gestrige Stadtbeobachtung

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TiScho

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Hallo!

Manchmal hat man einfach Glück! Gestern kamen meine beiden TS Planetary Okulare und gleich war der Himmel klar.
So konnte ich endlich meinen neuen (gebrauchten) Refraktor (Vixen 102/1000) austesten.
Da es mir an Zeit mangelte, einen geeigneten Beobachtungsort aufzusuchen, mußte der stark sreulichtverseuchte Garten, mit seinem, durch die Silhouetten dreistöckiger Häuser stark begrenztem Himmelsausschnitt, herhalten.

Was war überhaupt zu sehen?

1. Mars: Bei 5mm/200x eine orangefarbene Scheibe ohne jegliche Konturen. Langweilig. Aber keinerlei Farbfehler zu erkennen (jedenfalls nicht für mich). In meinem alten Aldiscope war der Mars immer dreifarbig... . Bloß gut, daß ich mich mit einem Achromaten zufrieden gegeben habe.

2. Saturn: Sehr schön. Bei 200x nur sekundenweise wirklich scharf, dann wieder das Wabern der aufsteigenden Luft. Immerhin schaue ich direkt über mehrere Wohnblocks hinweg.
Aber das macht gar nichts, denn zeitweise läßt sich wirklich ein schönes, klares Bild erkennen: Eine blauweiße Kugel mit deutlichem Ring. Auf der Oberfläche ist ganz klar der Ringschatten zu sehen. Teilweise läßt sich sogar eine Öffnung/ Teilung(?) im Ring erkennen. Die abgeflachte Form der "Saturnkugel" konnte ich jedoch nicht wahrnehmen. Auch erschlossen sich mir keinerlei Strukturen, wie zB Wolkenbänder, auf der Oberfläche.
Das TS Planetary macht hier wirklich gute Arbeit, wenn ich den Saturn aus dem Blichfeld wandern lasse, bleibt er bis zum letzten Moment scharf und zeigt (mir) keinen (absolut gar keinen!) Farbfehler.
Insgesamt habe ich mich bestimmt 30 min mit dem schönen Planeten aufgehalten.

3. Praesepe : Dieser schöne Sternhaufen beeindruckt mich immer wieder, besonders da weder das Stenbild Krebs, noch M44 selbst, unter meinem Himmel mit bloßem Auge sichtbar sind. Wenn ich jedoch mit dem Fernglas danach suche, erschließt sich mir ein blickfeldfüllender Sternhaufen, eingerahmt von einem Dreieck aus drei hellen Sternen.
Auf die Betrachtung mit dem Teleskop habe ich gestern verzichtet, da mir noch ein geeignetes Übersichtsokular fehlt.

4. M35 : Dieser schöne Nebel steht immer auf meiner Liste, da es der erste Nebel überhaupt war, den ich mit meinem Fernglas gefunden habe, ohne ihn mit bloßem Auge zu sehen.
Gestern ist es mir endlich auch einmal gelungen, ihn im Teleskop zu betrachten. Nach einiger nackenquälenden Gymnastik ( Sucher nur am Boden knieend zu erreichen) hatte ich ihn endlich im Sucher, wo er noch kaum wahrnehmbar war.
Im 20mm Okular (noch aus meinem Aldiscope) löste sich der Nebel dann in eine wunderbare Vielzahl von Sternen auf.

5. M36/37/38 schaute ich mir dann wieder nur im 10x50 an, da ich keine Lust hatte, mich in Rückenlage ins feuchte Gras unter den Sucher zu legen. Im Ferglas vor allem deshalb schön, da man sie fast alle gleichzeig betrachten kann und die gesamte Umgebung sehr sternenreich ist. Die Nebel selbst zeigen sich aber wirklich nur am äußersten Rand etwas aufgelöst, ansonsten eben "nebelig".

6. Kalifornien-Nebel (NGC 1499): 20 Minuten gesucht - nicht gefunden. Vermutlich hatte ich den offensichtlich sehr großen Nebel schon im Sucher, aber einfach ein zu kleines Sichtfeld und zu hellen Himmel.
In Verlängerung der Plejaden fand ich schnell den zweiten Stern in der Perseus-Kette. Knapp nördlich hiervon sollte der Nebel eigentlich sein. Stellarium gibt seine Helligkeit immerhin mit 6 an, was M36 entspricht. Trotzdem einfach nicht zu finden.

7. Ha und Chi (NGC 869 und 884): Direkt auf der Strecke von Perseus nach Cassiopeia und einer der schönsten Anblicke des Abends. Trotz meines hellen Himmels herrlich funkelnd im Fernglas. Bei 20mm im Teleskop schon nicht mehr in seiner Gesamtheit zu sehen, aber noch immer schön.

8. M34 : Das letzte Objekt im Nordwesten, bevor Häuser mir die Sicht nehmen. Im Fernglas ein kleiner Haufen Sterne, im Teleskop sichtfeldfüllend einzelne Sterne erkennbar

9. Orionnebel : Darf nicht fehlen und das ist gut so! Erstmals sehe ich in meinem Teleskop , mit dem neuen 9mm Okular, den Nebel über das ganze Sichtfeld in der Form, die ich bisher nur von Fotos kenne. Natürlich keine Farben zu erkennen, aber trotzdem beeindruckend.

So, es wird höchste Zeit für ein Übersichtsokular mit niedriger Vergrößerung und riesigem Sichtfeld.

Bis dahin

Tim
 
Zitat von TiScho:
6. Kalifornien-Nebel (NGC 1499): 20 Minuten gesucht - nicht gefunden. Vermutlich hatte ich den offensichtlich sehr großen Nebel schon im Sucher, aber einfach ein zu kleines Sichtfeld und zu hellen Himmel.
In Verlängerung der Plejaden fand ich schnell den zweiten Stern in der Perseus-Kette. Knapp nördlich hiervon sollte der Nebel eigentlich sein. Stellarium gibt seine Helligkeit immerhin mit 6 an, was M36 entspricht. Trotzdem einfach nicht zu finden.

hallo tim,

schöner bericht. objekte, die auch was für kleinere geräte sind. was den nebel angeht, diese 6m gibt nur die gesamthelligkeit an sich an. da dies aber eine fläche ist, verteilt sich das ganze auch dementsprechend. für so einen nebel muss man wohl schon einen ziemlich dunklen himmel haben. der dürfte wohl in der stadt ertrinken. kann es dir nachfühlen, ich wohn ja auch mittlerweile in einer größeren stadt und da ist das alles nicht so einfach. da muss man sich auch mit dem zufrieden geben, was möglich ist. die von dir beschriebenen sternhaufen sind auch schöne objekte.

viele grüße

dieter
 
Die Flächenhelligkeit des C.-Nebels ist sehr klein. Er hat eine Fläche von 160x40 = ca. 6400 Quadrat-Minuten. Das entspricht einer Helligkeitsdifferenz von (5/2)*lg(6400) = 9,5 Größenklassen. Der California-Nebel hätte dann also nur eine mittlere Flächenhelligkeit von ca. 15,5m pro Quadrat-Minute (sqm). Das ist sehr schwach. Zum Vergleich: Bei M33 im Dreieck - die man bei einem Vorstadt- bis Nachthimmel und dunklem Himmel sehen kann sind es 14.2m. Das bedeutet dass dieser Nebel visuell recht schwierig sein muss. Hab' ihn selbst noch nicht probiert.

Thomas
 
Hallo Tim,

ein schöner Bericht. Da haben wir hier in Bremen ja gerade mal richtig gutes Wetter. :)

Einige der von Dir beschriebenen Objekte habe gestern auch angefahren, allerdings mit meinen beiden Ferngläsern. Ich hatte keine Lust den Dobson rauszuholen, so hatte ich mir Seroniks "Binocular Highlights" geschnappt und los ging's. Ich habe dann den Anblick zwischen 8,5x44 (freihand) und 15x60 (Stativ) verglichen. Es war interessant zu sehen, wie viel mehr das 15x60 auf dem Stativ zeigt (ist ja auch logisch), aber auch, dass manche Objekte im "kleinen" Swift fast schöner wirken, da man sie in ihre Umgebung eingebettet sieht (z.B. M35) oder sie für das 15x60 schlicht zu großflächig sind, z.B. die Hyaden oder die Gegend um Algol (sieht tatsächlich aus wie Seronik schreibt: "distorted Version of the Bowl of the Big Dipper").
Ha und Chi sind im 15x60 atemberaubend schön, dafür gesellt sich aber im kleinen Swift noch Stock 2 ins Bildzentrum dazu.
So ging der Abend dann noch weiter und es war immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Objekte in den beiden Gläsern wirkten.
Und wiedermal kam ich zu der nicht neuen Erkenntnis, dass wirklich jedes Instrument seinen eigenen Himmel hat. Heute Abend geht's dann (hoffentlich) weiter. Verpasse nicht den Vorbeiflug von Atlantis und ISS!

Beste Grüße, Klaus
 
Hallo!

Ja, die Sache mit dem Kalifornien-Nebel habe ich wohl unterschätzt. Ich werde es irgendwann unter guten Bedingungen mal mit maximaler AP probieren.
Vielen Dank für die Infos!

@ Klaus: Seronik habe ich mittlerweile auch schon sehr oft benutzt. Ich habe es mir übrigens damals gekauft, nachdem Du in meinem "Ferngläser in Bremen"-Thread den Tipp dazu gegeben hast. Mit diesem Buch habe ich auch, wie weiter oben erwähnt, M35 gefunden.
Mal sehen, wenn das Wetter heute wieder mitspielt, werde ich wohl mal nach einem besseren Platz in der Umgebung Ausschau halten. Hast Du einen guten Tipp?

Viele Grüße

Tim
 
Hallo Tim,

wenn ich mich recht erinnere, wohnst Du in der Neustadt und da fällt mir leider auch nicht viel ein. Ich würde versuchen, den Flughafen und den hellen Stadtkern in den Rücken zu kriegen. Von mir aus gesehen liegt der Stadtkern leider genau im Süden - stöhn - da wird momentan alles unterhalb des Orion zum munteren Suchspiel. Richtung Zenit geht es bei mir aber auch vom Balkon noch recht gut. Ansonsten radle ich mangels Auto mit den Ferngläsern gerne mal 20 Minuten ins Blockland. Dort ist es schon deutlich besser (aber immer noch weit weg von ideal).
Nachdem ich die Astronomie beinahe mal wegen der miesen Lichtverhältnisse und dem chronisch schlechten Wetter an den Nagel gehängt hätte, habe ich mich jetzt damit arrangiert und gehe alles etwas entspannter an. Anstatt mich zu ärgern, probiere ich jetzt aus, was aus der Stadt alles so geht und bleibe, gemäß der Signatur von Uwe Pilz, dran am Okular. :/

Beste Grüße, Klaus
 
Hallo Klaus,

ich glaube, das ist die einzig richtige Herangehensweise, wenn man in der Stadt wohnt. Die Gelegenheiten, wo ich mich aufraffe und ins Auto steige, sind doch eher selten, zumal man ja für wirklich gute Bedingungen schon ein gutes Stück fahren müßte.

So, die Gelegenheiten sind selten genug, ich gehe dann mal raus!

Bis bald

Tim
 
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