Guiding in der Nähe des Himmelspoles

_Jürgen_K

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Hallo,
ich habe mal eine Frage zum Guiding.
Ich habe vorgestern NGC2276 aufgenommen (Fast genau am Himmelspol). Dabei habe ich Probleme mit dem Guiding gehabt.
Ausrüstung: Triplet-Apo Brennweite 700mm, HEM44 Montierung, 50mm Guidescope. Aufnahme mit NINA, Belichtungszeit 120s , Guiding mit PHD2 über NINA
Ich habe nahezu in allen Bildern ovale Sterne gehabt, manchmal doppelt so lang wie breit, immer diagonal.
Ich hatte gleich das Guiding in Verdacht.
Habe dann gedacht, ich müsse das Guiding mal neu kalibrieren. Also Kalibrierung gelöscht und neue Kalibrierung angestossen.
Dann passierte etwas, was mir neu war : Bei den Klaibrierungsschritten wanderte der Stern überhaupt nicht.
Ich dachte, es hätte sich irgendwas "verhakt", irgendwas abgestürzt. Also Guiding komplett ausgeschaltet, PHD neu gestartet, aber es blieb so.
Beim Kalibrieren keine Bewegung des Sternes. Üblicherweise erreiche ich die 25 Abstand von der Startposition in beiden Richtungen nach ca 10-15 Schritten.
Hier war auch bei 20 Schritten noch keine Abweichung zu sehen.
Sollte das daran liegen, dass die Ausrichtung fast genau auf Polaris wies ?
Also mal einen Punkt im Süden, bei ca 30° Alt angefahren und siehe da, dort lief die Kalibrierung perfekt.
Also mit diesen Kalibrierungswerten wieder auf NGC2276 geschwenkt. Die Guidingkurven waren sehr glatt, trotzdem waren in 1 von 3 Aufnahmen die Sterne nicht gut rund.
Habe ca 170x120s aufgenommen, von denen ich nachher ca 30 gelöscht habe, weil die Sterne nicht schön rund waren.

Aber es ist mir nochwas dabei aufgefallen:
1. Ich musste das Dithern ausschalten, weil ich immer wieder eine Warnmeldung bekam : PHD2 timeout Guider to settle (oder so ähnlich). Danach war das folgende Bild immer völlig unbrauchbar. Nach Abschalten des Dithern war das weg.
2. Über die ganze Session habe ich hinterher beim Durchsehen der Einzelframes festgestellt, dass das Bild kontinuierlich in eine Richtung weggewandert ist.

Kann mir da jemand etwas "Aufhellung" liefern ?

Viele Grüße
Jürgen
 
Hallo Jürgen,
Die Region um den Pol ist bekannterweise die schwierigste für jeden Guider.
Dort schlägt auch ein Kalibrieren in der Regel fehl.

Deshalb würde ich in dem Fall penibel einnorden, fern vom Pol kalibrieren, und nicht dithern, bzw. nur sehr kleine Ditherschritte in Mäanderform probieren.

Grüße

Dietmar
 
Hallo Dietmar,
vielen Dank für Deine Antwort. Das werde ich mal beherzigen.
Da ich ja immer mit Platesolving zentrieren lasse, habe ich das Einnorden jetzt nicht sooo penibel durchgeführt. Ich habe ja den iPolar in der Montierung , bin aber immer zufrieden, wenn des Kreuz und der Kreis recht dicht beieinander sind. Platesolving zentriert dann in der Regel nach dem zweiten Versuch perfekt.
Mir ging es bei meiner Frage erstmal darum, zu wissen, ob meine Beobachtung an irgendeiner Dusseligkeit meinerseits gelegen haben oder ob dies eventuell eine Schwäche in PHD2 ist.
Viele Grüße
Jürgen
 
Servus Jürgen
Wo genau kalibrierst Du das Guiding ?
Ich hatte die kalibrirung einige Zeit lang immer am Aufnahmeobjekt durchgeführt, bis ich in einem Youtube Video sah, dass die Guiding Kalibrierung immer im Süden am Schnittpunkt von Himmeläquator und Meridian ( optimalerweise etwas links davon wenn man ein Objekt im Osten aufnimmt, oder etwas rechts davon wenn das Zielobjekt im Westen steht ) stattfinden sollte, um ein bestmögliches Guiding zu erhalten.
Mein Asiair bringt sogar eine Warnmeldung, wenn man zu nah am Himmelspol kalibrieren will.

