Grossfernglas APM 120mm SEMI APO 45° Farbfehler Eindruck

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Ehemaliges Mitglied [29492]
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Ehemaliges Mitglied [29492]

Sehr geehrte Amateurastronomen und Astronominnen
20210327_190926.jpg

Sehr oft lese ich bei Kaufempfehlungen das ein Grossfernglas ohne APO nichts taugt weil ......
Unser APM 120mm Linsendurchmesser, 45 Grad Einblick, Semi APO hat unter 2000€ gekostet.
Anbei möchte ich mal den Farbfehler wiedergeben von denen so viele berichten und abraten.
Dann hat man als Kaufinteressent mal einen Eindruck wovon alle reden.
Als Okular haben wir das APM 24mm mit 65° Sehfeld, zu je 159€.
Das macht am o.a. Teleskop 27,5 Fache Vergrösserung mit 4,4 mm Austrittspupille.

Da wir am Grossfernglas ja keine Fotos machen können habe ich für euch gezeichnet.
Ich zeige euch Darstellungen am Mond und von Sternenfeldern.
Oben erscheint die Sicht des Himmels, unten erscheint die Position der Pupille:
im Fadenkreuz wenn das Auge mittig ist und entsprechend verschoben wie dargestellt
( man wandert also mit dem Kopf um 3mm nach rechts oder links).

Schwenke ich im Okular nach rechts kann ich einen gelb lila Farbsaum an der Mondkante sehen. Der Bereich unten und an der linken Schattenkante bleibt ohne Farbsaum. Der ganze Mond ist neutral grau.
20210327_181940.jpg



Verschiebe ich den Kopf nach links gelingt es den Farbsaum an der anderen Mondkante zu haben.
Je nachdem was ich also sehen möchte blende ich den Farbsaum weg.
20210327_182001.jpg




Schaue ich genau mittig ist nur der gelbe Farbsaum sichtbar an der Grenze zum All. Unten und links an der Schattenzone gibt es keine Farben. Ungestörte Kraterbeobachtung möglich. Mond grau.
20210327_182023.jpg


Und nun Sternenfelder:
Bei wenigen der hellsten Sternen kan ein Reflex enstehen. Bei manchen Sternen sieht man einen Farbsaum drum herum.
Ca. 99,99 % der Sterne sehe ich keine Farbreflexe, einfach nur die Lichtpunke in ihren verschiedenen Nuancen. Galaxien auch nur zart hell, ohne Farben.
20210327_181924.jpg



Fazit für uns: Es ist OK. Durch verschieben der Position des Kopfes kann ich Reflexe in der Position verschieben damit der Betrachtungsbereich ohne Farbsäume ist.Bei deepsky sehen wir ca 99,99 % der Sterne weiss. Wenige helle haben einen Farbsaum, nur einzelne hellste machen einen Streifenreflex. In Sternenfeldern wo es keine extrem hellen Sterne gibt haben wir keine Farbreflexe.
Für Landbeobachtung: Flaues Bild. Mal zum nachschauen Ok. Aber bei der Grösse des Binos wird es wenig dafür eingesetzt.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Herzlichen Glückwunsch zum 120er!

Du schreibst: "Für Landbeobachtung: Flaues Bild."
Klar die Ursache ist, dass die verschiedenen Lichtfarben keinen gemeinsamen Brennpunkt haben, ein Teil des Lichtes ist deshalb immer unfokussiert, sprich unscharf.
Darunter leidet natürlich auch der Kontrast

Aber warum denkst Du, das sei bei nacht Anders?
Es fällt Dir nur nicht so auf.

Leider geht aber auch Licht verloren geht, nämlich genau das Licht, das nicht im Brennpunkt landet.
Ich würde deshalb wetten, dass Dir ein 100mm SD Fernglas mehr feine Sterne zeigt.

Genau das konnte ich nämlich feststellen, als ich ein 150mm Achromat Fernglas mit einem 125mm ED Bino verglichen habe, das 125er zeigte mehr.

