Großfernglas oder Richfield-Teleskop ?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Radfahrer

Aktives Mitglied
Hallo,

seit 1 1/2 Jahren habe ich ein C5 auf einer EQ5 und seit einem 3/4 Jahr ein Canon 12 x 36 IS. Außerdem habe ich unter anderem einen 2" Zenitspiegel und ein 2" Amiciprisma und ein schweres Fotostativ. Das C5 ergibt zusammen mit dem 40mm Okular eine Vergrößerung von 31x und ein Gesichtsfeld von ca. 1,3°. Manchmal wünsche ich mir aber mehr Gf.

Deshalb hatte ich die Idee, mir ein 120/600-Teleskop zusätzlich zu kaufen. Für ein maximales Gf von 4,2° bräuchte ich dann noch ein 31mm Nagler. Außerdem noch eine kleine Ayo-Montierung für mein Fotostativ, macht zusammen ca. 1000,-Euro.

Nun habe ich mich durch verschiedene Forenbeiträge aber überzeugen lassen, daß 6mm AP normalerweise zu viel ist. Deshalb kam der Gedanke nach einem Großfernglas auf, z.B. TS 20x80 für 200,- (Gewicht 2,4kg ; Gf 3,2° ; AP 4mm ).
Man ist sich aber in den Foren einig, daß ein geradsichtiges Fernglas auf einem Stativ für astronomische Beobachtungen unpraktisch ist. Ein fernglas mit 45 oder 90° Einblick erhöht dafür das Gewicht und den Preis.
Da lag die Idee nach dem Canon 18x50 IS nahe ( 1,2 kg Gewicht ; 3,7° Gf 1050,-Euro ; kein zweites Stativ mitschleppen ). Die "kleine" AP von 2,8mm scheint mir kein Nachteil zu sein, da mein 12x36 auch nur 3mm hat und mit dem bin ich so zufrieden, daß ich meinen 60mm Sucher nicht mehr benutze.

Als letzter Gedanke fielen mir die kleinen ED-Apos ein ( 60-80mm / 400-500mm ), Preis und Aufwand ist der gleiche wie beim 120/600.

Also : es geht mir darum, die Lücke zu schließen zwischen dem 12x36 Fernglas und dem C5 und ich persönlich würde das Canon 18x50 IS favorisieren.

Ich bitte um Eure Meinungen und Erfahrungen.

Gruß Uwe
 
Hallo Uwe,

siehe die Antworten zu diesem Beitrag:

http://forum.astronomie.de/phpapps/.../topics/728692/Gro_fernglas_20_100#Post728692


Ich sehe die Alternative der Richfielders: z.B. den Tak FS60C. Solche Teile sind ebenfalls Ultra-mobil, kompakt, ausbaufähig und die Abbildung ist vom Feinsten. Das sind Vererbstücke. Macht mit einem Nagler 31mm T5 oder dem Ethos 21mm richtig Laune. Im Detail: mit dem 31er Nagler: 7,45 Grad TG bei 6,7 AP und 5,88 Grad TG bei 3,6 AP mit dem Ethos 21 mm.

Grüsse und CS

Paul
 
Hallo Uwe,

ich würde Dir zum Teleskop raten. Damit bist Du viel flexiebler was das verwendete Zubehör angeht z.B. Filter oder Herschelkeil. Und wenn man doch mal auf die Idee kommt fotografisch aktiv zu werden ist der Richi auch eine gute einstiegs Optik.

LG & CS
Basti
 
Ein 12-cm-Refraktor zeigt im Schnitt mehr als ein 80er Fernglas. Es ist zudem ein universelleres Reiseinstrument, notfalls kann man unter Verwendung eines Farbfilters sogar den Mond bei mittlerer Vergrößerung ansehen. 4° Gesichtsfeld erreicht man auch preisgünstiger, z.B. mit einem 40er Erfle.
Die 6mm Ap sind nur dann zu groß, wenn es um Beobachtungen ohne Filter geht. Schon für einen UHC- oder noch mehr für einen [OIII]-Filter ist dies völlig angemessen.
 
Hallo,

der 120er Refraktor wird in Fraunhofer-Ausführung heftigste Farbsäume produzieren, sobald Du in der Vergrößerung etwas nach ober gehst. Da hilft auch ein Fringe-Killer-Filter nicht!

Ich würde Dir zu einem 45°-Großfeldstecher oder zu einem ED-Refraktor raten.

Grüße Klaus
 
Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten.

@ Uwe Pilz :
Wieso zeigt der 120er mehr? Natürlich steigt mit der Objektivgröße die Auflösung. Wir reden hier aber von großen Gesichtsfeldern mit entsprechen kleinen Vergrößerungen. Mit einem 30er Oku habe ich 20-fache Vergrößerung, d.h. das Bild auf der Netzhaut ist genauso groß wie beim 20x80 Bino. Ist das Auge wirklich in der Lage die theoretisch höhere Auflösung warzunehmen? Zumal es kein optissch perfektes Teleskop ist. Und der Informationsgewinn durch beidäugiges Sehen beim Fernglas?

Viele Grüße

Uwe
 
Moin Uwe!

Da ich ebenfalls ein 20x80-FG sowie einen 120/600 mm-Richfielder besitze, auch noch ein paar Sachen von meiner Seite...

Die Jagd nach möglichst viel GF und großer AP ist IMO nicht immer zielführend. Meistens gibt der Himmel sowas gar nicht her. Ich habe mich da auch auf max. 4-5 mm AP beschränkt und seztze sogar vorwiegend nur Erfles mit 1,25"-Steckmaß ein. Die schönsten Anblicke hat man doch bei 40-60fach mit diesem Gerät, eben weil man von den Objekten auch detailmäßig was erkennt. Höher als ca. 90fach gehe ich mit meinem RF nicht. Den Mond kann man sich damit ruhig mal angucken, aber für detailreichere Ausblicke am Planeten nimmt man dann lieber ein anderes Instrument. Richfielder sind nunmal Spezialteleskope.

Das 20x80-FG hat natürlich den angenehmen beidäugigen Einblick. Die Vergrößerung erscheint gleich größer, wenn man mit beiden Augen beobachtet. Mein Glas bietet 3° Gesichtsfeld am Himmel. Das ist schon schön zum Umherstreifen und für größere Objekte (bei mir insbesondere die Kometen!). Das FG hat den Nachteil, daß man mit der einzigen Vergrößerung festgenagelt ist. Außerdem ist ein gradsichtiger Einblick ziemlich nackenmordend - ich komme damit stativgebunden höchstens bis 45° über den Horizont.

Das Lichtsammelvermögen des 120er Richfielder ist etwas höher als das des 80er FG: 12x12 > 8x8+8x8 ... Den Auflösungsgewinn der größeren Optik sieht man natürlich erst bei höheren Vergrößerungen, bei jeweils 20fach würde man das nicht bemerken. Ist i.G. auch rein akademisch, da das FG nur eine feste, niedrige Vergrößerung hat, wo man mit dem RFT wesentlich flexibler ist.
 
Wie Winnie schrieb - ich meinte das Lichtsammelvermögen. Winnie und ich, wir beobachten Kometen. In die Reichweite des 120ers kommen deutlisch schwächere als mit dem 2x80. Ähnlich wird es mit Deep Sky Objekten wie Galaxien sein. Zudem kann man bei einem Fernrohr ohne Schwierigkeiten nebelfilter verwenden.
Für Nebelobjekte kann man auf jeden Fall 50x, vielleicht auch 70x vergrößern. In manchen Fällen lohnt sich das. Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass der beste Anblick und die beste Detailwiedergabe dann gegeben ist, wenn der Himmelshintergrund gerade eben noch schwach erhellt ist. Bei meinen Beobachtungsbedingungen lande ich dann bei einer Austritttspupille von 3-4 Millimetern, und kann damit Winnies Erfahrungen stützen.
 
Hallo Uwe,

Da ich ebenfalls ein 20x100-FG (45°) sowie einen 150/750 mm-Richfielder (mit 31er Nagler) besitze, auch noch ein paar Sachen von meiner Seite...

"Nun habe ich mich durch verschiedene Forenbeiträge aber überzeugen lassen, daß 6mm AP normalerweise zu viel ist."

Absoluter Blödsinn! Bei 7mm kann man bei höherem Alter noch darüber diskutieren, aber bei 6mm nicht mehr!
Wer das schreibt, kennt den Himmel vor deiner Haustüre (Schwäbische Alb) nicht! Ich wohne nur 50 km von dir entfernt!

"Deshalb hatte ich die Idee, mir ein 120/600-Teleskop zusätzlich zu kaufen. Für ein maximales Gf von 4,2° bräuchte ich dann noch ein 31mm Nagler. Außerdem noch eine kleine Ayo- Montierung für mein Fotostativ, macht zusammen ca. 1000,-Euro."

Das war eine sehr gute Idee!
Auch ich rate dir, wie die meisten hier (Basti, Uwe, Micha), zum Teleskop!
Für 1000.- Euro bekommst du keine bessere Ausstattung!
Ich habe 5 FG, aber ich möchte keines gegen meinen Richfielder eintauschen! Viele V(x), Filter, Zenitprisma/spiegel hast du ja schon, (die Ayo habe ich auch, die ist gut) können eingesetzt werden.
Ob ein ED Refraktor zu bevorzugen ist, hängt von deinen Vorlieben (Vergrößerungen) an Objekten (und vom Geldbeutel) ab!

"Deshalb kam der Gedanke nach einem Großfernglas auf, z.B. TS 20x80 für 200,- (Gewicht 2,4kg ; Gf 3,2° ; AP 4mm )."

Mein 20x100mm 45° Großbino kommt nie an den 6" Refraktor heran! Die Kombi mit 31er Nagler ist unschlagbar!
Bleib´bei dieser ursprünglichen Idee, kann ich dir nur raten! Die 6mm AP ist bei unserem Alpenvorlandhimmel eher Untergrenze, statt zuviel!
Wenn du daran zweifeln solltest, miß einfach einmal dein dunkeladaptiertes Auge mit vorgehaltenen Bohrern (8-5mm Bohrersatz) nach!
Du wirst sehen... (behaupte ich, auch wenn ich dein Alter nicht weiß!)!

Gruß, Helmut

P.S. Solltest du aber an einem 20x (40x) 100mm 45° Großbino von APM eher Interesse haben, können wir (zum halben NP) vlt. ins Geschäft kommen!
 
Hallo Helmut,

vielen Dank für Dein Angebot ( bin 57 Jahre alt ). Nach all den Komentaren neige ich doch wieder zum 120/600.

Ich habe vor, im September auf die AME zufahren um alles mal persönlich anzuschauen und in die Hand zu nehmen, danach werde ich mich entscheiden.

@ alle 120/600-Besitzer:
seit Ihr mit dem OAZ zufrieden? Falls nein, läßt der sich mit mittlerem handwerklichem Geschick durch einen besseren ersetzen?

Viele Grüße

Uwe
 
Moin Uwe!

> @ alle 120/600-Besitzer: seid Ihr mit dem OAZ zufrieden?

Der OAZ ist gerade so eben noch brauchbar. Mit ein bißchen Geschick bekommt man den ganz gut shiftingfrei. Wenn man noch andere Sachen vorhat, sollte man aber das einfache Teil dringend ersetzen. Der günstigste Austausch-Crayford kostet (nach meinen Informationen) 148 EUR ohne Versand. Mehr als einen Schraubenzieher brauchst Du dann zum Austausch nicht. Der OAZ an meinem 120er - immerhin 6,5 Jahre in Gebrauch - hat mich bisher noch nicht gestört: Ich bewege ihn ja höchstens 1-2 cm hin und her... ;) Inwieweit oder ob der originale OAZ am neuesten Synta-Modell inzwischen verbessert wurde, weiß ich nicht.
Apropos: Bei einigen 2"-Zenitspiegeln und Okularen mit exotischer Fokuslage kann es sein, daß man nicht in den Fokus kommt - es fehlt der fokale Weg Richtung Objektiv.

Kleiner Tip noch: Das originale Auszugsrohr objektivseitig bis zum Beginn der Zahnstange absägen, sonst hat man eine Obstruktion von ca. 5 mm umlaufend am Rand, verliert also 1 cm an Öffnung. Das Problem haben übrigens auch die 4"- und 6"-Varianten dieses Synta-Richfielders.
 
@Anfangsposting

Ich denke das kommt halt auch ein bischen drauf an wie genau Du das Gerät einsetzen willst. Sicher kannst Du letztendlich mit einem Teleskop mehr Dinge machen. Wenn es aber eher um das schnell hinstellen und gleich gemütlich spechteln können geht, ist ein (gutes) Fernglas kaum schlagbar.

Hab inzwischen Erfahrung mit einem Miyauchi und dem TS BigBino und ich muß sagen, das macht einfach enorm Spaß. Obwohl ich einen brauchbaren und eigentlich auch reisetauglichen Richfielder habe, zieht der fast immer den kürzeren. Außer eben ich will evtl. mehr machen, wenn der Abend es hergibt.

Insbesondere das beidäugige Sehen ist eine sehr schöne Sache, sicher geht auch mit einem Binoadapter, aber dann geht das Zubehörgegrusche schon wieder los.

Aber wenn Fernglas, definitiv ein abgewinkeltes (45/90), anders macht das keinen Spaß.

Meine persönliche Meinung, sieht sicher jeder anders.

nv
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Uwe,
wie Micha schon schreibt: der originale OAZ ist nicht der Renner.
Meiner nervte mit Shifting, so hab ich ihn ersetzt durch einen Crayford der 1:1 genauso dranpasste (zum günstigen Kurs gebraucht erworben). Dafür brauchts nur einen Schraubendreher.
Auch bei diesem musste ich aber das OAZ-Rohr etwas kürzen.
Wenn man ihn einmal offen hat, kann man gleich noch die Blenden an die richtigen Stellen korrigieren. In die Taukappe, den vorderen Tubusteil und das OAZ-Rohr habe ich dabei gleich noch schwarze Veloursfolie eingebracht.
Schlussendlich kam noch die 10:1 Untersetzung vom Lajos an den OAZ und nun bin ichs zufrieden, auch wenn es noch lange kein Feathertouch-Feeling ist. Aber das wär wohl auch mit Kanonen auf Spatzen geschossen... :biggrin:
 
Hallo,

ich habe den Thread jetzt erst gelesen.

Wenn ich Michas Ausführungen richtig verstanden habe, sammelt ein 100mm Bino in etwa genauso viel Licht, wie ein 140 mm Refraktor?
Wenn es mir nur um niedrige Vergrößerungen und weniger um Auflösung geht, wäre dann das Bino nicht eher einem 120/600 Richfilder vorzuziehen?
Klar holt man mit einem 31 mm Nagler ein größeres GF von 4,2°heraus, aber wird das beim Bino (knapp 3° GF) nicht ein wenig durch das beidäugige Sehen wieder relativiert (ich glaube 30% größeres Bild, als einäugig - oder ist der Zuwachs schon im GF eingerechnet)?
Ich frage das, weil ich auch gerade vor der Entscheidung stehe. Mit meinem 80/500 ED bin ich zwar gut versorgt, was (stern)reiche Felder betrifft, aber mir macht das beidäugige Beobachten mehr Spaß.

Viele Grüße

Rene
 
Moin René!

> Wenn es mir nur um niedrige Vergrößerungen und weniger um Auflösung geht, wäre dann das Bino nicht eher einem 120/600 Richfilder vorzuziehen?

Tja, da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz: Natürlich ist FG-Beobachtung angenehmer für die Augen und natürlich wirkt die Vergrößerung im FG höher als sie rein rechnerisch ist. Nur: Mit dem FG bist Du auf eine Vergrößerung festgenagelt, der RF ist da flexibler. Man beobachtet eben nicht ständig nur bei Minimalvergrößerung und maximalem Sichtfeld. (Das wurde oben schon geschrieben.)

> mir macht das beidäugige Beobachten mehr Spaß

Was spricht denn dagegen, sich zusätzlich noch ein Großfernglas anzuschaffen?! Das eine Instrument ersetzt IMO aber das andere nicht...
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben