Dobsons heute
Hallo Rasor,
niederpreisige Dobsons - speziell der 8-Zoll-f/6 (200/1200) - sind zu Recht beliebte, hochverbreitete und für ihre Preisklasse in Sachen Allroundnutzung und Preisleistung ungeschlagene Geräte. Da kann der Einsteiger eigentlich nichts falsch machen.
Allgemein gilt: Justage (=Kollimation) und Auskühlung sind zu gewährleisten und zu beherrschen, will man das Potential eines Gerätes auch ausschöpfen.
Zum Tuning habe ich weiter oben schon ein wenig geschrieben, da gibt es viele ausgiebige Diskussionen hier und sehr gute Beschreibungen, teils sogar bebildert, auf den Homepages vieler Mitglieder hier, suchen lohnt auf jeden Fall. Gleiches gilt für die Kollimation.
Grundsätzlich ist zur Frage nach dem optimalen Gerät so einiges zu bedenken. Da möchte ich Dir den alten, bewährten Rat geben, Kontakte zu Sternfreunden in Deiner Nähe aufzubauen, und im gemeinsamen Gespräch am besten beim Beobachten und Ausprobieren derer Geräte unter dem klaren Himmel zu erörtern, was für Dich in Frage kommt. (Eventuell: Kontaktforum hier, Vereine an Sternwarten in der Nähe, Mailfreundschaften...)
Wichtige Punkte sind allgemein:
1. Welche Objekte willst Du beobachten? (Meist anfangs Allroundprofil)
2. Wie ist die Qualität des Himmels an Deinem bevorzugten Beobachtungsort? (Lichtverschmutzung, Himmelsrichtungen, Luftunruhe)
3. Bist Du motorisiert? (Transportabilität)
4. Budget (1. Höhe, 2. ggfs. Ausbau bedenken, Nachinvestitionen)
5. Zubehör: Umfang der Anschaffung, sprich: auch Okulare/Barlow
6. Vorausstattung (Fernglas/Discounterteleskop...), Erfahrungen, theoretische Vorbildung
Sollte dann das Profil festgelegt sein und die Wahl auf einen 8"-f/6-Dobs fallen, so stellt sich dann die Frage nach dem Erwerbsweg: Gebrauchtkauf/Messe (z. B. ATT im Mai in Essen)/Teleskoptreff (z. B. ITV im Mai)/Aktion bzw. Sonderangebot/ Normalbestellung bzw. Abholung.
Je nach Erwerbsweg hat man vielleicht die Möglichkeit, das typischerweise geschnürte Paket in seinem Sinne zu ändern und/oder durch gleichzeitigen Zubehörkauf in der Summe noch einen besseren Preis zu erzielen.
An vielen typischen Angeboten gefällt mir persönlich die Okularausstattung nicht so besonders, da würde ich wirklich andere - zwar in der Regel kostspieligere, dafür aber nachhaltig freudvolle - andenken. Rabatt gibts trotzdem und die eigentlichen Paketokus können direkt preislich abgezogen werden und müssen nicht hinterher selbst eventuell aufwendig und mit Verlust veräußert werden.
So würde ich für stark budgetbegrenzte Käufer im wesentlichen 3 Okulare als Grundanschaffung andenken für den 8"-f/6: ein Übersichtsoku in 2-Zoll (2") mit 30-40 mm Brennweite (je lichtverschmutzter eher 30), ein Oku mit etwa 15 mm für mittlere Vergrößerungen (und damit Austrittspupille), gern schon etwas weitwinkliger und ein Hochvergrößerungsokular um 5 mm, das sollte am Dobson auf jeden Fall weitwinklig sein, wegen der Häufigket des Nachschubsens und dem bei der Vergrößerung schnellen Durchlauf des Objekts im Gesichtsfeld. Die - früher jedenfalls, da bin ich nicht aktuell informiert - oft beiliegende Grundausstattung von 25 und 9er Plössl halte ich für zwar sehr niederpreisig und auch nutzbar, aber: das 25er hat nicht so die Übersicht wie ein 2"-30...40WW, wenn man das dann nachanschafft, ist das 25er überflüssig und wird mit Verlust verkauft oder im Koffer unnötig mitgeschleppt. Das 9er Plössl ist einerseits vom Einblick grenzwertig (man muß schon nah ran) und weder im mittleren, noch im Hochvergrößerungsbereich angesiedelt. Hinzukommt, daß es nicht weitwinklig ist. Hat man sich je ein 15er WW und ein 4-6er WW angeschafft, ist das 9er eine eher selten genutzte Zwischenstufe. Da würde ich also eher das Paket ändern, sollte es noch so angeboten werden.
Edle (und kostspieligere) Spiegelmaterialien braucht es m. E. für den budgetbegrenzten Einsteiger für einen Achtzöller nicht. Vorkühlung, wenn möglich, aktive Belüftung und Tubusaußenisolation durch umgelegte billige Heizkörpertapete beherrschen den Standarddobson thermisch bereits perfekt. Den eventuell minimalen Zeitgewinn vom Aufbauanfang bis zur Hochvergrößerung erkauft man mit m. E. anders sinnvoller investiertem Geld.
Viele Sternfreunde nutzen heute kein Sucherfernrohr mehr, sondern Leuchtpunktsucher oder andere Peilgerätschaften. Es ist zu überlegen, und am besten auszuprobieren, was Dir am besten gefällt. Der Hauptvorteil der Peiler gegenüber einem Sucher ist m. E. das total unkomplizierte Durchschauen irgendwo dahinter ohne Vergrößerung und kein Umdenkenmüssen (spiegelverkehrt.../Vergrößerung). [Ich selbst nutze beides, je nach Objekt, meist reicht der Peiler, manchmal schaue ich in den Sucher wg. der Übersicht, wenn ich gerade nicht das Okular am Dobson wechseln will.]
Vielleicht schreibst Du etwas zu den 6 Fragen oben, dann können wir gezielter weiterdiskutieren. Und nimm Kontakt zu Sternfreunden in der Umgebung auf, solltest Du noch astronomisch allein sein,
klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht
Matthias.