Gutes Refraktorteleskop ?
Hallo Herbert,
Mein Auge blieb an einem Skywatcher AC 120/1000 Refraktor auf NEQ-5 Montierung hägen, Ich wollte meiner Tochter ein paar Planeten zeigen,den Mond und ein paar sternhaufen,Vieleicht die Andromedagalaxie. Wäre das was dafür ?
ich würde das Teleskop nicht dafür empfehlen.
Sven Wienstein hat schon eine ausführliche Begründung gegeben
warum das ausgesuchte Teleskop für den Zweck wenig geeignet ist.
Ich möchte auch noch etwas schreiben:
1) Andromedagalaxie:
Die ist riesengroß. Auch von uns aus gesehen. Sie erstreckt sich
über 3,2° bis 3,5° am Himmel, wenn der dunkel genug ist
um die schwachen Randbereiche von M31 auch noch zu zeigen.
Bei 1000mmm Brennweite kannst du mit einem 2" Okular,
welches den maximalen Feldblendendurchmesser von 46mm aufweist
"nur" 2,63° am Himmel sehen. Dir wird also der Gesamteindruck fehlen,
dafür braucht es ein Gesichtsfeld von knapp 4° am Himmel.
Also bei 2" Okularen ein Teleskop mit nicht mehr als 660mm Brennweite.
Den hellen Kernbereich und dessen Umgebung sowie das auffälligste
Staubband wirst du aber gut sehen können.
Den Farbfehler haben andere schon angesprochen.
Zu-kurze-Achromaten sind diesbezüglich leider sehr übel.
Was viele nicht beachten ist folgendes:
Der Farblängsfehler ergibt sich aus der Glaskombination.
Er beträgt beim Bk7/F2 Achromaten 1/2000stel der Brennweite.
Wenn nun die Brennweite des Achromaten für grünes Licht
(bei dem das Auge am empfindlichtsen ist) 1000mm beträgt,
dann fokussiert rotes und blaues Licht 0,5mm weiter weg
von der Linse.
Nun muß man noch den Durchmesser der Airy Disc sowie die Schärfentiefe mit einbeziehen.
Rutten/Van Venrooij geben in Chapter 6.2 eine ausführliche Diskussion
zu diesem Thema und entwickeln die Formel:
N (min) = 0,122 D
Die Öffnungszahl N des Achromaten darf nicht kleiner sein
als dessen Öffnung in Millimetern mal 0,122.
Bei 100mm Öffnung ergibt sich eine Öffnungszahl von 12,2
und bei 120mm Öffnung sollte sie 14,64 betragen,
bei 152mm Öffnung 18,54 und bei 200mm Öffnung 24,4 (!)
Damit ist der Achromat zwar immer noch nicht farbfehlerfrei,
er liefert aber eine akzeptable Bildschärfe.
Ein 6" f/15 Achromat ist diesbezüglich übrigens recht gut
mit einem 6" Newton mit 30% Obstruktion vergleichbar (W.Zmek).
H.R.Suiter zeigt daß wenn man gewillt ist eine defokusbedingte Aberration
von 1 Wellenlänge zu akzeptieren man zu 0.12D (mm) kommt.
das entspricht dem Fraunhoferkriterium, siehe Rutten/van Venrooij.
Allerdings waren schon in frühern Zeiten einige Beobachter
weniger farbfehlertolerant.
Conradi wolte eher um 1/2 Wellenlänge Defokus beim Achromaten akzeptieren.
Dann wird die Formel zu: 0,23D (mm)
Ein Achromat sollte bei 80mm Öffnung demnach N = 18 haben,
bei 100mm Öffnung N = 23 und bei 120mm Önnung N = 27,6
Was ssagt dir das?
Warscheinlich eher wenig.
Selbst durchschauen ist angesagt.
Das hat 2 Gründe:
1) du kannst dich nicht auf das verlassen was andere schreiben.
In den USA gibt es jemandem der bei einem 200mm f/9 Achromaten
praktisch keinen Farbfehler sehen will. Dir hilft die Aussage
eines Farbenblinden also nichts.
2) du wist nicht wie farbempfindlich du (bzw deine Tochter) ist.
Vorsicht:
Die Farbenblindheit in irgendeiner Form ist bei Männern
sehr viel häuiger als bei Frauen anzutreffen!
Laß also auch deine Tochter durchsehen.
Zuletzt noch eine persönliche Anmerkung von mir:
Ich bin mit einem Spiegelteleskop angefangen.
Deshalb und weil ich eine gute Farbentüchtigkeit habe bin ich
sehr empfindlich was den Farbfehler betrifft.
Ein 80/1200mm Vixen Achromat ist für mich akzeptabel,
aber ich sehe natürlich auch da noch den Farbfehler.
Die Ahcromaten wurden bei kleineren Öffnungen weitgehend
von ED -Refraktoren abgelöst. Die sind leider teurer,
wenn die öffnung über 10mm hinausgeht sogar sehr viel teurer.
Wenn es aber wegen der Unkompliziertheit (Justage ist da
normalerweise nicht notwendig) unbedingt ein Refraktor sein soll
dann würde ich an diner Stelle über einen ED nachdenken.
Ansonsten:
Beim Newton bekommst du mehr Leistung für weniger Geld.
Nachteil ist die Notwendigkeit der Justage, die bei Verwendung
einer parallaktischen Montierung stark wechselnde Einblickposition.
Immer wenn Planeten ins Spiel gebracht werden rate ich
persönlich vom zu-kurz-Achromaten ab.
Mond geht mit Filter (dort kostet das wegfiltern des Farbsaumes
keine Information, bei Jupiter kostet ein solcher Filter
wegen Jupiter`s vielfältiger Farben erheblich Information).
Emissionsnebel gehen mit kurzen Achromaten gut (Linienstrahler),
Galaxien auch da sie überwiegend diffus sind und meistens
nur mit wenig hoher Vergrößerung beobachtet werden.
Immer da wo viel Licht vorhanden ist, keine Filter eingesetzt
werden können oder sollen und hoch vergrößert wird schlagen
die Nachteile des zu-kurz-Achromaten voll durch.
Bei geringer Vergrößerung sowie bei Linienstrahlern
sind die Nachteile vernachlässigbar.
CS,Karsten