Feldstecher
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Freitag 6.5.2016 – 980 ü.NN. 21:30 – 00:30
Seit Tagen bestimmt ein Hochdruckgebiet unser Wetter, es ist Neumond und daher Zeit den 10“ Dobson wieder unter dunklen Himmel zu schleppen. Am Nachmittag begann ich schon den Astrostuhl, den Campingtisch, die Astroboots, den Anorak und die Thermohose ins Auto zu tragen. Den Rucksack mit Sternkarte, Fernglas, Taschenlampe und Getränk wurde ebenfalls verstaut. Anschließend noch den 10“ mit der Rockerbox ins Auto geladen und den Okularkoffer dazugestellt. Hm. Immer noch hell draußen. Klar es ist ja erst 16:00 – aber die Vorfreude ist ja die schönste Freude. Also nochmal vor die Sternkarten gesetzt und die heutige Tourenplanung mit mir selbst besprochen. Das Frühjahr ist Galaxienzeit und da diese Spezies bei meiner ansonsten großstädtischen Beobachtungen zu Kurz kommen, sind diese Objekte meist für den 10“ auf dem Speiseplan. Bei Frühjahr denkt jeder Astronom, naja fast jeder, an den Virgohaufen. Da ich mich letztes Jahr dort verlaufen hatte wollte ich es nochmal wissen. Endlich nähert sich die Dämmerung, ach komm, jetzt fahr schon los, der Spiegel braucht ja auch Zeit zur Temperaturanpassung. Runter in die Tiefgarage, die Nachbarin getroffen, die meinte, ob ich jetzt meine selbstgebaute Atombombe abwerfe (sie meinte den Dobson) und den Motor gestartet. Nach 45 Minuten Fahrt bin ich auf 980m ü. N.N. umringt von Wald und gleich neben der Sternwarte eines lokalen Astrovereins parke ich den Kombi. Das Ambiente stimmt und Jupiter lacht mich schon an. Den Tubus auf die Rockerbox gehievt und das andere Geraffel ausgeladen, anziehen gegen die kommende Kälte und durch den Dobson geschaut. Jupiter ist total matschig, kaum Bänder zu sehen. Leichte Defokussierung zeigt das Fiasko. Turbulenzen soweit das Auge reicht. Also warten und abkühlen lassen. Nochmal auf die Sternkarte geguckt und die Starhoppingpfade eingeprägt. Ah ja, der Löwe ist schon zu erahnen, und da rechts daneben Kastor und Pollux, auch Spica ist über den Wipfeln des schwarzen Waldes zu sehen. Tja, so richtig super siehts nicht aus, aber egal ich bin jetzt hier, also mach was draus. Kurz den Tubus auf Polaris ausgerichtet, das 6.7mm ES rein und leicht defokussiert. Okay, sieht schon besser aus als vorhin, aber die Justage… irgendwie stark dezentriert… also das Spiel hinten schrauben und vorne schauen – kleine Aufwärmübung für Volltubusastronomen. Noch den Rigel und den optischen Sucher ausgerichtet und jetzt kann es eigentlich losgehen.
Zuerst Jupiter ins Visier genommen: Immer noch Gewaber als wenn Warmluftblasen durchs Bild zögen: Hallo kann hier mal jemand die Balkontüre zumachen! Der Wald rauscht ohrenbetäubend aber auf meinem Platz regt sich kein Lüftlein, vielleicht ist das die Ursache? Erstmal zum Fernglas gegriffen und mit dem Revue 7x35 Melotte 111 betrachtet. Wunderbar in dem Fernglas mit fast 10° Gesichsfeld den 3.5° großen offenen Sternhaufen zu sehen. Er war auch gut ohne Hilfsmittel, nur mit bloßen Augen, zu erkennen. Der Himmel selbst war nicht besser als vielleicht 5.5mag. Inzwischen wurde es dunkel und ich hab erstmal das Leotriplett angesehen. Sofort gefunden und im 27 Pano auch alles drei Kandidaten M65, M66 und NGC 3628 sofort gesehen. Das ist schon ein geiler Anblick.
Aber wir wollten ja neues kennenlernen, daher zu Gamma Com geschwenkt. Das sollte mein Ausgangspunkt sein für ein paar Galaxien im Sternbild Coma Berenices. Von dort bin ich zu NGC 4559. Okay, nichts besonderes. Aber dann: südlich davon eine spindeldünne Galaxien. Die Elongation beträgt 13:1 und der Name ist NGC 4565 - die Nadelgalaxie, gleich neben Melotte 111. Sehr schön, das lädt doch zum verweilen ein. Von dort bin ich weiter runter zu M64, die Black Eye Galaxie, sehr hell mit zentralem Kern, aber das Black Eye habe ich nicht gesehen. Hab länger drauf geschaut mit einer Vergrößerung von 100x, aber irgendwie blieb das Bild recht matschig. Da ich schon in der Nähe bin, hab ich noch bei M53 vorbeigesehen. Das Zentrum konnte ich nicht auflösen, nur der Rand des Kugelsternhaufens war grieselig. Gut, laut Sternkarte ist er nur 4' groß also halb so groß wie M3 (den ich heute ausgelassen habe).
Bevor ich zum Virgohaufen schwenkte, bin ich erstmal weiter in den Norden gewandert und hab mir die Jagdhunde vorgenommen. Erstmal Beta CVn eingestellt, da ich von dort aus zu den beiden interagierenden Galaxien NGC 4485 und 4490 – die Kokon Galaxie weiter hopsen möchte, was auch ohne Probleme gelang. Von dort bin ich zurück auf Cor Caroli und zu M63 weiter. Ziemlich hell im Vergleich zu den anderen Galaxien (außer M64). Da die Jagdhunde zu der Zeit schon ziemlich hoch im Zenit standen, ging das nachführen nicht mehr ganz so zügig und ich hab mich gefragt ob die geriffelte Alublech als Azimutlager in meiner Rockerbox wirklich so eine gute Idee war und ich lieber was anderes ausprobieren sollte.
So, jetzt aber zu Virgo. Brille auf die Nase und durch den Rigel Vindemiatrix angepeilt und von dort rüber zu NGC 4762/4754. Brille ab und – knacks – der Brillenbügel ist abgebrochen. So ein Mist. Dieses ständige auf und ab der Brille hat wohl das Material etwas mürbe gemacht. Also mit der Einbügelbrille weitergemacht, aber vorsichtig, da eine Keinbügelbrille ein Problem beim Autofahren gewesen wäre und ich eigentlich schon gerne noch nach Hause wollte. In dem Moment meldet sich mein Handy, dass es gerne etwas Strom hätte, den ich nicht habe. Ein letzter Piepton und das Handy war aus. Aber zurück zu NGC 4762, eine Galaxie in Kantenlage 6:1 elongiert und weniger als ein halbes Grad entfernt 4754, beide schön im Gesichtsfeld, jetzt mit dem 19er Panoptic drin. Sehr schöner Anblick der beiden Galaxien. Weiter geht’s ins Zentrum der Jungfrau – hin zu M60 und M59, auch beide im Okular, von dort zu M58, leider habe ich die Siamesischen Zwillinge (NGC 4568/7) verpasst, da ich von dort weiter zu M87 bin, das Zentrum der Macht! M87, der Gigant unter den Galaxien, leider nicht im Okular, aber auch nicht schlecht. Von M87 bin ich dann weiter zu M84 und dort bin ich Markarians Galaxienkette entlang. Ein Wahnsinn, eine Galaxie an der nächsten. Einfach irre. Wenn man sich vorstellt wie groß allein eine einzige Galaxie ist und dann hat man hier eine ganze Perlenkette diese majestätischen Objekte im Okular. Zum niederknien. Nach so vielen Galaxien habe ich pausiert und mit den beiden Augen den Himmel betrachtet. Einfach phantastisch. Ich geniese es den dunklen Himmel zu betrachten und mir wird klar, dass mich der Virgohaufen ziemlich müde gemacht hat.
Tief im Osten steht der Schwan, darüber die Leier und noch weiter oben Herkules. Komm Matthias, M13 ruft, den schaust Du dir jetzt noch an. Tubus geschwenkt und M13 sofort im 8x50 Sucher sichtbar. Das 6.7mm ES reingestöpselt und boah! Ach ist das herrlich, einzutauchen in dieses Meer an Sternen. Ich hatte ihn zwar schon besser gesehen, aber an dem Abend nach so vielen Galaxien, war es eine Wohltat für die Augen. So, noch etwas den Himmel genossen und dann abgebaut. Die Heimfahrt mit gebrochener Brille ging vorbei an einem Fuchs und mindestens 5 Rehen, die am Wegesrand scheu zu mir blickten. Freu mich schon auf das nächste mal.
viele Grüße
Matthias
Seit Tagen bestimmt ein Hochdruckgebiet unser Wetter, es ist Neumond und daher Zeit den 10“ Dobson wieder unter dunklen Himmel zu schleppen. Am Nachmittag begann ich schon den Astrostuhl, den Campingtisch, die Astroboots, den Anorak und die Thermohose ins Auto zu tragen. Den Rucksack mit Sternkarte, Fernglas, Taschenlampe und Getränk wurde ebenfalls verstaut. Anschließend noch den 10“ mit der Rockerbox ins Auto geladen und den Okularkoffer dazugestellt. Hm. Immer noch hell draußen. Klar es ist ja erst 16:00 – aber die Vorfreude ist ja die schönste Freude. Also nochmal vor die Sternkarten gesetzt und die heutige Tourenplanung mit mir selbst besprochen. Das Frühjahr ist Galaxienzeit und da diese Spezies bei meiner ansonsten großstädtischen Beobachtungen zu Kurz kommen, sind diese Objekte meist für den 10“ auf dem Speiseplan. Bei Frühjahr denkt jeder Astronom, naja fast jeder, an den Virgohaufen. Da ich mich letztes Jahr dort verlaufen hatte wollte ich es nochmal wissen. Endlich nähert sich die Dämmerung, ach komm, jetzt fahr schon los, der Spiegel braucht ja auch Zeit zur Temperaturanpassung. Runter in die Tiefgarage, die Nachbarin getroffen, die meinte, ob ich jetzt meine selbstgebaute Atombombe abwerfe (sie meinte den Dobson) und den Motor gestartet. Nach 45 Minuten Fahrt bin ich auf 980m ü. N.N. umringt von Wald und gleich neben der Sternwarte eines lokalen Astrovereins parke ich den Kombi. Das Ambiente stimmt und Jupiter lacht mich schon an. Den Tubus auf die Rockerbox gehievt und das andere Geraffel ausgeladen, anziehen gegen die kommende Kälte und durch den Dobson geschaut. Jupiter ist total matschig, kaum Bänder zu sehen. Leichte Defokussierung zeigt das Fiasko. Turbulenzen soweit das Auge reicht. Also warten und abkühlen lassen. Nochmal auf die Sternkarte geguckt und die Starhoppingpfade eingeprägt. Ah ja, der Löwe ist schon zu erahnen, und da rechts daneben Kastor und Pollux, auch Spica ist über den Wipfeln des schwarzen Waldes zu sehen. Tja, so richtig super siehts nicht aus, aber egal ich bin jetzt hier, also mach was draus. Kurz den Tubus auf Polaris ausgerichtet, das 6.7mm ES rein und leicht defokussiert. Okay, sieht schon besser aus als vorhin, aber die Justage… irgendwie stark dezentriert… also das Spiel hinten schrauben und vorne schauen – kleine Aufwärmübung für Volltubusastronomen. Noch den Rigel und den optischen Sucher ausgerichtet und jetzt kann es eigentlich losgehen.
Zuerst Jupiter ins Visier genommen: Immer noch Gewaber als wenn Warmluftblasen durchs Bild zögen: Hallo kann hier mal jemand die Balkontüre zumachen! Der Wald rauscht ohrenbetäubend aber auf meinem Platz regt sich kein Lüftlein, vielleicht ist das die Ursache? Erstmal zum Fernglas gegriffen und mit dem Revue 7x35 Melotte 111 betrachtet. Wunderbar in dem Fernglas mit fast 10° Gesichsfeld den 3.5° großen offenen Sternhaufen zu sehen. Er war auch gut ohne Hilfsmittel, nur mit bloßen Augen, zu erkennen. Der Himmel selbst war nicht besser als vielleicht 5.5mag. Inzwischen wurde es dunkel und ich hab erstmal das Leotriplett angesehen. Sofort gefunden und im 27 Pano auch alles drei Kandidaten M65, M66 und NGC 3628 sofort gesehen. Das ist schon ein geiler Anblick.
