Goldene Sterne und eine unerwartete Erstsichtung - wieder mal eine Beobachtungs-Erzählung

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Sternchensuppe kochen, aber in meinem Schriftstellerhaushalt
<grins> Sternchensuppe ist in einem Schriftstellerhaushalt tolerabel, Buchstabensalat wäre sicher problematischer :cool:. Wie wir sehen, ist der Weg von der Astronomie zur Gastronomie gar nicht so weit (ich erinnere an meinen amarettogestreckten Kakao zum Aufwärmen - nach der Beobachtung. Während der Beobachtung empfehle ich ein Thermoskännchen Tee und Schokolade nach individueller Vorliebe).
Übrigens finde die Skizze zur Kaskade gelungen. Oben - oder an anderer Stelle - schrieb ich bereits, dass m.E. Skizzen wertvoll sind, um Gesehenes zu konservieren und um das Beobachen zu üben.
Ich muss zugeben, dass ich diesen Asterismus noch nie bewußt beobachtet habe, obwohl er sich einiger Bekanntheit rühmen kann. Auf dem Atlasauschnitt habe ich gesehen, dass am Fuß der Kaskade NGC 1502 steht. Als vis. deepsky-Freund werden sicher beide Objekte bald ein Ziel für Fernglas und Dobson sein.

In der Gegend um Perseus und Cassiopeia sind ohnehin zahlreiche offene Sternhaufen, die mit verschiedensten Öffnungen erreicht werden können; ein lohnendes Feld

Gute Zeit allen
Uwe
 
Hallo ihr!

Na, da gibt es ja mehr Aufsuchpfade für die Kaskade, als ich dachte. Danke für die Beschreibungen und Kartenausschnitte!

<grins> Sternchensuppe ist in einem Schriftstellerhaushalt tolerabel, Buchstabensalat wäre sicher problematischer :cool:. Wie wir sehen, ist der Weg von der Astronomie zur Gastronomie gar nicht so weit (ich erinnere an meinen amarettogestreckten Kakao zum Aufwärmen - nach der Beobachtung. Während der Beobachtung empfehle ich ein Thermoskännchen Tee und Schokolade nach individueller Vorliebe).
Buchstabensalat gibt's bei uns auch oft genug. Man braucht ja auch mal was zum Lachen zwischendurch.
Und klar, Sternegucken und das leibliche Wohl gehören schon irgendwie zusammen. Gerade im Winter brauch ich da immer was dabei. Es geht doch nichts über einen knackig angefrorenen Schokoriegel, den man mit Orion teilt.

Ich erinnere mich an eine Situation im vergangenen Winter, wo ich meine ganze Astro-Ausrüstung (mir ist inzwischen klar, dass das im Vergleich zu dem, was ihr da oft durch die Gegend bewegt, immer noch recht kleines Gepäck ist :)) zu Fuß ein gutes Stück bis außerhalb der Stadt geschleppt hatte. Am Ziel bemerkte ich, dass die Thermoskanne mit dem Tee noch zu Hause stand. Ich kann euch sagen, dieser Beobachtungstrip fiel sehr sehr kurz aus!

Als ich gestern Abend von der Arbeit nach Hause kam, waren wieder sehr viele Sterne zwischen hohen Wolken sichtbar. Und da es für die nächsten Tage wolkiger vorhergesagt war und ich nach dem Dienst und 8 Stunden FFP2-Maske im Gesicht noch etwas frische Luft und Sterne brauchte, testete ich, ob meine liebgewonnenen Liegestuhl- und "Stella mystica"-Musik-Abende am Balkon schon unmöglich geworden waren.

Das Außenthermometer sagte: 10,2 Grad. Also zog ich mir etwas mehr an: zwei Paar gestrickte Socken übereinander, darüber noch ein Paar Filzpuschen; eine dünne und eine dicke Hose übereinander; zwei Strickpullis plus eine dünne und eine dicke Jacke; um den Hals kam ein breiter warmer Schal und auf den Kopf eine Strickmütze; ja, und auch die Hände bekamen Handschuhe. So machte ich es mir unter zwei Decken und mit dem Kater auf dem Bauch im Liegestuhl bequem.

Ich muss euch sagen, so kann man es da auch bei 10 Grad noch aushalten! :D Wenn es kälter wird, nehm ich noch Tee mit raus.

Astronomisch hatte ich nichts Konkretes vor. Ich ließ meinen Blick lediglich ein wenig mit dem Fernglas in der Kassiopeia und dem Rest vom Perseus, der noch über dem Hausdach zu sehen war, herumschweifen. Und auch die Milchstraße blickte ich ein wenig entlang, um zu prüfen, ob denn in meinem Fernglas an manchen Stellen des Himmels wirklich "viele Sterne" drin waren. Ja, das waren sie. Und solange das Fernglas nicht beschlug, sahen sie auch halbwegs scharf aus.

Immer, wenn das Bild unscharf wurde, steckte ich das Fernglas für eine Weile unter die Decken, um es wieder aufzuwärmen. Das half schon. Auch wenn diese Taktik für eine gezielte Beobachtungsrunde etwas mühsam gewesen wäre. Ich hab schon überlegt, ob es vielleicht sinnvoll wäre, auch dem Fernglas so etwas wie eine Taukappe zu stricken. Aber da ist vom Beschlagen her eher diese Reinguck-Linse (nennt man das beim Fernglas auch Okular? Nö, oder??) das Problem. Das müsste beim Fernglas dann so etwas wie eine "Ganzkörper-Taukappe" oder eine Art Strumpfhose bis obenhin oder so werden. Falls das was bringt.

Auf jeden Fall war es gestern eine gute Stunde gemütliches zielloses Fernglas-Herumspechteln, bevor es mir dann doch zu frisch wurde. Den schlafenden Kater hab in zwischenzeitlich ein wenig in die oberste Decke eingewickelt.

Fazit:
10 Grad sind noch nicht das Limit für die Liegestuhl-Sterneguckereien! :)

Viele Grüße und klare Nächte!
Sabine
 
Hallo in die Runde,

bei uns geht wegen Wolken und Regen im Moment Garnichts :(, Buchstabensuppe haben wir auch nicht im Haus. Aber nachmittags spielen meine Frau und ich immer Russisch-Brot Scrabble:

Scrabble.jpg


:coffee::giggle:.

Viele Grüße, CS und ein schönes Wochenende,
Reinhard
 
... und nein, ich habe das Foto nicht extra wegen diesem Thread aufgenommen. Es entstand gestern Nachmittag tatsächlich beim Kaffee trinken (alias "Russisch-Brot Scrabble" :)).
Die Buchstaben bringen übrigens keine Punkte, aber man darf das gelegte Wort selber aufessen. "Astronomie" war da schon ziemlich nahrhaft.
Ich habe noch andere Worte fotografiert, aber die kann ich hier nicht zeigen...

LG & CS, Reinhard
 
Hallo zusammen!

Nun wird es Zeit, das Niveau hier wieder ein Stück anzuheben. ;) Ich versuche das mal mit einem Beobachtungsbericht von letzter Nacht.

Wieder einmal unerwartet glitzerten bei uns letzte Nacht wieder die Sterne. Was der Wetterbericht bloß immer hat?
Angeregt durch durch unser letztes Thema hier schaute ich in Stellarium nach, wann Orion denn inzwischen auftauchte. Und staunte, als ich sah, dass er schon um halb zwei vollständig sichtbar sein sollte. Das war eine Uhrzeit, über die wir reden konnten.

Etwa um Mitternacht schulterte ich also wieder einmal den Klappstuhl und das Teleskop und stapfte in die dunkle Ecke hinterm Haus. Ich hatte keinen konkreten Beobachtungsplan, wollte nur mal nach Orion schauen und mitnehmen, was sich sonst so ergab.

Der Himmel war nicht völlig wolkenlos, aber an großen Bereichen konnte man die Sterne erkennen. Wenn auch häufig durch einen Schleier hoher Wolken hindurch.

Mein erster Blick galt Orion. Doch leider war genau in seiner Gegend eine störende Schicht aus Dunst und Wolken im Weg, und ich konnte gerade einmal Beteigeuze hindurchschimmern erkennen. Aber es war schön, sie wiederzusehen. Und beruhigend, selbst zu sehen, dass sie noch da war. Und es war ja auch noch recht früh für Orion. Also brauchte ich erst mal ein anderes Beobachtungsziel.

M 110 zog mich an. Also suchte ich nach der Andromeda-Kette am Himmel. Und erkannte, dass sie sehr, sehr "zenitig" stand. Ambitioniert versuchte ich trotzdem, die entsprechende Gegend mit dem Teleskop anzupeilen. Aber die Andromeda-Galaxie stand genau im toten Winkel, den ich mit meinem Teleskop auch mit den unbequemsten Verrenkungen nicht erreichen konnte. Also M 110 wieder einmal verschieben. Aber was dann? :unsure:

Ich konsultierte die Stellarium-App und sah, dass Uranus in einer ausgesprochen günstigen Beobachtungsposition stand. Und auch so zwischen den Plejaden und dem Widder angesiedelt, dass es eigentlich machbar sein sollte, ihn zu finden. Also ließ ich mich auf das Suchspiel ein - und es zog sich hin. Zuerst versuchte ich es damit, die entsprechende Gegend am Himmel mit dem Leuchtpunktsucher anzupeilen und dann die Himmelsgegend mit dem 20 mm Okular millimeterweise abzusuchen, um dort oben irgendwas zu finden, das eher wie ein Planet aussah als wie ein Stern.

Diese Strategie führte nur zu Frust. Deshalb nahm ich Stellarium zu Hilfe, umd in der angepeilten Himmelsgegend vielleicht irgendeine Sternenkonstellation zu finden, die mir half zu erkennen, wo ich überhaupt gelandet war. Um dann von dort aus per Starhopping zu Uranus zu gelangen. Das verbesserte auch nichts. Es gab einfach zu viele Zweier- oder Dreierketten von Sternen, die aber alle nicht zu dem, was ich dort oben laut Stellarium sehen sollte, passten. o_O

Naja, das hatte ich auch nicht anders erwartet. Uranus und Neptun waren schon im Fernglas eine abendfüllende Aufgabe. Im Teleskop potenzierte sich das. Aber ich wollte noch nicht aufgeben. Also wieder Stellarium und den Himmelsanblick verglichen, um vielleicht einen geeigneten sicheren Ausgangspunkt für das Starhopping zu finden. 48 Ari bot sich an, denn er sollte mit seinen 5.1 mag gerade noch zu sehen sein und von ihm aus war der Weg zu Uranus nicht mehr allzu weit. Er sollte zu sehen sein, aber ich konnte ihn auch mit meinen inzwischen gut adaptierten Augen nur grenzwertig am Himmel erkennen. Trotzdem peilte ich ihn so gut es ging an - und hatte zum ersten Mal an diesem Abend Glück! Im Okular glänzte ein relativ helles Sternchen, dessen Umgebung laut Stellarium mit der von 48 Ari übereinstimmte! :D

Also arbeitete ich mich Stern für Stern in Richtung Uranus voran. Und voller Freude sah ich, dass da wirklich in etwa die Sternformationen auf dem Weg lagen, die laut Stellarium dort sein sollten. Als nur noch ein, zwei Sprünge bis zu meinem Ziel nötig waren, bemerkte ich plötzlich, dass sich ein Auto meinem Standort näherte. Das durfte doch nicht wahr sein, nicht jetzt! :eek:

Mein Platz hinterm Haus ist eine Parkbucht, die aber so gut wie nie benutzt wird. Wieso wollte gerade jetzt jemand hier sein Auto abstellen? Mein Teleskop stand mitten in der Parkbucht, und es konnte hier nur entweder mich oder das Auto geben. Und ich war nicht bereit, zu weichen. Nicht, nachdem ich über eine Stunde lang nach Uranus gesucht hatte und nun endlich so kurz vor dem Ziel stand! Wenn ich mein Teleskop nun versetzen musste, würde das ganze Suchspiel wieder von vorn anfangen! Nein, niemals! Es reichte schon, dass mich die Auto-Scheinwerfer geblendet hatten und meine Dunkeladapiton dahin war. Aber weggehen? Auf gar keinen Fall! :mad:

Ich machte aus meiner schlechten Stimmung keinen Hehl, sprang von meinem Hocker auf und gestikulierte furienartig herum. Und gewann. Das Auto entfernte sich im Rückwärtsgang wieder, und kurz darauf waren der Motor und die Lichter aus. Eine Weile wartete ich noch darauf, dass der Fahrer des Autos herkommen und sich über meine Dreistigkeit beschweren würde. Irgendwie auch zu Recht. Aber es kam niemand. Und meinem Treffen mit Uranus stand nichts mehr im Weg. :D

Als ich den Planeten gefunden hatte, war ich schon ein wenig enttäuscht. Denn er sah aus wie der etwa gleich helle Stern neben ihm. Kein Scheibchen, keine Farbe, einfach nur ein Stern neben einem anderen. Aber laut Stellarium Uranus. Ich zeichnete die Himmelssituation, die ich im 20 mm Okular erkannte, um die Position später noch einmal kontrollieren zu können. Die Zeichnung und ein paar Worte zur Uranus-Beobachtung hab ich in Joachims Planeten-Faden untergebracht.

Inzwischen war es etwa 2 Uhr geworden. Ich ließ von Uranus ab und schaute nochmal nach Orion. Und tatsächlich lag der himmlische Jäger nun klar und komplett sichtbar über den Dächern der Nachbarhäuser! Das erste Mal, dass ich ihn in dieser Saison zu Gesicht bekam. Und er war wie immer beeindruckend! :love:

Naja, als ich so an ihm herab blickte, musste ich an Dich denken, Ulrike, und bekam erst mal einen Lachanfall. Kannst Du Orion noch unbefangen anschauen? Aber Du schaust ihn ja nicht nur an, Du fotografierst ihn auch noch!O weh! Das kann ein heiterer Winter werden... :ROFLMAO:

Nachdem er nun schon einmal vollständig sichtbar war, wollte ich noch einen Blick auf Orions Nebel werfen, der sich auch bloßäugig als Aufhellung erkennen ließ. Doch der himmlische Jäger stand noch zu tief, und Nachbars Hecke verwehrte mir den Blick darauf. Da es für meine Verhältnisse schon recht spät war, beließ ich es dabei, Orion überhaupt endlich wiedergesehen zu haben.

Ich wünschte ihm noch eine gute Nacht. Da fiel mir Jupiter ein. :affemund: Doch der ließ sich nirgendwo mehr blicken. Vielleicht gar nicht schlecht. Nicht, dass sich die beiden noch ins Gehege kamen!

Viele Grüße und bis demnächst
Sabine
 
Hehe... ich fürchte so ganz unbefangen werde ich mir den Himmelsjäger künftig auch nicht mehr anschauen. Jedenfalls nicht ohne ein Lächeln im Gesicht. Und wenn dann demnächst M 42 fotografisch festgehalten wird, werde ich so genau hinschauen, dass da auch künftig für die Fantasie kaum mehr Raum bleibt _affeaugen: Und wenn es soweit ist, stupse ich dich gerne hier an, Sabine :D. So langsam scheint dich Orion ja auch in zu begeistern. Der hat bisher aber auch noch jeden in seinen Bann gezogen. Wobei, mein Favorit am Himmel ist ja der Skorpion. Leider in unseren Breiten im Frühjahr auch nur teilweise zu sehen.

Viele Grüße,
Ulrike
 
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