Natürlich ist ein nicht APO Fernglas nicht untauglich, die Bilder sind hat nicht so scharf und kontrastreich und man schleppt unnötiges Gewicht herum.
Wäre es nur die sichtbare Farbe würde mich das bei Sternen oder Mond nicht stören, Farbe ist wirklich das kleinste Problem sondern eher ein Indikator für die generelle Qualität

Grüße Jochen
 
Ein interessanter Bericht ist es allemal, jetzt fehlt hier nur ein Vergleich zwischen ED und SD.
Ob da ein großer Unterschied zu sehen ist?
Es fehlt ja nur die dritte Farbe, die nicht im Fokus ist.

Gruß
Michael
 
Hallo Michael,

ja, man müsste wirklich mal einige verschiedene Großferngläser und mehrere Beobachter zusammenbringen und das dann sauber dokumentieren.
Mond, Sterne, Planeten, Galaxien, Nebel, Kugelsternhaufen und das in 80mm, 100mm 120mm 150mm, Achro, ED und SD
Mindestens 5 verschiedene Beobachter mit ihren Eindrücken

Alles andere ist immer nur eine subjektive Momentaufnahme.
Wobei die Physik an sich je schon recht objektiv ist ;-)

Grüße Jochen
 
Habe gerade mal versucht die Beobachtung von meinem Namensvetter nachzuvollziehen, habe ja auch nur ein 20x80 Achro-FG.
Die Farbsäume erscheinen am Mond nur wenn er am Sichtfeldrand steht, in der Mitte sind sie fast weg.
Aber eben nur fast, es ist immer noch ein leichter Saum drumherum, stört mich eigentlich auch nicht sonderlich,
das FG wird nicht für Mond oder Planeten genutzt.

Anders sieht es dann schon für Großferngläser aus, da möchte ich schon mal 100fach Vergrößern und dann eben keine Farbsäume
und ein scharfes Bild haben. Für Planeten ist wegen der doch kleinen BW eh nix zu reißen, aber den Tanz der Galileischen Monde
Okularfüllend zu erkunden hat schon was.

Gruß Michael
 
Hallo Michael,

die optischen Fehler der Achromaten wachsen ja auch mit der Öffnung, 80mm sind da was Anderes als 120mm
Möglicherweise hat Dein Glas auch ein entspannteres Öffnungsverhältnis und die Prismen sind passender zu den Objektiven gerechnet.
Es gibt da so viele Stellschrauben und Achromaten sind ja nicht per se untauglich.
Achromaten mit großer Brennweite sind hervorragende Planetenteleskope, nur leider etwas unhandlich :)

Grüße Jochen
 
Wir haben die Plejaden mit Farbsäume nur an den hellsten Sternen gut beobachten können.
Das seeing wegen fast Vollmond war aber dürftig. Da fehlte so das schöne schwarz im Hintergrund.
Von rechts nach links und schräg von unten links in die andere Richtung kreuzten die Satteliten von Elon....
Je später es wurde umso dunkler wurden sie.
Ja beim nächsten Binotreffen können wir gemeinsam mal die sichtbaren Grenzgrössen austesten und vergleichen. Am gleichen Tag vom gleichen Berg. Sehr zentral in Deutschland wäre die Wasserkuppe zu erreichen.
 
Genau, etwas unhandlich...
Vor einiger Zeit habe ich noch von einem 152x900 Ref. Achro geträumt, ___________ laaaanger Gedankenstrich, ne, der würde verstauben.
Ich habe mich auf Bino eingeschossen, auch wegen des Binokularen sehens, mit einem Auge war früher mal OK.
Es ist allerdings auch verständlich, wenn man den Preisunterschied zwischen SA und SD sieht, das manche zum SA greifen.
Wenn man eh das Bino zum eigentlichen Gebrauch nutzt und nicht überstrapaziert, kann sowas auch gut gehen.
Aber wehe es packt einen der Vergrößerungsklabauter am Schopf...

Gruß Michael
 
Hallo Michael,

deshalb haben viele Beobachter ja mehrere Instrumente wie zum Beispiel
Ein Achro Großfernglas für Deepsky
Einen Mak für Planeten und hohe Vergrößerungen
Dazu noch einen Dobson Lichteimer

Ich habe das eine Zeitlang nicht ganz so extrem aber ähnlich betrieben empfand die Auswahl aber immer auch als Beschränkung, denn alle Instrumente gleichzeitig hat man natürlich nicht rausgeräumt, also konnte man auch nicht alle Objekte am gleichen Abend bestmöglich beobachten.

