Fujinon 16x70 FMT-SX - was läuft hier falsch?

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Arndt

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Hallo,

vor Kurzem habe ich sehr günstig ein gebrauchtes Fujinon 16x70 FMT-SX erwerben können; sieht soweit auch erstmal alles ganz gut aus. Nun kommt das "Aber": AAAAABER...
Der erste Sterntest zeigte ein seltsames Bild. Entgegen meinen Erfahrungen mit der Abbildungsqualität dieses Fernglastyps ist die Abbildung in beiden Okularen suboptimal, erstaunlicher Weise symmetrisch in beiden Okularen: Die Sternabbildungen sind jeweils von der Mitte nach außen zu hervorragend, keinerlei Verzeichnungen, eben Fujinon. Von der Mitte nach innen jedoch zeigen sich bald schon deutliche Verzeichnungen (schon ab ca. 20% ab der Mitte). Wie gesagt, dieses Bild zeigt sich in beiden Hälften symmetrisch, jeweils "zur Nase hin". Nach oben und unten gibt es keinerlei Kritikpunkte, in vertikaler Richtung ist die Bildqualität optimal.
Ich vermutete darauf hin eine Dejustage der optischen Achse, und tatsächlich schaffte ich es, in beiden Fernglashälften die Prismen so zu justieren, dass das gesamte Bildfeld Fujinon-like hervorragend definiert war. Mein Problem: Jedes Bildfeld für sich ist nun zwar sehr hübsch flach und bildfehlerfrei, aber die Kollimation ist nun natürlich sowas von flöten gegangen, denn ich habe die Prismen jeweils nach außen neigen müssen, um gute Bildjustage zu erreichen... ich müsste schon als Chamäleon wiedergeboren werden, um das 16x70 so noch nutzen zu können. Also erstmal wieder alles zurück gebaut, und jetzt bin ich so schlau wie vorher. Mache ich einen Gedankenfehler? Ich habe übrigens jeweils nicht die einzelnen Prismen, sondern den "Prismenblock" verkippt; die Orientierung jeweils beider Prismen pro Strahlengang zueinander habe ich also nicht verändert.
Über Tipps würde ich mich sehr freuen. Erhobene Zeigefinger (so in der Art von "Du böser Mensch hast ein Stickstoff gefülltes Glas geöffnet, jetzt ist der Stickstoffgeist aus der Flasche") dürft Ihr aber gerne aus diesem Fred weglassen ;)

Viele Grüße,
Arndt
 
Hallo Arndt,

wenn Du schon so weit gegangen bist, dann hilft eigentlich nur noch komplette 0-Stellung, also alle Justierschrauben "außer Spannung" setzen und ganz langsam, Schritt für Schritt annähern bis das Bild "einrastet".
Klingt nach einem haufen Merharbeit, ist es aber nicht.

Ich habe auch immer wieder Mal versucht, eine leichte Dejustierung so "aus der Mitte raus" zu beheben. Das gelingt nur per Zufall gut genug, endet meistens so wie bei Dir.
Meine Erfahrungen beziehen sich allerding nicht auf Fujinon oder ähnlich hochwertige Gläser.

Gruß, viel Erfolg und
CS
*entfernt*
 
Die Sache mit der Kollimation

Hallo Arndt,

eine gute Kollimation ist nicht nur von der Stellung der Prismen abhängig. Die optischen Achsen müssen für perfekte Kollimation nicht nur parallel stehen und mittig durch die Objektivlinsen laufen, sondern die Objektivlinsen müssen dabei auch noch senkrecht zu den optischen Achsen stehen und die optischen Achsen selber müssen dann auch noch parallel zur Knickbrückenachse stehen. D.h. wenn man Pech hat müssen nicht nur die Prismen richtig ausgerichtet werden (mit denen schiebst du sozusagen nur deinen Blickstrahl im Tubus herum) sondern es müssen auch die Objektivtuben bzw. die Knickbrücke unter Umständen sogar die Okulartuben mechanisch relativ zum Prismengehäuse verschoben werden. Datt is ene komplexe Jeschischte.

Vielleicht hat Dein Glas mal einen Schlag auf die Tuben abgekriegt und ein nicht so gut ausgerüsteter oder nicht so kompetenter Reparateur hat statt teurer Justage von Tuben und Knickbrücke nur die Prismenverstellung zur Kollimation benutzt. Damit kann man zwar das Bild deckungsgleich machen, aber nur auf Kosten der Bildrotationssymmetrie und der Sehfeldblendenverschmelzung zu einem perfekten Kreis (Schau mal, ob beim Blick gegen eine große homogene unstrukurierte Fläche - Himmel, Wand o.ä. - linkes und rechtes Sehfeld zu einem runden Kreis verschmelzen oder eher ein Oval oder eine ansatzweise 8 oder was änhliches bilden. Wenns kein perfekter Kreis ist, stehen die Tuben schief)

Bei meinem billigen Chinaglas waren die Bilder zwar einigermaßen deckungsgleich aber die Tuben deutlich nach außen verschoben (liegende 8 als Sehfeld) - mit gefühlvollem Krafteinsatz und etwas Geschick und Glück hab ich sie von Hand zurückgebogen (kreisförmiges Sehfeld), und dann die Prismen neu justiert, das hat aber viel Zeit und Geduld erfordert.

Ich stelle mir vor, dass Dein Fuji so solide aufgebaut ist, dass Du mit "Biegen" von Hand keine Chance hast oder die Sache verschlimmbesserst. Man muß nämlich nicht nur die richtige "Biege-Richtung" rauskriegen, die noch dazu bei beiden Tuben verschieden sein kann, man muß auch rauskriegen ob beide Tuben, oder nur einer, oder einer mehr als der andere verschoben werden müssen und dann auch noch parallel zur Knickbrückenachse werden.

Ich denke Du hast zwei Optionen:
a.) Prismen zurück auf null, dann Bilder abwechselnd und in kleinen Schrittchen deckungsgleich ziehen und mit der Rotationsasymmetrie leben. (is nich so schlimm, weil durchs binokulare Gucken ja immer ein Auge ein optimal scharfes Teilbild hat und Dein Hirn das unscharfe Bild des anderen meist gut genug unterdrückt und Du gar nix bemerkst, wennste nich druff achtest) Vertikaler Bildversatz ist tödlich, kann Dein Hirn nicht ausgleichen muß deshalb perfekt justiert werden (Nimm einem Dachfirst o.ä. den Du in beiden Okus auf eine Höhe trimmst wenn Du aus ca. 10 bis 15 cm Abstand auf die APs guckst. Horizontalen Versatz nach außen können die Augen durch unwillkürliches Einwärtsschielen ausgleichen,er kann deshalb in grenzen toleriert werden, Bildversatz nach innen nicht, denn Auswärtsschielen können nur Kranke. Um die Ausgleichsautomatik des Einwärtsschielens zu unterdrücken, die beim Justieren hinderlich ist, nimmst du einen hellen Stern oder eine weit entfernte kleine punktförmige Lichtquelle nächtens und drehst ein Okular scharf, das andere maximal unscharf. Bei perfekter horizontaler Justage liegt beim beidäugigen Durchgucken dann der scharfe Lichtpunkt des einen Okus mitten im unscharfen Kreis des anderen.

b.) ab zum kompetenten Profi. Wenn der Hersteller-Werksservice zu teuer kommt frag mal bei Simone Hauptmann (optixxx.de) nach, kenn ich nicht persönlich, scheint aber ne erstklassige und trotzdem preisgünstige Adresse zu sein.

Na denn viel Glück,

Mathias

PS.: würde ja zu gern mal durch ein Fuji 16x70 gucken um die Qualität meines 20 Euro 20x70 Chinakrachers einschätzen zu können, den ich nach dem vielen Gefummel jetzt für optisch ziemlich gut halte. Mechanisch sind die Dinger aber nicht das Wahre.
 
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Re: Die Sache mit der Kollimation

Hallo Arndt,

der erste Ansatz sind beim 16x70 FMT-SX die Objektive, über deren Exzenter kann man normalerweise die übliche (nicht durch starke Stöße verursachte) Dekollimation beseitigen. Wenn das nicht reicht, dann rufe noch einmal unsere Serviceabteilung an. Das mit dem Biegen geht bei unseren Gläsern im Übrigen wirklich nicht...

Schöne Grüße nach Hildesheim,

Stefan Korth
 
Re: Die Sache mit der Kollimation

Hallo Stefan und Mathias,

erstmal vielen Dank für Eure Ansätze zur Justage. Inzwischen habe ich das Glas doch einigermaßen "hinbekommen", es zeigt also wirklich zufriedenstellende Sternbilder bis nahe an den Rand. Trotzdem ist die Sache sehr seltsam, denn um den qualitativ guten Bildausschnit wirklich zentrisch in jedes Okular zu bekommen, musste ich die Prismen sehr stark gegenüber den Okularen verkippen. So stark, dass ich mit den Objektivexzentern nichts mehr nachstellen konnte; das Einzige, was half, um die optischen Achsen anschließend wieder parallel zu machen, war, die gesamte Einheit Okular - Abdeckung - Prismen gegenüber den Objektiven in die entgegengesetzte Richtung zu verkippen, so dass sie wieder einigermaßen geradeaus schauten. Beide okularseitigen Tubusabdeckungen sind also jetzt jeweils einseitig etwa 2mm auf einer Seite angekippt (durch Unterlegscheiben bewerkstelligt), dadurch habe ich allerdings keinen hermetisch verschlossenen Fernglasinnenraum mehr. Dafür passt die Justage jetzt, wie gesagt, sehr gut (die perfekte Übereinstimmung der optischen Achsen klappte dann mit den Objektivexzentern einwandfrei).
Was bleibt, ist die komische Tatsache, dass das Fernglas offenbar ab Produktion (es war, bevor ich es in die Hand bekam, offenbar nicht geöffnet worden) falsch justiert war, und das auch noch symmetrisch. Denn dass man erst die Okulare mitsamt den Prismeneinheiten um mehrere mm verkippen muss, ist doch seeehr ungewöhnlich. Naja, aber jetzt, wo ich selbst dran geschraubt habe, wird mir wohl kaum noch jemand glauben wollen, dass nicht ich der Grund für die Dekollimation war, sondern sie schon vorher bestanden hatte *seufz*

Gruß,
Arndt

P.S.: Ich glaube übrigens nicht, dass das Fernglas einen Schlag abbekommen hat. Dadurch hätten sich vielleicht die optischen Achsen beider Rohre gegeneinander verschoben und ich hätte Doppelbilder gesehen, aber die Kollimatoin der beiden Einzeloptiken wäre nicht in dem Maße, und dann auch noch symmetrisch, beeinflusst worden, denke ich...
 
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