Hallo!
Normalerweise halte ich mich raus, wenn es um diese doch sehr häufig aufgebrachte Thematik geht, aber ein paar Anmerkungen habe ich jetzt doch.
Erste Erfahrungen hast Du ja bereits gesammelt und richtig erkannt, dass man im absoluten Low-Cost Sektor nicht viel Astrofreude für sein Geld bekommt. Was aber nicht heissen soll, dass man viel Geld für dieses Hobby braucht. Hättest Du z.B. das Geld für Dein schwaches Teleskop in ein Fernglas gesetckt hättest Du garantiert in der Zwischenzeit viel mehr vom Himmel gesehen.
Bücher und Webseiten und Internet Threads sind schön und gut für den Überblick. Eine Entscheidung kann man aber eigentlich nur treffen, wenn man wirklich durch die verschiedenen Instrumente geblickt hat und sie auch bedient hat.
Wie andere schon schrieben, bekommst Du für Dein Budget die beste Optik fürs Geld, wenn Du einen Dobson kaufst. Einfach deswegen, weil das Geld nur ins Glas fliesst und nicht in die Mechanik. Bevor Du aber auch nur einen Cent in einen Dobson investiert, solltest Du eine Nacht lang mit einem gearbeitet haben. Dort, wo Du vornehmlich beobachten wirst.
Persönlich kann ich z.B. einem Dobson nichts abgewinnen. Ein schönes helles Bild ist nicht alles, woran meine Astrofreude hängt. Ich schätze eine Nachführung über alles. Nix Nachführung - ich nix beobachten mag. Einfach ausgedrückt. Wenn Du dasselbe bei Dir erkennst, nachdem Du 800 Dinger in einen Dobson investiert hast, ist es zu spät.
Wenn Du so gestrickt bist wie ich (lieber gar nicht Beobachten als mit Dobson) dann wird es schwierig. Denn die Beobachtungsfreude hängt dann wesentlich an einem wackelfreien Bild. Von 800 Euro 600 in die Optik zu stecken und 200 in die Montierung wird mit Heulen und Zähneklappern enden. Das schönste Bild nützt nichs, wenn es zittert. Nach meiner Erfahrung kann ich da nur dazu raten, gleich eine „ordentliche“ Montierung anzuschaffen. Auf die kann man dann nach und nach bessere Teleskope setzen. Kauft man aber die Montierung zu klein, muss man zu jedem neuen Teleskop auch eine neue kaufen...
Von 800 Euro würde ich also mindestens 500 in die Montierung stecken. Mit etwas Glück findet man da auf dem Gebrauchtmarkt ordentlich solide Teile. Goto ist nice to have aber nicht unbedingt notwendig. Und von den übrigen 300 Euro dann irgendein Fernrohr. 6 Zoll Newtons oder 4 Zoll Achromaten gibt es dafür neu in reicher Auswahl, auf dem Gebrauchtmarkt alles nochmal eine Nummer größer. Damit kann man dann schon eine Weile Freude haben.
Persönlich habe ich auch nie ein Problem beim Gebrauchtkauf gehabt. Fernrohre und Montierungen werden nur stundenweise verwendet und nutzen sich dabei so gut wie nicht ab. Und man bekommt doch erheblich mehr fürs Geld als beim Neukauf. Der Gebrauchtwert bleibt ziemlich stabil und man kann es bei Nichtgefallen oder späterem Ersatz durch etwas größeres ohne Verlust weiter verkaufen.
Mein eigene Wahl bei einem Budget von 800 Euro wäre übrigens ein NexStar 6 (ein Celestron 6 Zoll Schmitt-Cassegrain auf einer azimutalen Goto-Montierung). Die findet man ab und zu für dieses Geld auf dem Gebrauchtmarkt. SCs sind nicht jedermanns Sache (ich aber bin ein großer Fan, habe ein C5 und ein C8) und in vielen Hinsichten ein Kompromiß - aber ein guter Kompromiß wie ich finde. Kompakt, transportabel, robust und optisch sehr brauchbar. Schau aber unbedingt durch eines durch, bevor Du Geld ausgibst.
Und die Sache mit dem Auskühlen wird ohnehin massiv überwewertet. (SCs sind in dieser Hinsicht nochmal eine Nummer empfindlicher). Das erledigt sich eigentlich ganz von alleine. Man sieht auf dem Heimweg, dass der Himmel klar ist, stellt seinen Kram in der Dämmerung auf (Garten, Terrassem, Balkon - egal, denn bei Licht ist es immer einfacher als im Dunklen) und bis es dann dunkel genug zum Beobachten ist, ist es auch ausgekühlt genug. Und wenn man daheim halbwegs umweltbewusst heizt und sein Fernrohr in einem Zimmer aufbewahrt, das nur schwach oder gar nicht geheizt wird (bei mir das Schlafzimmer), dann geht es noch schneller.
Viele Grüße
Maximilian