Gedanken zum Einstieg in die Astrofotografie

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THK

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Moin !

Ich möchte mal meine Gedanken zum Thema Astrofotografie hier ausbreiten um hoffentlich reichlich Input dazu zu bekommen.

Zu meiner Historie:
Meinen letzten Beitrag in diesem Forum habe ich 2004 geschrieben ( die Anmeldung ging sogar noch ).
Damals hatte ich es bis zu einem 10" GSO Dobson gebracht. Allerdings kamen danach berufliche Veränderungen und Umzüge sodaß ich das ganze dann aufgab.
Mittlerweile beschäftige ich mich als Haupthobby mit der Fotografie.
Da ich hier sehr ländlich wohne und bei abendlichen Hunde-Runden oftmals einen wunderschönen Himmel beobachten kann kam mir jetzt der Gedanke, beides wieder miteinander zu verbinden.

Meine fotografische Ausrüstung besteht derzeit aus einer Pentax K-r mit folgenden Objektiven:
Sigma 70-200/2,8 II EX DG Makro HSM
Pentax Da 18-55 II f3,5-5,6
Sigma 28 - 105mm f2,8-4,0
Sigma 70-300/4-5,6 DG OS
Das ist auch die Ausrüstung mit der zunächst gearbeitet werden soll.

Meine Gedanken gehen in folgende Richtung:
Zu Beginn würde ich mich darauf beschränken, die Kamera auf eine ( motorisierte ) Montierung zu setzen und damit zu arbeiten. Hauptoptik wird dabei wahrscheinlich das 70-200 / 2,8 sein. Zusammen mit dem Body sind das knapp 2kg Gewicht die die Montierung möglichst genau nachführen soll. Da die anderen Objektive nicht besonders lichtstark sind würde ich evtl. noch ein manuelles 50mm / 1,7 besorgen.

Wenn das Thema ausgereizt ist ( was aber wahrscheinlich eine Weile dauern wird ) käme im nächsten Schritt die Fotografie durch ein kleineres Teleskop bzw. eine Russentonne in Betracht.
Natürlich wäre es schön wenn ich dafür die Monti weiterbenutzen könnte.
Eventuell benötige ich das Teleskop ja auch schon vorher um die Kamera überhaupt auf etwas ausrichten zu können ( falls es keine Goto Monti ist ).
Ich denke dabei wird es dann auch bleiben denn der nächste Schritt zu "richtigen" Deep Sky Aufnahmen mit Autoguiding etc. ist mir derzeit finanziell deutlich zu hoch.

Die Montierung müßte dementsprechend auch nicht 30min korrekt nachführen können da ja auch die Möglichkeit besteht kürzer zu belichten und zu stacken.

Und nun die Fragen dazu:

1.
Bewertet ihr das Vorhaben und die Teilschritte als sinnvoll oder gibt es nur Vollequipment oder gar nichts ?

2.
Was ich mit 50mm aufs Bild bekomme habe ich schon per Fotostativ ausprobieren können. Aber was geht mit 200mm ? Kommt man damit schon in den Bereich Sternhaufen, Nebel oder Galaxien abbilden zu können ( nicht formatfüllend aber evtl. am Crop )

3.
Wie sieht das später aus wenn durch ein Teleskop ( ich sage mal 6" Newton max. oder vergleichbar ) fotografiert wird ( direkt angeschlossen ohne / mit Okularprojektion ) ?

4.
Welche Montierung bietet sich dafür an ? Muß eine Celestron Cam her oder geht´s auch mit weniger ?

5.
Kann man für Planetenfotografie eigentlich auch die eingebaute Videofunktion der Kamera nutzen ?

Fragen über Fragen und ich freue mich auf eure Antworten :super:

Achja, die Budgetfrage:
Wenn ich zum Start unter 500-600€ bleiben könnte wäre es ideal da ich nicht ausschließen kann daß es evtl. nicht zum 2. Schritt kommt ( hängt von den Erfahrungen beim 1. Schritt ab ).
 
Hallo Thorsten,

für 200mm Brennweite gibt's nicht so viel Einzelobjekte. Ein paar Nebel, Andromeda, Plejaden.
Kugelsternhaufen und offene Sterhaufen sind meist schon für meine 820mm Btennweite zu klein. Galaxien gehen bei ca. 1000mm Brennweite los. Auch M33 (nach Andromenda die zweitgrößte) will mehr als 200mm Brennweite an APS-C (wäre dort nur ca. 1/6 so breit wie die lange Kante des Sensors).

DIE Russentonne hat 1000mm@f/10. f/10 macht astrofotografisch keinen Spaß. Man müßte >6x so lang belichten als mit f/4. 1000mm Brennweite will auch geguided werden.

Was schaffen Deine Objektive an kleinster Blende noch gut abbildend am Stern bzw. wie weit müssen sie abgeblendet werden? Je größer die Blende, desto kürzer die Belichtungszeit, desto höher die Chance, ohne Guiding auskommen zu können. Ich habe mit kürzeren Brennweiten als 480mm aber fast keine Erfahrung. Dazu wissen andere mehr.

Durch ein Teleskop fotografiert man Deep Sky fokal (direkt angeschlossen). Ein 6" Newton will so aber geguided werden. Mond und Planeten gehen auch ohne Guiding (aber schon mit Nachführung) mit Webcam und Barlow oder Okularprojektion. 6" (am Newton) ist für Planeten aber recht wenig, na ja, aber immer noch besser als 5" oder 4" am Refraktor, weil der Newton eben so günstig ist.

Wenn Du ungeguidet mit einer einfacheren Montierung anfangen möchtest, würde ich die gebraucht kaufen. Dann zahlst Du, wenn Du Blut geleckt hast (da geht mehr, sehr viel mehr), bei Wiederverkauf nur das Porto. Ansonsten zahlst Du doppelt und dreifach.

Schau mal nach gebrauchten und motorisierten Vixen GP, GP2, GP-D2, GP-DX, Skywatcher HEQ5 Pro.

Gruß,
Markus



 
Moin Markus,

Zitat von helly:
für 200mm Brennweite gibt's nicht so viel Einzelobjekte. Ein paar Nebel, Andromeda, Plejaden.

Naja, wenn ich es schaffen würde die mit meiner 200mm Brennweite alle gut abzulichten wäre ich ja schon zufrieden ( plus ein paar schöne Milchstraßenausschnitte ).

Zitat von helly:
Was schaffen Deine Objektive an kleinster Blende noch gut abbildend am Stern bzw. wie weit müssen sie abgeblendet werden?

Das 70-200 / 2,8 kommt gerade von der Justierung. Daher kann ich es auch bei 2,8 einsetzten. Spitzenleistung aber ab f/4. Das 28-105 geht ab 5,6 gut, der Rest erst darüber.

Zitat von helly:
Ein 6" Newton will so aber geguided werden.

Reicht dazu die Nachführqualität einer Goto-Montierung wie der EQ3 SkyScan aus ( ohne angeschlossenes Guiding )?

Läßt sich das Problem längerer Belichtungszeiten dadurch lösen daß man kürzere Belichtungszeiten stackt, sprich entsprechen 5 Aufnahmen à 2 Minuten gestackt einer 1x10 Minuten Aufnahme ?
Der Gedanke ist: je kürzer die Nachführzeit umso niedriger die Ansprüche an die Nachführung, oder ?
 
Hallo Thorsten,

750mm Brennweite mit einer EQ3 2min ungegeuidet? Keine Chance. Das geht auch mit einer HEQ5 Pro oder EQ6 nicht: die Sterne sehen furchtbar aus.

Durch Stacken verringert man den Rauschanteil im Bild. Das eigendliche Bildsignal selbst wird aber nicht verstärkt. Es tritt durch das verringerte Rauschen nur deutlicher hervor. Insofern ist auf 1x10min mehr Signal drauf als auf 5x2min. Was auf 2min nicht drauf ist, wird durch 5x Stacken nicht deutlicher.

Gruß,
Markus
 
Moin Markus,

das ist ja leider alles recht ernüchternd ( wie ich schon befürchtet hatte ).

Da meine Finanzen keine "Vollausstattung" incl. Guiding zulassen:
Manuelles Guiding über ein Doppelkreuzokular setzt aber auch eine Montierung mit Haupt- & Leitrohr voraus, oder ?
Ich habe zwar auch schon im Netz einen 6x30 Sucher mit beleuchteten Doppelfadenkreuz entdeckt allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen daß es damit gehen wird.

Manuelles guiding bedeutet schlußendlich doch, daß ich die laufende motorisierte Nachführung von Hand korrigiere wenn sie auswandert, oder ?
 
Hi!

Zitat von THK:
Manuelles Guiding über ein Doppelkreuzokular setzt aber auch eine Montierung mit Haupt- & Leitrohr voraus, oder ?
Statt des Leitrohres kann man auch einen Off-Axis-Guider nebst Barlowlinse verwenden.

Manuelles guiding bedeutet schlußendlich doch, daß ich die laufende motorisierte Nachführung von Hand korrigiere wenn sie auswandert, oder ?
Ja.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Thorsten,

vielleicht bist Du nun auch zu sehr ernüchtert. Mit einer vernünftigen Montierung zum Anfang kann man schon eine Menge guter Erfahrungen machen und sich weiteres Equipment so nach und nach zulegen oder - noch besser - schenken lassen. Zudem haben Montierungen einen recht guten Wiederverkaufswert, wenn man merkt, dass dies doch nicht das Richtige ist.

Gegenwärtig wird die LXD75 preisgesenkt angeboten. Ein Sternfreund hat darauf mit einem 5-Zoll-Newton schöne Deep-Sky-Aufnahmen gemacht. Ganz ähnlich ist die HEQ-5.

Aber auch im Weitfeld mit der Kamera und einem guten Objektiv ist viel möglich und man kann lange Spaß haben.

http://forum.astronomie.de/phpapps/...lleries/875891/Plejaden_mit_200mm_Tele_und_DS

http://digitalastro.skyinsight.net/gallery/album26/m8_m20_widefield?full=1
... und folgende ...

hier sogar vom einfachen Fotostativ: http://digitalastro.skyinsight.net/gallery/album26/Core?full=1

Die Arbeit am PC muss einem aber auch liegen.

Gruß, Günther.
 
Hallo Thorsten,

ich weiß zwar nicht, um welchen Preis die LXD-75 derzeit angeboten wird, kann dir aber aus meiner Erfahrung sagen, dass sie dir über Jahre hinweg Spass bereiten wird. Natürlich bekommt man für einen (astronomisch-sportlich gesehen) kleinen Aufpreis auch eine EQ6, aber falls es das Budget nicht hergeben sollte, dann ist´s eh wurscht...

Zu den Montierungen, selbst meine kleine Bresser MON-1 mit Motor lässt es zu bei 50mm Brennweite 60-90 Sekunden zu belichten. Die Montierung ist dabei nur grob auf Polaris ausgerichtet, da es für diese Montierung keinen Polsucher gibt und Einscheinern doch etwas übertrieben ist. Mit viel Glück sollten sich auch 100mm 30 Sekunden belichten lassen, ausprobiert habe ich das aber noch nicht!

Die LXD-75 trägt bei mir einen 6" Newton mit 80/400er als Leitrohr und damit lassen sich 2-3min locker belichten. Wenn du allerdings erst mal bei normalen Objektiven bleiben willst, lassen sich auch mit günstigem Guidingequipment (Doppelbefestigung, 80/400 Leitrohr und umgebaute Webcam) bei 200mm Brennweite Belichtungszeiten von 5min und mehr realisieren.

Wenn es dein Budget also irgendwie zulassen sollte, dann gönn dir ne Montierung in der Größenordnung der LXD-75 und fang mit Brennweiten unter 100mm an. Nach und nach kannst du dann eine Doppelbefestung und ein Leitrohr kaufen (beides zusammen ca. 250 €) und dir ne Webcam in eine Okularhülse basteln (ca. 50 €) oder du kaufst so´n Teil von der Stange (PC-Okular) für ca. 100€... und wenn das dann alles zu deiner Zufriedenheit läuft, dann weisst du auch ob die Montierung langt und wie GROSS dein nächstes Teleskop werden soll. Ein 6" Fotonewton geht auf jeden Fall auf der LXD-75 und bei Planeten und Mond hatte ich auch mit einem 8" ACF keine Probleme. Am Guiding per OAG für Langzeitbelichtungen bastel ich derzeit noch, kann dir also dazu noch nichts sagen.

Also so ernüchternd ist das ganze gar nicht, nur muss man sich am Anfang klar sein, was mit welchem Budget geht/nicht geht und wo man einsteigen kann!

CS Markus
 
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