H-Alpha-Sonnenteleskop für eine schulische Jugendgruppe – bitte um Rückmeldungen zur Ausstattung

Schmelzing

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

für schulische Jugendgruppen möchte ich eine Ausstattung zusammenstellen, mit der die Kinder und Jugendlichen möglichst unkompliziert und sicher in die H-Alpha-Sonnenbeobachtung einsteigen können. Neben der visuellen Beobachtung soll insbesondere auch die digitale Aufnahme und gemeinsame Auswertung der Sonnenoberfläche ermöglicht werden.

Aktuell plane ich folgende Zusammenstellung:
  • Teleskop: Sky-Watcher Heliostar 76
  • Montierung: Sky-Watcher SolarQuest einschließlich Stativ
  • Kamera: ZWO ASI678MM (monochrom)
  • Stromversorgung: Akkus und Ladegerät

Fehlt da aus eurer Sicht noch was?

Bevor ich die Ausstattung endgültig festlege, würde ich gerne eure Erfahrungen und Einschätzungen einholen. Besonders interessieren mich zwei Punkte:

Ist die SolarQuest für den Heliostar 76 in dieser Kombination ausreichend dimensioniert? Mich interessiert dabei weniger, ob die Montierung das Teleskop grundsätzlich tragen kann, sondern vor allem, wie stabil und vibrationsarm das System in der praktischen Nutzung ist – insbesondere bei der visuellen Beobachtung und bei der Arbeit mit einer angeschlossenen Kamera.

Würdet ihr die ASI678MM für dieses Teleskop empfehlen? Der kleine Pixelabstand von 2 µm erscheint mir für die Aufnahme der H-Alpha-Sonnenoberfläche interessant. Wie beurteilt ihr das Zusammenspiel aus Sensorgröße, Bildfeld und Auflösung in der Praxis? Gibt es aus eurer Sicht Alternativen, die für eine Jugendgruppe sinnvoller wären – etwa hinsichtlich Bedienbarkeit, Bildfeld oder Preis-Leistungs-Verhältnis?

Auch für weitere Hinweise zur Zusammenstellung, zur Stromversorgung oder zu möglichen Schwachstellen im geplanten Aufbau bin ich dankbar.

Mir ist wichtig, eine praxistaugliche Lösung zu finden, die von Jugendlichen unter Aufsicht sicher bedient werden kann und sowohl unmittelbare Beobachtungserlebnisse als auch erste eigene astronomische Auswertungen ermöglicht.

Vielen Dank für eure Einschätzungen und Erfahrungsberichte!

CS
Stephan
 
Hallo Stephan,

  • Teleskop: Sky-Watcher Heliostar 76
  • Kamera: ZWO ASI678MM (monochrom)

Das Heliostar hat eine Brennweite von 630mm. Der Chip der Kamera ist 7,68 x 4,32mm groß. Bei einer Brennweite von 630mm hat die Sonne auf dem Chip einem Durchmesser von rund 6mm, ohne Protuberanzen gerechnet. Die gesamte Sonne passt nicht auf dem Chip.
Ich habe für die H-alpha Sonne eine ToupTek AE676M. Diese Kamera ist Lüftergekühlt, der Chip ist 7,07 x 7,07mm groß mit 2,0μm großen Pixeln. Mit dieser Kamera komme ich gut zurecht. Sie fängt bei höheren Gain zum rauschen an.
Das Bild der H-alpha Sonne vom 15. Oktober 2026 wurde mit dieser Kamera erstellt:


Ich habe diese Kamera direkt bei ToupTec gekauft:


Inklusive aller Kosten hat mit diese Kamera 375 Euro gekostet.

Viele Grüße
Gerd
 
Hallo Gerd,

das klingt überzeugend und liegt auch im Budget – vielen Dank für diesen wertvollen Hinweis!

Mit der von dir vorgeschlagenen Kamera wäre auch die Abbildung der gesamten Sonnenscheibe möglich. Aufgrund der Auflösung ließen sich sicherlich zusätzlich Detailausschnitte aufnehmen.

Eine Frage hätte ich noch: Benötigt man für die Hα-Sonnenfotografie tatsächlich den erhöhten Gain? Bei meinen bisherigen, zugegebenermaßen noch begrenzten Erfahrungen kann ich mich nicht erinnern, den Gain besonders hoch eingestellt zu haben.

Viele Grüße
Stephan
 
Hallo Stephan, @Schmelzing ...
Zu Ha-Sonnenfotografie kann ich zur Zeit nichts mehr sagen, ( ich habe vor viel Jahren meine letzte Aufnahme in dieser Wellenlänge angefertigt )

Aus diesem Grund halt nur recht allgemein.
Bei 540nm Beobachtung und guten Bedingungen ( gute Durchsucht , wolkenlos ) nutze ich 0 Gain. Sobald "etwas " stört wird Gain etwas erhöht um
dann immer noch möglichst kurze Belichtungszeiten zu erreichen.
Ich glaube aber nicht an die Notwendigkeit (sehr) hohe Gain-Werte überhaupt bei der Sonne zu brauchen, welche dann das Bild ( überhaupt ? ) wesentlich verschlechtern würden.

Meine Anmerkung begründet sich auf meine 540nm Ablichtungen. Mit / bei einem schnellen Öffnungsverhältnis.
Bei 656,28 nm wird es sicher auch so sein. Weit mehr wird sicher immer die Luftunruhe die Aufnahme " bestimmen ".
Gruß
Marco
 
Zuletzt bearbeitet:
Eine Frage hätte ich noch: Benötigt man für die Hα-Sonnenfotografie tatsächlich den erhöhten Gain? Bei meinen bisherigen, zugegebenermaßen noch begrenzten Erfahrungen kann ich mich nicht erinnern, den Gain besonders hoch eingestellt zu haben.
Hallo Stephan,

zur Hα-Fotografie selbst kann ich gar nichts sagen. Aber bei Weißlichtaufnahmen mit dem 540nm Filter konnte ich nie eine deutliche Bildverbesserung feststellen, wenn ich den Gain erhöht habe und dafür statt 25ms nur 10ms oder weniger Belichtungszeit pro Bild hatte. Ich benutze eine ToupTek G3M178M Camera.

Gruß,
Andreas
 
Hallo Marco,
Hallo Andreas,

Vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen! Dann sollte die Kamerawahl ja passen.
Es geht mir vorwiegend um Live-Beobachtung am Bildschirm in der Gruppe und einfachen Fotografien zur Dokumentation solarer Phänomene.

Liebe Grüße
Stephan
 
Hi!

Ich würde vor allem ein Okular empfehlen...

Wir haben im Verein den Lunt 60 auf der Solarquest, auf einem Berlebach Uni Stativ mit Kurbelsäule. Stromversorgung über Netzteil oder Celestron LiFePO4 Powertank – der hat den Vorteil, dass er sich nicht selbst entlädt und an das Stativ gebunden werden kann.

Alternativ zur Not auch mal auf einem stabilen Fotostativ, aber das Berlebach ist schon deutlich stabiler...
lunt.jpg

Die 3,8kg Heliostar 76 plus Kamera dürften schon zum Zittern neigen, da wäre zumindest ein besseres Stativ hilfreich. 4kg Traglast werden für die die Soalrquest angegeben, keine Ahnung, ob das Stativ der limitierende Faktor ist.

Das Livebild bleibt gerade bei H-alpha immer hinter dem bearbeiteten Bild zurück, vor allem wollen Protuberanzen und Oberfläche normalerweise andere Belichtungszeiten, oder lassen sich nur in der Bildbearbeitung einigermaßen aus einer Aufnahme herauskitzeln.

Hier ist mal ein Screenshot einer Protuberanz (it SunDancer II an ED80/600 auf GP-DX-Montierung)
Bildschirmfoto 2026-10-22 um 17.41.34.png

Und was nach einer Bearbeitung rauskam:
2021-11-23-1059_0-CapObj_g4_ap385_conv.jpg

Müsste die selbe sein, stammt zumindest aus der selben Aufnahmesession. Keine Ahnung, warum die verdreht ist.
Das sind schon ältere Daten, mittlerweile kann ich das besser, aber hier habe ich die Rohdaten noch gefunden. Sonnenoberfläche mit Sonnenoberfläche habe ich auf die Schnelle nicht gefunden.

Oberfläche und Protuberanzen haben einen ordentlichen Helligkeitsunterschied, das wird im Live-Bild sportlich.

Auch nicht vergessen: Ein guter Sonnenschutz für den Monitor. Ich habe die Sonnenfotografie bei uns auf der Sternwarte (wo der Rechner neben dem Teleskop steht und das Teleskop keinen Motorfokus hat) mittlerweile aufgegeben und mache das nur noch zuhause, wo ich
  • im schattigen Büro sitze, sodass mit nicht nur die Sonne nicht auf den Kopf knallt, sondern ich auch den Monitor erkennen kann – so ein iCap Laptopzelt oder auch nur ein Pappkarton funktioniert, aber da können auch nicht zu viele gleichzeitig reinschauen
  • einen Motorfokus am Teleskop habe – sonst ist fokussieren mühselig, weil du den Monitor im Blick halten musst
  • die Montierung per ASCOM vom PC aus steuern kann, um die Sonne (oder, je nach Sensorgröße, Details) auf dem Bild zu zentrieren
  • den Mini-PC an der Montierung per VPN steuere
Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Alex,

vielen Dank für deine ausführlichen und sehr hilfreichen Anregungen! Den Hinweis auf das Stativ nehme ich auf jeden Fall mit. Auch die unterschiedlichen Helligkeiten von Sonnenoberfläche und Protuberanzen sowie die praktischen Herausforderungen bei der Arbeit am Bildschirm sind wichtige Aspekte, die mir zwar bekannt sind, die ich aber bei der Planung noch nicht wirklich berücksichtigt hatte.

Okulare sind vorhanden.

Mein Ziel ist zunächst gar nicht die anspruchsvolle Sonnenfotografie, sondern vor allem die unmittelbare Beobachtung in einer Schülergruppe: gemeinsam die H-Alpha-Sonne am Okular erleben, anschließend auch am Bildschirm betrachten und einzelne Phänomene fotografisch dokumentieren. Daraus möchte ich für interessierte Jugendliche ein weiterführendes MINT-Angebot entwickeln, in dem sie eigene Beobachtungen festhalten, Fragen formulieren und sich intensiver mit der Sonne als Forschungsgegenstand beschäftigen können.

Die Idee, das Kamerabild bei geeigneten Gelegenheiten auch auf die Smartboards im Klassenraum zu übertragen, finde ich ebenfalls reizvoll. Das wäre eine gute Möglichkeit, Beobachtungen gemeinsam zu besprechen, ohne dass alle gleichzeitig am Teleskop stehen müssen.

Für den Laptop habe ich so ein Popup-Sonnenschutz.

Durch deine Hinweis merke ich nun aber auch, dass in der konkreten Praxis doch noch mehr Zubehör zusammenkommt und mehr Abläufe zu planen sind als zunächst von mir gedacht...

Vielen Dank!

CS
Stephan
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein Heliostar würde ich nicht empfehlen ... das was ich hatte zum testen war einfach nicht gut und das Geld nicht wert.

Die aktuellen Acuter sollen aber auch nicht mehr so gut sein wie die ersten von damals ?

Wie die neuen aktuellen Lunt abscheinden keine Ahnung, gibts irgendwie noch keine Tests zu oder keiner hat so nen Gerät ?

Ansonsten Acuter 40 -> 678MM -> 7 - 10ms Belichtungszeit
Heliostar76 -> 676MM -> 4 - 6ms Belichtungszeit.

Flats machen ist von Vorteil, Sharpcap benutzen auch und ne Montierung ala AM5 / SAL 33 damit es nicht so wackelt.
Autofocuser ist nicht zwingend notwendig wenn man nebem dem Gerät sitzt, bei der visuellen Beobachtung braucht man sowas gleich garnicht.

So nen Sonnenschutz wie der beim Heliostar dabei ist ... ist noch ziemlich praktisch und ein must have.
Genau so wie nen Hut aufn Kopf :D

Gruss
Marco
 
Hallo Stephan,

noch ein Kommentar zu den Heliostars: Ich kenne die nur vom Hörensagen, aber es soll wohl so sein, dass die ca. 1/2h vor Nutzung akklimatisiert werden müssen. Ein paarmal habe ich schon auf Foren gelesen, dass die Nutzer die sogar erst 1/2h tracken lassen, bevor sie sie endgültig tunen und verwenden. Andernfalls sieht es wohl mit der Homogenität nicht so toll aus, insbesondere beim 76er.
Wie schlimm das tatsächlich ist weiß ich mangels eigener Erfahrung natürlich nicht, aber im worst case müsstest Du das halt mit einplanen.

VG, Andreas
 
Das Teil lag bei mir erst ne gute Stunde auf dem Tisch in der Sonne und dann hab ich 2 Stunden rumprobiert mit mäßigem Erfolg.

Man hat den Sweetspot extrem über die Sonne wandern sehn weil eben nicht die ganze Sonne im Spot ( Okular gesamt Sonne ) lag.
Da wo es "perfekt" eingestellt war, da war es auch top und beeindruckend, da wo es daneben lag wars eben flau und keine Details.

Zumindest mein Acuter schafft die gesamte Sonne ordentlich mit Details und Protuberanzen abzubilden.


Hat man auch auf Aufnahmen gesehn das nur bestimmte Stellen gegenüber dem Acuter Details aufwiesen, der Rest hat einfach gefehlt.
Und das bei 2.600€ ... wer es nicht "besser" kennt der ist auch davon beeindruckt keine Frage. Ich war es leider nicht.

Die Auflösung ist natürlich klar besser und wenn man mit der Kamera nen ROI von 1200 x 1200 an der richtige Stelle positioniert hat dann :y:

Gruss
Marco
 
Hallo Marco,

Deine Fotos fand ich gar nicht mal sooo schlecht, obwohl man da auch Inhomogenität und Kontrastverlust klar gesehen hat. Aber eine Kamera kann ja schliesslich das letzte bisschen Kontrast noch rausholen. Wenn visuell der Kontrast dann aber von top auf flau abkackt, macht das natürlich genau gar keinen Spaß.

VG, Andreas
 
Hallo zusammen,

Vielen Dank nochmals für eure zahlreichen Rückmeldungen und die unterschiedlichen Erfahrungsberichte!

Gerade die Hinweise zur praktischen Handhabung, zur Stabilität der Montierung und zu den möglichen Einschränkungen des Heliostar 76 helfen mir, die geplante Ausstattung noch einmal aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Bei der Auswahl muss ich neben den technischen und optischen Eigenschaften auch die Rahmenbedingungen einer schulischen Anschaffung berücksichtigen. Bei einer Förderung müssen die geplante Ausstattung und die Kosten bereits im Vorfeld konkretisiert werden. Die Entscheidung lässt sich daher nicht ganz so flexibel gestalten wie bei einem privaten Kauf.

Mir ist wichtig, eine möglichst gute und langfristig sinnvolle Lösung für den Schulalltag zu finden. Dabei stehen für mich die sichere, unkomplizierte Nutzung mit einer Schülergruppe und der unmittelbare Zugang zur H-Alpha-Sonnenbeobachtung im Vordergrund. Die Ansprüche an eine solche Ausstattung sind insofern etwas anders gelagert als bei einem rein amateurastronomischen /fotografischen Einsatz – ohne dass ich deshalb bei der Qualität unnötige Abstriche machen möchte.

Umso mehr weiß ich die Unterstützung des Förderers zu schätzen, durch die dieses Vorhaben überhaupt möglich wird. Ich möchte die bereitgestellten Mittel verantwortungsvoll einsetzen und eine Ausstattung zusammenstellen, mit der die Jugendlichen nicht nur beeindruckende Beobachtungen erleben, sondern auch eigene astronomische Erfahrungen sammeln können.

Eure Hinweise sind dafür wirklich wertvoll. Vielen Dank für die konstruktive Diskussion!

Wir haben zum Glück einen Händler vor Ort, eventuell kann ich mit ihm vereinbaren, dass wir einige Modelle bei ihm zummKauf "antesten".

Der auf der letzten ATT für interessierte Besucher aufgestellte Heliostar 76 hatte ein Okular mit eher geringer Brennweite, ich hatte nicht auf die genaue Brennweite geachtet, aber ich hatte mir damals schon gedacht, dass man mit der eher klein abgebildeten Sonne mögliche Probleme mit einem nicht ganz homogenen Gesichtsfeld "kaschieren" kann...

CS
Stephan
 
Hmmm, Härtetest fürs Etalon ist Abbildung der gesamten Sonnenscheibe. Ist also nicht gesagt, dass die was kaschieren wollten. Gibt ja auch laut Forenberichten 76er Heliostars, die spitze und homogen abbilden. Evtl. wollten die nur ganz sichergehen, dass schlechtes Seeing nicht zu einer wabernden Sonne führt. Scheint wohl Glückssache zu sein, was man an Etalon-Qualität erwischt.

Das mit dem Händler klingt klasse. Vielleicht kannst Du ja wirklich das 76er Heliostar mit dem Lunt LS60MT enhanced Kit vergleichen, das ist ungefähr gleiche Preisklasse. Sofern halt beide auf Lager sind. Von den alten Lunt-Etalons im Singlestack würde ich die Finger lassen, auch zum Abverkaufspreis, denn die neuen 0.45er sind da schon was anderes.

Probleme mit Inhomogenität hatte ich bei Pressure-Tunern bislang noch nicht. Allerdings bin ich nur visuell unterwegs, also ist diese Aussage durchaus mit Vorsicht zu genießen.

Viel Erfolg bei Deinem Projekt!

VG, Andreas
 
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