Galaxienhüpfen in der Eifel

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StefanF

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Servus miteinander,

nachdem anscheinend das Wetter den hundsmiserablen Astro-Winter irgendwie wett machen will, war es am Dienstag tagsüber wieder erstaunlich vielversprechend für die Nacht. Und tatsächlich: der wolkenlose Himmel blieb wolkenlos, und der starke Wind ließ zumindest etwas nach. Also bin ich wieder zu meinem Beobachtungsplatz südlich der Teufelsley auf 440m üNN gefahren – diesmal ohne Schnee und Eis. Das Wetter nachts: ca 10°C, klar, einige dünne Schleierwolken am Westhorizont, teilweise starker böiger Wind, kein Tau, sehr trockene Luft, Seeing oft gut, teilweise jedoch schlecht (je nach Wind).
Gerät: 14.5“ f/4.7 Dobson.

Neben etlichen Messier-Objekten stützte ich mich dann wieder in das Galaxien-Gewimmel am Frühlingshimmel.
Beobachtete Objekte: M 76, M 34, M 37, M 1, M 104, M 68, M 53, M 61, M 100, M 99, M 98, M 84, M 86, M 87, M 88, M 89, M 90, M 58, M 59, M 60, M 49
NGC 2365, NGC 2357, NGC 2885, MCG 4-22-60, IC 2474, NGC 2896, NGC 2929, NGC 2930, NGC 2931, NGC 2927, NGC 2862, NGC 2824, NGC 2988, NGC 2991, NGC 2994, NGC 2943, NGC 2941, NGC 2933, NGC 2934, NGC 2928, NGC 3919, NGC 3910, NGC 3925, NGC 3926, NGC 3951, NGC 3983, NGC 4000, NGC 4005, NGC 4011, NGC 4015, NGC 4023, NGC 3999, NGC 3987, NGC 3989, NGC 3993, NGC 3997.

Ich erspare Euch hier die ziemlich lange Beobachtungsliste mit ihren Details, will aber einige Highlights nicht unerwähnt lassen.
- NGC 2357: sehr schwache Galaxie (13.9m), recht groß, deutlich länglich, wie ein dünner Strahl, mit leicht aufgehellten Zentrum. Ein kleines Sternchen sitzt im westlichen Ausläufer der Galaxie, und sieht wie eine Supernova aus. Tatsächlich ist dort derzeit eine 15.7m Supernova in der Galaxie, die allerdings im östlichen Teil liegt, und leider nicht zu sehen war. Vielleicht war dazu der Kontrast zwischen Galaxie und Stern zu gering.
- NGC 2885: recht hell und klein, rund, mit sehr hellem sternförmigen Zentrum. Bereits bei niedriger Vergrößerung fällt eine weitere Galaxie auf: IC 2474, die ziemlich schwach und klein erscheint, jedoch länglich ist, ohne Struktur. Die Galaxie liegt nahe an einem schwachen Sternchen. Bei 284x taucht dann eine weitere Galaxie auf: MC 4-22-60, die mit 15.7m schon ziemlich schwach ist, jedoch deutlich länglich erscheint. Die vierte Galaxie in der Gruppe, MCG 4-22-59 (16.4m) konnte ich nicht sehen.
- NGC 2929/2930/2931: diese drei recht schwachen Galaxien liegen alle auf einer Linie, jeweils 2-3 Bogenminuten voneinander getrennt. Die hellste ist NGC 2929 mit 14.4m. Alle drei sind recht klein, mehr oder weniger länglich, und haben ein helleres Zentrum. Als „Zuckerl“ kommt dann noch NGC 2927 dazu, die mit 14.1m etwas heller ist, und 22 Bogenminuten nördlich liegt.
- NGC 2988/2991: bei niedriger Vergrößerung ist nur die hellere NGC 2991 (13.5m) zu sehen, erst bei 340x kommt die 15.8m „helle“ NGC 2991 hervor. Diese schmiegt sich regelrecht an NGC 2991, und sieht wie ein schwacher Strahl aus, der von ihr wegführt. NGC 2991 selbst ist klein, rund, mit hellem Zentrum, und steht nördlich einem Stern 12m. Im gleichen Gesichtsfeld ist noch NGC 2994 (14.4m)
- NGC 2933/2944: schwächste Objekte der Nacht: NGC 2933 ist mit 14.9m schon sehr schwach, klein, aber sehr länglich und ohne Struktur. Für die nur 17m helle NGC 2934 habe ich bestimmt 5 Minuten gebraucht, und ohne Vergleichsfotografie wäre ich mir gar nicht sicher gewesen. Aber blickweise war der sehr schwache Stern deutlich diffuser als der gleich helle Stern etwas östlich davon, sodass ich für mich die Galaxie als „gesehen“ notiere.
- Galaxiengruppe um NGC 4005: Hier steht der Stern SAO 82077 (8.3m) in der Mitte, der als Aufsuch- und Orientierungshilfe dient.
Dicht dran steht eine der hellsten Galaxien der Gruppe, NGC 4005 (14.1m), und mit weiterem Suchen findet man dann NGC 4000 (15.2m), NGC 3999 (15.5m), NGC 4011 (15.6m), NGC 4015 (14.2m), und NGC 4023 (14.6m). Westlich davon liegen dann NGC 3987 (14.4m), NGC 3989 (15.7m), NGC 3993 (14.5m) und NGC 3997 (14.3m). Im 6mm Ethos hatte ich zeitweise 7 Galaxien im Gesichtsfeld.
- krönender Abschluss war ein Schwenk durch den Virgo-Haufen, wo ich in 10 min alle Messier-Objekte angefahren habe. Dabei war M 61 der beste Anblick: eine deutlich sichtbare Spirale, sehr große und helle Galaxie, mit einem kleinen hellen Kern
- Und schließlich noch der Komet 81P/Wild 2: mit 9m ein einfaches und helles Objekt, nahe dem Stern Iota Vir einfach zu finden. Der Komet hatte einen hellen Kern, ein nach außen schwächer werdendes Halo, das nach einer Seite deutlich schärfer begrenzt war als in die andere Richtung. Dies war der schwache Schweif, der aber nicht deutlicher zu sehen war.

