Berberich
Aktives Mitglied
Glänzende Kinderaugen
Meine Sternwarte nimmt, wie jedes Jahr, am Ferienprogramm unserer vier Ortschaften teil. Feste Termine zur Beobachtung haben wir dieses Jahr nicht mehr ausgemacht, denn im vergangenen Jahr fielen sämtliche Termine buchstäblich ins Wasser.
Die beiden vergangenen Nächte waren gut, der Mond verschonte uns bis 00 Uhr mit seinem störenden Licht und somit stand ich draussen auf der Terasse. Aufgebaut, um Jupiter zu betrachten, war nur der MN68 auf der GP-DX. Dazwischen beobachtete ich mit meinem 20x77 Miyauchi, - die Milchstraße war hell und brillant.
Dann Geräusche und Stimmen in der Dunkelheit, Rotlichtlampen (!!) blitzten auf. Aus der Dunkelheit dann die Stimme eines Jungen. „dürfen wir kommen?“. - Aber natürlich dürft ihr!
Schnell stellte sich heraus, der Junge hatte schon einige Nächte zuvor den Himmel beobachtet und auf wolkenlose Sicht gewartet. Heute war es soweit, er trommelte seine Kumpels zusammen, holten sich von den Eltern die Erlaubnis ein und da standen sie nun mit ihren Rädern, 5 Jungs zwischen 9 und 11 Jahren, abends um 21:30 Uhr.
Schnell war abgeklärt, dass ihre Eltern wussten, wo sie zu finden waren, sie durften sogar bis Mitternacht bleiben. – Hier bei uns im ländlichen Raum ohne Straßenverkehr ist das zum Glück noch gefahrlos möglich.
Also musste erst mal alles für die Beobachtung vorbereitet werden. Sieben Leute (mit meiner Frau) um ein Teleskop, das war zu wenig. Die Jungs trugen die beiden Rockerboxen von der Sternwarte raus auf die Terasse, die 8“ und 12“ Newtons übernahm ich lieber selbst. Schnell war aufgebaut, die Geräte stehen zum Glück bei gleicher Außentemperatur in der Warte und sind sofort einsatzbereit. Dann das Schiebedach der Warte geöffnet, das größe Meade aktiviert, den Laptop eingeschaltet und los konnte es gehen.
Nun erst einmal erklärt, was alles man „da oben“ so sehen kann. Dazu, - man mag mich bitte nicht steinigen, nahm ich den grünen Laser (0,3mw) und fuhr die markanten Sternbilder wie Cassiopeia, Cygnus, Lyra u.a. ab. Dann begannen wir mit Doppelsternen. Albireo ist hier natürlich das Galaobjekt, gefolgt von Epsylon Lyrae mit seinen 4 sichbaren Komponenten.
Im 12“ stellte ich mittels Telrad-Sucher ein, die Jungs schauten sich das Prozedere zweimal an und versuchten sich, nach dem Durchschauen im 12 zöller, am 8“ f:6. Gut, Epsylon Lyrae fanden sie mit dem Telrad nicht, aber Wega war rasch eingestellt. Man sah, es machte den Jungs von Minute zu Minute mehr Spaß, und mit dem Spaß am Sehen kamen auch die Fragen nach dem Was, wo, warum. Meine Frau und ich hatten eine Menge zu tun, Objekte einstellen, darüber kindgerecht zu berichten, Erzählungen daran zu knüpfen und knifflige Kinderfragen zu beantworten. Da kam uns der Bericht in S&W gerade recht, wo eine Gruppe die griechischen Sagen modernisierte und dem Publikum nahebrachte, wo griechische Helden zu James Bond wurden und die ganze Geschichten in die Neuzeit übertragen wurden. Das kam – es war ein spontaner erster Test, - „tierisch gut“ an...
Während die Jungs beobachteten, richtete ich das 12“ Meade SC auf Jupiter, den es nun nachführte. Damit standen 2 auf den Planeten gerichtete Teleskope bereit, um Ärger und Gedrängel zu vermeiden. Vorab – es kam zu keinem Gedränge, die Jungs waren richtig gut drauf und viel zu begeistert von dem, was sie sahen.
Da die Nacht extrem gut war, konnten wir auch viele Satelliten beobachten. Langsame, schnelle, dazwischen leider natürlich auch viele Flugzeuge. Aber es entwickelte sich daraus ein richtiger kleiner Wettbewerb, wer erkannte sofort, ob es ein Satellit oder ein Flugzeug war?
Dazwischen immer wieder ein neues Deep Sky Objekt. M11 gefiel mit seinem eingebetteten Brillanten in der Mitte als Sternhaufen am besten. OH und KH, dann Nebel im Schützen und, immer zwischendurch, natürlich Jupiter.
Daß wir auch noch Glück hatten und Jo einen Vorbeigang am Jupiter zelebrierte, war für die Jungs wohl das Highlight des Abends. Einer stand immer am automatisch nachgeführten MN68, ein anderer am Meade, der Rest verteilte sich auf die anderen Teleskope.
Gegen 23:30 kamen dann auch noch zwei Elternpaare vorbei. Sie wollten nun doch mal genauer sehen, was ihre Kids hier machten.
Kurz nach 00 Uhr war der Spuk vorbei, Wolken zogen ziemlich rasch auf, die Milchstraße verblasste und nach wenigen Minuten war kein Stern mehr zu sehen. Die Jungs halfen noch, die Okulare aufzuräumen, die Rockerboxen wanderten wieder in die Sternwarte und man verabschiedete sich. Die Jungs wollen unbedingt wiederkommen, so gut hatte es ihnen gefallen.
Und heute Morgen?
Um 9 Uhr stand einer von Ihnen in unserem Atelier - mit glänzenden, wenn auch etwas müden Augen und einem Glas „muttergemachter“ Marmelade in der Hand. – Und davon haben wir zwischenzeitlich schon eine nette und beachtliche Sammlung. Der Winter ist für uns gerettet...
Ein kleiner Beobachtungsbericht der anderen Art, von
Winfried
Meine Sternwarte nimmt, wie jedes Jahr, am Ferienprogramm unserer vier Ortschaften teil. Feste Termine zur Beobachtung haben wir dieses Jahr nicht mehr ausgemacht, denn im vergangenen Jahr fielen sämtliche Termine buchstäblich ins Wasser.
Die beiden vergangenen Nächte waren gut, der Mond verschonte uns bis 00 Uhr mit seinem störenden Licht und somit stand ich draussen auf der Terasse. Aufgebaut, um Jupiter zu betrachten, war nur der MN68 auf der GP-DX. Dazwischen beobachtete ich mit meinem 20x77 Miyauchi, - die Milchstraße war hell und brillant.
Dann Geräusche und Stimmen in der Dunkelheit, Rotlichtlampen (!!) blitzten auf. Aus der Dunkelheit dann die Stimme eines Jungen. „dürfen wir kommen?“. - Aber natürlich dürft ihr!
Schnell stellte sich heraus, der Junge hatte schon einige Nächte zuvor den Himmel beobachtet und auf wolkenlose Sicht gewartet. Heute war es soweit, er trommelte seine Kumpels zusammen, holten sich von den Eltern die Erlaubnis ein und da standen sie nun mit ihren Rädern, 5 Jungs zwischen 9 und 11 Jahren, abends um 21:30 Uhr.
Schnell war abgeklärt, dass ihre Eltern wussten, wo sie zu finden waren, sie durften sogar bis Mitternacht bleiben. – Hier bei uns im ländlichen Raum ohne Straßenverkehr ist das zum Glück noch gefahrlos möglich.
Also musste erst mal alles für die Beobachtung vorbereitet werden. Sieben Leute (mit meiner Frau) um ein Teleskop, das war zu wenig. Die Jungs trugen die beiden Rockerboxen von der Sternwarte raus auf die Terasse, die 8“ und 12“ Newtons übernahm ich lieber selbst. Schnell war aufgebaut, die Geräte stehen zum Glück bei gleicher Außentemperatur in der Warte und sind sofort einsatzbereit. Dann das Schiebedach der Warte geöffnet, das größe Meade aktiviert, den Laptop eingeschaltet und los konnte es gehen.
