Grenzgröße in Deutschland

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Hallo TomPfleger,
du beschreibst in eindrucksvoller Art und Weise
wie sich eine Steigerung der Grenzgröße auf
die Beobachtung auswirkt.
Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.

Mit meinem Namensvetter meinst du wohl den
Musiker John Coltrane. Ich weiß von diesem Typen
nur, daß er einen coolen Namen trägt und
deswegen ich habe ich ihn angenommen.

 
Artikel in Sky & Telescope August 2003

Hi,

eine Anmerkung noch zu diesem Thema für alle, die sich für dieses Thema interessieren:

Sky & Telescope hat sich in seiner diesjährigen Augustausgabe in dem Artikel Dark Skies Rule die Frage gestellt, was wohl letztendlich mehr Auswirkung auf eine gute Beobachtung hat - die Öffnung des Teleskops oder ein "guter" Himmel.

Fazit des Autors: Insbesondere für Deep-Sky-Beobachtung (wär hätte's gedacht?) macht sich letzlich eine höhere Grenzgröße mehr als eine große Öffnung bezahlt.

liebe Grüße,

enzo
 
Hallo Coltrane,

Du schreibst u.a, selbst bei Vollmond hättest Du fst 5,5. Bist Du Dir da wirklich sicher?

Ich habe mal eine Vollmondnacht in Südtirol unter sehr gutem Himmel erlebt, da sieht man von Sternen eigentlich nicht mehr viel!

Und hier, am östlichen Stadtrand von München ist es genauso (natürlich bei verringerter Grenzgröße).

Nicht, daß Du mich falsch verstehst, aber hattest Du bei Deinen Grenzgrößenbestimmungen vielleicht noch den Sucher vorm Auge <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Servus
Oliver
 
Re: Artikel in Sky & Telescope August 2003

Am vergangenen Samstag habe ich mir die Mühe
gemacht, und während der Dämmerung mehrmals
die Grengröße ermittelt um mir einen Eindruck
zu verschaffen, unter welchen Bedingungen mehr
Leute als ich gedacht habe beobachten.
Alle Werte wurden im Kleinen Wagen ermittelt.
Die Zenitwerte dürften ein,zwei Zehntel besser sein.
Die Luft war an diesem Tag recht sauber,
die Luftfeuchtigkeit allerdings sehr hoch.
Gegen 20:30 Uhr: Grenzgröße 5,0, die Milchstraße
ist kaum zu erkennen. An eine Beobachtung ist hier
nicht zu denken.
20:35Uhr (Ende der nautischen Dämmerung):
Die Grenzgröße steigt sprunghaft auf 5,5. Die
Milchstraße (Schwan) ist nun deutlich zu sehen,
allerdings recht strukturlos. Immerhin der
Great Rift und einige Aufhellungen sind sichtbar.
Bis 20:48 erreicht die Grenzgröße Werte um 6,0.
Die Milchstraße ist jetzt sehr deutlich mit vielen
Strukturen. M13 wird vage erkennbar. Zum selben
Zeitpunkt geht der Mond auf. Die Grenzgröße
erreicht kurz danach ihren Maximalwert von 6,2.
Eine Beobachtung erscheint nun lohnenswert, wenn
auch keine sensationellen Resultate zu erwarten sind.
Danach sinkt sie durch den höher steigenden Mond
wieder etwas ab, kann sich aber selbst eine Stunde
nach Mondaufgang bei 5,6 halten.
Ein weiteres Ansteigen der Grenzgröße bei klarstem
Wetter und Neumond möchte ich nachfolgend
beschreiben.
Grenzgröße 6,5 (Zenit): Die Milchstraße zieht sich
als helles Band quer über den ganzen Himmel.
Viele sonst nur mit dem Fernglas sichtbaren Objekte
werden auch für das bloße Auge erreichbar,
M13, Lagunennebel, Uranus, um nur 3 zu nennen.
Grenzgröße 6,8: Die Milchstraße ist nun immens hell.
Viele Nebelfetzen und Dunkelwolken lassen sie
richtig zerklüftet erscheinen. Das Erkennen der
Sternbilder wird durch eine Unmenge an Sternen
erschwert. Für unerreichbar gehaltene Ziele rücken
in den Bereich des Möglichen.
M33 und M92 zählen hier zu meinen Sichtungserfolgen.
Hierbei ist allerdings nicht nur eine gute Grenzgröße
wichtig. Auch das perfekte Beherrschen des indirekten
Sehens ist eine unbedingte Voraussetzung, Einem
Anfänger gelingt so etwas sicher nicht.
Etwa ein mal im Jahr steigt die Grenzgröße über den
Wert von 6,8 an (ich hatte bisher 3 solche Nächte).
Die Transparenz des Himmels ist unglaublich, die
Atmosphäre scheint wie weggeblasen.
Der Himmelshintergrund ist nur noch schwarz, die
Sterne sind zum Greifen nah.
Ein unbeschreibliches Erlebnis. Der Orionnebel z.B.
ist blendend hell. Der Unterschied zu sonst ist in etwa
so, als wenn man Rigel beobachtet und dann
auf Sirius schwenkt. Nach einer solchen Nacht
ist man selbst gegen Grenzgröße 6,5 immun.

So, ich hoffe das war nicht zu euphorisch, denn die
Begeisterung ist etwas mit mir durchgegangen.
 
Hallo Oliver,
es kommt natürlich darauf an, in welcher Höhe
der Mond steht. Den kleinen Wagen z.B. kann
ich bei gutem Wetter bei jedem Vollmond
(Sommer wie Winter) vollständig erkennen,
wobei der schwächste Kastenstern 5,0Mag hat.
Wenn der Mond hoch am Himmel steht, tue ich
mich natürlich schwer bis auf 5,5 zu kommen.
was mir auch nicht immer gelingt. Möglich ist es
aber schon. Man muß nur genau hinsehen und
darf sich nicht zu sehr vom aufgehellten Himmel
abschrecken lassen.
 
