für Planetenbearbeitung immer zwei Programme?

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Anette_Aslan

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Liebe Astrogemeinde,

kann man das Video von beispielsweise Jupiter nicht gleich in den Registax kippen ohne ihn vorher mit AS2 bearbeitet zu haben? Ich hab das versehentlich mal gemacht und sehe nun in der AS-Bearbeitung keinen Sinn mehr, weil man alles mit Regixtax auch machen kann.

Noch eine andere Frage:

ist ein 5 Zöller eigentlich zu klein, um vernünftie Planetenvideos zu bekommen?

- ich filmte mit QHY-Alccd-5-II durch einen 127/1000 ED
- würde ein 152/1200mm mehr bringen?

- Wieso nochmal in einem anderen Programm nach all den Prozessen nachschärfen?

Viele Fragen, bin total am Anfang und liebe Grüsse von Anette
 
Hallo Anette,

ein 5-Zöller ist nicht zu klein, ich habe mit einem solchen einige ganz brauchbare Mondaufnahmen hinbekommen. Die Luftunruhe ist der größere Feind. Und ja, ein (qualitativ gleichwertiges) größeres Fernrohr bringt oft mehr, nicht immer.

Ich nutze sogar mehrere Programme zur Bearbeitung:

SharpCap zur Aufnahme
PIPP zur Auswahl der relevanten Frames
AVIstack zum Stacken
AstroArt und FITSwork zur Bearbeitung der gestackten Bilder
GIMP für die Kosmetik
IrfanView zum Beschneiden

Alle Programme haben spezifische Schwächen und Stärken, meine Auswahl und der WorkFlow hat sich durch Trial & Error so herauskristallisiert. Das heißt nicht, daß es anders nicht auch oder evtl. sogar besser ginge, da helfen nur eigene Versuche.
Aber auch wenn Du mit RegiStax alles machst, um zumindest ein weiteres Programm für die Kosmetik kommst Du nicht herum.

Im Wesentlichen läuft es auf persönliche Vorlieben heraus, was die Handhabung des anstehenden Arbeitsschrittes anbelangt, dh. in welchem Programm man das am einfachsten, intuitivsten,..., subjektiv am sympathischsten hinbekommt.

Ich habe die Angewohnheit, während der Bearbeitung von Videosequenzen einer Nacht mein Arbeitsverzeichnis nach den Arbeitsschritten und deren Reihenfolge zu strukturieren. Die Zwischenbilder kann man ja nach dem Ende der Bearbeitung wieder löschen. Beispiel für die Directorystruktur:

<DATUM>
Step-0_raw-videos_sharpcap
Step-1_frame-selection_pipp
Step-2_stacking_avistack
Step-3_deconvolution_astroart
Step-4_denoising_astroart
Step-5_colorlayeradjustment_FITSwork
.....
Step-n_cosmetics_gimp
Step-n+1_cropping_irfanview

Auf diese Art habe ich im Fehlerfalle immer den letzten Zwischenschritt zur Verfügung. Wie gesagt, nach dem Erhalt der gewünschten Endergebnisse kann man die Zwischenschritte dann löschen, die originalen Videos sollte man aber behalten.

Die Reihenfolge, Anzahl und Art dieser Bearbeitungsschritte kann und wird, auch bei gleichem Equipment wie am Vortage, nicht immer gleich sein, um zu einem optimalen Ergebnis zu gelangen (Atmossphäre, etc). Das kostet mich immer viel Zeit, oftmals eine ganze Woche für Experimente, um sagen wir mal 7-10 Videoclips zu bearbeiten, da ich LR-Dekonvolutionsversuchsreihen fahre weil ich mit den Wavelets auf Kriegsfuß stehe. Auch diese Parameterversuchsreihen sind von Session zu Session wieder verschieden und müssen jedesmal neu gefahren werden.

Grüße, Coyote
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Coyote,

vielen Dank für diese wirklich aufschlussreiche Antwort. Das muss ich mir auch angewöhnen, diese Zwischenschritte zu benennen und abzuspeichern. Ja, ich ahne schon, was Du meinst, da werde ich wohl nicht herumkommen.

PIPP - was ist das für eine Software?

Noch ne andere Frage.

Auf meinem gestrigen Videoklip mit Jupiter ist auch ein Mondchen durchs Bild gegangen und hat einen Schatten auf die Kugel geworfen, das geht bei der Aufnahme sehr schnell - wenn ich das Video nun bearbeite und STakke ist diese Situation aber verloren - muss ich da Alignment-Punkte setzen, auf diesen Mondtransit, damit er auf dem Endbild wiedergegeben wird?