Nun erst einmal erklärt, was alles man „da oben“ so sehen kann. Dazu, - man mag mich bitte nicht steinigen, nahm ich den grünen Laser (0,3mw) und fuhr die markanten Sternbilder wie Cassiopeia, Cygnus, Lyra u.a. ab. Dann begannen wir mit Doppelsternen. Albireo ist hier natürlich das Galaobjekt, gefolgt von Epsylon Lyrae mit seinen 4 sichbaren Komponenten.
Im 12“ stellte ich mittels Telrad-Sucher ein, die Jungs schauten sich das Prozedere zweimal an und versuchten sich, nach dem Durchschauen im 12 zöller, am 8“ f:6. Gut, Epsylon Lyrae fanden sie mit dem Telrad nicht, aber Wega war rasch eingestellt. Man sah, es machte den Jungs von Minute zu Minute mehr Spaß, und mit dem Spaß am Sehen kamen auch die Fragen nach dem Was, wo, warum. Meine Frau und ich hatten eine Menge zu tun, Objekte einstellen, darüber kindgerecht zu berichten, Erzählungen daran zu knüpfen und knifflige Kinderfragen zu beantworten. Da kam uns der Bericht in S&W gerade recht, wo eine Gruppe die griechischen Sagen modernisierte und dem Publikum nahebrachte, wo griechische Helden zu James Bond wurden und die ganze Geschichten in die Neuzeit übertragen wurden. Das kam – es war ein spontaner erster Test, - „tierisch gut“ an...
Während die Jungs beobachteten, richtete ich das 12“ Meade SC auf Jupiter, den es nun nachführte. Damit standen 2 auf den Planeten gerichtete Teleskope bereit, um Ärger und Gedrängel zu vermeiden. Vorab – es kam zu keinem Gedränge, die Jungs waren richtig gut drauf und viel zu begeistert von dem, was sie sahen.
Da die Nacht extrem gut war, konnten wir auch viele Satelliten beobachten. Langsame, schnelle, dazwischen leider natürlich auch viele Flugzeuge. Aber es entwickelte sich daraus ein richtiger kleiner Wettbewerb, wer erkannte sofort, ob es ein Satellit oder ein Flugzeug war?
Dazwischen immer wieder ein neues Deep Sky Objekt. M11 gefiel mit seinem eingebetteten Brillanten in der Mitte als Sternhaufen am besten. OH und KH, dann Nebel im Schützen und, immer zwischendurch, natürlich Jupiter.
Daß wir auch noch Glück hatten und Jo einen Vorbeigang am Jupiter zelebrierte, war für die Jungs wohl das Highlight des Abends. Einer stand immer am automatisch nachgeführten MN68, ein anderer am Meade, der Rest verteilte sich auf die anderen Teleskope.
Gegen 23:30 kamen dann auch noch zwei Elternpaare vorbei. Sie wollten nun doch mal genauer sehen, was ihre Kids hier machten.
Kurz nach 00 Uhr war der Spuk vorbei, Wolken zogen ziemlich rasch auf, die Milchstraße verblasste und nach wenigen Minuten war kein Stern mehr zu sehen. Die Jungs halfen noch, die Okulare aufzuräumen, die Rockerboxen wanderten wieder in die Sternwarte und man verabschiedete sich. Die Jungs wollen unbedingt wiederkommen, so gut hatte es ihnen gefallen.
Und heute Morgen?
Um 9 Uhr stand einer von Ihnen in unserem Atelier - mit glänzenden, wenn auch etwas müden Augen und einem Glas „muttergemachter“ Marmelade in der Hand. – Und davon haben wir zwischenzeitlich schon eine nette und beachtliche Sammlung. Der Winter ist für uns gerettet...
Ein kleiner Beobachtungsbericht der anderen Art, von
Winfried