Und 100% happy war ich mit keinem der Instrumente.
Das Achro Großfernglas war weder knackscharf noch kontrastreich.
Beim SCT nervte mich der Kontrastverlust durch Obstruktion sowie die große Brennweite - ganz abgesehen von der Auskühlzeit.
Beim Dobson hatte ich auch Obstruktion, dazu nervige Spikes durch die Fangspiegelspinne an Jupiter und das Ding war groß und schwer.
Egal wie und mit was, richtig zufrieden war ich nie.

Als ich dann mein 125mm ED Bino gebaut habe und mit meinem 12,5" Dobson sowie meinem C8 und C11 vergleichen konnte wurde mir klar, dass dieses Ding eigentlich alle Disziplinen sehr gut kann, nicht ganz perfekt, aber doch verdammt nah dran.
Damals habe ich beschlossen, dass aus 125mm ED 150mm SD werden müssen.
Natürlich war diese Erkenntnis ein jahrelanger Prozess durch die Erfahrung mit vielen verschiedenen Instrumenten, auch denen anderer Sternfreunde.

Ja, das ist auch finanziell ganz klar eine Hausnummer, aber dafür besitze ich heute nur noch ein einziges Instrument für alles, was auch immer ich gerade beobachten mag, das spart auch Geld :)
Für meine Ansprüche ist es die eierlegende Wollmilchsau, die es ja angeblich im Astrobereich gar nicht gibt.

Lange Zeit gab es in Sachen Großferngläser ja nur die bekannten Chinakracher, dann kamen irgendwann die Myiauchis, die zwar besser aber immer noch ziemlich eingeschränkt waren, oder das unerreichbare 150mm Fujinon, was trotz des Preises auch bestenfalls ED Qualität bei 45° Einblick und keinen universellen Wechselokularen bot.
Den Freaks blieb noch der Eigenbau mit EMS Systemen...

Heute sind wir da durch die Verfügbarkeit der hochwertigen und doch noch bezahlbaren Großferngläser sehr verwöhnt, aber so lange gibt es diese Produktgruppe ja noch gar nicht.

Grüße Jochen
 
Hallo Hamburg711,

tja - warum raten wohl so viele Beobachter von der non-ED Variante ab ..... einige wichtige Punkte hast du ja selber bereits genannt - aber auch im DS Bereich hast du hier deutliche Abstriche. Dies konnte ich selbst im Vergleich zwischen einem sog. Semi APO und einem ED APO in 100mm selbst erleben.
Insgesamt war das Bild im Semi APO recht flau - der Hintergrund wirkte aufgehellter und nicht so satt dunkel wie in der ED Version - die Objekte als solches wirkten flauer und auch etwas unschärfer.

Ich sehe es wie Michael - wenn dann auf jeden Fall die ED oder SD Variante - kostet natürlich mehr - bietet aber auch mehr.

Der Kollege wo ich seinerzeit verglichen hatte hat seine Semi- APO Version inzwischen verkauft und sich die ED Version zugelegt.

Der Begriff Semi APO ist eigentlich noch geschönt ! Soll halt besser klingen .... Marketing eben ;)

Solltest du einmal mit einem 120er ED vergleichen können weißt du was ich meine.

