Ursus corpulentus
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Liebe Nachteulen,
die Nacht ist lau, die Sterne funkeln und der Mond verlangte geradezu nach einem Spaziergang.
Wohlan.
Mit ihm, dem Mond, ist es wie mit den Miesmuscheln beim Lieblingsitaliener: denn sind diese auf der Tageskarte des Hauses ("Ahh - isse Sspezialität vonne Giovanni!") dann kommt man quasi nicht drumherum. Genauso ist es mit dem Mond, wenn er diesen wunderbaren Bedeckungsgrad zwischen zu duster und zu hell (oder nicht da) aufweist, mit einem Terminator wie aus dem Bilderbuch. Glücklicherweise begegnet man diesem nicht ausschließlich in den Monaten mit F, wie den Miesmuscheln, sondern er kommt immer wieder - wie selbst nicht-Astronomen spätestens seit dem gleichnamigen Film wissen: "I'll be back!"
Da es schon spät war, habe ich der Einfachheit halber meinen Asiolator (63/420) aufs Dach gestellt, weil er so unglaublich transportabel ist. Bereits auf einem alten japanischen Videostativ vormontiert reicht ein Handgriff, und der Himmel gehört mir.

Getreu dem Motto "Es gibt nur eines, was besser ist, als eine große Öffnung: eine noch größere Öffnung", kommt, seitdem ich ihn habe, mein Televiator (50/540) immer etwas zu kurz. Das Gute, sagt der Volksmund, sei des Besseren Feind. Dachte ich. Doch es war wieder mal Zeit für eine Lehrstunde. In der habe ich etwas über den Zusammenhang von Öffnung und Brennweite in bezug auf das Einsatzgebiet gelernt.
Eines noch vorweg: bei alle Gedanken und Beschreibungen handelt es selbstverständlich nur und ausschließlich um meine persönlichen Eindrücke ohne jeden Anspruch auf Allgemeingültigkeit; ich habe sie halt so erlebt, subjektiv.
Als der Asiolator stand und ich eine Weile mit verschiedenen Okularen (die alten Series 2 Orthos mit der blauen Schrift in den Brennweiten 40, 12.5 und 9 mm)

den Terminator betrachtet hatte, fiel mir das andere kleine, vernachlässigte Zeiss-Röhrchen wieder ein und ich stellte es kurzerhand daneben. Auf ein fruchtbar wackliges Fotostativ. Nach nicht allzulanger Zeit (40er hin- und dann wieder her, dann das 12.5er hin- und wieder her, ... usw.) konnte ich die erste Lehre des Abends für mich ziehen: Hannes Hase-Bergen hat recht - wackelige Stative sind Mi$t!

Aufgefallen war mir aber auch, dass die Brennweite einen merklichen Einfluss auf die Vergrößerung hat (was mir ja im Prinzip klar war, ich es im direkten Vergleich aber mal tatsächlich sehen und erfahren konnte - hey: ich bin Anfänger!).
Vergrößerung ist nicht alles, das war die Lehre einer weiter zurückliegenden Beobachtungsnacht. Öffnung offensichtlich aber auch nicht! Denn am Mond, einem verhältnismäßig helllen Objekt, schlug sich das kleine 50er Röhrchen gar nicht schlecht, was die Kombination von Okularbrennweite und Vergrößerungsfaktor angeht. In sehr, sehr bescheidenem Rahmen, selbstverständlich. Aber für mich war es eine durchaus interessante Erfahrung, zumal ich sie selbst machen konnte und nicht irgendwo nur gelesen habe.
Ich habe in meinem Fundus dann noch die alten schwarzen Vixen Orthos ausgegraben, von denen ich weiß, dass sie auf dem Röhrchen ganz gut funktionieren. Außerdem habe ich den 63er eingepackt und den Televiator auf das bessere (Video-)Stativ geschraubt. Und siehe da - holla die Mondfee!

