Hallo zusammen!
Nun wird es Zeit, das Niveau hier wieder ein Stück anzuheben.

Ich versuche das mal mit einem Beobachtungsbericht von letzter Nacht.
Wieder einmal unerwartet glitzerten bei uns letzte Nacht wieder die Sterne. Was der Wetterbericht bloß immer hat?
Angeregt durch durch unser letztes Thema hier schaute ich in Stellarium nach, wann Orion denn inzwischen auftauchte. Und staunte, als ich sah, dass er schon um halb zwei vollständig sichtbar sein sollte. Das war eine Uhrzeit, über die wir reden konnten.
Etwa um Mitternacht schulterte ich also wieder einmal den Klappstuhl und das Teleskop und stapfte in die dunkle Ecke hinterm Haus. Ich hatte keinen konkreten Beobachtungsplan, wollte nur mal nach Orion schauen und mitnehmen, was sich sonst so ergab.
Der Himmel war nicht völlig wolkenlos, aber an großen Bereichen konnte man die Sterne erkennen. Wenn auch häufig durch einen Schleier hoher Wolken hindurch.
Mein erster Blick galt Orion. Doch leider war genau in seiner Gegend eine störende Schicht aus Dunst und Wolken im Weg, und ich konnte gerade einmal Beteigeuze hindurchschimmern erkennen. Aber es war schön, sie wiederzusehen. Und beruhigend, selbst zu sehen, dass sie noch da war. Und es war ja auch noch recht früh für Orion. Also brauchte ich erst mal ein anderes Beobachtungsziel.
M 110 zog mich an. Also suchte ich nach der Andromeda-Kette am Himmel. Und erkannte, dass sie sehr, sehr "zenitig" stand. Ambitioniert versuchte ich trotzdem, die entsprechende Gegend mit dem Teleskop anzupeilen. Aber die Andromeda-Galaxie stand genau im toten Winkel, den ich mit meinem Teleskop auch mit den unbequemsten Verrenkungen nicht erreichen konnte. Also M 110 wieder einmal verschieben. Aber was dann?
Ich konsultierte die Stellarium-App und sah, dass Uranus in einer ausgesprochen günstigen Beobachtungsposition stand. Und auch so zwischen den Plejaden und dem Widder angesiedelt, dass es eigentlich machbar sein sollte, ihn zu finden. Also ließ ich mich auf das Suchspiel ein - und es zog sich hin. Zuerst versuchte ich es damit, die entsprechende Gegend am Himmel mit dem Leuchtpunktsucher anzupeilen und dann die Himmelsgegend mit dem 20 mm Okular millimeterweise abzusuchen, um dort oben irgendwas zu finden, das eher wie ein Planet aussah als wie ein Stern.
Diese Strategie führte nur zu Frust. Deshalb nahm ich Stellarium zu Hilfe, umd in der angepeilten Himmelsgegend vielleicht irgendeine Sternenkonstellation zu finden, die mir half zu erkennen, wo ich überhaupt gelandet war. Um dann von dort aus per Starhopping zu Uranus zu gelangen. Das verbesserte auch nichts. Es gab einfach zu viele Zweier- oder Dreierketten von Sternen, die aber alle nicht zu dem, was ich dort oben laut Stellarium sehen sollte, passten.
Naja, das hatte ich auch nicht anders erwartet. Uranus und Neptun waren schon im Fernglas eine abendfüllende Aufgabe. Im Teleskop potenzierte sich das. Aber ich wollte noch nicht aufgeben. Also wieder Stellarium und den Himmelsanblick verglichen, um vielleicht einen geeigneten sicheren Ausgangspunkt für das Starhopping zu finden. 48 Ari bot sich an, denn er sollte mit seinen 5.1 mag gerade noch zu sehen sein und von ihm aus war der Weg zu Uranus nicht mehr allzu weit. Er sollte zu sehen sein, aber ich konnte ihn auch mit meinen inzwischen gut adaptierten Augen nur grenzwertig am Himmel erkennen. Trotzdem peilte ich ihn so gut es ging an - und hatte zum ersten Mal an diesem Abend Glück! Im Okular glänzte ein relativ helles Sternchen, dessen Umgebung laut Stellarium mit der von 48 Ari übereinstimmte!
Also arbeitete ich mich Stern für Stern in Richtung Uranus voran. Und voller Freude sah ich, dass da wirklich in etwa die Sternformationen auf dem Weg lagen, die laut Stellarium dort sein sollten. Als nur noch ein, zwei Sprünge bis zu meinem Ziel nötig waren, bemerkte ich plötzlich, dass sich ein Auto meinem Standort näherte. Das durfte doch nicht wahr sein, nicht jetzt!
Mein Platz hinterm Haus ist eine Parkbucht, die aber so gut wie nie benutzt wird. Wieso wollte gerade jetzt jemand hier sein Auto abstellen? Mein Teleskop stand mitten in der Parkbucht, und es konnte hier nur entweder mich oder das Auto geben. Und ich war nicht bereit, zu weichen. Nicht, nachdem ich über eine Stunde lang nach Uranus gesucht hatte und nun endlich so kurz vor dem Ziel stand! Wenn ich mein Teleskop nun versetzen musste, würde das ganze Suchspiel wieder von vorn anfangen! Nein, niemals! Es reichte schon, dass mich die Auto-Scheinwerfer geblendet hatten und meine Dunkeladapiton dahin war. Aber weggehen? Auf gar keinen Fall!
Ich machte aus meiner schlechten Stimmung keinen Hehl, sprang von meinem Hocker auf und gestikulierte furienartig herum. Und gewann. Das Auto entfernte sich im Rückwärtsgang wieder, und kurz darauf waren der Motor und die Lichter aus. Eine Weile wartete ich noch darauf, dass der Fahrer des Autos herkommen und sich über meine Dreistigkeit beschweren würde. Irgendwie auch zu Recht. Aber es kam niemand. Und meinem Treffen mit Uranus stand nichts mehr im Weg.
Als ich den Planeten gefunden hatte, war ich schon ein wenig enttäuscht. Denn er sah aus wie der etwa gleich helle Stern neben ihm. Kein Scheibchen, keine Farbe, einfach nur ein Stern neben einem anderen. Aber laut Stellarium Uranus. Ich zeichnete die Himmelssituation, die ich im 20 mm Okular erkannte, um die Position später noch einmal kontrollieren zu können. Die Zeichnung und ein paar Worte zur Uranus-Beobachtung hab ich in
Joachims Planeten-Faden untergebracht.
Inzwischen war es etwa 2 Uhr geworden. Ich ließ von Uranus ab und schaute nochmal nach Orion. Und tatsächlich lag der himmlische Jäger nun klar und komplett sichtbar über den Dächern der Nachbarhäuser! Das erste Mal, dass ich ihn in dieser Saison zu Gesicht bekam. Und er war wie immer beeindruckend!
Naja, als ich so an ihm herab blickte, musste ich an Dich denken, Ulrike, und bekam erst mal einen Lachanfall. Kannst Du Orion noch unbefangen anschauen? Aber Du schaust ihn ja nicht nur an, Du fotografierst ihn auch noch!O weh! Das kann ein heiterer Winter werden...
Nachdem er nun schon einmal vollständig sichtbar war, wollte ich noch einen Blick auf Orions Nebel werfen, der sich auch bloßäugig als Aufhellung erkennen ließ. Doch der himmlische Jäger stand noch zu tief, und Nachbars Hecke verwehrte mir den Blick darauf. Da es für meine Verhältnisse schon recht spät war, beließ ich es dabei, Orion überhaupt endlich wiedergesehen zu haben.
Ich wünschte ihm noch eine gute Nacht. Da fiel mir Jupiter ein.

Doch der ließ sich nirgendwo mehr blicken. Vielleicht gar nicht schlecht. Nicht, dass sich die beiden noch ins Gehege kamen!
Viele Grüße und bis demnächst
Sabine