CS
sunspo
 
Tja Leut was soll ich euch dazu schreiben....
Der Faden hier heisst SEMI APO. Nun ruft er aus allen Löchern dieses Forums wieder alle herbei die in hunderten anderen APO-Befürworter-Bekundungen tätig waren um hier das gleiche zu schreiben. Leute, schreibt doch zu APO wo dazu gefragt wird, gibt genug Möglichkeiten in diesem Forum.
Zum Thema: Gerne schaue ich mir im Vergleich an ob ich noch Sterne in 12, 13 oder 14 mag sehen kann. Und wenn der neben mir mit seinem 2,5x so teurem APO dann einen Stern in in 15 mag sehen konnte dann bin ich doch zufrieden. Dazu braucht es aber erstmal eine dieser schönen dunklen, wolkenfreien, atmosphärisch ruhigen Nächte. Die hälfte ist das seeing.
Wir haben dann aber immer noch sooooooooo viele Sterne zum betrachten das wir Freude an diesem Hobby haben werden.
Dazu haben wir unser Grossfernglas - Freude an der Astronomie. Wir wollen unsere Sinneseindrücke schärfen und das auch zu Papier bringen.
Ein Wetteifern mit anderen Betrachtungsmöglichkeiten wird es immer geben. Aber ohne uns. Kaufe ich mir 100mm Öffnung, bin ich damit zufrieden. Kaufe ich 120mm Öffnung bin ich damit zufrieden. Kaufe ich ... bin ich damit zufrieden.
Man kann mit weniger zufrieden sein - das geht, es gibt solche Menschen. Das All steht mit seinen verschieden hell strahlenden Sternen für Fernrohre jeder grösse offen und wartet darauf entdeckt zu werden.
Mensch wie hat es blos der Gallilei geschafft die 4 Jupitermonde ohne APO, ohne ED oder LD zu sehen ???
 
Was hast du erwartet ? Wenn keine Diskussion oder Mitteilung anderer Ansichten erwünscht sind musst du dies eben schreiben.
Wenn du/ ihr mit dem Glas glücklich seid ist doch alles ok.
Nur bin ich der Meinung dass sich ein Kaufinteressent alle Gläser bei Nacht angucken sollte um zu wissen auf was er/sie sich einlässt.
Wer im Vergleich zur ED oder SD Version kaum einen Unterschied bemerkt oder bemerken will dem sei eben dieses Glas empfohlen - alles gut ;)

Leider scheinen aber viele der Ansicht zu sein dass das sekundäre Spektrum nur bei Mond oder Planeten zum Tragen kommt - dass hier auch DS Objekte jeder Art ebenfalls nicht ihre volle visuelle Wahrnehmung entfalten fällt vielen nicht auf. Diesen Sachverhalt hat ja bereits Jochen schön beschrieben.
Das heißt natürlich nicht, dass man auch mit einer Semi APO Variante leben oder zufrieden sein kann. Jeder muss dies eben für sich entscheiden.
Es schadet aber auch nicht sich der Unterschiede bewusst zu sein und auf dieser Basis die Wahl zu treffen.
Ärgerlich wird es nur im Nachhinein unzufrieden zu sein und das Gerät mit Verlust zu verkaufen um sich anschließend die höherwertigere Variante zuzulegen ....

Dies ist zumindest meine Sichtweise

CS
sunspot
 
Hallo Michael,
ich begrüße es sehr, dass diese "Semi Apo" Großgläser überhaupt verfügbar sind. In der schicken leichten Bauweise, mit moderner Vergütung und wirklich guter sphärischer Korrektur. Die 120mm Öffnung auf beiden Augen haben bei Deep Sky Beobachtung eine ganz eigene Faszination, die auch große Monokulare so nicht bieten können. In dem Fall "Semi Apo" ist der Aufpreis von 100mm zu 120mm recht gering und wer mit der Größe und Gewicht klar kommt, erhält im Gegenzug eine "Extraportion" Licht auf beide Augen.
Das kann soviel Spaß machen, dass ein Sternfreund hier in der Gegend glatt seine Goto Montierung samt 14" Spiegel verkauft hat um sich dem beidäugigen Seherlebnis samt Aufsuch-Erfolgserlebnis voll zu widmen.
Den optischen Vergleich zu den SD Varianten würde ich hier auch weglassen, aber vom Ansatz her möchte ich einwerfen, dass bei den hochwertigen Varianten auch ein sehr gutes Kurbelstativ und eine größe Gabel samt hochwertigen Okularen die Sache erst rund machen. Wer den "Semi Apo" wählt, kann oder will finanziell nicht mehr investieren und dafür binokular Beobachten, statt vom Besten zu träumen. Den Vergleich mit SD Varianten zu suchen, wäre da auch nicht schlau, weil dann statt Beobachtungen die Geräte im Vordergrund stehen.

Ich kann von Beobachtungen mit dem ES 120mm 45° berichten, dass sich wohl nur durch die weiße Farbe von Deinem Gerät unterscheidet.
Bei Tagbeobachtung von Rehen vor einem Hügel mit Graslandschaft empfand ich das Bild als wirklich scharf . Erst wenn Horizont mit blauem Hintergrund hinzukommt, sind die von Dir genannten Farbspiele deutlich und zum Bildfeldrand zunehmend.
Die Standard ES 20mm Okulare mit 62° sind dabei tags farblich besser als die Panoptik 24mm, welche auch stärker verzeichnen.

