Hallo (auch ich würde gerne einen Namen hier einfügen),
die Frage ist, wie weit Du mit der Russentonne kommen möchtest. Also, ob Du Dir nur eine Lösung für den Anfang darunter vorstellst, oder ob Du davon ausgehst, dass diese sehr transportable Optik ja auch ein paar Jahre lang freudvoll genutzt werden sollte.
Wenn Du erstmal nur schnuppern willst, dann würde es tatsächlich reichen, die übliche Adaption zu kaufen: M42 auf T2 Adapter, T2 auf 1,25" Steckhülse-Adapter und ein 1,25" Zenitspiegel oder -prisma. Dazu dann Plössls mit 8mm, 15mm und 32mm - oder auch einfach ein 8-24mm Zoom der Bauart Seben-Zoom (gibt es unter etlichen Labels, man müsste vom Gehäuse her vergleichen, dass man das richtige bekommt).
Soll das Gerät längerfristig Nutzung finden, dann würde ich empfehlen, es so zu montieren, dass man damit Objekte einstellen und verfolgen kann, ohne das ganze Hobby zu verfluchen. Eine Giro oder Ayo auf einem soliden Fotostativ wären Lösungen, aber nichts schlägt an der Stelle die alte EQ-1, bei der man sich nur darum kümmern muss, die Russentonne mit einer Adapterplatte daran fest zu bekommen. Ich montiere meine Russentonne indem ich in das große Fotogewinde der Adapterplatte an der Tonne einen Reduzierring schraube und dann kommt die Tonne mit zwei Fotogewinde-Zylinderschrauben (im Astrobereich üblich für die Montage vieler Teleskope in GP-Adapterschienen) in ein passendes Langloch oder in zwei passend eng gesetzte 6mm Bohrungen. (Eigentlich passen 1/4 UNC Fotoschrauben nicht in 6mm Bohrungen - bei Baumarkt-Equipment zum Bohren dann aber doch. :biggrin: )
Die Okularadaption ist dann durchaus auch nochmal ein Thema. Ich würde versuchen, einen 2" Zenitspiegel möglichst direkt an die Tonne zu adaptieren. Es gibt Zenitspiegel die neben der normalen 2" Steckhülse als Alternative ein Wechselteil für einen Überwurf-Ring mit SC-Gewinde haben. Und soweit ich weiß, kann man bei der Tonne das M42-Gewinde mit Madenschrauben abnehmen und hat dann so etwas wie eine Ringschwalbe. Dann müsste man einen Dreher statt des M42-Gewindes eben ein SC-Gewinde herstellen lassen. Dann hat man den 2" Zenitspiegel auf kleinstem denkbaren Weg an die Russentonne angeschlossen. Das macht Sinn, denn die Russentonne ist ja aus chemischer Zeit noch auf eine Ausleuchtung der 43mm Diagonale eines Vollformat-Films ausgelegt. Dagegen nutzen 1,25" Okulare nur ein Bildfeld von vergleichsweise mageren 27mm Durchmesser. Man eröffnet sich damit die Möglichkeit, die Russentonne auch mit z.B. einem 56mm Okular zu verwenden, so dass man deutlich hellere Bilder erhält. Ab ca. 40mm Okularbrennweite gibt es Okulare, die den maximal in 2" machbaren Felddurchmesser von 46mm ausnutzen.
Durch die Okularadaption wird sich die Brennweite der Russentonne auf mindestens 1200mm verlängern. Das ist auch mit der 1,25" Adaption so (man müsste übrigens mal den optischen Weg durch den 1,25" Spiegel mit Steckhülse mit einem 2" Zenitspiegel mit Überwurf vergleichen). Daher ist übrigens das hier vorgeschlagene 5mm Okular ein nicht besonders durchdachter Vorschlag.
Jedenfalls, um es einmal mit 1200mm gerechnet greifbar zu machen: Mit der 2" Adaption bekommt man mit dem passenden Okular etwa vier Vollmonde nebeinander ins Bildfeld. In 1,25" bekommt man nicht mehr als 2,5 Vollmonde nebeneinander. Außerdem ist die Bildhelligkeit durch die niedrigere Vergrößerung fast 2,5 mal größer, wenn man ein 32mm gegen ein 50mm antreten lässt.
Auf diese Weise erweitert man die Fähigkeiten der Russentonne recht angenehm, um auf Reisen in weniger lichtverschmutzte Gegenden auch einige Deepsky-Beobachtungen machen zu können.
Da die Russentonne nuneimal da ist (ist sie eigentlich entspannt, so dass sie astronomisch gut abbildet?), bietet sich so etwas an. Würde man das Equipment neu kaufen, würde man vermutlich doch anders an die Sache herangehen. Es gibt wirklich diverse Alternativen, die alle von der geplanten Nutzung abhängen. Es würde zum Beispiel wenig Sinn machen, die Russentonne teuer adaptieren zu wollen (allein schon mit neuem Stativ und Stativkopf), um dann festzustellen, dass ein 150/1200 Dobson denselben oder mehr Komfort bietet, aber optisch die Tonne wirklich meilenweit hinter sich lässt. Wenn ich allein an die Fokussierung der Russentonne denke...
Dann kann man nämlich gleich auf ein anderes Teleskop mit passend dazu ausgesuchten Okularen setzen.
Du müsstest also erst einmal überlegen, ob der einzige echte Vorteil der Russentonne den ganzen Aufwand rechtfertigt. Das Ding ist nämlich einfach sehr klein. Nur wenn dies das absolut entscheidende Kriterium ist, kann man in die Richtung weiter denken. Aber auch dann müsste sich jede Lösung für die Tonne damit messen lassen, was ein gebrauchter Mak mit 100mm Öffnung denn so kostet. Die zweideutige Formulierung ist beabsichtigt. Ich glaube nämlich, dass dieses Ergebnis dabei heraus kommt.
Clear Skies
Sven