Das sagt die KI dazu :

Hier sind die wichtigsten Punkte zur Guiding-Kalibrierung (z.B. mit PHD2) am Himmelsäquator:
  • Ideale Position: Kalibrieren Sie in der Nähe des Meridians (Süden) und nahe einer Deklination von 0° (Himmelsäquator). Ein Bereich von -20° bis +20° Deklination wird empfohlen.
  • Warum am Äquator? In Polnähe bewegen sich die Sterne langsamer über den Sensor, was die Messung erschwert. Am Himmelsäquator ist die physische Bewegung pro Bogensekunde am größten, was zu einer genaueren Kalibrierung führt.
  • Vorgehensweise in PHD2:
    1. Teleskop in die Nähe des Himmelsäquators/Meridians schwenken.
    2. Einen Stern mit mittlerer Helligkeit auswählen (nicht gesättigt).
    3. Kalibrierung starten (der Kalibrierungsassistent von PHD2 führt hier oft automatisch hin).
  • Wichtige Einstellungen: Nutzen Sie den Guiding-Assistenten in PHD2, um Drift und Backlash der Montierung zu berechnen.
  • Alternative bei Hindernissen: Wenn der Blick nach Süden versperrt ist, kann auch in einer anderen Position kalibriert werden, jedoch ist die Genauigkeit am Äquator am höchsten.
VG Walter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Walter,
ja, PHD2 meckert ja normalerweise, wenn die Kalibrierung bei Alt>50° oder sowas angestossen wird. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man ein Objekt bei irgendwas um 30°-40° Alt nehmen sollte, weil die dann ermittleten Werte recht optimal sind. Ich habe mir bisher irgendwas bei 30-40° Alt gesucht, und habe dort kalibriert. Das hat immer gut funktioniert. Aber in der Nähe von Polaris gehen die Guiding-Impulse offenbar "ins Leere".
Bei der Kalibrierung kann PHD der Montierung soviele Impulse schicken wie es will, der Stern wandert nicht hin und her. Habe ich zweimal versucht.
Beim Zenith habe ich das noch nicht probiert, da soll man es ja aber auch nicht tun, ich vermute mal, dass das da genauso nicht geht.
Aber warum es in der Nähe des Himmelspoles auch nicht geht, verstehe ich ehrlich gesagt noch nicht wirklich, deshalb meine Fage hier.
VG
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

ich hatte vor Jahren den gleichen Kontakt mit dem Thema, als ich Polaris und sein staubiges Umfeld für knappe 40 Stunden aufgenommen habe. Ich habe daraufhin ganz ohne Guiding und Kalibrierung gearbeitet, und am Ende auch ganz ohne Dithering, was sich glücklicherweise auch nicht zu stark ausgewirkt hat. Ich hatte damals dann auch mal entfernter vom Himmelspol kalibriert, und bin dann wieder auf die Position gefahren, nur ist das Guiding aus allen Fugen geraten, weshalb ich es einfach gelassen habe.

Aber warum es in der Nähe des Himmelspoles auch nicht geht, verstehe ich ehrlich gesagt noch nicht wirklich, deshalb meine Fage hier.

Ich hatte mir das damals so gemerkt: Der Himmel dreht sich ja bekanntlich um den Himmelspol. Direkt am Himmelspol ist diese Drehbewegung praktisch ein Punkt. Je weiter du vom Pol weggehst, desto grösser wird der Kreis, auf dem sich ein Stern scheinbar bewegt. Das bedeutet, wenn man nahe +85° kalibriert, sieht es nur noch rund ein Zehntel der normalen RA Bewegung. Der Rest geht geometrisch verloren. Dadurch wird die Kalibrierung empfindlich und unzuverlässig. Eigentlich ist nicht der Himmelspol ist schwer zu guiden, sondern die Kalibrierung dort ist schlechter messbar. Für die Kalibrierung braucht es eine eine klare Sternbewegung. Diese bekommt es am besten nahe dem Himmelsäquator, nicht nahe dem Pol.

