Hier kann ich Dir nicht folgen, Holger!
Hallo Holger,
nur ganz kurz, da mir wie Dir die Zeit davonläuft. Ich habe heute den ganzen Tag ein anstrengendes Seminar gehalten und bin deshalb auch ziemlich k.o. Aber bevor ich mich heute zur wohlverdienten Ruhe begeben und wir in ca. 2 Wochen weiterdiskutieren, möchte ich folgendes richtigstellen, was in Deinem nachfolgend zitierten Text (rote Hervorhebung ist von mir) nicht stimmt:
Jetzt werden wir professioneller und nehmen unsere Kamera und schiessen alle 20s ein Photo, um hinterher alle Bilder uebereinander zu kopieren. Wir sehen dann eine Lichterkette, und die Abstaende zwischen den einzelnen Sternpositionen sind nahe dem Zentrum weit und werden zum Rande hin enger, was man mit der Transformationsformel in allen Details verifizieren kann.
So weit kann mir sicher jeder folgen ...
Ich kann Dir hier leider NICHT folgen, auch wenn es alle anderen hier im Forum tun sollten. Wenn wir ein Foto machen, dann ist der Abstand der einzelnen Sternpositionen wieder gleich, denn die Lage längs der die Bewegungsrichtung markierenden Linie ist nicht proportional zum Winkel zwischen der opt. Achse und dem Lichtstrahl vom Stern zum Objektivmittelpunkt (Hauptstrahl), sondern zum Tangens dieses Winkels. Stelle Dir vor, Du machst mit derselben Kamera (deren Objektiv wir als verzeichnungsfrei annehmen, damit sich eine Verzeichnung durch das Objektiv nicht verfälschend auswirkt) eine Foto ohne vorgeschaltetes Fernglas von einen rechtwinklig zur opt. Achse aufgespannten Lichterkette mit gleichabständigen Kerzen (Leuchtdioden o.ä.). Trotz gleicher Abstände siehste Du genauso wie die Kamera ohne Fernglas jeweils paarweise benachbarte Kerzen (LEDs) unter einem größeren Winkel, wenn die Kerzen (LEDs) nahe der opt. Achse sind, aber unter einem kleineren Winkel, wenn sie weil links oder weit rechts davon sind. Da Dein Gehirn sich das über die Sehnerven vom Auge gelieferte Bild aber räumlich vorstellt, nimmst Du die Lichterkette auch wieder wirklichkeitsgetreu als gleichabständig wahr - obwohl die Winkel zwischen benachbarten Kerzen (LEDs) von der Mitte (opt. Achse) nach außen kleiner werden. Und auch die Kamera bildet die Lichtpunkte weit außen wieder gleichabständig ab, weil die Lichtstrahlen je weiter außen, desto schräger auf den Film oder Sensor fallen und somit die Abstände trotz engerer Winkel wieder so weit „gestreckt” werden, daß die Gleichabständigkeit gewahrt ist.
Würden sich die Lichter längs der Lichterkette bewegen (Seilzug o.ä.). ist die Lateralgeschwindigkeit jedes einzelnen Lichts (Kerze, LED) dieselbe, die von der Position des Auges aus gemessene Winkelgeschwindigkeit jedoch nicht (sie nimmt nach außen hin ab, wie Du es in Deinem Rechenbeispiel gezeigt hast). Das ergibt jedoch keinen Globuseffekt, weil eben unsere Seherfahrung zu einer entsprechenden räumlichen Vorstellung (Wahrnehmung) führt, die wirklichkeitsgetreu eine konstante Laterelgeschwindigkeit liefert.
Der Globuseffekt entsteht erst dadurch, daß die Abnahme der Winkelgeschwindigkeit von der Bildmitte des Fernglases zum Rand, also mit zunehmendem Winkelabstand von der opt. Achse beim einer Fernglasvergrößerung >1 ANDERS (STEILER) ERFOLGT ALS BEI BETRACHTUNG MIT BLOSSEM AUGE (Vergrößerung = 1). Das ist wieder genau das, was ich schon in meinem früheren Beitrag vom 10.4.2005 erklärt und sogar mit Formeln präzise beschrieben hatte. Du scheinst diesen meinen früheren Beitrag nur überflogen zu haben. Mache Dir doch bitte die Mühe, ihn exakt nachzuvorziehen und evtl. auch durch eine Zeichnung klarzumachen. Du wird dann sehen, daß meine Formeln genau angeben, wie aufgrund der Vergrößerung >1 die Abnahme der Winkel zwischen benachbarten gleichabständigen Punkten (Kerzen, LEDs) schneller vonstatten geht als bei Vergrößerung =1. Diese „Stauchung” gegenüber dem natürlichen Verlauf im Randbereich ist es, die den Globuseffekt erzeugt (der eigentlich Zylindereffekt heißen müßte, weil der Effekt nicht rotationssymmetrisch ist, sondern nur längs der Schwenkbewegungsrichtung erfolgt und eine betrachtete Ebene beim Schwenken also nicht wie auf einer rotierenden Kugel (= Globus), sondern wie auf einem rotierenden Zylinder abzurollen scheint.
Schade, daß ich hier keine Zeichnungen einstellen kann, denn damit ließe sich die Sache anschaulicher erklären. Aber vielleicht finde ich im Juli mal die Zeit, das alles aufzuzeichnen, und vielleicht ist dann wieder (wie schon mal früher bei der Berechnung der Fangspiegelgeometrie) jemand hier im Forum mit eigener Homepage bereit, diese Zeichnung hier darzustellen, wenn ich sie ihm als PDF zusende.
Schluß jetzt, Du bist nun erst mal dran, meinen Beitrag vom 10.4. GENAU zu lesen und alle dort beschriebenen Denkschritte nachzuvollziehen. Ich bin sicher, daß Dir dann nicht nur ein Licht, sondern eine ganze Lichterkette aufgehen und Dir dann der Globuseffekt als eine eigentlich gar nicht komplizierte Sache erscheinen wird (es ist wirklich nicht kompliziert, wenn man's mal verstanden hat).
Walter E. Schön