Halsmuskeltraining für Zenit-Beobachtung???

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Re: Miyauchi bei Tag und Nacht

Hi zusammen, mal eine Frage zu dem 'Nacken'-Thema bei Binokularen ....

Warum könnte man nicht einfach einen hochwertigen Spiegel vorne vor die Objektive plazieren und über diesen einen angenehmen Blickwinkel zur Beobachtung von Objekten höherer Deklination herstellen. (ernstgemeint)

Was spräche dagegen ?

Da ich mir auch grade ein TS 20x80 bestellt habe, kommen fraglos solche Ideen hoch.

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
 
So etwas gibt's unter dem Namen „Skywindow”

Eine solche Vorrichtung mit schwenkbarem Oberflächenspiegel gibt es hier:

http://www.tricomachine.com/skywindow/

Es empfiehlt sich, auf jeden Falls das sog. Spiegel-Upgrade (Oberflächenspiegel höherer Qualität, wie für Ferngläser stärkerer Vergrößerung mötig) für 35$ oder gar für 70$ mitzubestellen, weil es nachträglich nicht zu bekommen ist. Die Sache ist nicht billig. Man kann natürlich auch selbst so etwas bauen. Wer dafür einen geeigneten Oberflächenspiegel hoher Qualität sucht, dem kann ich evtl. helfen.

Das Problem bei so einer Lösung ist, daß die Vergrößerung im Strahlengang HINTER dem Spiegel erfolgt, also alle optischen Mängel des Spiegels mit vergrößert werden. Bei Verwendung eines sehr guten Fernglases ist dann eine Oberflächenqualität (Wellenfrontdeformation) ähnlich wie bei einem Fangspiegel eines hochwertigen Newton-Teleskops nötig!

Walter E. Schön
 
Re: So etwas gibt's unter dem Namen „Skywindow”

Hallo Walter,
lohnt es, evtl einen Selbstbau mit einem Spiegel aus einer Reprokamera zu versuchen? Ich habe zwei solche Dinger( dick, schwer und oberfächenverspiegelt), die von der Größe her passen würden.
Die optische Qualität sollte für mein Tento 20x60 eigentlich reichen...

Freundliche Grüße
Rainer
 
Re: So etwas gibt's unter dem Namen &#8222;Skywindow&#8221;

Hallo Walter, nun bin ich neugierig geworden! Gibt es deutsche Anbieter oder hast du eine inländische "Quelle" für einen solchen Spiegel (...passend für Fujinon 16x70). Ein Gestell kann ich mir selbst fertigen. Und hast du schon mal die Spiegel-Lösung selbst erprobt/getestet?
Gruß Jochen, der dieses Fass aufgemacht hat...
 
Erst „versuchen”, dann bauen

Ja, es ist denkbar, daß die Oberflächenqualität reicht, aber sicher ist es nicht. Denn selbst wenn es sich um eine hochwertige Reprokamera gehandelt hat, so wurde dort doch nicht das Bild hinter dem Spiegel noch 20fach nachvergrößert. Ich empfehle daher folgenden einfaches Test, bevor viele Stunden Arbeitszeit in ein möglicherweise dann doch nicht lohnendes Unternehmen inverstiert werden:

In einer sternklaren Nacht Spiegel mit der spiegelnden Seite nach oben auf einen Tisch im Freien legen, z.B. im Garten oder auf dem Balkon, nicht am Fensterbrett, weil dort wegen des großen Temperaturunterschieds zwischen drinnen und draußen erhebliche Luftschlieren ein waberndes Bild erzeugen und die Qualitätsbeurzeilung unmöglich machen. Fernglas direkt vor dem Tisch auf einem Stativ so montieren, daß man durchs Fernglas unter einem Winkel von 45° (oder auch ein bißchen steiler) auf den Spiegel schauen und darin die Spiegelbilder der Sterne sehen kann. Scharfstellen und prüfen, ob schöne punktförmige Sterne zu sehen sind. Wenn ja, dann lohnt sich der Selbstbau. Wenn nicht, dann in meinen nächsten Beitrag schauen, den ich gleich anschließend schreiben werde.

Walter E. Schön
 
Hier gibt's passende hochwertige Spiegel (125$)

Bei der Firma Surplus Shed, bei der ich in der Vergangenheit schon einige Optikteile wie z.B. diverse Prismen und auch Oberflächenspiegel gekauft habe, ist unter dieser Adresse

http://www.surplusshed.com/pages/item/l2183.html

ein hochwertiger Zerodurspiegel für 125 US-$ in einer auch für große Binos ausreichenden Größe (ca. 10 cm x 23 cm) mit einer angeblichen Oberflächenqualität um Lambda/20 zu bekommen. Wenn der Spiegel auch nur annähernd diese Qualität hat, ist dieser Preis zuzüglich Versandkosten, Zoll und MwSt. (Versandkosten dürften bei ca. 40 $ liegen, Zoll ist 4,2% vom Warenwert plus Versandkosten, und auf die Summe kommt dann noch 16% MwSt.) geradezu spottbillig. Da das Material Zerodur ist, handelt es sich garantiert um einen guten Spiegel, denn aus Zerodur würde niemand einen schlechten Spiegel produzieren. Deshalb würde ich diesen Spiegel bedenkenlos kaufen (ich tu's nicht, weil ich schon drei hochwertige Planspiegel geringsfügig kleineren Formats habe). Daß er mit ca. 25 mm ziemlich dick ist, kann unter optischen Gesichtspunkten nur von Vorteil sein und wäre wohl auch nötig, wenn die Qualität bei Lambda/20 liegen soll (selbst minimales Durchbiegen macht diese Qualität zunichte). Daß er wegen der Größe und Dicke sicher auch recht schwer ist, ist unter dem Gesichtspunkt der Mobilität vielleicht nicht ideal – aber in Verbindung mit einem großen und daher ebenfalls schweren Bino wie z.B. 16x70 bis 20x80 ist das akzeptierbar.

Bei einem Objektivduchmesser bis ca. 70 mm reicht dieser Spiegel noch für einen Einblickwinkel von 45°, wenn er dicht vor den Objektiven angeordnet wird. Bei größeren Objektiven sollte der Einblickwinkel steiler sein, um die Vignettierung am oberen und unteren Objektivrand gering zu halten.

Ich wünsche Erfolg beim Bau eines „Skywindows” und würde später gern mal hier lesen, wie sich dieses „Fenster zum Himmel” bewährt.

Walter E. Schön
 
Re: Hier gibt's passende hochwertige Spiegel (125$

hey, danke ... sehr kompetente beiträge !

thx, also gibts sowas in der art. wenn auch die einwände berechtigt sein werden. vorteil wären aber u.a. die nicht vorhandenen transmissionsverluste im vergleich zu prismenlösungen.



 
Re: Erst &#8222;versuchen&#8221;, dann bauen

Hallo Walter,

ein wenig rumexperimentieren lohnt sich auf alle Fälle! Aus Altgeräten hob ich schon so manches Teil aus. Da waren sehr gute Spiegel dabei, die ich sogar als Zenitprisma verwendete. Weniger gute Spiegel hatten bei hoher Vergrößerung zwar Astigmatismus aber für niedrige Vergrößerung wären sie durchaus zu gebrauchen. Aus "Optikschrott" läßt sich also durchaus noch etwas brauchbares Astronomisches herstellen.

Vom *idealen* Bino hat jeder seine eigene Ansichten. Auch ich, deshalb bastelte ich es mir selbst zusammen:
Link zur Grafik: http://www.zellix.de/bino2.jpg
Mittlerweile ist es ganz normal für mich, dass bei der astronomischen Feldstecherbeobachtung (50mm Öffnung) folgendes möglich ist:
  • 90°-Einblick bei aufrechtem und seitenrichtigem Bild
  • Sterne als "Nadelpunkte" - da schnell und einfach auf Stativ montiert
  • bequemes Beobachten - sitzend!
  • wirksame Taukappe
  • Vergrößerung 7-20fach
  • Beobachtung auch mit Nebelfilter (z.B. UHC) möglich
wie ihr seht, bin ich mittlerweile ganz schön verwöhnt. Aber genau so macht es mir eben immer wieder richtig Spaß - und alles ohne Halsmuskeltraining!

Gruß, Nirosta
www.zellix.de
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben