Grossfernglas: Alt vs Neu

Ruediger1

Neues Mitglied
Hallo!

Letztes Jahr habe ich mir mein erstes Fernglas gekauft. Ich wollte einfach etwas in den Nachthimmel schauen, und auch ab und zu mal tagsüber durchschauen.
Ich bin dann in einen Antikladen und hab mir ein altes Hensoldt Dialyt 10x50 gekauft (Weiss nicht genau wie alt es ist, aber ich schätze einfach mal so um die 40er/50er Jahre. Es bereitet mir sehr grosse Freude. Habe dafür auch ein Stativ und ich benutze es Tags, wie nachts und sehe alles sehr klar und gross damit.
Jetzt möchte ich noch eine Nummer grösser gehen, vor allem um Nachts auch mal ein paar Planeten anzuschauen.
Ich dachte so vielleicht an eine 30-40 Fache Vergrößerung und am besten so, dass alles noch schön sauber und klar zu erkennen ist.

Jetzt hab ich mal so die Preise angeschaut, und festgestellt, dass das jetzt direkt eine ganz andere Hausnummer ist, vor allem wenn man was Neues nimmt.

Also, für das Spitzenmodell was die Technik derzeit hergibt, wird mein Budget wohl nicht reichen, aber in welcher Preiseklasse bekommt man etwas anständiges wo man Freude dran hat?

Und was mich noch viel mehr interessiert: Lieber ein sehr gutes altes Fernglas (das gut erhalten ist), oder ein günstigeres neues?

Bin sehr gespannt
 
Guten Morgen Ruediger,

kauf' ein altes Glas, wenn das für Dich generell vorstellbar ist!

Es ist (realtiv) billiger und muss nicht erst neu hergestellt werden, weil es ja schon da ist und jemandem Neues - Dir! - durch den Verkauf zur Verfügung gestellt wird.

Unter den alten Gläsern gibt es von wahren Brillianten bis zum Schrott alles - exakt so, wie bei den neuen Gläsern auch. Mein Rezept ist immer gewesen: lieber was sehr Gutes, Altes in sehr gutem Zustand, als etwas Neues, mittelmäßiges, billig produziert in Fernost.

Dein Ansatz der Vergrößerung ist vielleicht etwas hoch angesetzt. Lies' mal ein bisschen über die sogenannte "Austrittspupille" nach und/oder schreibe den @Schiefspiegler an. Bei ihm bist Du in den allerbesten Händen, was "alte" Ferngläser angeht. Er ist ein Freund von mir und Du kannst von ihm jedes Glas unbesehen kaufen - alles allererste Sahne! Er hat einen großen Fundus (er behauptet aktuell, er würde nicht mehr sammeln, doch das nehme ich ihm nicht so ganz ab) und auch sicher etwas Passendes für Dich am Start; für kleines Geld, da bin ich mir ebenso sicher.

Schöne Grüße,
Urs

P. S. Ich habe zwei alte MIYAUCHIs von ihm, ein 20x80 und ein 15x60.
 
Hallo Rüdiger,

bezüglich alt gegen neu möchte ich Urs voll beipflichten!

Wenn du als Fernglas etwas mit 30-40facher Vergrößerung suchst, bleiben eigentlich nur größere Ferngläser mit Winkeleinblick. Geradsichtige gibt es in diesem Segment nicht viele und die machen bei der Benutzung nicht wirklich Spaß. Bei den Ferngläsern mit Winkeleinblick bist du neu aber schnell jenseits der € 1000,- angelangt.

Ich würde mich an deiner Stelle an dem alten Hensoldt freuen und es für seine Zwecke weiter benutzen. Für größere Vergrößerungen wäre ein gescheites Fernrohr sicher die bessere und günstigere Lösung. Mit einem Bino Ansatz kannst du da auch beidäugig beobachten.

Geh das ganze in Ruhe an und du wirst mit Hilfe des Forums sicher etwas gutes finden.

Viele Grüße Gerhard
 
Servus Rüdiger

Jetzt möchte ich noch eine Nummer grösser gehen, vor allem um Nachts auch mal ein paar Planeten anzuschauen.
Ich dachte so vielleicht an eine 30-40 Fache Vergrößerung und am besten so, dass alles noch schön sauber und klar zu erkennen ist.

für Planeten sind Ferngläser denkbar ungünstig. Die Stärke von Ferngläsern sind die Sternenfelder, die man betrachten kann, inklusive Sternhaufen und / oder Nebeln. Der Rosettennebel im Fernglas wäre ein Beispiel von vielen. Planeten haben winzige Scheibchen, die hoch vergrößert werden wollen. Auch mit einem teuren Großfernglas mit Winkeleinblick und auf Stativ wirst du bei Mars und Co wenig sehen können. Dafür lohnt sich das Geld nicht. Wenn du aber die Milchstraße abklappern willst und dort die vielen Sternhaufen genießen möchtest inklusive dem Sternenumfeld, dann schon. Und dann würde ich – je nach privatem Geldbeutel – auch erstmal bei gebraucht suchen.

Liebe Grüße,
Christoph
 
Danke für Euer Input! Dann werde ich mich bei den alten mal ein bisschen umschauen- vielleicht hab ich ja mit 30-40x dann doch etwas zu hoch angesetzt und schau mich erst mal bei 20x um!
Mal vom Zustand abgesehen, gibt es bestimmte Marken, bei denen man sicher gehen kann, dass das was hochwertiges ist (Ich kenne bislang ja nur Zeiss, Leica, Hensoldt), und andersrum Marken, von denen man prinzipiell die Finger lassen sollte?
 
Hallo Ruediger,
"Alt vs Neu" da hat sich schon was getan und man kann das je nach Vergleich natürlich auch sehen.
Denk nur mal an Multivergütungen, Gläser usw.
Ich hatte z.B. mal ein Zeiss AS 110 bei dem das Objektiv nicht vergütet war, das zeigte dann trotz optischer Perfektion Streulichthöfe um Planeten.
Auch zeigten Objektiv und Okulare einen leichten Gelbstich, so dass heutige China ED-Apos besser abbilden als das AS.
Oder schau dir mal heutige Okulare an, da gibt es für jede Beobachtungsart das optimale Okulardesigne.

Für einen Einstig in die Mond- und Planetenbeobachtung geht man von einer Mindestvergrößerung von ca. 150-200x aus.
Solche Vergrößerungen schaffen nicht mal die High End Ferngläser, welche dann häufig Doppelbilder zeigen.
Eigentlich ist man da dann beim "Doppel-Teleskop" also zwei Teleskope nebeneinander, bei dem man die Doppelbilder über eine Justiermechanik zur Deckung bringen kann, dass wird dir jedoch alles zu teuer sein?
Von daher ist eigentlich ein Teleskop von min. ca. 4" Öffnung angesagt.
Wenn du Planeten ebenfalls mit zwei Augen beobachten möchtest, dann geht das relativ preiswert mit einem Binokularansatz, welcher den Lichtkegel des Teleskops auf zwei Augen teilt.

Ein zweites Fernglas mit 20x Vergrößerung wird dir die Planeten auch nicht wirklich näher bringen, so gesehen würde ich mich von dem Gedanken "Fernglas für Planetenbeobachtung" verabschieden, da wirst du evtl. nur am Mond deine Freude haben?
LG
 
Naja, da möchte ich sanft widersprechen. Dies alles leistet ein Fernglas bei 20x an den Planeten:

# Venus: Zeigt die sich ständig ändernde Sichelgestalt. Mit Gelbfilter oder Grünfilter sogar richtig knackig. Ein gutes Glas auf Stativ zeigt die diffuse Schattengrenze auf der Planetenoberfläche im Kontrast zur harten Grenze der Kugel gegen den Weltraum.
# Mars: Eine lachsrote kleine Scheibe.
# Jupiter: Die zwei Äquatorialbänder und den Tanz der vier Monde.
# Saturn: Den Mond Titan immer, den Mond Rhea eventuell, vielleicht Dione unter sehr gutem Himmel. Bei offener Ringstellung kann Schwarz zwischen Planetenscheibe und Ringe erhascht werden.
# Uranus: Ist leicht aufzufinden und die grünliche/cyan Färbung des Planeten kann in Erscheinung treten.
# Neptun: Ein blauer Punkt, immerhin.

Das alles sind wesentliche Merkmale der Planten und macht Freude!

Gruß, Christopher
 
Hallo Ruediger,

hier noch ein relativ exotischer Hinweis: Beat Kohler bietet ein Kleinst-Doppelteleskop an... Bei Google einfach mal nach "AOK Swiss" und "StellaBino - 50" suchen...

Viele Grüsse

Markus
 
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