Insgesamt konnte ich 36 persönliche Erstsichtungen machen. Also: eine feine Nacht, und der Beobachtungsplatz hat sich zum zweiten Mal sehr gut bewährt.

CDS
Stefan
 
Hallo Stefan,
wow - was für eine Liste!
Und viele schöne Sachen dabei, da wär ich ja gern dabei gewesen.
Solche Berichte wie Deinen lese ich immer sehr gern, da sie auch wieder Anregungen für die nächste eigene Session geben.
Vielen Dank.
 
Hi Stefan,
schöne Liste hast du dir da erstellt und herzlichen Glückwünsch zu deinen 36 Erstsichtungen! :super:
Wow da grenzt ja an Arbeit. Einige Objekte habe ich mir auch raus geschrieben. Danke dass du uns mitgenommen hast! :applaus:
 
Nicht nur der letzte Dienstag hat sich angeboten zur Himmelsbeobachatung, ich finde in diesem Jahr gab es statistisch auffallend viele gute Tage, an denen man gut beobachten konnte.
Hoffe das bleibt so dieses Jahr!
 
Hallo Stefan,

beachtliche Liste hast Du da abgearbeitet.

Aber einige Bedenken habe ich doch.
Mit einem 14.5"er (ich besitze einen 14"er) Objekte mit 17 mag zu sehen, halte ich persönlich für etwas fraglich.

Das müsste dann schon alles zusammen kommen, optimale Durchsicht, klasse Seeing, sehr gute Beobachtserfahrung und sehr dunkler Beobachtungsplatz und dann würde ich immer noch ein Fragezeichen setzen.