Kalibrierung_Guiding_Himmelspol.png

(Selbst erstellt mit KI)

Ich muss aber ganz ehrlich gestehen, dass ich zur Kalibrierung nie an die optimale Stelle fahre, sondern das einfach direkt beim aufzunehmenden Objekt starte. Da ich einfach zu Faul bin, und der direkte Weg bei mir auch prima funktioniert. :)
 
Hallo
Faul war ich immer nur in der Arbeit. In Sachen Hobbys war und bin ich dagegen immer sehr fleißig 😁
VG Walter
 
Hallo Dane,
vielen Dank für Deine Erklärung, die das Problem sehr anschaulich erklärt !
Ich war von dem Phänomen einfach total überrascht und habe tatsächlich erst nach dem zweiten Kalibrierungsversuch angefangen nachzudenken .
Aber letztlich schon klar, warum es nicht funktionieren kann.
Ich bin bloss froh, dass das kein Problem von PHD2 ist, sondern einfach in der Natur der Sache steckt. Dann brauche ich mir doch keinen MGEN3 kaufen :ROFLMAO:
Viele Grüße
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

dann hast du da schon mal Geld gespart! :D Beim MGEN3 müsste es theoretisch ja auch Probleme geben, wenn man zu nahe am Himmelspol ist.

In meinem Fall hatte ich sogar Probleme mit dem Goto und Platesolving, da ich zudem auch noch recht weitwinkelig mit 200 mm am Vollformat drauf gehalten habe. Ich vermute das lag auch daran, da das Montierungstechnisch von den Achsen her schon ziemlich am Anschlag war.

Nebenbei erwähnt: Bei kurzen Setups kann man sich je nach Aufbau den Meridianflip sparen, und die Montierung kann im wahrsten Sinne des Worten einfach durchdrehen, wenn man keinen Software oder Hardware Anschlag hat. In meinem Fall hatte meine RST-135 ein Software Limit in den Achsen, was sich so gezeigt hat, dass irgendwann in den frühen Morgenstunden die Sterne einfach zu Linien wurden, weil nicht mehr nachgeführt wurde. Das hat ein paar Nächte gebraucht, bis ich da drauf gekommen bin.

 
Hallo

Beim Ipolar Kreuz und Punkt nah beieinander, das muss übereinander und der Punkt wird dann grün.
Fi ktioniert nur mit aktuellem Sternkatelog, exakter Uhrzeit und genauen Koordinaten, am Pol fotografiert am schwierigstem.
Wenn ipolar nicht fest verbaut muss man vermutlich auch die Chipmitte jedes Mal neu bestimmen lassen.
Hast du mal die Einnordung mit Nina versucht?

Gruß Frank
 
Hallo,

ich spinne mal öffentlich: "Wenn die Montierung korrekt eingescheinert ist, ist es doch egal wohin das Leitrohr zeigt". Ich würde den Versuch machen das Leitrohr außerhalb des Pols zeigen zu lassen. Was haltet ihr davon? Das Seeing ist dann zwar anders, aber einen Versuch würde ich mal machen.
Selbst kann ich das nicht versuchen, da ich den Pol nicht sehe.

Gruß
 
Hallo,

ob ein bewusst schief ausgerichtetes Leitrohr hier die Lösung ist, wage ich zu bezweifeln. Ohne hierbei Erfahrung zu haben, hätte ich hierzu bedenken, ob das nicht neue Probleme ins Haus holt. Ich vermute, dass die Guidingsoftware generell davon ausgeht, dass Guidescope und Hauptrohr in die gleiche Richtung zeigen (Kleine Abweichungen mit eingeschlossen).

Das Leitrohr schaut auf eine Stelle, an der ein kleiner RA Fehler im Bild deutlich sichtbar ist. Das Hauptteleskop schaut nahe an den Himmelspol, wo derselbe RA Fehler im Bild viel kleiner aussieht. Das Guiding misst also an Ort A und korrigiert für Ort A. Fotografiert wird aber Ort B. Wenn Ort A und Ort B nah beieinander liegen, ist das egal. Wenn sie weit auseinander liegen, können die Korrekturen nicht mehr perfekt passen. In welchen Ausmaß sich das bewegt, und ob es spürbar ist - keine Ahnung. Da spielen wohl auch Faktoren wie die eingesetzte Brennweite, Pixelgrösse und weiteres mit rein.

Vielleicht will es mal jemand ausprobieren und berichten. Da ich selbst nur mit OAGs arbeite, bin ich disqualifiziert. :)
 
Hast du nicht mahl probiert die Aressivität auf 10 zusetzen, statt GuidKamera 1,5sek. belichtung auf 3-5 sek. zu stellen , natürlich nach der korrekten kalebrierung etwas weiter weg davon .
Und ja , auch bei mir mäckerte der AsiAir rum bei Sh2-174 die Dec ist zu nah am Pol .

Ich habe auch mal vor Jahren am Pol draufgehalten um den Staub um Polaris aufzunehmen, und das aber mit nur 180mm Objektiv, auf Stativ , ISO 1600 , und 15 oder 30sek. Belichtungszeit . Das hat noch funktioniert .
 
Ist schon vier, fünf Jahre her, da waren Belichtungen mit 100 Sekunden bei 1370 mm Brennweite in der Polarisregion problemlos ohne Guiding möglich... APS-C auf einer NEQ5 auch ohne Goto... Nur als Erfahrungswert... Viele Grüsse Markus
 
Hallo Posti,
da muss ich Dane Recht geben. Das kann eigentlich nicht funktioieren. Wenn man den Guider kalibriert, wird je ermittelt, wieviele Impulse der Guider an die Montierung senden muss, um eine bestimmte Abweichung zu korrigiern. Das ist aber am Pol ganz anders als iregndwo 20° daneben. Wie gesagt, in der Nähe des Poles selbst kann man offensichtlich massenweise Impulse an die Monti senden, aber der Stern bleibt, wo er ist. Ich habe ja die Kalibrierung dann auch in einiger entfernung vom Pol gemacht, aber diese Kalibrierung hat halt leider nicht zur den Verhältnissen in der direkten Nähe des Poles gepasst. Deshalb hat das Guiding keinen Effekt gehabt.
Dass man sicher mit dem Guider einige Grad daneben halten kann glaube ich sofort. Ich denke man kann das so zusammenfassten:
Wenn sich das Objekt in x Sekunden um 10' ost und 5' Süd dreht , dann sollte der Leitstern das möglichst genauso tun.

Aber die Idee von Dane, vielleicht ganz ohne Flip auszukommen, finde ich sehr interessant. Ich werde das demnächst gleich mal probieren, ob es da irgendwelche mechanischen Beschränkungen gibt, die den Flip erfordern. Man könnte ja sogar auf der "falschen" Pierseite anfangen, ich weiss aber nicht, ob man die Funktion "slew to object" überreden kann, das Objekt auf der falschen Pierseite anzufahren.

Viele Grüße
Jürgen
 
Hallo Frank,
das mit dem iPolar weiss ich wohl. Das ist aber schon eine ziemliche Fummelei, das soweit zu trimmen, bis das Kreuz so exakt im Kreis liegt dass es grün wird.
Und : Im Normalfall ist das (meine persönliche Meinung) völlig unnötig (wenn man plate-solving machen kann und nen Guider hat) .
Ich habe im Garten 3 Granitsteine eingelassen, die oben Löcher haben, in die die 3 Stifte des Statives genau hineinpassen und dann keinen mm mehr bewegt werden können. Trotzdem Ist der rote Kreis beim nächsten Aufbau nie so exakt auf dem Kreuz, dass das grün wird.
Aber auch, wenn der Kreis leicht neben dem Kreuz ist (sagen wir mal 1-2 Kreisdurchmesser), dann trifft das "slew and center" in Nina das Objekt der Begierde beim ersten Mal mit ca 5' Abweichung, das heisst manchmal reicht eine Korrektur, manchmal braucht es halt zwei Korrekturen durch NINA und das Objekt ist perfekt zentriert. Dann wird sofort das Guiding angeschmissen, das hält das Objekt dauerhaft zentriert.
Beim Flip ist die Zentrierung hinterher nie exakt , daher wird in der Sequenz nach dem Flip 1x kurz "slew and center" gemacht.
Da das (seit ich NINA mit platesolving betreibe) so perfekt funktioniert, mach ich mir da gar keinen Stress. Das Stativ mit der Monti wird in die drei Löcher gesteckt. Polaralignment fertig.
Gelegentlich schaue ich auch nochmal nach, aber meist berühren sich Kreis und Kreuz sogar. Das reicht bei mir für sorglosen Ablauf aus.
VG
Jürgen
 
Hallo Jürgen

Es geht mit Ipolar an der Cem70, an der Umi17, an der AZEQ5 jeweils in 2min. Ich glaub nicht das es bei der HEM44 so schlecht gelöst ist.
Das das guiden in Polnähe wenig bewegt... muss ja auch nicht der Himmel bewegt sich auch wenig, ist gutes einnorden sehr wichtig.
Aligment mache ich dagegen nie, hilft in dem Fall auch nicht.
Probierst mal Kniefall am Durchguckpolsuchef, dann können wir noch mal über schreckliche Umstände reden :D

Gruß Frank
 
Hallo Fank,
ja, Du hast natürlich Recht. An so kritischen Punkten, wie Zenith oder Pol sollte ich das Einnorden sicher zukünftig penibeler machen als unter "normalen" Bedingungen, zumal es mit dem iPolar ja wirklich sehr komfortabel geht (habe da wohl oben etwas übertrieben, ja , in 2 min hat man das erledigt !). Wie umständlich war das damals mit meiner HEQ-5 und dem optischen Polsucher, wo einem hinterher alles weh tat .....
Vielleicht hätte es mir geholfen, bei der NGC2276 (sehr dicht an Polaris) das Teleskop so genau wie möglich einzunorden und dann auf das Guiding zu verzichten. Vielleicht wäres es besser gewesen 300x60sek aufzunehmen als 150x120sek.
Man lernt eben immer dazu ;).
Viele Grüße
 
Richtig ulkig ist auch wenn im Urlaub etwas 10° nordlich am Zenit vorbei geht was man südlich gewohnt ist.
Gibt immer wieder Merkwürdigkeiten die ein einfaches Objekt zum Problem werden lassen.
Mal sehen wann der erste mit automatischem Polaligment hier aufschlägt, die ML Astro66 ist ja nicht unattraktiv.
Aber ich meine Offina Stellare und Wanderer haben da auch schon was, mal sehen den Polsucherbückling haben wir überwunden, den Kniefall noch nicht.

Gruß Frank
 
ja, PHD2 meckert ja normalerweise, wenn die Kalibrierung bei Alt>50° oder sowas angestossen wird. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man ein Objekt bei irgendwas um 30°-40° Alt nehmen sollte, weil die dann ermittleten Werte recht optimal sind. Ich habe mir bisher irgendwas bei 30-40° Alt gesucht, und habe dort kalibriert.
Hallo Jürgen,
ich benutze in phd2 immer den Calibration Assistant (unter "Tools and Utilities") und habe gute Erfahrungen damit gemacht.

Die Kalibrierung in PHD2 Guiding sollte idealerweise hier stattfinden:

nahe dem Himmelsäquator
→ Deklination ungefähr 0°
nahe dem Meridian
→ also möglichst im Süden (für Mitteleuropa)

Am Himmelsäquator ist die scheinbare Sternbewegung maximal. Dadurch kann PHD2 die Reaktion der Montierung präziser messen.
Nahe dem Meridian sind die Achsen geometrisch am günstigsten ausgerichtet, wodurch Kalibrierungsfehler kleiner werden.

Bei der Kalibrierung versucht PHD2 Guiding herauszufinden:

- welche Bewegung im Bild zur RA-Achse gehört,
- welche zur DEC-Achse,
- wie stark sich ein Steuerimpuls tatsächlich auswirkt.

Nahe dem Meridian sind diese Bewegungen im Kamerabild am „saubersten“ getrennt.

Vereinfacht:
- RA bewegt den Stern fast exakt horizontal,
- DEC fast exakt vertikal.

Dadurch kann PHD2 die beiden Achsen sehr eindeutig unterscheiden. Weiter weg vom Meridian wird die Projektion komplizierter:
die Bewegungsrichtungen "kippen",
RA- und DEC-Bewegungen mischen sich stärker, kleine Messfehler wirken größer.

Der Calibration Assistant fährt automatisch die beste Position an deinem Standort an und startet die Kalibrierung. Probiere es doch mal aus.

Viele Grüße
Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

ein einfaches Gedankenexperiment verdeutlicht die Lage. Ich stelle mir einen Stern vor, der nahe der Ekliptik und nahe am Südmeridian steht.
Wenn er um zwei Sekunden in der Rektaszension schwankt, muß die Montierung diese zwei Sekunden ausgleichen. Wenn ich nun Sterne betrachte, die immer höher ebenfalls am Südmeridian stehen und ebenfalls um 2" in Rektaszension schwanken muß die Montierung weiter korrigieren als 2".
Je näher ich zum Pol komme um so größer muß die Korrektur werden. Am Pol ist sie unmöglich und bei Sternen "hinter" dem Pol müßte sie umkehren.

Also ist die Schlußfolgerung, daß mit einer Deutschen Montierung und unseren herkömmlichen Mitteln das Guiding am Pol in RA nicht möglich ist.
Die Folgerung wäre, Korrektur der Rektaszension abschalten und nur die Deklination Guiden. Das sollte möglich sein (Oder wie ich oben beschrieb, den Guider etwas "schielen" lassen).
Letztendlich dürfte nur Adaptive Optik das Problem sauber lösen!

Gruß
 
Moin,

ich hatte kürzlich ähnliche Probleme wie Jürgen und möchte daher meine Gedankengänge zu diesem Thema mit euch teilen.
Als Astro-Anfänger mit etwas mathematischem Hintergrund mögen mir Denkfehler unterlaufen sein.

Ich musste bei mir in ASIAir den Schwellwert für das Guiding (Stability) deutlich erhöhen, da der Guidingfehler nach dem Dithern zu lange zu groß war.
ASIAir macht erst mit dem Belichten weiter, wenn der Guidingfehler für eine bestimmte Zeit (Settle Time) kleiner ist als der Schwellwert (Stability).


Bildschirmfoto 2026-05-12 um 09.00.39.png

Durch die Kalibrierung des Guidings wird meines Wissens nach nur die mechanische Ungenauigkeit der Montierung vermessen, nicht jedoch etwaige Ungenauigkeiten der Polausrichtung.
Des Weiteren muss bei der Kalibrierung die aktuelle Ausrichtung der Montierung mit einberechnet werden.
Ansonsten würden Korrekturbefehle entweder zu stark oder zu schwach ausfallen, wenn man die Kalibierposition verlässt.
Denn diese sind von der aktuellen Position abhängig. Das kann man sich leicht veranschaulichen, wenn man direkt auf Polaris zielt.
(Nehmen wir für den Moment an, dass Polaris exakt auf dem Himmelspol liegt.)

Das Guiding fährt bei der Kalibrierung den Leitstern in der Ra-Achse sowie Dec-Achse aus der Mittenposition heraus.
Im Falle von Polaris mündet eine Veränderung der RA-Achse lediglich in einer Rotation des Nordsternes, aber er verbleibt an seiner Position.
Im Umkehrschluss müssten Korrekturbefehle während des Gudings hier unendlich groß werden um einen Effekt zu erzielen.

GuidingNahePolaris.jpg

Rotiert man nun die Dec-Achse um 90° und schaut sich dann den Einfluss der RA-Achse an, wird man feststellen, dass dieser nun maximal ist.
Aus diesem Grund kann die Guidingkamera nicht woanders hinschauen als das Teleskop. Es sei denn die Software beachtet den Offset zwischen Guidingkamera und Teleskop. Das ist mir aber nicht bekannt. Die Erfassung des Fehler wäre zwar mit höherer Auflösung möglich, aber die Korrekturbefehle würden dennoch nicht passen.

Die selben Guidingproblems würden ebenso auftreten wenn das Teleskop parallel zur Dec-Achse ausgerichtet werden könnte.
Aber eine solche Montierung kann sich nicht einmal ChatGPT vorstellen. :)

ChatGPTMount.png

Es bleibt also nur in der Nähe von Polaris eine sehr genaue Polausrichtung der Montierung durchzuführen.
 
Hallo Jürgen,
mit Polaris habe ich mich neulich auch rumgeschlagen. Da gelten andere Regeln als fernab vom Pol. Mein Hauptproblem war, dass ich die Position gar nicht mit dem üblichen Plate Solving anfahren konnte. Da ist die Montierung wild hin und her oszilliert. Die Lösung war, die Position von Hand so einzustellen, dass Polaris möglichst in der Bildmitte ist. Wenn man mehrere Nächte aufnimmt, dann eben versuchen, möglichst deckungsgleich ranzufahren.

Das Guiding habe ich mit PHD2 auch mit dem Calibration Assistant gemacht und dann ganz normal das Guiding eingeschaltet - aber kein Dithering. Damit bin ich schließlich ziemlich gut gefahren.
VG Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,
Platesolving: Also ich habe ja NGC2276 aufgenommen, die ist ja etwa 3° West und 6° Nord vom Himmelspol entfernt. Also mein Platesolving in Nina hat die Galaxie zügig und perfekt zentriert.
Guiding: Nachdem, was auch TriCKx oben gechrieben hat, kann Guiding in der Nähe des Poles ja von der Theorie her eigentlich nicht funktionieren, da Korrekturen in RA ja so gut wie keine Funktion mehr haben. Wenn Du genau auf Polaris bist, hast du aber vielleicht Glück gehabt, dass das Guiding auch nicht gestört hat, falls Du die Polausrichtung sehr genau gemacht hattest.
VG
Jürgen
 
Hallo Jürgen,
die Praxis zeigt, dass Guiding nahe am Pol sehr wohl funktioniert:
1778694205269.png


Die Anmerkungen von @TriCKx betreffen ja auch hauptsächlich die Kalibrierung. Genau das ist ja der Hintergrund, warum der Calibration Assistant von PHD2 nahe am Meridian arbeitet. Das Guiding nahe am Pol funktioniert überraschend gut.

Ich hatte es aus den gleichen Überlegungen auch zunächst ohne probiert, hatte aber dann mit unrunden Sternen zu kämpfen. Meine Erklärung ist, dass das Guiding eben auch in Grenzen die Differenzen in der Polausrichtung korrigiert.

VG Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

ich möchte deinem Log und deiner Erfahrung nicht widersprechen. Schön, dass es bei dir funnktioniert. Es zeigt, dass es geht.
Aber der Screenshot zeigt formal gesehen lediglich ein gutes Tracking, also geringen Abweichungen.
Ob dies am Guiding oder an einer guten Polausrichtung liegt, kann man dem Screenshot nicht entnehmen.
Hast du zufällig noch das PHD2-Logfile dazu? Darin würde man auch die Guidingbefehle sehen.
Das Gute an der Nähe zum Himmelspol ist, dass sich RA-Fehler weniger auswirken.

Schöne Grüße,
Sven
 
die Praxis zeigt, dass Guiding nahe am Pol sehr wohl funktioniert
Das dürfte wohl ein Trugschluss sein, weil das Guiding in RA am Pol ja gar keine Wirkung hat.

Im Extremfall müsste die RA dort binnen Sekunden um 12h oder 180° springen, und das kann keine Nachführung leisten.

Der scheinbar perfekte Guiding Plot in Post #25 beweist nur, dass die Ausrichtung der Stundenachse auf den Pol recht gut war.
In dem Fall ist es völlig egal, was das Guiding in RA macht.

Wenn man ohne Einschränkung am Pol guiden möchte, braucht man zusätzlich zur Bewegung in Deklination noch eine zusätzliche Verkippung, welche orthogonal zur Bewegung in Deklination arbeitet. Aber sowas findet man allenfalls an speziellen Meridianinstrumenten.

Gruß, Peter
 
Hallo zusammen,
ich habe mal in das Log eingezoomt:
1778779185361.png


Also ich finde, man sieht auf beiden Achsen, dass die Montierung reagiert.

Ich habe das Bild nochmal vermessen:
Image center ............. RA: 2 35 45.114 Dec: +89 16 59.00

Also zumindest mit diesen Parametern funktioniert es.

VG Wolfgang
 
Ich habe das Bild nochmal vermessen:
Image center ............. RA: 2 35 45.114 Dec: +89 16 59.00

Also zumindest mit diesen Parametern funktioniert es.
Gut, bei einer Poldistanz von 43' wie in deinem Beispiel wird das Guiding noch funktionieren, weil die Korrekturen dann noch klein sind gegenüber der Poldistanz. Wenn die Guidesterne aber zu dicht am Pol stehen, explodieren die Schwankungen in RA, und das gilt es zu vermeiden.

Gruß, Peter
 
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