aalbi
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Hallo zusammen,
ich bin seit letzten November Besitzer eines 8" f/6 "Standarddobson" und möchte mich heute mal mit meinem ersten Beobachtungsbericht von letztem Freitag versuchen. Für Anregungen oder gerne auch Kritik bin ich natürlich dankbar.
Also für heute Abend ist eine klare Nacht für den Raum im Münchner Süden angesagt. In Meteoblue ist sogar von einem Seeing <1" die Rede…wir werden sehen. Heute werde ich mal bis Mitternacht warten und die Galaxien am Osthimmel versuchen. Der Dobson steht schon seit dem frühen Abend auf dem Balkon zum auskühlen. Dann geht’s los. Alles ins Auto gepackt und nach 5 Minuten Fahrt an meinen Beobachtungsplatz. Der Himmel sieht sehr klar aus. Ein paar Schleierwolken am Horizont reflektieren etwas die Münchner Lichtglocke, aber nicht so schlimm. Nach den sichtbaren Sternen im kleinen Wagen dürften es etwa 5mag5 sein. Nicht optimal, aber ok. Nach kurzem Aufbau und Justierung mit dem Laser (noch eine Prüfung am Sirius) geht’s in die Aufwärmrunde.
Zu Beginn auf den Orionnebel. Diesmal ohne Filter, hab ja heute andere Objekte im Visier. Aber die Schwingen des Orionnebels sind einfach immer wieder toll. Fast eine Verführung, länger zu verweilen. Dann weiter zu den Plejaden. Auch immer wieder ein fantastischer Anblick. Allerdings bekomme ich mit meinem 24mm/82 Grad Okular die Sterne nur gerade so in das Blickfeld. Ist fast noch schöner mit dem Fernglas. Bevor es richtig los geht noch eine Blick auf h&chi. Die beiden Sternenhaufen sind mit diesem Okular einfach nur der Wahnsinn. Eines meiner Lieblingsobjekte. Aber jetzt schwenke ich in den Osthimmel. Die Augen sollten sich an die Dunkelheit gut angepasst haben. Der Jupiter blinkt einladend, aber der kommt am Schluss, wenn er am höchsten steht.
Die erste Galaxie auf meiner Liste ist M51 - die Whirlpool Galaxie. Mein zweiter Versuch. Diesmal finde ich relativ schnell die zwei hellen Flecken. Nach einiger Zeit erkenne ich schon mit 50x eine Art Schleier, der die beiden Zentren verbindet. Es ist keine Struktur, aber doch ein schöner Anblick. Ich wechsle auf mein 24-8mm Zoom und vergrößere bis 150x. Es kommen nicht mehr Details zum Vorschein, aber der bisherige Anblick bestätigt sich.
Danach direkt weiter zu M 106. Bin etwas enttäuscht. Es ist nur ein schwacher flächiger Nebel zu erkennen. Da halte ich mich nicht länger auf, sondern suche NGC 4490 mit Partner NGC 4485. Und das ist wirklich beeindruckend. Sehr schnell wird deutlich, wie sich die zwei elongierten Galaxien an einem Ende berühren. Es sieht etwas aus wie ein Haken mit Lücke an der Spitze. Da gehe ich wieder bis auf 150x ran. Irgendwie überlege ich, ob ich doch mal mit dem Zeichnen anfangen sollte. Man möchte den Eindruck einfach gerne nachhause "mitnehmen". Diesen Anblick lasse ich eine Zeit lang wirken. Auf jeden Fall schon mal ein Highlight des Abends.
Auf dem Weg zum nächsten Ziel nehme ich noch NGC 4214 mit. Allerdings wieder nur ein flächiger Nebel ohne weitere Besonderheiten. Dann schließlich NGC 4631 - die Wal Galaxie mit Partner NGC 4657. Ich bin begeistert. Schon bei 50x und noch besser bei 100x zeigt sich die 15 arcmin lange Wal Galaxie mit einer deutlichen Ausbuchtung auf der einen Seite. Die kleine Huckepack Galaxie kann ich nicht auflösen, dafür sehe ich mit 50x NGC 4657 zusammen mit der Wal Galaxie in einem Blickfeld. Diese Galaxie werde ich noch öfter "besuchen".
Schließlich geht es weiter zu M 94. Mal sehen, wie sich das "Catseye" zeigt. Zuerst sehe ich nur das helle Zentrum, aber schon nach ein paar Augenblicken wird auch der Halo sichtbar. Es sieht wirklich wie ein Katzenauge aus. Gefällt mir
.
