Grossen Dobson als LOWRIDER bauen?

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Astrograph

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Hallo zusammen
Direkt gefragt: Sollte man aufs Lowrider-Prinzip setzen, wenn man sich einen Dobson mit möglichst grossem Spiegel bauen möchte, aber keine Leiter o.ä. bei der Benutzung einsetzen will?
Anders gefragt: Ich kapier einfach nicht, wieso das Lowrider-Prinzip so wenig Beachtung findet. Hat es denn so gravierende Nachteile? (Habe die bisher nicht finden können).

Wenn ich alles durchrechne, komme ich bei meiner Körpergrösse von 180cm maximal auf einen 16" Dobson bei f/4.5 bei "normaler" Bauweise.
Würde ich das Lowrider-Prinzip anwenden, könnte ich bis 20" (oder 22"?) planen. (und nein, ich will keine Leiter o.ä. benutzen; da hört's wirklich mal auf)

Kennt sich hier jemand gut mit dieser Fragestellung aus?

Danke Euch und Grüsse
Thomas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Thomas,
die Antwort auf Deine erste Frage lautet JA.

Von der Stange sind mir keine Lowrider bekannt, so große Dobsons aber sowieso nicht, als das dies nötig wäre.
Gute Eigenbauten habe ich schon zur Genüge gesehen.
Bei meinem 18er komme ich trotz "Normalrider" noch im Zenit an den OAZ.

Wenn Du sowas planst, brauchst Du einen größeren FS, idealerweise auch mit einer anderen Form als die Standard-FS.
Weiterhin musst Du besonders Sorge dafür tragen, dass kein Fremdlicht in den OAZ kommt, da Du ja schräg nach oben schaust. Ist aber alles lösbar.

Und nie vergessen, das Okular im OAZ zu klemmen, sonnst fällt es Dir ins Gesicht (oder noch weiter runter). :augenrubbel:
 
So wenig Beachtung findet das gar nicht, allerdings gibts keine Lowraider von der Stange, deshalb siehst du dieses Design meist bei großen Eigenbauten. Spontan fallen mir da die Geräte von Reiner Vogel oder Timm Klose ein. Bei Timm konnte ich beim letzten HTT durchschauen, tolles Gerät!
 
Danke schonmal für Eure freundlichen Hinweise.
Ich muss mal schauen, wo ich mal länger durch einen Lowrider sehen könnte ... wenn man immer etwas nach oben schaut, bekommt man da keine Genickstarre über die Zeit? ;)
 
Nöö, so schlimm ist das nicht, Du schaust ja nicht permanent direkt in den Zenit.
 
Ok, dann muss ich mal schauen, wo's Baupläne für Lowrider gibt ...
 
Hallo Thomas,

Zitat von Astrograph:
Wenn ich alles durchrechne, komme ich bei meiner Körpergrösse von 180cm maximal auf einen 16" Dobson bei f/4.5 bei "normaler" Bauweise.
Würde ich das Lowrider-Prinzip anwenden, könnte ich bis 20" (oder 22"?) planen. (und nein, ich will keine Leiter o.ä. benutzen; da hört's wirklich mal auf)

Plane mal bei Deinen Überlegungen eine EQ-Plattform mit ein, die die Grundbauhöhe nochmal erhöht. Früher oder später wird man so ein Ding haben wollen, vor allem dann, wenn durch größere Spiegel höhere Vergrößerungen möglich werden.
 
Hallo Thomas,

kurz meine Erfahrungen mit meinem Lowrider (22" f/4.0). Ich beobachte mit dem Teleskop jetzt über 7 Jahre und es ist für mich immer noch das perfekte transportable Teleskop.

Die gängigen Kritikpunkte, die immer wieder geäußert werden, sind die folgenden:

Einblick: Viele Dobsons haben den OAZ nicht genau seitlich montiert, sondern etwas versetzt, um auch bei niedrigen Elevationen bequem einblicken zu können. Das ist bei meinem Lowrider ebenso. Von daher relativieren sich die 30° Neigung, sobald Du nicht mehr im Zenit beobachtest. Aber auch im Zenit habe ich die Einblicksposition nie schlechter empfunden als bei großen klassischen Newtons, mit denen ich auch ausgiebig beobachtet habe.
Hier ein Bild, in dem die Position des OAZ gezeigt wird:

Link zur Grafik: http://www.reinervogel.net/lowrider/cover3.jpg


Streulichtschutz: Streulichtschutz ist immer ein Problem, wenn man da nicht Acht darauf gibt. Das gilt aber auch beim klassischen Newton (was da so an Teleskopen im Verkehr ist, ist manchmal haarsträubend). Beim Lowrider bekommt man das Problem des direkt einfallenden Streulichts am besten in Griff mit einer Blende auf der Spinne. Die erlaubt es, die obere Hutblende in normaler Größe zu belassen. Gerade bei großen Dobsons ist das wichtig, da das ein Hauptangriffspunkt für Wind ist. Mehr dazu ist auf meiner Webseite.

Link zur Grafik: http://www.reinervogel.net/lowrider/bau/blenden3.jpg

Ebenso wichtig sind vernünftige Blenden am OAZ. Hier ist meine Blendenkonstruktion:

Link zur Grafik: http://www.reinervogel.net/lowrider/bau/blenden1.jpg

Okulare rausfallen: Mir ist in den sieben Jahren noch nie ein Okular aus dem OAZ gefallen. Mir ist schon einmal mein 13er Nagler auf den Hauptspiegel gefallen und einemal die Reduzerhülse, aber nicht aus dem OAZ, sondern weil ich zu blöd war und meinte, die kompliziertesten Okularwechsel einhändig durchführen zu müssen :-(

Einblickhöhe: Ich bin 1,80m groß und komme mit 22" f/4 und einer Plattform gut hin. f/4.0 war damals für mich das Limit nach unten, da ich den Spiegel selbst gemacht habe und Interferometrie aus dem RoC damals mit so großen schnellen Spiegeln nicht wirklich funktionierte. Mittlerweile sind schnellere Spiegel möglich, von daher kannst Du auch mit Deinen 1.80m zu größeren Spiegeln gehen, wenn sie entsprechend schnell sind.

Fangspiegel: Der muss etwas größer werden. Mein Lowrider hat eine Obstruktion von im Mittel 25%. Kleinströhrenbeobachter sträuben sich bei 25% die Nackenhaare. Diejenigen, die schon länger mit größeren Teleskopen "seeingbegrenzt" beobachten, lässt das ziemlich kalt. :-)

Von daher kannst Du auch einen FS in gewohnter Form verwenden, Du wirst bei über einem halben Meter Öffnung vermutlich nie in die Situation kommen, eine obstruktionsbedingte Verschlechterung der Performance auch nur ansatzweise fest zu stellen.

Ist jetzt doch etwas länger geworden, aber beim Thema Lowrider wird immer sehr viel theoretisiert und die praktische Erfahrung kommt da oft ein wenig zu kurz. Vielleicht helfen Dir ja meine Erfahrungen bei Deiner Entscheidung.

Viele Grüße
Reiner
 
Hallo zusammen!
Wer baut den sowas dann in Einzelanfertigung zum Verkauf, wenn man selber nicht in der Lage ist so ein Projekt technisch zu stemmen? Ich hätte evtl. interesse an einem maßgeschneidertem Lowrider in naher Zukunft.
Viele Grüße Raimund
 
Zitat von raziel28:
Hallo Thomas,

Zitat von Astrograph:
Wenn ich alles durchrechne, komme ich bei meiner Körpergrösse von 180cm maximal auf einen 16" Dobson bei f/4.5 bei "normaler" Bauweise.
Würde ich das Lowrider-Prinzip anwenden, könnte ich bis 20" (oder 22"?) planen. (und nein, ich will keine Leiter o.ä. benutzen; da hört's wirklich mal auf)

Plane mal bei Deinen Überlegungen eine EQ-Plattform mit ein, die die Grundbauhöhe nochmal erhöht. Früher oder später wird man so ein Ding haben wollen, vor allem dann, wenn durch größere Spiegel höhere Vergrößerungen möglich werden.

Das gilt aber auch fürn simplen Standardtnewton...
 
Moin,

da hätte ich noch eine Idee, alternativ zum Lowrider.
Wenn der Okularauszug nicht auf der Horizontalen Achse montiert wird, sondern darunter, hat man auch einiges an Höhe eingespart.
Nur direkt im Zenith hätte man da nichts davon, allerdings beobachtet man da auch eigentlich nie im "Dobsonloch".
Ich hoffe, es war einigermaßen verständlich, wie es gemeint ist.
Ich habe mal auf Reiners Bild eine mögliche Position mit einem X markiert.
Genial wäre da ein drehbarer Hut, wie Jörg es auch an seinem 28" Bino Dobson gemacht hat.

Link zur Grafik: http://s7.directupload.net/images/130915/bc4a6hzw.jpg

Gruß Eric
 
Schönen guten Morgen,

da ich gerade beim Bau meines dritten größeren Dobsons (33" f/3.9) bin, mein Senf dazu.

Als Spiegelschleifer ist es einfacher einen runden Fangspiegel herzustellen, daher spricht vieles für den Lowrider. Käuflich gibt es sowas nicht, aber auch elliptische FS von der Stange sind über 100mm nicht frei von Überraschungen :erschreck:
Ohne selber Nachzumessen kann man das schonmal vergessen.

Trotzdem habe ich mich bisher gegen die Lowrider-Option entschieden. Aus folgenden Gründen:
1. Aufbau ist etwas einfacher, der Hut kann flacher und kompakter werden (evtl Transportproblem!)
2. nahe am Zenit gefällt mir der Einblick nicht, ich beobachte fast immer 70° aufwärts.
3. bisher bleiben die Füße wegen kurzem Öffnungsverhältnis am Boden (28" f/3.1 geht leiterlos mit max 6 Stück Styrodur Klötzchen a 5cm)
4. bei langer Brennweite (über 3m bei 33" f/3.9) braucht man in jedem Fall eine Leiter. Da kommt es auf zwei Stufen auch nicht mehr drauf an.

Stand heute würde ich allerdings in der 20"-24" Klasse die Lowrider-Karte ziehen. Denn sowohl durch Reiners 22" f/4 als auch durch Rolands 24" f/4 konnte ich ein paar Blicke werfen und speziell diese beiden Teleskope sind so ausgewogen und durchdacht, dass es eine reine Freude ist! :super:
Der Einblick ist eher "dynamisch", durch die wechselnden Positionen kommt es nicht zu Genickstarre.
Ich kann nur empfehlen, selbst einmal durchzuschauen. Am besten etwas länger, zu vorgerückter Stunde und etwas übermüdet. So kann man sich am besten ein Bild machen, ob einem das persönlich liegt.
Der Mangel dieser Möglichkeit war übrigens Grund Nr. 5 weshalb ich mich bisher nicht zum Lowrider hinreissen lassen habe.

Viele Grüße
Kai



 
Hallo Roland,

Zitat von RHerrmann:
Das gilt aber auch fürn simplen Standardtnewton...

Natürlich. Wobei beim Standardnewton der Gang auf Tritt oder Leiter scho nmal mehr akzeptiert wird, da macht die Stufe mehr bei untergeschobener Plattform dann auch nichts mehr aus.

Nein, ich meine, wenn man von vorne herein plant, einen Dobson ebenderdig benutzen zu wollen und sich dabei also Gedanken für die Geometrie des Gerätes macht ist es schon sinnvoll darüber nachzudenken, ob so eine Plattform kommen könnte.

Du merkst, ich schreibe das ja nicht ohne Grund, bzw, der Trigger dazu kam aus Stumpi beim Timm.
 
Herzlichen Dank an alle, die mir hier Inputs gegeben haben.
Muss das erstmal alles vearbeiten ;)
Quellen für Baupläne würden mich interessieren - finde dazu kaum etwas.
Viele Grüsse
Thomas
 
Hi Thomas,
hier wurde doch schon einiges verlinkt und Reiner Vogel hat sich sogar selber gemeldet - da sollte alles nötige zu finden sein.
 
Hallo nochmal und schon wieder ;)
Eine Frage zu Reiners Blenden hab ich noch:
"Ebenso wichtig sind vernünftige Blenden am OAZ."
Ich sehe hier zwei unterschiedliche Herangehensweisen: Bei Reiner sind es fixe Blenden, Ulli Vedder (u.a.) verwendet eine flexible Blende, die man einstellen kann.
Was wäre denn der Vorteil von Reiners fixen Blenden?

Viele Grüsse
Thomas
 
Hallo Thomas,

ich hatte auch schon eine verstellbare Irisblende am OAZ vewendet. Der sinnvolle Verstellbereich ist je nach Abstand vom Okular recht klein. Von daher sind die Vorteile gegenüber Festblenden nicht groß.

Ich verwende mehrere Festblenden hintereinander. Dadurch können die einzelnen Blenden kleiner gehalten werden. Wichtig ist vor allem die obere Blende (bei mir Halbblende), die möglichst nah an den FS plaziert werden sollte, aber natürlich nicht im Strahlengang stehen darf.

Viele Grüße
Reiner
 
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