Tut mir leid, aber da bin ich a bissl sketisch

Gruß Helmut
 
Servus Helmut,

klar bin ich auch skeptisch gewesen. Zu Deinen Anmerkungen:
- Gerät ist neu, noch "unverbrauchter" Spiegel, mit spezieller Coating, die im blauen Bereich deutlich mehr Licht reflektiert als herkömmliche Spiegel
- Spiegel ist handverlesen (nicht nur irgendwelche Händleraussage, sondern tatsächlich so)
- Seeing war wie beschrieben zwischendurch recht gut
- die Vergrößerung war absolut notwendig, bei 284x war nichts zu sehen, erst bei 340x
- Durchsicht war sehr gut, ich schätze fst 6.2m - 6.3m
- Dunkeladaption war otimal (bestimmt 10min keine Lichtquelle, wie etwa Lampe für Sternkarte lesen u.ä.)
- Beobachtungserfahrung hab ich vermutlich nach 26 Jahren Deep-Sky :/

Meine Vorgehensweise war wie folgt:
ich habe natürlich eine Aufnahme der Region im Rechner dabei gehabt. Zunächst habe ich jedoch, ohne auf das Bild zu schauen, nur anhand der Sternkarte (Uranometria) mir die Sache angeschaut, Mit dem 6mm war die Galaxie nicht zu sehen, also 5mm Nagler rein. Dabei fielen mir dann 2 Sterne an der Stelle auf, die beide nur blickweise zu sehen waren, also an der Wahrnehmungsgrenze lagen. Da mein Dobson ohne Nachführung ist, musste ich bei der hohen Vergrößerung immer wieder nachführen, und habe so etwa 5 min mit der Beobachtung zugebracht. Dabei erschien mir einer der beiden Sterne deutlich diffuser als der andere. Mit diesem Anblick bin ich dann an den Rechner gegangen und hab mir das Bild angeschaut. Sowohl der "Stern"-Stern als auch der diffuse Stern waren beide auf der Aufnahme vorhanden. Auf der Aufnahme im DSS sieht man das Sternchen nordöstlich der Galaxie. Beide Positionen passten genau.
Dazu kommt, dass NGC 2934 mit 12.4m eine sehr hohe Oberflächenhelligkeit hat. Visuelle Helligkeit ist bei 16.0m, fotografisch bei 17.0m. Auf der Fotografie sieht man auch, dass die Galaxie praktisch nur aus hellem Kern besteht. Ich denke, dass ich genaus das gesehen habe.
Ganz sicher kann man allerdings - da gebe ich Deiner Skepsis recht - erst sein, wenn ein Mitbeobachter das gleiche unabhängig sieht. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werd ich das nachholen...
Ich bin übrigens zu mir selbst hoffentlich kritisch genug, da ich in der Nacht - wie sonst auch - immer wieder Objekte, die nach den Daten zu sehen sein sollten, als "nicht gesehen" notiere.

Aber: danke für Deinen Beitrag !!
CDS
Stefan
 
Hallo Stefan,

ich glaub Dir ja auch Deine Aussage Ich denke, wir haben eine ähnlich lange Erfahrung im Deep Sky Bereich. Ich bin auch, so wie Du der Meinung, etwas eher als nicht gesehen einzustufen, wenn es im Grenzbereich liegt. Es gibt sicherlich viele Beobachter die weit mehr sehen als ich, aber auch ich habe da meine Erfahrung, die dürfte im guten Mittelfeld liegen. Auch ich besitze ein vorzügliches Teleskop (von den Messdaten her, ganz oben ein zu stufen - ein Selbstbau eines Könners), aber ich bin nach wie vor bei Sichtungen in Deiner angegeben Größenordnung verwundert, dass mit unseren ähnlichen Teleskopen so etwas machbar ist.
Wenn dem aber so ist, gebe ich zu, dass ich noch einiges lernen muß um mein Teleskop voll auszunutzen, oder aber es liegt an mir, die letzen erforderlichen Photonen von meinen mittelmäßigen Augen in mein Gehirn zu lenken und da richtig auszuwerten. :)
Lass Dich von mir nicht aus der Ruhe bringen und ich werde versuchen, einige Deiner geschilderten grenzwertigen Objekte mal anzugehen.

Gruß Helmut


 
Hallo Stefan,

Das ist 'ne riesige (besonders schöne) liste!

Da läuft mir das Wasser im Mund (eigentlich 'ne Eimer voll). Das ist 'ne Liste für nächstes (Neumond) mal... Mal sehn ob och das schaffe ;-))


Clear Sky...

Frank.
 
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