Nachts sind die Panoptik 24mm in Verbindung mit dem 120er Großglas eine Augenweide mit scharfen Sternen bis zum Gesichtsfeldrand. Beim Orionnebel sind die schwachen Ausläufer leicht zu erkennen, aber der Wunsch nach mehr Vergrößerung kommt schnell auf. Die besten Details erkannte ich bei ca. 100x mit den Morpheus 6,5mm. Das Trapez zeigte ständig 5 Sterne und der 6te war nicht deutlich zu erkennen, jedoch blickweise zu erhaschen. Die Sternabbildung dabei auf beiden Objektiven gut, wie es auch bei einem Teleskop zu erwarten wäre. Der nächste Schwenk zu Rigel zeigte den Doppelstern ohne Mühe.

Wieder zurück zu den 24mm Okularen war der Flammennebel ein leichtes Ziel. Mit Einsazt von 1,25" UHC-E Filtern erschien mir der Rosettennebel wie ein riesiger Nebelkomplex. Beim Durchstreifen der Wintermilchstraße stößt man ständig auf neue Bereiche, die die Aufmerksamkeit anziehen. Gegen Ende der Beobachtung machte ich noch den Löwen zum Ziel und beim Abfahren des Sternbildes fallen die hellen Galaxien ins Auge, es muss nicht anstrengend gesucht werden. Genau diese Leichtigkeit, wie Objekte beim Spazierenfahren am Himmel ins Auge fallen, macht meiner Meinung nach den großen Spaß aus. Bei den Galaxien empfand ich 9mm Okularbrennweite als optimal.
Bei den Mondbeoachtungen ist mir aufgefallen, dass die Morpheus 6,5mm bei dem "Semi-Apo" unschöne Farbspiele am Mondrand zeigen.
Vorweg muss ich sagen, dass Mondbeobachtung mit solchen "non-ED" Gläsern nicht das Hauptziel sind. Es ist aber auch nicht verboten, es dennoch zu probieren. Damit das bei solchen Vergrößerungen Spaß macht, muss die Justage gut genug sein und die Schärfeleistung für ein f /5,5 System ausgezeichnet sein. Das ist bei dem Gerät der Fall, ohne sagen zu können, ob dass eher die Regel oder die Ausnahme ist. Dennoch machte ich den Versuch mit den TS 5mm Okularen, was rechnerisch 132x ergibt. Überraschenderweise war die Farbkorrektur am Mond damit deutlich besser. Der Mond erschien mit einem grauen Farbton, vielleicht einen Tick ins Blaue.
Die Detailwahrnehmung war hier mit den 5mm Okularen am Besten bei gutem Seeing. Zum Vergleich stellte ich einen 90mm f/6 Apo daneben mit Delos 4,5mm bestückt. Da fällt dann sofort deutlich auf, wie weiß oder klar der Mond erscheinen kann. Von der Detailerkennbarkeit jedoch waren beide Geräte ungefähr gleichauf, beim ständigen Vergleich von grenzwertigen Einzelheiten. Binokular waren grenzwertige Details schneller und sicherer zu erfassen als Monokular. Geht es also nur um die Erkennbarkeit von Details, lässt sich am Mond einiges erreichen und z.B. der Zentralkrater in Plato war sichtbar, wenn auch nicht als Doppelkrater zu erkennen. Am Mondrand zeigt das Glas je nach Abstand und Ausleuchtung starkes Streulicht, dass mit etwas Schwenken beseitigt werden kann. Möglicherweise wegen fehlenden Blenden im System oder auch dem Einfluss der Prismen. Wie gesagt ist das auch nicht die Hauptanwendung für das Fernglas, es soll aber der Vollständigkeit der Beschreibung dienen und eine Vorstellung der Einsatzmöglichkeiten aufzeigen.

Besten Gruß
Ralf
 
Naja, ich denke man sollte in diesem Thread die Thematik schon von 2 Seiten beleuchten, denn er wird sicherlich von vielen potentiellen Käufern als Hilfestellung bei der Entscheidung benutzt.

