Glaubenskrieg: BaK4 gegen BK7

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hanz

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Hallo,

nachdem mir schon immer auch Ferngläser mit BK7 Prismen gefallen haben, habe ich heute bei www.cloudynights.com
eine schöne Diskussion gefunden (hat bereits vor 2 Jahren stattgefunden), wo folgende Eigenschaften mal klar
herauskristallisiert werden:

http://www.cloudynights.com/ubbthreads/showthreaded.php?Cat=1,2,3,4,5,8,9,10&Board=binoculars&Number=9083&page=&view=&sb=5&o=&vc=1

BaK4: höherer Brechungsindex, daher auch Verwendung für Ferngläser mit <f5 möglich (stumpfere Lichtkegel)
Nachteil: auch höhere Dispersion (also stärkere Probleme mit Farbfehlern). Wenn ich das lese, erinnere ich mich
sofort und automatisch an die "Kreuzzüge" gegen den Farbfehler, die fast alle Liebhaber teurer Gläser führen
und die spontanen Verzweiflungsanfälle, wenn sie doch noch einen Rest entdecken.

BK7: geringerer Brechungsindex. leichter zu bearbeiten, billiger, geringere Dispersion, daher weniger Probleme
mit Farbfehler und Produktionsstreuung bei billigen Gläsern?

Wenn ich dann noch daran denke, daß die besten billigen Ferngläser (zum Beispiel das russische Tento 20x60)
lange Objektivbrennweiten haben und damit auch große Öffnungsverhältnisse (>f4,5), dann denk ich, ich
verstehe jetzt doch mehr: die Problematik ist haarscharf wie beim Teleskopobjektiv: lange Brennweiten und
große Öffnungsverhältnisse >f8 bringen dort gute Ergebnisse selbst bei einfachen Fraunhofer-Achromaten, wer
kurze Brennweiten und kleine Öffnungsverhältnisse will, zahlt für (allerdings toll handliche) Apos Premiumpreise
und ist gedanklich tief tief in die Überlegung verbissen, ob jetzt wirklich alles farbstichfrei ist.

Kann man das so stehen lassen? (das Lidl hat übrigens auch in der alten Rotaugenversion kreisrunde Pupillen-
wohl durch die Abblendung. Ist die viereckige Pupille wirklich gesichert immer bei BK7 vorhanden? Ich habe so
langsam meine Zweifel, ob das nicht eine Verkürzung der Überlegung: billige Gläser mit BK7 - zu kleine Prismen -
daher eckige Pupillen auf die Kette: BK7= eckige Pupillen ist!)

Gruß und haut mich nicht! Sonst schlage ich zurück: Lidl-Meade = BaK4 = Reflexe also BaK4 = Reflexe
 
Hallo Hanz,

Deine Auflistung der Eigenschaften von BaK4/BK7 kann noch erweitert werden: BK7 hat eine geringere spezifische Dichte und macht leichtere Fernglaeser. Dazu kommt: Der Absorptionskoeffizient ist geringer beim BK7. Man verliert also weniger Licht.

Fuer die Porro Bauweise ist Deine Aussage wohl richtig, dass kleine Oeffnungsverhaeltnisse bei BK7 die bekannten eckigen Austrittspupillen erzeugen. Man benoetigt hier ja eine Totalreflexion des Lichtkegels, und wenn dieser in einem weiten Winkelbereich einfaellt (bei f < 4.5), dann erfuellt ein Teil der Lichtstrahlen diese Bedingung der Totalreflexion nicht mehr.

Bei Dachkanten ist die Situation wieder komplizierter, weil es ja diverse Bauweisen, und darunter auch noch verschiedene Varianten gibt, die alle unterschiedliche Winkelverhaeltnisse mit sich bringen. Walter Besenmatter, der bei Zeiss die Abbe-Koenig Prismen in das Dialyt gequetscht hat, woraus dann das Victory wurde, hat gesagt, dass die Winkelverhaeltnisse beim Abbe-Koenig (vielleicht meinte er auch: bei seiner Variante des Abbe-Koenig) es erlaubten, Glaeser mit niedrigerem Brechungsindex zu verwenden als z.B. bei der Schmidt-Pechan Bauweise. Dadurch wuerde nicht nur die Verarbeitung billiger, sondern auch das Fernglas leichter (er verglich es mit dem schweren Swarovski) und das Bild etwas heller. Das Victory (genauer: die Geraete mit Abbe-Koenig, also ab 42mm) benutzt daher kein BaK4, aber auch kein BK7, sondern irgendeine Glassorte mit Brechungsindex zwischen diesen beiden. In diesem Fall kann also keine Rede davon sein, dass BaK4 die ideale Loesung darstellt.

Deine zweite Aussage, dass Aberrationen bei grossen Oeffnungsverhaeltnissen leichter zu kontrollieren sind, ist ja generell gueltig: Aberrationen wachsen nicht-linear mit fallendem Oeffnungsverhaeltnis und wachsendem Sehfeld. Insbesondere kommen bei diesen kritischen Verhaeltnissen auch Aberrationen immer hoeherer Ordnung ins Spiel, die eine steigende Zahl von Linsenelementen zur Korrektur erfordern. Daher die Tripletts, Quadrupletts fuer Fernglaeser kurzer Bauweise, und daher auch immer aufwendigere Okulare (teilweise mit Asphaeren) fuer weite Sehfelder.


Gruss,
Holger
 
Hallo Holger,

das ging jetzt etwa so mit links durch wie Sreichhölzer durch ein Sieb mit Weite = Durchmesser - sehr erstaunlich!
aber hat für mich sehr viel Hirnschmalz gekostet - und steht voll im Gegensatz zu fast allem was hier so allgemein
angenommen wird! BK7 kann besser sein! Moderne Ferngläser "suchen" die Probleme, um hohe Preise rechtfertigen
zu können. Triplettobjektive und Phasenkorrekturbeläge etwa so notwendig wie ein Kropf.

Konsequenz:

Zeiss/Leica/Swaro usw. Dachkantgläser sind für 300-400g leichter und etwas kleiner eigentlich durch
Gläser, die nicht so sehr auf kurz/leicht/klein optimiert sind locker zu übertreffen! Aber inzwischen traue
ich auch dem "Porro- Dachkant-Glaubenskrieg" nicht mehr (Lidl-Meade ist bezüglich Reflexen schlimmer als
die meisten Dachkanten, die ich bisher in den Händen hatte). Offensichtlich gibt es eben einfach gut gemachte
Ferngläser in beiden Segmenten (und gute Porros sind eben auch alles andere als billig - Nikon SE usw.)

Durchschauen und verstehen? Das Problem nur, daß man nirgends Vergleiche machen kann - sonst würde
kaum mehr jemand 1000€ bezahlen? Oder sonst würde jeder einfach 1000€ bezahlen, weil das Glas
endlich auch so gut ist? Alle Werbung einfach glauben und dann bei 1000€ Gläsern von führenden Herstellern
feststellen, daß einfache Gläser besser sind weil nicht so extrem auf die Jäger optimiert?

Aber nochmal die zentrale Frage: sind die viereckigen Austrittspupillen von BK7 Gläsern wirklich zwangsläufig
immer da oder nur bei stumpfen Strahlenbündeln von f<5 Gläsern oder ist das eine (sehr erfolgreiche) Zeiss
Legende und meistens sind die eckigen Pupillen durch die zu kleinen Prismen bedingt?

Gruß
 
Mist- ich bemerke gerade, daß der Link zu cloudynights nicht funktioniert.
also www.cloudynights.com dort Foren wählen und Binoculars und schließlich EdZ's (Ed Zarensky's) "best of"
Kategorie wählen und suchen - viel Glück

(schlechtes zu erkennen ist einfach, gutes dagegen oft verdammt schwierig)

Gruß
 
Zitat:

Aber nochmal die zentrale Frage: sind die viereckigen Austrittspupillen von BK7 Gläsern wirklich zwangsläufig
immer da oder nur bei stumpfen Strahlenbündeln von f<5 Gläsern oder ist das eine (sehr erfolgreiche) Zeiss
Legende und meistens sind die eckigen Pupillen durch die zu kleinen Prismen bedingt?

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Hallo Hanz,

Nicht-runde Austrittspupillen wegen zu kleiner Prismen gibt es natuerlich auch, das sieht aber anders aus: Meistens fehlen in diesem Fall nur ein oder zwei Segmente: der Kreis ist an zwei Seiten einfach abgeschnitten.

Die viereckigen Pupillen durch Versagen der Totalreflexion zeigen bei genauem Hinsehen noch immer einen Kreis. Jedoch ist hier nur das zentrale Quadrat hell ausgeleuchtet und die vier Randsegmente haben einen blaeulichen Schimmer (kurzwelliges Licht bricht staerker und kommt noch an, wo das langwellige Licht laengst aus dem Prisma gerauscht ist).

Nicht alle BK7 Porro Fernglaeser zeigen den Effekt. Es liegt am Oeffnungsverhaeltnis und, vermute ich mal, auch am Sehfeld, denn ein weites Sehfeld erzeugt ja auch stumpfere Kegel. Entsprechend sollte es diese Erscheinung auch bei BaK4 Superweitwinkel Glaesern geben (obwohl mir gerade kein Beispiel einfaellt).

Gruss,
Holger
 
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