Hallo!

also als Mitarbeiter bei Dark Sky verstehe ich manche Antworten hier in diesem Forum nicht.

Es gibt ja noch andere Aspekte der Lichtverschmutzung, wie
nachtaktive Tiere, Schlafstörungen (z.B. bei Kindern, siehe Studien die am Krankenhaus in Philadelphia gemacht worden sind!) usw..

Ausserdem: Jugenliche Anfänger ohne Auto müssen normalerweise Zuhause arbeiten! Ältere können oft nicht mehr in der Gegend herumfahren....
Das es Möglichkeiten gibt zeigt uns das Beispiel Augsburg, wo die Lampen eben abgeschirmt werden.

Wenn mehr Hobbyastronomen sich bei Jugendarbeit usw.. einbringen würden, dann gäbe es auch mehr Hobbyastronomen...

Übrigens vor den 70/80ern gab es bei uns nicht soviele mit 20cm Instrumenten, die nachpüfen konnten, was die wenigen die solche Instrumente hatten schrieben, was man sehen kann oder nicht.
Ich meine zu der Zeit war es halt so "den Cirrusnebel kann man nur unter bestem Himmel sehen...".. damit war halt nicht Deutschland gemeint..

Obwohl wir zu dieser Zeit in den Mittelgebirgen noch 6.5-7m Himmel hatten, hat sich keiner diese Objekte angesehen, weil es eben so in den dt. Büchern stand...

Inzwischen ist das eben anders. Die Bestimmung der Grenzgrösse ist eben nicht gerade Einfach. Neben dem kleinen Wagen sollten immer auch Sterne im Zenit aufgesucht werden. Bei mir ist es im Zenit so um die 5.7m meist bei 5.5. Die Milchstrasse kann ich im August von Kepheus bis Adler sehen. Die Schildwolke geht wegen der inzwischen für Nebenstrassen massiven Beleuchtung nicht mehr..

Gruss <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />
Jürgen



 
Jetzt habe ich mir mit meinem letzten Bericht
so viel Mühe gegeben, aber keiner will
darauf antworten. Dabei bin ich nach wie vor
daran interessiert unter welchen Bedingungen
ihr beobachtet.
Also:
Was war euer bester Himmel?
Wie siehr euer Durchschnittshimmel aus?
Welche Grenzgröße ist eure Mindestvoraussetzung?
Was (und wie?) sieht man von der Stadt aus?
Mich interessiert jede Beschreibung.


 
Moin,
tja ich hab jetzt nicht alle Beiträge gelesen. Bei uns hier im Norden ist es sehr sehr unterschiedlich. Die Sichtbedingungen können sich hier stündlich ändern. Wie haben hier ( Heide in Holstein nahe bei Büsum) zwar sehr oft auch freien Himmel, durch die nahen Tiefs (Scandinavien ist nicht weit) aber oft leicht Cirrus verhangen, was die Grenzgröße auf 5,5 in einer klaren Nacht drückt. Allerdings gibt es wenn auch sehr selten dann einige Tage, meist nur wenige Stunden eine Sicht, wo man die Milchstraße so klar strukturenhaft und deutlich sieht, selbst wenn man gerade aus dem Wohnzimmer in den Garten herausgetreten ist. So habe ich M33 und viele andere Messierobjekte in einer super Nacht visuell schon mal auf anhieb mit bloßem Auge gefunden, mit dem Fernglas dann natürlich ein Klacks.

Diese Tage sind sehr selten. Die Meeresluft der nahen Nordsee läßt manchmal aber anscheinend Alpenlufbedingungen zu. Auf Röm in Dänemark habe ich praktisch in jedem Herbsturlaub solche Nächte erlebt. Die Milchstraße wird dann regelrechte Schatten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> . Aber wie gesagt, solche Super-Tage sind sehr selten, ich schätze mal 15 Tage im ganzen Jahr mit einer Grenzgröße jenseits von 6 mag und die man nutzen kann.

Gruß Burkhard
 
Grenzgrößen auf dem ITT

Hallo Coltrane,

ein schöner Bericht - ich hab' hier schon lange nicht mehr reingeschaut und kommentiere daher erst jetzt.

Auf dem letzten ITT in Kärnten gab es für mich zwei Supernächte, in denen ich die fst auf "nur" 6.5mag bestimmt habe (GG-Karten der VdS-Fachgruppe Visuelle Deep Sky). Im Teleskop war die Wahrnehmung jedoch dramatisch besser als zuhause bei fst=6.1 mag. M33 war sogar direkt sichtbar. Andere Beobachter haben "7. Größe" angegeben - du siehst mal wieder, wie unterschiedlich die Angaben sein können. Ich trage eine Brille, das macht sicher was aus <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />
Im Teleskop sind die Wahrnehmungen mehrerer Beobachter offenbar nicht mehr soooo verschieden wie ihre Angaben der Grenzgröße. Dabei spielt dann wohl auch die Erfahrung ihre Rolle. Wenn eines kalr ist, dann leider nur, dass die Streuungsbreite von fst-Schätzungen ziemlich heftig ist!

Letzten November auf Teneriffa habe ich übrigens bei Vollmond eine fst=5.6 mag geschätzt. Die Milchstraße war trotz des enorm hellen Mondlichts ganz passabel zu erkennen. Ich schreibe das der trockenen und staubarmen Luft auf dem Hochplateau zu, da kann der heimische Mief nicht mithalten und streut vieles zu <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />

Gruß,
Tom
 
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