Das Glas hat die Bezeichnung APO, wenn auch durch Semi etwas abgemildert.
Im Threadtitel geht es dann um "Farbfehler", eine Bezeichnung für mangelnde optische Qualität, die ich eigentlich nicht mag, weil sie so verniedlichend ist.
Viele, die es nicht besser wissen, so auch ich früher, denken "OK, sieht man halt etwas Farbe"
Wenn sich jetzt tatsächlich nur die Sterne und der Mond etwas farbig zeigen würde fände ich das nicht weiter schlimm.

Tatsächlich ist die Farbe ja aber nur ein Indiz für die zu erwartende optische Leistung.
Und das heisst wie oben schon verdeutlicht weniger Schärfe, weniger Kontrast und weniger Licht (anders gesagt weniger Öffnung)
Diese eigentlichen Nachteile eines Achromaten sind dann schon mehr als etwas Farbe...

Wie geschrieben hatte ich mal direkt ein 125er ED Bino mit einem 150mm Achro Bino verglichen.
Das ist übrigens auch immer noch mein Signaturbild, oben 125mm unten 150mm
Der 150er hatte gegen den 125er keine Chance, er zeigte weniger schwache Sterne, Sterne konnte man nie so scharf fokussieren wie im 125er, der Kontrast war mau und der Hintergrund grau statt schwarz. Am Mond gab es die bekannte Farbe, schlimmer aber keine knackigen Kontrast.
Dafür hatte man aber fast das doppelte Gewicht zu schleppen und zu montieren :)

Leider sitzt in vielen Köpfen noch "Öffnung ist durch nichts zu ersetzen"
Das mag sein, aber mitunter ist weniger Öffnung bei höherer Qualität der bessere Weg,
Wenn ein 100er ED Bino in Sachen Magnitude in etwa das selbe zeigt wie ein 120er Achro Bino - wovon ich nach meinen Erfahrungen ausgehe, und etwa das selbe kostet, warum sollte ich dann das schwerer Instrument kaufen, dass auch deutlich höherer Ansprüche an Stativ und Montierung stellt?
Ganz abgesehen davon, dass die Bilder deutlich schärfer und knackiger sind und man damit auch mit Freude Mond und Planeten beobachten kann?

Bei den Dobsons ist es doch leider ganz analog.
Nicht umsonst werden sie auch Lichteimer genannt.
So viel wie möglich Öffnung ist angesagt, die Qualität ist sekundär solange die Scherbe gerade eben beugungsbegrenzt ist, ja es wird sogar gesagt mangelnde Qualität kann man durch mehr Öffnung wieder ausgleichen.

Das mag unter perfekten Bedingungen sogar stimmen, nur wie oft hat man die, gerade in Deutschland?
Bei perfekten Bedingungen, speziell perfektem Seeing, reicht es tatsächlich aus, wenn das Instrument beugungsbegrenzt ist.
Aber sobald die Bedingungen etwas schlechter sind hat solch ein Instrument keinerlei Reserven mehr um das auszugleichen, denn die Optische Qualität addiert sich zu den Problemen der Beobachtungsbedingungen.
Deshalb ist es auch bei Spiegeln kein Luxus perfekte Optiken zu haben, insbesondere die Mikrorauhigkeit der Oberfläche ist da ein oft unterschätzter Faktor.

Als ich mit meinem 125er ED Bino beobachtet habe hatte ich oft Schwierigkeiten richtig scharfzustellen.
Ich dachte oft, das ist noch nicht perfekt, da muss noch etwas mehr gehen.
Es war für mich immer schwierig den perfekten Schärfepunkt zu finden und ich habe da während dem Beobachten immer viel rumgefummelt.
Das kannte ich so von meinen Spiegelteleskopen davor nicht.

Als ich mein SD Bino bekommen habe ist mir ziemlich als erstes aufgefallen, dass dies hier ganz anders ist.
Es macht wie "Klack" und der Fokus ist perfekt, kein Gefühl es könne noch besser werden.
Der Fokus schnappt richtiggehend zu.
Das hat mich ziemlich verwundert und ich habe herumgesucht und gefragt, woran das liegt.
Die Ursache ist einfach und offensichtlich, es liegt an der perfekten optischen Qualität des SD
Ein ED, und mehr noch ein Achro, haben bauartbedingt eben nicht den einen, perfekten Brennpunkt, da ist immer noch etwas nicht 100% fokussiertes Licht daneben.

Ja, man kann auch mit Achromaten beobachten und lange Zeit gab es dazu ja (ausser Spiegeln) ja gar keine bezahlbaren Optionen.
Heute hat sich das aber grundlegend geändert und ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen, lieber eine Nummer kleiner dafür optisch perfekt, man hat unterm Strich mehr Freude dran.

Grüße Jochen
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Jochen,
ein SD Fernglas ist ohne Zweifel eine tolle Sache und die Farbreinheit ist sogar besser als das Öffnungsverhältnis von f/5.5 erwarten lässt, weil der Glasweg der Prismen in das System eingerechnet wurde. Auch gehe ich mit, bei Deinen Aussagen bezüglich Kontrastgewinn der SD Gläser und dass der Begriff "Semi Apo" zu Hinterfragen ist.
Das hat eben seinen Preis und nicht nur ein wenig, sondern bereits das 70mm ED Glas ist 100,--€ bis 150,--€ teurer je nach Anbieter, als das "Semi Apo" oder besser achromatische BT mit 120mm Öffnung.
Die Qualität würde ich nicht einseitig auf die Farbkorrektur beziehen, sondern auf das Glas ingesamt. Es kommt ja aus der gleichen Fabrik und die Linsen wurden vermutlich mit den gleichen Maschinen gefertigt wie das SD Modell.
Die Farbkorrektur geht auf die Glaswahl, die Verarbeitungsqualität hat damit erstmal nichts zu tun. Warum soll nur das SD Glas eine sehr gute sphärische Korrektur in der Fertigungsqualität haben und der Achromat nicht?
Die Ausführung der sphärischen Korrektur kann durchaus die Ursache sein, dass Dein 125er Borg keinen ausgeprägten "snap in" zeigt. Das verwendete achromatische BT120 hat einen sehr definierten Fokus und der Scharfpunkt konnte eindeutig getroffen werden.
Das verwendete BT 120 zeigte mir "out of the box " eine Justage, welche 132x erlaubt. Das würde ich auch hohe Qualtät oder außergwöhnlich gut nennen. Vor allen Dingen, weil das Gerät mit den üblichen Zustellern versendet wurde. Ich habe auch schon mal die Prismen eines im Grunde baugleichen SD Glases angesehen und diese sind äußerst solide befestigt. Die Qualität der BT 120 ist deswegen voll in Ordnung.
Was es nicht leisten kann, ist den fehlenden "ED" der "SD" Gläsern geschuldet. In dem Sinn ist das keine mangelnde Qualität wie Du es darstellst, sondern eine Sache der Spezifikation und damit auch eine Sache des Preises und der steht ca. im Verhältnis 1/2,5 vom BT120 Achromat zum SD 120.
Selbstverständlich wird bei einem direkten Vergleich das SD Glas besser abschneiden und es wäre ein Segen, wenn sich Jeder ein SD Modell leisten könnte.
Aber auch der Beobachter mit dem BT 120 kann super binokularen Spaß haben und der besonders anspruchsvolle Binobeobachter, der es sich leisten kann und will, soll besser gleich zum SD Modell greifen.

Besten Gruß
Ralf
 
Hallo Ralf,

keine Frage, das SD hat seinen Preis aber ich denke, dass das jeweilge ED ziemlich nah am SD dran ist, zumindest ist der Qualitätsunterschied zwischen ED und SD deutlich geringer als zwischen Achromat (auch Semi APO genannt) und ED.
Hier gibt es einen Vergleich zwischen dem 150er ED und 150er SD, auf den ich meine Aussage gründe:

https://www.cloudynights.com/topic/761049-apm150sd-observations150ed-comparison/

Ich denke, dass schon ein ED in den allermeisten Fällen absolut ausreichend ist, und mein persönlicher Vergleich war ja auch zwischen 150 Achromat und 125 ED
Wenn man also das jeweils nächst kleinere Modell wählt, also 120 ED statt 150 Achro und 100ED statt 120 Achro ist der Preisunterschied gar nicht mehr so groß.
Dennoch hat man meiner Meinung nach keinen Verlust in Sachen Beobachtungsleistung, im Gegenteil, in Sachen Gewicht und Montierung hat man klare Vorteile.
Man kann halt nur nicht mehr sagen, man hätte ein 5" Bino :)

Jochen
 
Leider gibt es kein ED 120, nur SA und SD (sonst würde ich gerne ein ED 120 kaufen). Der Unterschied ist aber auch echt krass,
900 € von SA auf ED und dann nochmal 500 € für SD beim 100er, das SA auf SD beim 120er schlägt mit 2400€ zu.
Ein theoretischer Preis für ein ED 120 wäre dann ca 3000€, das ist wahrscheinlich die Preispolitik, das SD 100 und ED 120 wären gleich teuer.
Wer würde dann noch das SD 100 kaufen?

Gruß Michael
 
Ah, ich wusste gar nicht, dass es kein 120er ED gibt, hatte mich aber schon gewundert, warum so viele 120SD im Umlauf sind :-)

Beim 150er gibt es das ED ja nur mit 45° und das SD nur mit 90°
Andere Versionen sind auch nicht geplant.
Ich denke das hat etwas mit der Kombination mit den Prismen zu tun, ein 90° ED sowie ein 45° SD wären möglicherweise nicht perfekt machbar.
Aber sicher bin ich mir da nicht.

ich weiss nur, dass man die 150SD Objektive ohne Prismen nicht benutzen kann.
Ich hatte nämlich ursprünglich vor mir aus Gewichtsgründen aus diesen Objektiven ein EMS Bino zu bauen, das geht aber leider nicht.
Der Knackpunkt bei diesen Binos ist es durch die Kombination der Objektive mit den Prismen perfekte Geräte zu bekommen.

Grüße Jochen
 
Hallo zusammen,
da sich hier mal wieder eine Schar Bino-Gucker versammelt hat, nutze ich das mal für eine off-topic Frage: kauft ihr
für euer Bino ein 2. Okular zu dem, was ihr schon habt, oder kauft ihr wegen der Seriengleichheit sofort 2 Okulare
speziell fürs Bino.
 
habe alle Okulare paarweise neu von einer Serie erworben (Nagler T6), habe alle anderen verkauft
 
Hallo in die Runde,

Achromaten Bino gibt es auch von Vixen BT 127, NIKON 20 x 120, Fuji 150..und selbst das Fuji 150 ED ist nach diesen heutigen Maßstäben kein Apo.

Aus meiner Erfahrung und jener vieler Kunden sollte man die SA Versionen nicht über 50 bis max. 60 Fach treiben. 125 fach ist im Extremfall, wenn beim Bino alles 100 % gut ist, ok für Doppelsterne und wenn Farbe nicht stört auch noch für Mond oder schwache Galaxien , planetarische Nebel mit Nebelfilter..wer kein ED oder SD zum direktn Vergleich nebenan stehen hat, wird damit dann auch sehr zufrieden kann.
Solange ich kein Zeiss APQ 100 oder LZOS 100 oder TSA 102 neben einem 100 mm Vixen oder Skywatcher ED stehen habe, werde ich mit dem Vixen oder Skywatcher hoch zufrieden sein.
Das Bessere ist des guten Feindes :)
Die SA sind sphärisch auch gut poliert, jedoch sieht man diese Korrektur in einem Achro nur mit Grünfilter, im rein visuellen Bereicht sieht der Sterntest im Achromat sphärisch fast immer schlechter aus als beim Apo. Ich kenne nur ganz weniger Hersteller von Acxhromaten die einen sehr guten Sternest zegten, Zeiss ( C und AS ), NIKON, die alten Pentax, Unitron und auch die alten Vixen 80/1200.

Bei guter Zentrierung und Kollimation haben auch die SA Modelle einen sauberen Snapp in und bilden scharf ab, halt eben nur mit dem Limit bedingt durch die vorhandene nicht perfekte Farbkorrektur
 
ja die Jägers haben auch einen sehr guten Ruf und ich kann das zumindest für ein paar Bestätigen die ich kannte, einen 6" F/10 und mehrere 6" F/5
 
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