Now we're in business!
Das Seeing war mäßig mit akzeptablen Lücken, in denen man wirklich was sehen konnte, selbst bei höheren Vergrößerungen (wiederum in sehr bescheidenen Rahmen mit dem Spielzeug). Die Abstufung der Vixen Orthos ist 32 (Erfle) und 25, 18, 12.5, 9 und 7 mm (nicht auf dem Bild). Als Beobachtungsobjekt boten sich die beiden Krater Aristoteles (behauptet zumindest Rückl) und (den zweiten habe ich vergessen) an. Alle Okulare haben wirklich Spaß gemacht, also gut abgebildet bis ganz hinunter zur Brennweite 7 mm, was etwas mehr als 77-facher Vergrößerung entspricht.
Jetzt hätte es ja eigentlich auch gut sein können. Fast 80-fache Vergrößerung an einem Kleinstfernrohr, was will man mehr? ... doch mir fiel das 3- 8 mm Zoom-Okular von SV Bony wieder ein, das ich vor einigen Wochen gekauft hatte, aus purer Neugier (eine Eigenschaft, die mich begleitet, seit ich mit dem Ganzen angefangen habe). An meinem Vixen 102M kam ich nicht in den Fokus damit, ebensowenig am Asiolator, was mich frustriert hat, weil ich dafür fast 150 Euro in den Mondstaub gesetzt hatte. Aaaaber, siehe da, am kleinen Televiator hatte ich sogar noch etwas "Wasser unter dem Kiel", als ich das Bild bei 8 mm Brennweite scharf bekam.
Und - surprise! - das sollte sich bis ganz runter zu 3 mm nicht ändern.
Klar, das Seeing war entscheidend, das Okular ist offensichtlich auch nicht ganz schlecht, China hin oder her, und die Abbildung ist wahrscheinlich nicht vergleichbar mit dem, was ein Großteil von Euch mit den heutigen "Lichtkanonen" zu sehen bekommt. Doch wir reden hier immerhin von 180-facher Vergrößerung an einem 50 Jahre alten "Bastelobjektiv" aus DDR-Produktion, was jede Frage nach dessen Qualität beantworten sollte.
Gewonnen!
Und so ist mein kleinstes Teleskop wegen dieses Experimentierabends und meiner Neugier als kassischer kleiner Reiserefraktor wieder ziemlich weit oben auf meiner Liste gelandet. Und ich bin glücklich darüber, dass ich so viele tolle Teleskope und Okulare zum Rumspielen und Ausprobieren habe.
All das ist wie eine Reise für sich.
Und ich glaube, dass sie noch eine ganze Weile dauern wird.
Gute Nacht, Ihr Mit-Eulen.
Ursus experimentalis
die Nacht ist lau, die Sterne funkeln und der Mond verlangte geradezu nach einem Spaziergang.
Wohlan.
Mit ihm, dem Mond, ist es wie mit den Miesmuscheln beim Lieblingsitaliener: denn sind diese auf der Tageskarte des Hauses ("Ahh - isse Sspezialität vonne Giovanni!") dann kommt man quasi nicht drumherum. Genauso ist es mit dem Mond, wenn er diesen wunderbaren Bedeckungsgrad zwischen zu duster und zu hell (oder nicht da) aufweist, mit einem Terminator wie aus dem Bilderbuch. Glücklicherweise begegnet man diesem nicht ausschließlich in den Monaten mit F, wie den Miesmuscheln, sondern er kommt immer wieder - wie selbst nicht-Astronomen spätestens seit dem gleichnamigen Film wissen: "I'll be back!"
Da es schon spät war, habe ich der Einfachheit halber meinen Asiolator (63/420) aufs Dach gestellt, weil er so unglaublich transportabel ist. Bereits auf einem alten japanischen Videostativ vormontiert reicht ein Handgriff, und der Himmel gehört mir.

Getreu dem Motto "Es gibt nur eines, was besser ist, als eine große Öffnung: eine noch größere Öffnung", kommt, seitdem ich ihn habe, mein Televiator (50/540) immer etwas zu kurz. Das Gute, sagt der Volksmund, sei des Besseren Feind. Dachte ich. Doch es war wieder mal Zeit für eine Lehrstunde. In der habe ich etwas über den Zusammenhang von Öffnung und Brennweite in bezug auf das Einsatzgebiet gelernt.
Eines noch vorweg: bei alle Gedanken und Beschreibungen handelt es selbstverständlich nur und ausschließlich um meine persönlichen Eindrücke ohne jeden Anspruch auf Allgemeingültigkeit; ich habe sie halt so erlebt, subjektiv.
Als der Asiolator stand und ich eine Weile mit verschiedenen Okularen (die alten Series 2 Orthos mit der blauen Schrift in den Brennweiten 40, 12.5 und 9 mm)

den Terminator betrachtet hatte, fiel mir das andere kleine, vernachlässigte Zeiss-Röhrchen wieder ein und ich stellte es kurzerhand daneben. Auf ein fruchtbar wackliges Fotostativ. Nach nicht allzulanger Zeit (40er hin- und dann wieder her, dann das 12.5er hin- und wieder her, ... usw.) konnte ich die erste Lehre des Abends für mich ziehen: Hannes Hase-Bergen hat recht - wackelige Stative sind Mi$t!

