13 ist eigentich hell genug, daß Du auch bei deiner Maximalvergrößerung (142-fach) der Haufen noch gut sehen solltest.

Vielleicht ist der Newton doch dejustiert? Ein f/7 Newton ist nur wenig justieranfällig, wenn die Kolimination nicht paßt, wird die Abbildung trotzdem massiv beeinträchtigt. Zum Prüfen am besten der Polarstern anvisieren, der wandert nicht aus. Den Stern dann genau mittig im Gesichtsfeld plazieren.

Waren deine Sterne punktförmig, oder hatten diese kurz vor dem Fokus alle Schweife? Diagnose so auf die Ferne ohne nähere Informationen fällt leider schwer.

Nicht den Kopf hängen lassen, dein Teleskop kann mehr! Nun heist es die Ursache finden. Deine Maximalvergrößerung wird nur bei sehr guten Bedingungen sinn machen, aber bis zum 10er Oku sollte es immer mit Gewinn gehen.

Viele Grüße

Achim
p.s. Peile mal mit deinem Instrument am frühen Abend auf die Pleyaden, da dürfte dein Fernglas bei weitem ausgestochen werden.
 
hallo achim, danke für deine aufbauenden worte. ich weiss im grunde, dass mein teleskop mehr kann, als das, was ich gestern gesehen habe.
m13 habe ich gegen 01.00 uhr anvisiert. herkules stand zu diesem zeitpunkt recht hoch. die sterne, die ich fokussiert habe, zeigten keine anzeichen von schweifbildung. ich habe bis zum 10mm-okular runter -auch tagsüber- den eindruck gehabt, dass die abbildung recht scharf ist. vielleicht waren die bedingungen gestern einfach nicht optimal genug. allerdings bin ich aus berlin einen anderen sternenhimmel gewohnt. die meiste zeit gestern habe ich damit verbracht, mich erst einmal halbwegs zurech zu finden. klappt aber immer besser. das schöne ist: hat man erst einmal ein sternbild identifiziert, macht es keine große mühe mehr es wiederzufinden. na ja, montag geht es für eine woche nach rügen. hoffe dort - besseres wetter vorausgesetzt - auch mein aha-erlebnis zu bekommen.
viele grüße
peter
 
Hi Peter,

ich hatte so einen 130/900 selber.

Lies mal meine Beobachtungsberichte, die teilweise auch Zeichnungen enthalten, dann siehst Du was damit geht.
Sein einziger Nachteil ist der sphärische Spiegel, der das Gerät am Planeten nicht besonders toll aussehen läßt.


Meine Beobachtungen mit 130mm/900

Viele Grüße

Markus


____________________________________________________

Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________

DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]

Markus A. R. Langlotz
Vilsweg 2b
D-93073 Neutraubling

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory@freenet.de

 
Habe mir im sommer auch ein 135mm/900mm newton gekauft von skywatcher.
Habe 2 wide angle(schreibt man das so?) okulare 20mm und 12,5mm und ein teures super plössel 7,5mm. Und eine teure barlow 2mal linse von mead. insgesammt diese vergrösserungen 45mal 90mal 120mal 180 mal 240mal. bei 240 fach happerts ein bisschen mann muss sehr lange an der schärfe basteln bis ein klares bild entsteht. jedoch waren meine bis jetzigen beobachtung sehr begeisternd. kann nicht verstehen warum du bei einer verg. um die 100fach nicht viel erkennen kannst? was hast du denn für eine teleskop/tubus marke ?


 
Zum Kellner Okular: Ich habe ja das 6,7 Kellner vom Lidlscope, auch von Skywatcher.
Es hat gerade im Randbereich einen sehr starken Farbfehler, gerade Planeten sollte man daher immer in der Mitte halten oder bei einer wackeligen Monti den Planeten vorhalten und in die Mitte wandern lassen. Das liegt an der vergleichsweise einfachen Konstruktion des Kellners.
Aber eigentlich finde ich das Einblickverhalten besser als das des 6,4 mm Meade Superplössl, obwohl dessen Sichtfeld auch deutlich größer ist. Nur nutze ich dieses nie aus, da ich das Auge in dem kurzem Abstand zur Linse nicht ruhig halten kann. Da aber viele hier über das Kellner fluchen, kann ich ein Einzelfall sein.

