Sternsucher
Aktives Mitglied
Hallo Forianer,
als meinen ersten Beo-Bericht in diesem Forum wähle ich einen ganz besonderen. Die Beobachtungssession des vergangenen Dienstag (25.6.) war mein absolutes Jahreshighlight, denn ich konnte zum ersten mal mit einem Kollegen beobachten der schon lange Jahre in der Astroszene tätig ist.
Deshalb wird das auch ein sehr langer BB, seid gewarnt
Ich durfte mich im Vorfeld schon darauf freuen, dass ein paar seeehr feine Ausrüstungsgegenstände zum Ausprobieren mitgebracht würden und ich das ein oder andere dazulernen kann.
Kleines Stimmungsbild:
Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/gallery/58/medium/36177.jpg
Gegen 23 Uhr begaben wir uns in den heimischen Hinterhof, meinem derzeitigen Beoplatz, zum Aufbauen. Zwar hatte der Kollege sein getreues 10" GSO dabei, aber dieser kam erstmal nicht zum Einsatz. In dieser Session würde er genug damit zu tun haben "Astronomie für Dummies" zu lehren, und außerdem wollte er einmal selbst mit einem MF Dobson beobachten.
Nachdem mein Scope aufgebaut war, betrachtete ich staunend den Aufbau eines echt großen Bino-Mounts und einem ebenso großen Bino darauf: ein TS 20x80 Triplet.
Hier musste ich wieder feststellen wie nützlich ein gutes Fernglas für Orientierung und Aufsuchen ist!
Während mein Dobs auskühlte, begann das stellare Sightseeing mittels Bino in Scorpius: Kugelsternhaufen M4, ein schönes Paradeobjekt. Der enorme Sternreichtum und sein helles Zentrum waren durch das Bino schon ein toller Anblick. Das TS Bino bildet scharf und kontraststark ab, kein Vergleich zu meinem eigenen (nun "Gurkenbino" genannten ) No Name-Glas.
Mit dem Dobs kann ich, der Hecke um unser Grundstück wegen, SCO leider nicht anpeilen...
Schon ging die Reise weiter zu Vulpecula und M27, dem Hantelnebel. Klar erkennbares Fluffbällchen, leicht oval. Seine inneren Strukturen ließen sich mit indirektem Sehen erahnen, brauchten aber etwas Fantasie um auszusehen wie das was dem Nebel seinen Namen gab. Da musste etwas höhere Vergrößerung ran.
Im selben Sternbild fand sich noch Collinder 399, der Kleiderbügelhaufen. Dieser Name wird der Sternenkette auch gerecht und ist lustig anzusehen.
Nun waren die Augen ordentlich adaptiert und warmgeguckt - es ging ans Teleskop.
Seit Ende Mai drohte ich M81/82 in UMa zwecks detailierter Zeichnung einen Rückbesuch an. Nun da ich mit neuem Übersichts-Oku und funktionierendem Fokus für die Speers Waler ausgerüstet bin, waren die beiden folglich das erste was ich anpeilte. Aber schon beim Blick durchs 24mm ES war klar - da ist nix klar! Der Siff hielt das GLX-Pärchen im Griff und ließ bei 7.2mm kaum Details durch.
Der Kollege wusste den Frust gekonnt zu umgehen und instruierte mich 'gen Canes Venatici zu NGC5194, Whirlpoolgalaxie, mit Begleiter NGC5195. Freundlicherweise ignorierte er meine Schmatzgeräusche beim Anblick des leckeren Fluffs im Okular und wandte sich seinem Bino zu, während ich das Zeichenwerkzeug zur Hand nahm und die beiden GLX zu Papier brachte. Die Transparenz ließ auch hier wieder zu wünschen übrig. Dennoch waren die beiden gut zu erkennen, der etwas kleinere Begleiter mit sehr diffusen Rändern und die Spiralgalaxie ließ erahnen dass sie sehr strukturreich ist. Beide GLX besitzen einen hellen Kern.
Die Zeichnung entstand zum ersten Mal mithilfe RICHTIGEN Rotlichts. Wo ich mich vorher (beschämenderweise) mit einer Handy-App behelfen musste, klemmte jetzt eine Lampe von Astrogarten an meinem Zeichenbrett. Beide Hände freizuhaben macht das ganze wesentlich einfacher! Etwas modifizieren muss man die Lampe allerdings vorher, denn sie ist original viel zu hell. Dazu aber zu anderer Gelegenheit mehr.
Anschließend lernte ich M27 am Scope aufzufinden: In Sagitta/Pfeil, folgt man den drei Sternen des Pfeils von seiner "Feder" zur Spitze und nach oben einer markanten Sternkette entlang. Schon war der Hantelnebel nochmal im Okular und gab etwas mehr Details ob seines Kerns preis. Eine Hantelform war nun eher zu erkennen.
Von dort schwenkte der Kollege das Scope zu Cygnus und überließ mir den Platz am OAZ.
Was ich sah, war mit Abstand (vergebt mir das Wort) das bezauberndste Objekt bisher... Durch einen sehr hellen, klar konturierten Stern zog sich vertikal ein zarter, kaum wahrnehmbarer Schleier weg, sich nach unten hin etwas verstärkend und mit zarten Filamenten. NGC6960/92, der Cirrusnebel, harrte seiner Erkundung. Ich bewunderte den zarten Schleier während mein Mentor in seinem Okukoffer wühlte und eines seiner Okulare einsetzte. Ein neuerlicher Blick und.... wow. Der mittige Stern abgedunkelt, erschien der Schleier jetzt in seiner vollen Pracht. In seinem ES 24mm verrichtete ein OIII Filter sein Werk und ließ den "Sturmvogel" sehr deutlich hervortreten. Das Spiel "Nebel aus - Nebel an" mittels durchwechseln der beiden Okus behielten wir für die weiteren Abschnitte bei - dank des Filters war beeindruckend gut sichtbar, was den Nebelteilen zu ihrem Namen verhalf. Klar abgehoben und scharf konturiert streckt sich die "Knochenhand" am Himmel aus, ist der "Hexenbesen" zu erblicken. Wie gern hätte ich das alles gezeichnet aber die Zeit war dafür zu knapp. So viele Strukturen wie die einzelnen Abschnitte des Nebels im 12Zöller aufweisen, werde ich sicher noch einige Stunden mit der Beobachtung dort zubringen!
In Cygnus bleibend ging es weiter zum Asterismus "kleiner Orion", die Miniaturausgabe des Sternbilds, und von dort zu NGC7000, Nordamerikanebel. Auch dieses Objekt wies klare Konturen auf und war sehr strukturreich, wenngleich ich die einzelnen Teile der Namensgebung schwerlich erkennen konnte - was aber nicht verwunderlich ist, in Geo war ich schon immer recht mies
Nach der "Offenbarung" des Cirrusnebels konnte mich NGC7000 leider nicht so begeistern, dennoch werde ich den Nebel gern einmal wieder aufsuchen.
Nochmal versucht eine GLX einzufangen: M101, Feuerradgalaxie in Ursa Major. Die Transparenz war leider noch einen Tacken schlechter geworden, daher konnte die GLX ihre Strukturen leider nicht zum Besten geben und blieb ein Fluff... Wir wechselten daher zu Andromeda, auch wenn der Himmel es eigentlich nicht hergab, aber ich wollte M31 (Andromedagalaxie) schon seit Monaten sehen. Einmal gewusst wo, ist sie freiäugig sofort zu erkennen. Zuerst erschien die Begleit-GLX M32 im Okular, heller Kern mit feinen Schleiern darum. Darunter befand ich eine Art seltsamer Lichtschein, Scope etwas nach oben gedrückt und... hoppla, DAS ist mal ein Brummer.
Da AND recht horizontnah stand und ebenfalls "eingesuppt" war, versteckte M31 all ihre Details. Doch allein die schiere Größe ist sehr beeindruckend und es machte Spaß, M31 mehrmals abzufahren. Direkt unter M31 harrte noch die Begleit-GLX M110, allerdings nur schwach auszumachen und beinah ganz vom Siff verdeckt.
Zum Abschluss schwenkten wir noch zu Cassiopeia und machten NGC457 aus, den Libellenhaufen. Warum dieser Asterismus so heißt war uns beiden nicht ganz klar und wir kamen überein, dass "E.T." eigentlich passender wäre - sieht die Sternenanordnung doch eher so aus wie das Alien mit dem berühmten Fingerzeig.
Mittlerweile war es 3 Uhr und keiner konnte mehr so richtig geradeausgucken. Wir beendeten die Sightseeing-Tour und bauten gemütlich ab.
Zum Abschluss dieses Berichts gibts noch meine Zeichnungen von M51 und M57. Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe mein Einstand ist gelungen.
Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/gallery/58/medium/36179.jpg
Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/gallery/58/medium/36178.jpg
als meinen ersten Beo-Bericht in diesem Forum wähle ich einen ganz besonderen. Die Beobachtungssession des vergangenen Dienstag (25.6.) war mein absolutes Jahreshighlight, denn ich konnte zum ersten mal mit einem Kollegen beobachten der schon lange Jahre in der Astroszene tätig ist.
Deshalb wird das auch ein sehr langer BB, seid gewarnt
Ich durfte mich im Vorfeld schon darauf freuen, dass ein paar seeehr feine Ausrüstungsgegenstände zum Ausprobieren mitgebracht würden und ich das ein oder andere dazulernen kann.
Kleines Stimmungsbild:
Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/gallery/58/medium/36177.jpg
Gegen 23 Uhr begaben wir uns in den heimischen Hinterhof, meinem derzeitigen Beoplatz, zum Aufbauen. Zwar hatte der Kollege sein getreues 10" GSO dabei, aber dieser kam erstmal nicht zum Einsatz. In dieser Session würde er genug damit zu tun haben "Astronomie für Dummies" zu lehren, und außerdem wollte er einmal selbst mit einem MF Dobson beobachten.
Nachdem mein Scope aufgebaut war, betrachtete ich staunend den Aufbau eines echt großen Bino-Mounts und einem ebenso großen Bino darauf: ein TS 20x80 Triplet.
Hier musste ich wieder feststellen wie nützlich ein gutes Fernglas für Orientierung und Aufsuchen ist!
Während mein Dobs auskühlte, begann das stellare Sightseeing mittels Bino in Scorpius: Kugelsternhaufen M4, ein schönes Paradeobjekt. Der enorme Sternreichtum und sein helles Zentrum waren durch das Bino schon ein toller Anblick. Das TS Bino bildet scharf und kontraststark ab, kein Vergleich zu meinem eigenen (nun "Gurkenbino" genannten ) No Name-Glas.
Mit dem Dobs kann ich, der Hecke um unser Grundstück wegen, SCO leider nicht anpeilen...
Schon ging die Reise weiter zu Vulpecula und M27, dem Hantelnebel. Klar erkennbares Fluffbällchen, leicht oval. Seine inneren Strukturen ließen sich mit indirektem Sehen erahnen, brauchten aber etwas Fantasie um auszusehen wie das was dem Nebel seinen Namen gab. Da musste etwas höhere Vergrößerung ran.
Im selben Sternbild fand sich noch Collinder 399, der Kleiderbügelhaufen. Dieser Name wird der Sternenkette auch gerecht und ist lustig anzusehen.
Nun waren die Augen ordentlich adaptiert und warmgeguckt - es ging ans Teleskop.
Seit Ende Mai drohte ich M81/82 in UMa zwecks detailierter Zeichnung einen Rückbesuch an. Nun da ich mit neuem Übersichts-Oku und funktionierendem Fokus für die Speers Waler ausgerüstet bin, waren die beiden folglich das erste was ich anpeilte. Aber schon beim Blick durchs 24mm ES war klar - da ist nix klar! Der Siff hielt das GLX-Pärchen im Griff und ließ bei 7.2mm kaum Details durch.
Der Kollege wusste den Frust gekonnt zu umgehen und instruierte mich 'gen Canes Venatici zu NGC5194, Whirlpoolgalaxie, mit Begleiter NGC5195. Freundlicherweise ignorierte er meine Schmatzgeräusche beim Anblick des leckeren Fluffs im Okular und wandte sich seinem Bino zu, während ich das Zeichenwerkzeug zur Hand nahm und die beiden GLX zu Papier brachte. Die Transparenz ließ auch hier wieder zu wünschen übrig. Dennoch waren die beiden gut zu erkennen, der etwas kleinere Begleiter mit sehr diffusen Rändern und die Spiralgalaxie ließ erahnen dass sie sehr strukturreich ist. Beide GLX besitzen einen hellen Kern.
Die Zeichnung entstand zum ersten Mal mithilfe RICHTIGEN Rotlichts. Wo ich mich vorher (beschämenderweise) mit einer Handy-App behelfen musste, klemmte jetzt eine Lampe von Astrogarten an meinem Zeichenbrett. Beide Hände freizuhaben macht das ganze wesentlich einfacher! Etwas modifizieren muss man die Lampe allerdings vorher, denn sie ist original viel zu hell. Dazu aber zu anderer Gelegenheit mehr.
