Gesamttransmission von ferngläsern

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Kay

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Hallo Leute,
in letzter zeit bekommt man den Eindruck, dass die alten FGs, z.B. aus Jena und selbst von Fujinon von den ganz neuen der Spitzenklasse mit ihren aktuellen Vergütungen um Längen geschlagen werden. Da ich dem skeptisch gegenüberstehe, frage ich mich und euch, was denn bei FGs überhaupt theoretisch und praktisch möglich ist:

Ein Objektiv aus mehreren Linsen sowie ein Prismensystem (ob Porro oder Dachkant sich da sehr unterscheiden?) und ein mehrlinsiges Okular schlucken doch logischerweise etwas Licht.

Was heißt das praktisch? Von Fujinon kenne ich die ICS-Werbung, dass 95 Prozent des Lichts durchkommt, bei CZJ schwirrt mir im Hinterkopf die Zahl 88 Prozent herum. Wo liegen denn heutige Spitzengläser?
Wieviel kann denn theoretisch durchkommen?
Und welchen Einfluss hat die Vergütung? Kann die denn noch soooo viel herausholen?
Mein Verdacht ist, dass viel auch Werbegeklapper ist, andererseits berichten einige auch hier im Forum von deutlich helleren Bildern. Hmmm... was sagt ihr?
 
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Hallo Kay,

als ich vor einiger Zeit mit einem Optikfachmann über dasselbe Thema sprach war dessen Aussage sinngemäß:

Nicht nur die Vergütung ist entscheidend für die Transmission, sondern die Qualität der Linsenoberfläche ist das eigentlich entscheidende Kriterium. Damit ist nicht die Formgenauigkeit der Linsenwölbung gemeint (die muß sowieso stimmen) sondern deren Rauhigkeit. Er sagte daß er eine Optik mit sehr guter bis perfekter Oberflächenqualität ohne(!) Vergütung einer weniger perfekten mit(!) Vergütung vorziehen würde.Erst bei einer sehr guten=glatten Oberfläche bringt die Vergütung die letzten und dann merkbaren % Lichtdurchlass.

Bei den von dir angesprochenen "Nobelferngläsern" sollte dann alles stimmen, der Unterschied zu anderen wird dann unter Umständen deutlich sichtbar.

Ich hatte vor Kurzem das Vergnügen durch ein excellent erhaltenes altes Dienstglas 10x50 von Zeiss (Bj.1943) zu schauen, die Abbildungsqualität dürfte nicht "um Längen" zu schlagen sein, meinen Japaner aus den 80igern hat es zu meiner Überraschung sichtbar hinter sich gelassen.Wie groß der Unterschied zu modernen Gläsern ist kann ich mangels Vergleichsmöglichkeit nicht sagen.

Grüße + CS Felix
 
Hallo Kay,
da muss schon was dran sein.
Ich habe mir vor kurzem ein Leica Trinovid gegönnt und mich dann 2h am Tage zum Vergleich mit meinen vorhanden Gläsern gesetzt.
Abgesehen von unterschiedlichen Vergrößerungen, Öffnungen und damit versch. AP's, die ja aber am Tage nicht viel ausmacht, war das Bild im Leica immer am brilliantesten, hellsten und mit den intensivsten Farben.
Mit Zahlen kann ich das aber nicht belegen...
Zum Vergleich traten an:
CZJ 10x50 mit 5...er Seriennummer
CZJ 8x32 mit 4...er Seriennummer
Swift Audubon MK II 8,5x44
Revue 7x35

Sicher kennst Du das Jülich-Forum, da kann Dir bestimmt jemand fachgerechte Auskunft geben zu den Transmissionswerten der Highend-Gläser. Ich habe dort schon verschiedene Threads zu dem Thema gesehen. In der Helligkeit stellt wohl Zeiss mit dem Victory FL derzeit die Spitze dar.
 
Auf die Werbeaussagen würde ich nichts geben und stattdessen lieber selbst durchschauen. Ob nun 95% oder 88% durchkommen, macht in der Helligkeit sicher keinen großen Unterschied. Interessanter finde ich die Frage, wieviel % des durchgelassenen Lichts denn Streulicht ist. Darüber wird in der Werbung sicher nichts ausgesagt. Entscheidend ist meines Erachtens der Kontrast und den kann man nur durch das Hindurchsehen überprüfen.
 
Das ist natürlich eine interessante Frage, aber: Wozu sollte man die klären. Nehmen wir mal als Beispiel jemanden, der ein 8x42 kaufen möchte. Das einzige, was er wirklich entscheiden muss, ist (grob) seine finanzielle Schmerzgrenze: 150 EUR Chinaglas, 600 EUR Docter, Meopta, Zeiss Billigschiene oder > 1.500 EUR für die großen Drei. Ich habe es mal bewusst stark vereinfacht dargestellt. Ich denke, die Transmission ist für eine solche Kaufentscheidung komplett irrelevant. Ein 150 EUR Glas kann und wird nicht mit einem 4 x oder gar 10 - 15 x so teuren Glas mithalten. Vermutlich ist der Unterschied zwischen 150 EUR und 600 EUR größer als der Sprung in die Königsklasse. Das ist nun einmal bei Ferngläsern nicht anders wie bei allen anderen Dingen: Für die letzten 5 % "High End" Leistung zahlt man locker 90 % des Kaufpreises. Das können sich aber viele nicht leisten und ich behaupte auch einfach mal, es "braucht" auch niemand. Was nicht heißt, dass es nicht "schön" ist und für einen Liebhaber durchaus in Ordnung ist, sich nur das Beste zu kaufen.

Mich interessieren bei einem Fernglas für den Gebrauch in der Praxis ganz andere Dinge als theoretisch mögliche Transmissionswerte. Also halte ich das in erster Linie für marketingorientiertes Verkäufergeschwätz.

Gruß
Adson
 
Re: Gesamttransmission von Ferngläsern

Hallo Leute,
danke für eure Antworten.

Adson, natürlich klingt meine Frage etwas "abseitig", aber aus gutem Grund: bei Nobelferngläsern werden fast nur noch Dachkantprismen verbaut, auf geringe Masse geachtet, Wasserdichtigkeit usw., was alles gewaltig ins Geld geht. Das brauche ich alles nicht. Mir geht es einfach um das optische Maximum.

Ich habe ja etliche Fernglasprojekte durchgeführt bzw. bin noch dabei (zu lesen u.a. im Nightsky, bei den OdS im Interstellarum oder vielleicht im nächsten VdS-Journal) und versuche da die Grenzen auszuloten.

Um mal 2 Beispiele zu nennen: die Mindestoptik für Messierobjekte oder mein 8x30-"Katalog" - vor Jahren hat man mit einem Zeiss-Jena kein wirklich zweitklassiges Glas gehabt, viele Top-Beobachtungsergebnisse auch anderer Beobachter wurden mit solchen FGs erzielt, z.B. von Ronald Stoyan mit 109 Messiers im 10x50 oder bei Uwe Glahns Messiermarathon mit 91 dieser Objekte im 8x30.

Sicherlich könnte ich selbst testen und vergleichen, aber ich bin davon ausgegangen, dass es vielleicht den einen oder anderen mehr oder minder objektiven Wert gibt, der mir vielleicht irgendwann hilft, mir das ür meine Zwecke optimale Glas zu kaufen. Bis jetzt bin ich immer noch gut bedient, aber ich verfolge nunmal auch die neuere Entwicklung... und wenn ich dann höre, dass man im neuen Locutec beschichteten 10x42 von Zeiss angeblich genausoviel sieht wie früher im 10x50 (ich weiß, die andere AP spielt auch eine Rolle), dann lässt mich das aufhorchen, mal als Beispiel.
 
Re: Gesamttransmission von Ferngläsern

Die pauschale Behauptung, dass man im modernen 10x42 mehr sähe als im älteren 10x50, kommt mir sehr gewagt vor. Ein 10x50 lässt 42% mehr Licht rein als ein 10x42 und es wurde ja gesagt, dass in Letzterem "mehr" zu sehen sei, was sicher eine um etwa 50% bessere Transmission bedeuten müsste. Das würde ich erst glauben, wenn ich es mit eigenen (auf mindestens 5 mm geöffneten!) Augen sehe und auch dann würde ich erst einmal auf eine fällig gewordene Reinigung des 10x50 tippen.

Anderes gilt, wenn sich die Augenpupille auf unter 4,2 mm schließt. Dann sieht man ganz sicher mehr im modernen Fernglas als im alten. Aber nicht wegen LotuTec, denn das dient nur der leichteren Reinigung.
 
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