Aufgefallen war mir aber auch, dass die Brennweite einen merklichen Einfluss auf die Vergrößerung hat (was mir ja im Prinzip klar war, ich es im direkten Vergleich aber mal tatsächlich sehen und erfahren konnte - hey: ich bin Anfänger!).
Vergrößerung ist nicht alles, das war die Lehre einer weiter zurückliegenden Beobachtungsnacht. Öffnung offensichtlich aber auch nicht! Denn am Mond, einem verhältnismäßig helllen Objekt, schlug sich das kleine 50er Röhrchen gar nicht schlecht, was die Kombination von Okularbrennweite und Vergrößerungsfaktor angeht. In sehr, sehr bescheidenem Rahmen, selbstverständlich. Aber für mich war es eine durchaus interessante Erfahrung, zumal ich sie selbst machen konnte und nicht irgendwo nur gelesen habe.
Ich habe in meinem Fundus dann noch die alten schwarzen Vixen Orthos ausgegraben, von denen ich weiß, dass sie auf dem Röhrchen ganz gut funktionieren. Außerdem habe ich den 63er eingepackt und den Televiator auf das bessere (Video-)Stativ geschraubt. Und siehe da - holla die Mondfee!

Now we're in business!
Das Seeing war mäßig mit akzeptablen Lücken, in denen man wirklich was sehen konnte, selbst bei höheren Vergrößerungen (wiederum in sehr bescheidenen Rahmen mit dem Spielzeug). Die Abstufung der Vixen Orthos ist 32 (Erfle) und 25, 18, 12.5, 9 und 7 mm (nicht auf dem Bild). Als Beobachtungsobjekt boten sich die beiden Krater Aristoteles (behauptet zumindest Rückl) und (den zweiten habe ich vergessen) an. Alle Okulare haben wirklich Spaß gemacht, also gut abgebildet bis ganz hinunter zur Brennweite 7 mm, was etwas mehr als 77-facher Vergrößerung entspricht.
Jetzt hätte es ja eigentlich auch gut sein können. Fast 80-fache Vergrößerung an einem Kleinstfernrohr, was will man mehr? ... doch mir fiel das 3- 8 mm Zoom-Okular von SV Bony wieder ein, das ich vor einigen Wochen gekauft hatte, aus purer Neugier (eine Eigenschaft, die mich begleitet, seit ich mit dem Ganzen angefangen habe). An meinem Vixen 102M kam ich nicht in den Fokus damit, ebensowenig am Asiolator, was mich frustriert hat, weil ich dafür fast 150 Euro in den Mondstaub gesetzt hatte. Aaaaber, siehe da, am kleinen Televiator hatte ich sogar noch etwas "Wasser unter dem Kiel", als ich das Bild bei 8 mm Brennweite scharf bekam.
Und - surprise! - das sollte sich bis ganz runter zu 3 mm nicht ändern.
Klar, das Seeing war entscheidend, das Okular ist offensichtlich auch nicht ganz schlecht, China hin oder her, und die Abbildung ist wahrscheinlich nicht vergleichbar mit dem, was ein Großteil von Euch mit den heutigen "Lichtkanonen" zu sehen bekommt. Doch wir reden hier immerhin von 180-facher Vergrößerung an einem 50 Jahre alten "Bastelobjektiv" aus DDR-Produktion, was jede Frage nach dessen Qualität beantworten sollte.
Gewonnen!
Und so ist mein kleinstes Teleskop wegen dieses Experimentierabends und meiner Neugier als kassischer kleiner Reiserefraktor wieder ziemlich weit oben auf meiner Liste gelandet. Und ich bin glücklich darüber, dass ich so viele tolle Teleskope und Okulare zum Rumspielen und Ausprobieren habe.
All das ist wie eine Reise für sich.
Und ich glaube, dass sie noch eine ganze Weile dauern wird.
Gute Nacht, Ihr Mit-Eulen.
Ursus experimentalis
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