Aber wir wollten ja neues kennenlernen, daher zu Gamma Com geschwenkt. Das sollte mein Ausgangspunkt sein für ein paar Galaxien im Sternbild Coma Berenices. Von dort bin ich zu NGC 4559. Okay, nichts besonderes. Aber dann: südlich davon eine spindeldünne Galaxien. Die Elongation beträgt 13:1 und der Name ist NGC 4565 - die Nadelgalaxie, gleich neben Melotte 111. Sehr schön, das lädt doch zum verweilen ein. Von dort bin ich weiter runter zu M64, die Black Eye Galaxie, sehr hell mit zentralem Kern, aber das Black Eye habe ich nicht gesehen. Hab länger drauf geschaut mit einer Vergrößerung von 100x, aber irgendwie blieb das Bild recht matschig. Da ich schon in der Nähe bin, hab ich noch bei M53 vorbeigesehen. Das Zentrum konnte ich nicht auflösen, nur der Rand des Kugelsternhaufens war grieselig. Gut, laut Sternkarte ist er nur 4' groß also halb so groß wie M3 (den ich heute ausgelassen habe).
Bevor ich zum Virgohaufen schwenkte, bin ich erstmal weiter in den Norden gewandert und hab mir die Jagdhunde vorgenommen. Erstmal Beta CVn eingestellt, da ich von dort aus zu den beiden interagierenden Galaxien NGC 4485 und 4490 – die Kokon Galaxie weiter hopsen möchte, was auch ohne Probleme gelang. Von dort bin ich zurück auf Cor Caroli und zu M63 weiter. Ziemlich hell im Vergleich zu den anderen Galaxien (außer M64). Da die Jagdhunde zu der Zeit schon ziemlich hoch im Zenit standen, ging das nachführen nicht mehr ganz so zügig und ich hab mich gefragt ob die geriffelte Alublech als Azimutlager in meiner Rockerbox wirklich so eine gute Idee war und ich lieber was anderes ausprobieren sollte.
So, jetzt aber zu Virgo. Brille auf die Nase und durch den Rigel Vindemiatrix angepeilt und von dort rüber zu NGC 4762/4754. Brille ab und – knacks – der Brillenbügel ist abgebrochen. So ein Mist. Dieses ständige auf und ab der Brille hat wohl das Material etwas mürbe gemacht. Also mit der Einbügelbrille weitergemacht, aber vorsichtig, da eine Keinbügelbrille ein Problem beim Autofahren gewesen wäre und ich eigentlich schon gerne noch nach Hause wollte. In dem Moment meldet sich mein Handy, dass es gerne etwas Strom hätte, den ich nicht habe. Ein letzter Piepton und das Handy war aus. Aber zurück zu NGC 4762, eine Galaxie in Kantenlage 6:1 elongiert und weniger als ein halbes Grad entfernt 4754, beide schön im Gesichtsfeld, jetzt mit dem 19er Panoptic drin. Sehr schöner Anblick der beiden Galaxien. Weiter geht’s ins Zentrum der Jungfrau – hin zu M60 und M59, auch beide im Okular, von dort zu M58, leider habe ich die Siamesischen Zwillinge (NGC 4568/7) verpasst, da ich von dort weiter zu M87 bin, das Zentrum der Macht! M87, der Gigant unter den Galaxien, leider nicht im Okular, aber auch nicht schlecht. Von M87 bin ich dann weiter zu M84 und dort bin ich Markarians Galaxienkette entlang. Ein Wahnsinn, eine Galaxie an der nächsten. Einfach irre. Wenn man sich vorstellt wie groß allein eine einzige Galaxie ist und dann hat man hier eine ganze Perlenkette diese majestätischen Objekte im Okular. Zum niederknien. Nach so vielen Galaxien habe ich pausiert und mit den beiden Augen den Himmel betrachtet. Einfach phantastisch. Ich geniese es den dunklen Himmel zu betrachten und mir wird klar, dass mich der Virgohaufen ziemlich müde gemacht hat.
Tief im Osten steht der Schwan, darüber die Leier und noch weiter oben Herkules. Komm Matthias, M13 ruft, den schaust Du dir jetzt noch an. Tubus geschwenkt und M13 sofort im 8x50 Sucher sichtbar. Das 6.7mm ES reingestöpselt und boah! Ach ist das herrlich, einzutauchen in dieses Meer an Sternen. Ich hatte ihn zwar schon besser gesehen, aber an dem Abend nach so vielen Galaxien, war es eine Wohltat für die Augen. So, noch etwas den Himmel genossen und dann abgebaut. Die Heimfahrt mit gebrochener Brille ging vorbei an einem Fuchs und mindestens 5 Rehen, die am Wegesrand scheu zu mir blickten. Freu mich schon auf das nächste mal.
viele Grüße
Matthias