Gruss von Anette
 
Hallo Anette,

PIPP ist der Planetary Imaging PreProcessor. Den nutze ich um aus den Videoclips <n>% der besten Bilder zu selektieren, mit <n> >=400, mit einer rauscharmen Kamera, ansonsten mehr. Dabei lasse ich die Qualität der selektierten Frames aber nie unter 80% kommen.

Der Vorteil vom PIPP bei mir ist, daß dann AVIstack beim Stacking die Qualitätsauswahl nicht mehr selber treffen muß und somit das Stacken schneller geht. Ich lasse PIPP die 400+ besten Bilder als TIFF Files in einem Verzeichnis ablegen. Diese Einzelbilder werden dann gestacked und ich kann die Bilder auch einzeln untersuchen, falls das notwendig werden sollte. Und natürlich bietet PIPP bei der Auswahl mehr Möglichkeiten wie das Selektieren per Stackingprogramm. Ist etwas Geschmackssache.

Und dann gibt es das Programm WinJuPos, da Videoclips > 30 sec anfangen unter der Rotationsunschärfe des Planeten zu leiden.

Ich bin im Wesentlichen Mondbeobachter und habe mit den Planeten und Jupiter(monden) keine wirkliche Erfahrung. Ich würde den Mond und/oder Schatten aus einem guten Einzelbild zum mittleren Aufnahmezeitpunkt herauskopieren und ihn/sie dann auf dem gestackten Bild wieder 'anbringen'. Das ist natürlich irgendwie 'Lug und Trug', aber nimms locker, wir haben ja keine (selten) wissenschaftliche Ziele im Auge.

Grüße, Gerd
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Anette,

um auf Deine Ausgangsfrage zurückzukommen.

Ja es macht absolut Sinn mehrere Programme einzusetzen.
Natürlich kann man mit Registax auch stacken, aber das
Programm ist in die Jahre gekommen und wird nicht mehr
weitergepflegt.

AS setzt zum Beispiel einen "modernen" Algorithmus ein, durch den es bei Farbkameras zu keinem Auflösungsverlust durch die Bayer-Matrix mehr kommt. Außerdem ist AS schnell und leicht zu bedienen.

Aber jeder so wie er mag, auch mit Registax werden/wurden tolle Bilder gemacht.

@Gerd: Früher wurde mir gesagt, dass PIPP nur 8bit Auflösung kann. Ist dem immer noch so?
Gerade bei Mondaufnahmen sollten die modernen Kameras mit 12bit und mehr doch Vorteile bringen? Die würde eine Selektierung mit PIPP dann wieder zunichte machen, oder?

Grüße
Volker
 
Hallo Volker,

ich habe bislang nur 8-bit streams bearbeitet (MOV files). Aber in den Input Options von PIPP gibt es bei den Einstellungen für SER Videos eine Auswahl der Bittiefe (As SER file header) zwischen 8-16 bit - daher denke ich, daß PIPP auch mit einem 12 oder 16 bit Datenstrom umgehen kann.

Ich stehe dank schnellerer neuer Kamera jetzt vor dem Schritt mit SER Videos zu arbeiten, sobald der Mond wieder etwas höher steht teste ich dann auch was PIPP daraus macht.

Grüße, Gerd
 
Hallo Anette,

so ein Mondtransit dauert recht lange. Das muss was anderes gewesen sein. Eine Aufnahme kann locker 2 Min. dauern ohne da nennenswerte Unschärfen zu bekommen.
Bei Schattenwürfen setze ich aber zusatzlich noch einen kleinen AP.

Zum Stacken verwende ich autostakkert, ist einfach super schnell.
Anschließend mache ich fast die gesamte Bearbeitung mit fitswork und den letzten Feinschliff zum Schluss mit gimp.

5'' sollte schon brauchbare Bilder liefern, wichtig wäre aber eine gute 2 fach Barlow.
Ich verwende die recht günstige Baader Q-Turret Barlow und bin damit sehr zufieden.
Der Unterschied der Aufnahmen mit und ohne Barlow ist enorm.
Klar ist der Jupiter mit Barlow größer aber er zeigt auch wesentlich mehr Details.

Gruß,
Holger
 
Hi Anette,

Auf meinem gestrigen Videoklip mit Jupiter ist auch ein Mondchen durchs Bild gegangen und hat einen Schatten auf die Kugel geworfen, das geht bei der Aufnahme sehr schnell - wenn ich das Video nun bearbeite und STakke ist diese Situation aber verloren

das war sicherlich kein Mondschatten. Eher ein Staubkörnchen auf Deinem Chip, wenn dann der Planet da drüber läuft, sieht das aus wie ein Mondschatten. ;)
 
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