Zu M13: Von wo aus spechtelst du und kennst du zufällig die Grenzgröße an deinem Beobachtungsort? Im Fernglas übrigens ist die Helligkeit des KSH auf eine sehr kleine Fläche verteilt, die bei einer stärkeren Vergrößerung auf eine größere Fläche verteilt wird, solange die Einzelsterne noch nicht zu sehen sind.
 
vielen dank für eure mitteilungen. inzwischen haben sich meine frustrierenden erfahrungen abgeschwächt. auf rügen gab es mondlose, wunderbare sternennächte. mit meinem "danubia atlas 2000" (so die hersteller/typenbezeichnung) konnte ich nun deutlich mehr erkennen. das problem der empfundenen unschärfe habe ich aber immer noch, sobald ich das 32mm super plössl entferne und eines meiner kellner-okus einschiebe. ich kann nicht beurteilen, ob dies ggf. an atmosphärischen störungen, stativbewegungen, dejustierung oder an den okus liegt. mir ist es z.b. nicht gelungen, venus scharf zu sehen. ich konnte zwar ab 20mm die sichel erkennen, hatte aber das gefühl, als würde ich mindestens zwei sich überlagernde abbildungen von venus betrachten. M35 in den Zwillingen und M67 im Krebs sahen zwar mit 32mm hübsch aus (meine frau sah in M35 ein pferd auf dem ein gummibärchen sitzt???!!!), sobald ich weiter vergrößert habe, wurde das bild ziemlich dunkel und unscharf. sicherlich sind diese beiden objekte auch nicht prädestiniert für vergrößerungen, habe aber dennoch mehr erwartet. vielleicht ist dies auch mein eigentliches problem, dass ich nämlich zu viel erwarte.
habe übrigens noch mal bewußt darauf geachtet und nun doch eine gewisse schweifbildung bei einzelobjekten festgestellt und zwar in alle vier richtungen.
weitere beobachtungen, z.b. erneut m13 waren leider nicht möglich, da meine frau - wie kann es anders sein - anfing zu frieren und ins bett musste.
wie dem auch sei: ich werde mal die nächsten tage gegen dieses diffuse gefühl, dass ich nämlich nicht das optimale aus meinem gerät heraushole, angehen, und mich an die justierung wagen.
vielen dank noch einmal
peter
 
Hi Peter,

vielleicht ist es auch der OAZ, denn die Venus mußt Du scharf einstellen können. Ist der OAZ leicht oder schwergängig? Vielleicht ist auch die Übersetzung bescheiden?

Gruß
Dietmar
 
hallo, denke nicht, dass am oaz was nicht stimmt. meines erachtens sitzt der okularauszug gerade und im rechten winkel auf dem tubus, nichts wackelt und auch das fokussieren geht leichtgängig und ohne hakeln.
peter
 
[Zitate]meine frau sah in M35 ein pferd auf dem ein gummibärchen sitzt???!!![/Zitate]

Genau solche Beobachtungsberichte brauche ich!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> Ich werde mir M35 bei der nächsten freien Lücke anschauen und nach dem Himmels-Gummibärchen Auschau halten. Nette Idee.

Mit M15 habe ich ja mal das Tremolo von Jimmy Hendrix zerborstener Gitarre identitifiziert.

Zurück zum Thema:
Je stärker Du vergrößerst desto größer werden die Ansprüche an die optischen Komponenten, weil die Fehler genauso vergrößert werden.
Gerade bei der hellen Venus werden die außeraxialen Farbfehler des simpel gestalteten Kellner-Okulars in ganzer Schönheit sichtbar. Atmosphärische Effekte spielen sicher auch eine Rolle, da die Atmosphäre ja auch das Licht bricht. Hier kann ich dir nur empfehlen, die Nähe anderer Hobbyastronomen zu suchen, und deren bessere Okulare auszuprobieren. Ist der Farbfehler beim Saturn auch so groß. Wenn nicht, dann versuch es mal mit einem Graufilter, den benötigt man spätestens beim Mond und eigentlich auch beim Jupiter.

Mit der EQ-3 hast du aber eine ziemlich schwache Monti unter Deinem 5 Zöller, und bzgl Wackelei bin ich eigentlich unempfindlich. Schau mal unter dem Stichwort Lidl Tuning nach, wie du die Monti und speziell das Stativ verbessert!

Das 4-strahlige Koma wird in dem Teleskop eine vierzählige Entsprechung haben. Ist der Hauptspiegel mit 4 Schrauben befestigt, oder wird der sekundäre Spiegel mit 4 Streben festgehalten?
 
ich bin mittlerweile auch der ansicht, dass die optischen komponenten für meine bisher nicht so erhebenden erstversuche verantwortlich sind (gepaart mit der unkenntnis dessen, was wie sichtbar ist). auch denke ich, dass mein eindruck, venus 2 oder mehrfach zu sehen, auf meine montierung zurückzuführen ist, da in der beobachtungsnacht zwar m.e. das seeing gut war, dafür aber ein starker wind über den acker fegte. mein sekundärspiegel wird von vier streben gehalten - auch dieser ursachenanalyse kann ich mich anschließen. habe gestern abend im lichtdurchfluteten berliner nachthimmel juptier aufs korn genommen und war eigentlich überrascht, wie schön er bei meiner z.zt. max. vergrößerung von 143fach (900:6,3 kellner) zu sehen war, vorausgesetzt ich habe ihn genau in der mitte des okulars gehalten. zum rand hin wurde das bild immer unansehnlicher. obwohl jupiter bei dieser vergrößerung noch relativ klein war, konnte ich zwei wolkenbänder sehr schön sehen und war recht zufrieden. ihr seht also: ich bessere mich allmählich.
viele grüße
peter
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben