Beim Thema "VA-Stahl" möchte der Werkstofftechniker in mir doch noch ei paar Worte verlieren ...
Volksmund-Verständnis: VA = Edelstahl --> nicht magnetisch, rostet nicht, ist hart
Technisch hat der Begriff Edelstahl erstmal nichts bis wenig mit rost- und säurebeständigen Stählen zu tun. Mein Arbeitgeber stellt z.B. fast nur Edelstähle her, aber alle rosten.
Innerhalb der Gruppe rost- und säurebeständige Stähle gibt es eine hohe Bandbreite von Eigenschaften. Dazu gehören auch sehr gut zerspanbare Sorten wie 1.4305 (Automatenvariante des "V2A"). Weiterhin gibt es auch magnetische Sorten und verschleißbeständige Sorten.
Viele Gegengewichte werden/wurden auch aus Gusseisen hergestellt. Mit etwas Erfahrung merkt man beim bohren sofort, was man vor sich hat (natürlich nicht g´die genaue Zusammensetzung).
- Bei Gusseisen ist der Grafitanteil der Meinung, dass es eine gute Idee ist, alles mit sehr feinen Spänen schwarz einzusauen

--> Zerspanung sehr einfach
- Bei Automatenstählen (dazu gehört dann auch der rostfreie 1.4305) brechen die Späne sehr kurz und bröselig. --> Zerspanung (sehr) einfach
- Unlegierte Baustähle wie S235 (alt: ST-37) und der "Standard-VA" 1.4301 (V2A) produzieren lange Späne und verhalten sich zäh, aber nicht wirklich hart. --> Zerspanung im Hobbybereich so lala --> unbedingt schmieren/kühlen (Öl, WD40, richtiges KSM, etc.). Hier sollte im Zweifel das Kernloch für Gewinde 0,1mm größer gebohrt werden (wenn es grundsätzlich nicht viel halten muss, wie hier beim GGW-Thema) --> weniger Kraft beim Gewindeschneiden nötig; verzeiht etwas schief angesetzte Gewindebohrer
- Bei Problemfällen bzw. verschleißfesten Stählen kann man, wenn man sowas denn unbedingt als GGW haben möchte, 0,2mm größer vorbohren. Für ein GGW ist das vollkommen tragfähig.
Wenn alles schief geht, kann man immer noch mit Drahtgewindeeinätzen reparieren
Thema Bohrer und Gewindebohrer:
- Wenn man Bohrer nicht selber nachschleifen kann --> erstmal mit "gut und günstig" versuchen. Je nach Durchmesser lohnt es sich aber durchaus trotzdem, mal hochwertige Bohrer zu besorgen. So furchtbar viel kosten die kleinen Dinger nicht; ein unbeschichteter HSSE Co8 5mm-Bohrer für Kernloch M6 kostet max. 2,50 Euro.
- Wenn man Bohrer selbst nachschleifen kann, würde ich grundsätzlich HSSE Co8 nehmen. Dabei steht das Co8 für 8% Cobaltanteil --> deutliche Vorteile bei Verschleißverhalten. Oft haben diese Bohrer auch Kreuzschliff und größerem Spitzenwinkel, was durchaus Vorteile bietet.
- Ich bin weg von 3er Sätzen und nutze auch für Handschnitt nur Maschinengewindebohrer
- Es gibt für viele verschiedene Anwendungsfälle viele verschiedene Gewindebohrertypen --> Ein Blick z.B. in den Hoffmann-Katalog hilft Unsicherheiten zu klären.
- unbedingt für Durchgangsloch und Sackloch den jeweils korrekten Gewindebohrer nutzen
- Für rostfreie Stähle (außer 1.4305) unbedingt den passenden Gewindebohrer wählen. Das hat auf Dauer doch große Vorteile beim Werkzeugverschleiß.
- Gewindebohrer kann man durchaus auch mal gut gebraucht bei eBay kaufen. Aber unbedingt drauf achten, dass es kein verrödeltes Zeug ist, sondern mit "Sicherheitsfaktor" aussortiertes Kram aus Zerspanungsbetrieben. Habe damit gute Erfahrungen gemacht, günstig an anständige Qualität zu kommen. Aber Finger weg von Gewindebohrern mit Innenkühlung. Die brechen dann doch etwas schneller

- Wenn ich neue Gewindebohrer kaufe, dann bei Baer (gewindebohrer.de). Hier habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, die Preise sind vernünftig und der Kundenservice stimmt.
- 90° Ansenken ist absolut sinnvoll
- Extrem wichtig ist es, den Gewindebohrer gerade ansetzen zu können. Wenn man null Erfahrung hat, lohnt sich ggf. eine Hülse als Hilfe (kann man sich z.B. drucken oder auch kaufen). Was ich bei Problemfällen auch gerne nutze: Gewindebohrer in Standbohrmaschine spannen, Maschine laufen lassen, Motor ausstellen und den Nachlauf nutzen, den Gewindeansatz zu schneiden. Dann steht der Gewindebohrer gerade an der Bohrung, hat die erste Führung und es kann von Hand weitergedreht werden (mit Windeisen).
Irgendwas habe ich bestimmt vergessen.
Viel Erfolg wünscht
Eike