Hα / Ca II K Sonne mit Dopplergramm aus dem Spektrografen

Schmelzing

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

heute hatte ich das Glück etwa 1,5 Stunden Sonnenschein zwischen Wolkenlücken bei überwiegend bewölktem Himmel und schlechterem Seeing nutzen zu dürfen. Diese Bedingungen hätten mich in der Regel nicht gereizt, wenn ich nicht bereits sehnsüchtig auf eine erste Einsatzmöglichkeit meines neu erstandenen Spektroheliografen, den SHG-700 von MLAstro, gewartet hätte. Dafür mussten die kleineren Wolkenlücken heute Vormittag ausreichen. Ich präsentiere hier meine allerersten Bilder aus dem SHG.

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Die Scans wurden mit einem Takahashi FS-78 und einer ASI 678MM auf einer (nicht eingenordeten) Vixen GP Montierung aufgenommen. Leider hatte ich mit meiner Gartensäule mit Vixen SX2 keine freie Sicht und musste somit im Vorgarten improvisieren. Die Einzelbilder stammen direkt aus der Software JSOLEX, ohne weitere Bearbeitung. Lediglich die Beobachtungsdaten habe ich als Text eingefügt. Für den ersten Einsatz des SHG ohne Vorerfahrung und bei suboptimalen Wetterbedingungen sind die unbearbeiteten Einzelbilder m.E. vielversprechend. Beim nächsten Mal habe ich hoffentlich mehr Zeit den Fokus (bei der Kalziumlinie) besser einzustellen und dann auch mehr Scans für einen Stack anzufertigen.

Liebe Grüße

Stephan
 
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Hallo,

Ein interessantes Projekt.
Mit welcher Software wird die gesamte Sonne aus den Scans erstellt? Mit welcher Software werden die Scans der Sonne aufgenommen und mit welcher Geschwindigkeit wird die Montierung verfahren?

Viele Grüße
Gerd
 
Hallo zusammen,
Hallo Gerd,

ich starte gerade in das Projekt und gestern waren es die ersten Schritte.

Zunächst muss der SHG fokussiert werden, d.h. nach Wechsel auf die gewünschte Wellenlänge mit einem Mikrometer muss 1. der Kamerasensor fokussiert werden, 2. die Kollimatorlinse fokussiert werden und 3. der Spalt muss im Fokus des Teleskops liegen. Für 1. und 2. sind ebenfalls Mikrometer verbaut, das funktioniert ganz gut. Damit ist bei der chromatischen Aberration der verbauten Linsen /Teleskopobjektiv gewährleistet, dass jede gewünschte Wellenlänge auch mit allen Bauteilen fokussiert werden kann.

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Zur Aufnahme verwende ich SHARPCAP. Dabei benötigt man bestenfalls eine Kamera, welche eine benutzerdefinierte ROI ermöglicht, so dass das Sensorfeld (wie ein Spalt) möglichst schmal nur die gewünschte Spektrallinie abbildet. Auf dem untenstehendem Bild hatte ich fokussiert und den vollen Sensor dafür genutzt, jetzt muss im nächsten Schritt das ROI so eingestellt werden, dass man nur die Spektrallinie einfängt. Der Sinn dahinter liegt darin, dass man mit einer minimal kleinen ROI die Maximale Framerate der Kamera erreichen kann.

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Fur die Berechnung der Schwenkgeschwindigkeit der Montierung kann die Software JSOLEX genutzt werden. Man muss hier nur die entsprechenden Daten seiner Ausrüstung hinterlegen. Die Software kann dann aber auch beim Einlesen der *.ser Videos von Sharpcap korrigieren, wenn die Framerate und Scangeschwindigkeit nicht ganz passt. Das war bei mir gestern der Fall, da ich bei den vorgegebenen Werten sonst zu stark in der Überbelichtung gewesen wäre.

JSOLEX kann die Wellenlänge erkennen und aus dem Video dann die Aufnahme rekonstruieren. Für Dopplerbilder werden dann z.B. 5 Pixel oberhalb (Blauverschiebung) und fünf Pixel unterhalb der Wellenlänge (Rotverschiebung) mit abgetastet und diese erscheinen dann in der Ausgabe des Dopplerbildes (siehe oben) als blaue/und rote Felder. Phänomene wie Ellerman Bomben zeigen sich zum Beispiel als vertikal durchgehende Emission im Spektrum. Auch die Rot-/Blauverschiebung von Filamenten und Protuberanzen in Halpha Abbildungen werden so erkannt.

JSOLEX wirft dann unbearbeitete wie auch bearbeitete Bilder aus. Das lässt sich je nach Bedarf vorher festlegen. Es laufen dafür Skripte im Hintergrund. Stacking ist wohl auch möglich. Alle sichtbaren Phänomene auf der Sonnenscheibe können angeklickt werden und dabei wird dann der/die entsprechende Frame/s aus dem Scanvideo der Absorptionslinie angezeigt, aus denen das dargestellte Phänomen rekonstruiert wird. Klickt man z.B. auf einen Sonnenfleck auf der Photosphare, so zeigt sich in den Frames des Videos, dass sich hier in allen videografieren Spektralinien eine vertikale Absorption befindet. JSOLEX bechriftet die aktiven Regionen und bietet Vergleichsbilder vom GONG Netzwerk.
Es sind auch Bilder der Sonne in Emissionslinien wie der Helium (D3) Linie möglich. Heute sah ich ein Video, dass sogar die Corona bei einer Vielzahl von Stacks visualisiert werden kann!

JSOLEX kann den Ordner, in dem SHARPCAP die Videos ablegt, in Echtzeit überwachen, so dass man nach dem Scan direkt ein Bild auf dem Monitor hat. Ein einzelner Sonnenscan dauert so etwa 1 Minute bis zur Visualisierung. Man kann die Sonne auch nur über den Spalt durchlaufen lassen.

CS Stephan
 
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