Anschließend lernte ich M27 am Scope aufzufinden: In Sagitta/Pfeil, folgt man den drei Sternen des Pfeils von seiner "Feder" zur Spitze und nach oben einer markanten Sternkette entlang. Schon war der Hantelnebel nochmal im Okular und gab etwas mehr Details ob seines Kerns preis. Eine Hantelform war nun eher zu erkennen.
Von dort schwenkte der Kollege das Scope zu Cygnus und überließ mir den Platz am OAZ.
Was ich sah, war mit Abstand (vergebt mir das Wort) das bezauberndste Objekt bisher... Durch einen sehr hellen, klar konturierten Stern zog sich vertikal ein zarter, kaum wahrnehmbarer Schleier weg, sich nach unten hin etwas verstärkend und mit zarten Filamenten. NGC6960/92, der Cirrusnebel, harrte seiner Erkundung. Ich bewunderte den zarten Schleier während mein Mentor in seinem Okukoffer wühlte und eines seiner Okulare einsetzte. Ein neuerlicher Blick und.... wow. Der mittige Stern abgedunkelt, erschien der Schleier jetzt in seiner vollen Pracht. In seinem ES 24mm verrichtete ein OIII Filter sein Werk und ließ den "Sturmvogel" sehr deutlich hervortreten. Das Spiel "Nebel aus - Nebel an" mittels durchwechseln der beiden Okus behielten wir für die weiteren Abschnitte bei - dank des Filters war beeindruckend gut sichtbar, was den Nebelteilen zu ihrem Namen verhalf. Klar abgehoben und scharf konturiert streckt sich die "Knochenhand" am Himmel aus, ist der "Hexenbesen" zu erblicken. Wie gern hätte ich das alles gezeichnet aber die Zeit war dafür zu knapp. So viele Strukturen wie die einzelnen Abschnitte des Nebels im 12Zöller aufweisen, werde ich sicher noch einige Stunden mit der Beobachtung dort zubringen!
In Cygnus bleibend ging es weiter zum Asterismus "kleiner Orion", die Miniaturausgabe des Sternbilds, und von dort zu NGC7000, Nordamerikanebel. Auch dieses Objekt wies klare Konturen auf und war sehr strukturreich, wenngleich ich die einzelnen Teile der Namensgebung schwerlich erkennen konnte - was aber nicht verwunderlich ist, in Geo war ich schon immer recht mies
Nach der "Offenbarung" des Cirrusnebels konnte mich NGC7000 leider nicht so begeistern, dennoch werde ich den Nebel gern einmal wieder aufsuchen.
Nochmal versucht eine GLX einzufangen: M101, Feuerradgalaxie in Ursa Major. Die Transparenz war leider noch einen Tacken schlechter geworden, daher konnte die GLX ihre Strukturen leider nicht zum Besten geben und blieb ein Fluff... Wir wechselten daher zu Andromeda, auch wenn der Himmel es eigentlich nicht hergab, aber ich wollte M31 (Andromedagalaxie) schon seit Monaten sehen. Einmal gewusst wo, ist sie freiäugig sofort zu erkennen. Zuerst erschien die Begleit-GLX M32 im Okular, heller Kern mit feinen Schleiern darum. Darunter befand ich eine Art seltsamer Lichtschein, Scope etwas nach oben gedrückt und... hoppla, DAS ist mal ein Brummer.
Da AND recht horizontnah stand und ebenfalls "eingesuppt" war, versteckte M31 all ihre Details. Doch allein die schiere Größe ist sehr beeindruckend und es machte Spaß, M31 mehrmals abzufahren. Direkt unter M31 harrte noch die Begleit-GLX M110, allerdings nur schwach auszumachen und beinah ganz vom Siff verdeckt.
Zum Abschluss schwenkten wir noch zu Cassiopeia und machten NGC457 aus, den Libellenhaufen. Warum dieser Asterismus so heißt war uns beiden nicht ganz klar und wir kamen überein, dass "E.T." eigentlich passender wäre - sieht die Sternenanordnung doch eher so aus wie das Alien mit dem berühmten Fingerzeig.
Mittlerweile war es 3 Uhr und keiner konnte mehr so richtig geradeausgucken. Wir beendeten die Sightseeing-Tour und bauten gemütlich ab.
Zum Abschluss dieses Berichts gibts noch meine Zeichnungen von M51 und M57. Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe mein Einstand ist gelungen.
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