Ganz prinzipielle Frage zum Spiegel-Selbstschliff

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Rolf_Geissinger

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Hallo an alle Spiegelschleifer,

des öfteren habe ich schon auf diversen Web-Sites und im Forum gelesen, dass man Spiegel selber schleifen kann und dazu ein Tool mit Schleif- und Polierpaste benötigt. Ich kann mir nun aber ganz und gar nicht vorstellen, wie es möglich ist, mit einem selbstgebauten Schleiftool von Hand einen genauen Spiegel zu schleifen. Was ist daran das prinzipielle Geheimnis? Muss hierbei das Schliffbild immer wieder peinlich genau kontrolliert werden, nachdem ein paar Schleifbewegungen gemacht wurden?
Wer könnte mich da mal prinzipiell aufklären?
 
Re: Ganz prinzipielle Frage zum Spiegel-Selbstschl

Hallo,
Den ganzen Prozess hier jetzt noch mal zu beschreiben würde wirklich zu weit führen. Nur soviel: Es geht, man kann einen Fernrohrspiegel auf dem Küchentisch schleifen und braucht dafür nicht mehr als etwas Material, zwei gesunde Hände, Geduld und einen feuchten Lappen.
Es gibt folgende Möglichkeiten sich zu informieren:
1.) Es gibt mehrere Spiegelschleifkurse, einer davon bei Stathis in München, einer bei uns in Berlin. und noch ein paar andere (Rostock, Hamburg?) Info Berliner Kurs
2.) es gibt ein Buch: Werbung an: "Spiegelfernohre - selbst gebaut" vom Spektrum Verlag. Gibts im Buchhandel oder von mir. Werbung aus.
3.) Du kannst im Internet etwa 200 Seiten übers Spiegelschleifen finden, da mußt du dir die Informationen natürlich mühsam zusammensuchen, aber mit einer Flattrate geht das.
4.) Es gibt eine e-mailliste, die Kontaktadresse ist:
http://www.uni-paderborn.de/StaffWeb/jogger/astronomy/
Grüße Martin
 
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Hallo Geissi

Ich habe mir das Buch und Material von Martin beschafft und bin jetzt kurz vor dem Ende meines Projekts, es ist eine tolle Erfahrung die unglaublich viel Geduld erfordert, aber auch ungeheuer viel bringt.

Du solltest es versuchen, es lohnt sich, schone wegen des Lernens, es geht wirklich.
 
Re: Ganz prinzipielle Frage zum Spiegel-Selbstschl

Hallo,

na, da hast Du eine Frage gestellt, die sich nur schwer mit wenigen Worten beantworten läßt. Am einfachsten wäre es sich etwas Literatur hierüber zuzulegen.

Das Grundprinzip: Schleift man zwei Runde Scheiben übereinander, hat die obere Scheibe sobald die Mittelstellung verlassen ist länger in der Mitte, die untere länger am Rand kontakt und schleift sich somit dort mehr ab. Dreht man die Scheiben nun alle paar Schleifbewegungen gegenenander, geschieht der Abtrag rotationssymetrisch.
Die obere Scheibe wird etwas hohl (konkav), die untere etwas gewölbt (konvex). Durch die Länge der Schleifbewegungen ("Striche" genannt), kann man steuern, ob mehr in der Mitte oder mehr am Rand des Spiegels (den man am Anfang immer oben schleift) bearbeitet wird.
Passen beide Scheiben vollflächig aufeinander, sind diese völlig sphärisch, d.h. die Form entspricht einem perfekten Kugelsegment. Durch einfaches Aufzeichnen von Strichen auf dem Spiegel bzw. dem Schleifgegenstück ("Tool" oder Schleifschale genannt) kann man überprüfen, wo der Kontakt noch nicht 100% gegeben ist, und durch geeignete "Striche" korrigieren.

Nach Erreichen der nötigen Schleiftiefe wechselt man auf immer feinere Körnungen, um die Oberfläche immer glatter zu bekommen. Dabei muß immer penibler auf Sauberkeit geachtet werden. Ab einer bestimmten Feinheit der Oberfläche wechselt man zum polieren. Dies erfolgt mit Pech als Trägermaterial für das Poliermittel. Pech hat die Eigenschaft, sich auch bei Raumtemperatur an die Spiegelform anzupassen, es ("fließt" unmerklich langsam), und so eine vollflächige Politur zu ermöglichen.
Ist der Spiegel auspoliert, d.h. alle noch so kleine Restvertiefungen ("Pits" genannt) verschwunden, geht man dazu über, die Sphäre gezielt durch etwas geänderte Polierbewegungen in ein Rotationsparaboloid zu überführen. Der Unterschied zwischen Sphäre und Parabel ist sehr gering, so daß - abhängig von Spiegelgröße und Öffnungsverhältnis - der nötige Glasabtrag in wenigen Minuten bis wenigen Stunden erreicht werden kann. Die Kunst und die große Schwierigkeit besteht darin, dies gezielt durchzuführen.

Nun stellt sich die Frage, wie kann man dies messen, d.h. woher weis man, wie die Spiegeloberfläche aussieht? Leon Foucault, ein französischer Physiker hatte Ende dea 18. Jahrhundert die geniale Idee, das Testverfahren ist Ihm zu Ehren benannt.

Grundprinzip: Eine punkförmige Lichtquelle sendet Licht auf die Spiegelfläche. Die Lichtquelle wird so plaziert, daß sich diese im Krümmungsradius der Sphäre befindet. Ist die Spiegeloberfläche exakt sphärisch, wird das Licht wieder zu einem Punkt reflektiert, d.h. fällt in die Lichtquelle zurück. Nun wird der Aufbau so angeordnet, daß der Reflex wenige cm neben (oder oberhalb) der Lichtquelle auf eine möglichst gerade Kante fällt, z.b. eine Messerscheide. Die Klinge ist senkrecht quer zur Lichtquelle angeordnet. Schiebt man die Messerscheide genau im reflektierten Lichtpunkt in den Strahlengang, verdunkelt sich der Spiegel (das Licht wird mit dem Auge knapp hinter der Messerscheide aufgefangen) schlagartig. Ist die Oberfläche des Spiegels nicht ganz sphärisch, sieht man eine Art "Höhenprofil". Dort. wo das Licht stärker zur Quelle hin abgelenkt wird fällt das Licht an der Messerscheide vorbei ins Auge, es erscheint hell, wo das Licht weniger zur Quelle hin reflektiert wird fällt es auf die Messerscheide und erreicht das Auge nicht, die Region wirkt dunkler. Das Verfahren ist so genau, da Abweichungen zur Sphäre von 20 Nanometern (1/50 eines 1000.000 mm) mit bloßem Auge erkannbar sind.

Wer mehr wissen will, kaufe sich ein Buch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Viele Grüße

Achim
 
Re: Ganz prinzipielle Frage zum Spiegel-Selbstschl

Hallo an alle,

vielen Dank für Eure Antworten. Jetzt ist schon einiges vom Prinzip her klarer geworden. Das heißt also, dass rein durch die relative (Schleif)-Bewegung des Tools zum Spiegel fast automatisch annähernd eine sphärische Form entsteht.
Ich sollte mir mal das Buch und eventuell die DVD von Stathis besorgen.

Viele Grüße
Rolf
 
Re: Ganz prinzipielle Frage zum Spiegel-Selbstschl

Hallo,
Entschuldige, die DVD hatte ich ganz vergessen, die ist unbezahlbar. Durch die Darstellung im Film kann man viel besser nachvollziehen was ich da versucht hab mit Worten zu beschreiben.
Grüße Martin
 
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