Das nächste Objekt, M 63 - die Sunflower Galaxie, zeigt sich wieder nur als einfacher flächiger Nebel. Da gehe ich mal weiter zu NGC 5005. Und überraschenderweise bekomme ich diese Galaxie zusammen mit NGC 5033 ins Blickfeld. Das freut mich umso mehr, da bei einer geschätzten Kontrastreserve von -0,1 eigentlich keine Beobachtung zu erwarten war. Der Himmel ist wohl doch nicht so schlecht, aber dann die Ernüchterung. Mein Sucher ist beschlagen. Das ist mir schon letztes Mal passiert. Ärgerlich. Ich werde wohl wirklich eine Taukappe basteln.
Ohne Sucher tue ich mir schon schwer, aber ich möchte noch nicht ganz aufgeben. Auf jeden Fall kommt noch das Leo-Triplett dran. Die drei Galaxien sind auch relativ leicht zu finden und zeigen sich schön zusammen bei 50x. Ich genieße diesen Anblick noch eine Weile, bevor ich den Galaxienteil mit einem Rundblick auf das Haar der Berenicke für heute beschließe (eigentlich wollte ich noch intensiv in den Virgohaufen eintauchen…dann halt das nächste mal).
Als letztes Ziel ist aber heute noch der Jupiter dran. Er steht schön hoch und das Seeing soll ja auch gut sein. Der Anblick ist wirklich schön. Mit 50x sehe ich den Jupiter mit seinen 4 Monden knackscharf. Bei 100x bis 150x macht sich die Luftunruhe schon bemerkbar, aber es kommen immer wieder kurze Momente mit scharfer Abbildung, während der Jupiter durch mein Blickfeld gleitet. Die zwei Wolkenbänder sind sehr gut und klar zu sehen. Im Bereich von 150x bis 300x (mit Barlow) wird es aber zunehmend schwieriger. Trotzdem meine bisher beste Beobachtung des Jupiter. Tja, das war's für heute.
In Gedanken an den Jupiter mit seinen 4 Monden, kann ich mir zum Schluss eine Buchempfehlung nicht verkneifen. Der vielleicht erste Beobachtungsbericht überhaupt…vom Jupiter von Galilei im Sidereus Nuncius (Nachrichten von neuen Sternen). Wirklich schön lesbar. Im Suhrkamp Verlag zusammen mit dem "Dialog über Weltsysteme", ein fiktiver Dialog, in dem Galilei über seine Vorstellung der Welt spricht…wofür er dann auch vor der Inquisition gelandet ist. Das geht mir manchmal durch den Kopf, wenn ich den Jupiter beobachte.
Bis dahin…klare Nächte
Antero
ich bin seit letzten November Besitzer eines 8" f/6 "Standarddobson" und möchte mich heute mal mit meinem ersten Beobachtungsbericht von letztem Freitag versuchen. Für Anregungen oder gerne auch Kritik bin ich natürlich dankbar.
Also für heute Abend ist eine klare Nacht für den Raum im Münchner Süden angesagt. In Meteoblue ist sogar von einem Seeing <1" die Rede…wir werden sehen. Heute werde ich mal bis Mitternacht warten und die Galaxien am Osthimmel versuchen. Der Dobson steht schon seit dem frühen Abend auf dem Balkon zum auskühlen. Dann geht’s los. Alles ins Auto gepackt und nach 5 Minuten Fahrt an meinen Beobachtungsplatz. Der Himmel sieht sehr klar aus. Ein paar Schleierwolken am Horizont reflektieren etwas die Münchner Lichtglocke, aber nicht so schlimm. Nach den sichtbaren Sternen im kleinen Wagen dürften es etwa 5mag5 sein. Nicht optimal, aber ok. Nach kurzem Aufbau und Justierung mit dem Laser (noch eine Prüfung am Sirius) geht’s in die Aufwärmrunde.
Zu Beginn auf den Orionnebel. Diesmal ohne Filter, hab ja heute andere Objekte im Visier. Aber die Schwingen des Orionnebels sind einfach immer wieder toll. Fast eine Verführung, länger zu verweilen. Dann weiter zu den Plejaden. Auch immer wieder ein fantastischer Anblick. Allerdings bekomme ich mit meinem 24mm/82 Grad Okular die Sterne nur gerade so in das Blickfeld. Ist fast noch schöner mit dem Fernglas. Bevor es richtig los geht noch eine Blick auf h&chi. Die beiden Sternenhaufen sind mit diesem Okular einfach nur der Wahnsinn. Eines meiner Lieblingsobjekte. Aber jetzt schwenke ich in den Osthimmel. Die Augen sollten sich an die Dunkelheit gut angepasst haben. Der Jupiter blinkt einladend, aber der kommt am Schluss, wenn er am höchsten steht.
Die erste Galaxie auf meiner Liste ist M51 - die Whirlpool Galaxie. Mein zweiter Versuch. Diesmal finde ich relativ schnell die zwei hellen Flecken. Nach einiger Zeit erkenne ich schon mit 50x eine Art Schleier, der die beiden Zentren verbindet. Es ist keine Struktur, aber doch ein schöner Anblick. Ich wechsle auf mein 24-8mm Zoom und vergrößere bis 150x. Es kommen nicht mehr Details zum Vorschein, aber der bisherige Anblick bestätigt sich.
Danach direkt weiter zu M 106. Bin etwas enttäuscht. Es ist nur ein schwacher flächiger Nebel zu erkennen. Da halte ich mich nicht länger auf, sondern suche NGC 4490 mit Partner NGC 4485. Und das ist wirklich beeindruckend. Sehr schnell wird deutlich, wie sich die zwei elongierten Galaxien an einem Ende berühren. Es sieht etwas aus wie ein Haken mit Lücke an der Spitze. Da gehe ich wieder bis auf 150x ran. Irgendwie überlege ich, ob ich doch mal mit dem Zeichnen anfangen sollte. Man möchte den Eindruck einfach gerne nachhause "mitnehmen". Diesen Anblick lasse ich eine Zeit lang wirken. Auf jeden Fall schon mal ein Highlight des Abends.
Auf dem Weg zum nächsten Ziel nehme ich noch NGC 4214 mit. Allerdings wieder nur ein flächiger Nebel ohne weitere Besonderheiten. Dann schließlich NGC 4631 - die Wal Galaxie mit Partner NGC 4657. Ich bin begeistert. Schon bei 50x und noch besser bei 100x zeigt sich die 15 arcmin lange Wal Galaxie mit einer deutlichen Ausbuchtung auf der einen Seite. Die kleine Huckepack Galaxie kann ich nicht auflösen, dafür sehe ich mit 50x NGC 4657 zusammen mit der Wal Galaxie in einem Blickfeld. Diese Galaxie werde ich noch öfter "besuchen".
Schließlich geht es weiter zu M 94. Mal sehen, wie sich das "Catseye" zeigt. Zuerst sehe ich nur das helle Zentrum, aber schon nach ein paar Augenblicken wird auch der Halo sichtbar. Es sieht wirklich wie ein Katzenauge aus. Gefällt mir
Das nächste Objekt, M 63 - die Sunflower Galaxie, zeigt sich wieder nur als einfacher flächiger Nebel. Da gehe ich mal weiter zu NGC 5005. Und überraschenderweise bekomme ich diese Galaxie zusammen mit NGC 5033 ins Blickfeld. Das freut mich umso mehr, da bei einer geschätzten Kontrastreserve von -0,1 eigentlich keine Beobachtung zu erwarten war. Der Himmel ist wohl doch nicht so schlecht, aber dann die Ernüchterung. Mein Sucher ist beschlagen. Das ist mir schon letztes Mal passiert. Ärgerlich. Ich werde wohl wirklich eine Taukappe basteln.
Ohne Sucher tue ich mir schon schwer, aber ich möchte noch nicht ganz aufgeben. Auf jeden Fall kommt noch das Leo-Triplett dran. Die drei Galaxien sind auch relativ leicht zu finden und zeigen sich schön zusammen bei 50x. Ich genieße diesen Anblick noch eine Weile, bevor ich den Galaxienteil mit einem Rundblick auf das Haar der Berenicke für heute beschließe (eigentlich wollte ich noch intensiv in den Virgohaufen eintauchen…dann halt das nächste mal).
Als letztes Ziel ist aber heute noch der Jupiter dran. Er steht schön hoch und das Seeing soll ja auch gut sein. Der Anblick ist wirklich schön. Mit 50x sehe ich den Jupiter mit seinen 4 Monden knackscharf. Bei 100x bis 150x macht sich die Luftunruhe schon bemerkbar, aber es kommen immer wieder kurze Momente mit scharfer Abbildung, während der Jupiter durch mein Blickfeld gleitet. Die zwei Wolkenbänder sind sehr gut und klar zu sehen. Im Bereich von 150x bis 300x (mit Barlow) wird es aber zunehmend schwieriger. Trotzdem meine bisher beste Beobachtung des Jupiter. Tja, das war's für heute.
In Gedanken an den Jupiter mit seinen 4 Monden, kann ich mir zum Schluss eine Buchempfehlung nicht verkneifen. Der vielleicht erste Beobachtungsbericht überhaupt…vom Jupiter von Galilei im Sidereus Nuncius (Nachrichten von neuen Sternen). Wirklich schön lesbar. Im Suhrkamp Verlag zusammen mit dem "Dialog über Weltsysteme", ein fiktiver Dialog, in dem Galilei über seine Vorstellung der Welt spricht…wofür er dann auch vor der Inquisition gelandet ist. Das geht mir manchmal durch den Kopf, wenn ich den Jupiter beobachte.
Bis dahin…klare Nächte
Antero