BirgitKremer
Aktives Mitglied
Beobachtungsbericht vom 3.3.2003 mit
Sir William Herschel alias Skywatcher 200/1000 mm mit 8 x 50 Sucher auf EQ 5 und Hartholzstativ und
Karolinchen Herschel geb. Vixen 130/720 mm auf GP
Standort: Marbella / Suedspanien
Uhrzeit: 21h30 bis 2h15 mit Unterbrechungen
Liebe Sternenfreunde!
Was fuer ein wunderschoener Fruehlingstag gestern, der sich mit einem herrlichen Abendrot in den schoensten Rot- und Gelbtoenen verabschiedete! Zusammen mit meinem lieben Besuch, Marita und Jochen, konnten wir uns kaum an den warmen Farbtoenen sattsehen, unterdes im Garten noch eine aufgeregte Vogelschar zwischternd nach Material fuer Nester suchte oder ganz einfach mit diesem Konzert seiner Freude Ausdruck verleihen wollte. Beschwingt sahen und hoerten wir der Natur zu, wie sie sich nach und nach fuer die Nacht vorbereitete. Ein aufgeregt flatterndes Fledermauspaerchen kuendigte an, dass nun seine Stunde des Tages gekommen sei. Und unsere auch: wir konnten´s kaum abwarten, Sterne zu gucken!!!
Doch ein Wermutstroepfchen truebte unser Glueck: diese verflixten Hochwolken! Und anstatt sich in Wohlgefallen aufzuloesen, wurden sie immer dichter. Bei Einbruch der Dunkelheit waberte dann tatsaechlich nur Jupiter so gerade durch sie hindurch. Und nach ner Stunde sah´s nicht besser aus ... Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Jochen und ich guckten uns an, rutschten unruhig auf der Wohnzimmercouch hin und her, und Marita, die sich ja selbst nicht sooo sehr fuer´s Sternegucken begeistern kann, bekam Mitleid mit uns.
Auf Jupiter stand kein Mondschauspiel und auch kein GRF-Durchgang an, aber irgendwas himmlisches wollten wir sehen, also stellten wir Karolinchen nach draussen und peilten den Planeten an! Genial! Diese Hochwolken sorgen ja fuer das allerruhigste Seeing! Oha, da waren ja auch wenigsten die drei Orionguertelsterne zu erkennen! Eine ganze Weile ergoetzten wir uns an sigma Ori! Wie man sich ueber ein Dreifachsystem - die vierte Komponente wollte einfach nicht fallen - freuen kann, wenn man in dickster Suppe steht! Aber nein! Da war ja auch ein Teil Aurigas frei! Mensch klasse! Immerhin ist epsilon Aur mit ca. 3400 Lichtjahren der weit entfernteste Stern, den man mit blossem Auge sehen kann! Waehrend wir uns noch diebisch ueber epsilon Aur freuten und uns halbkaputtlachten, mit wie wenig wir uns doch zufriedengeben musste, wurden ploetzlich mehr und mehr Sterne sichtbar!
"Das wird!!! Das wird!", rief Jochen ganz begeistert und schleppte Sir William noch mitten im dicksten NAN nach draussen! Er behielt recht!!! Was fuer eine Nacht! An dieser Stelle gebe mal ab an Jochen, denn gemeinsam wollen wir in diesem Bericht erzaehlen, wie sehr wir gestern Nacht hier geschwelgt haben!
Sir William durfte die Bühne betreten, nach dem ich (Jochen) mit dem 10x50 Minolta Feldstecher Olé die Andromeda-Galaxie nur wenige Grad über den nordwestlichen Bergketten aus dem eigentlich nicht vorhandenen Dunst geholt hatte. Da aus dieser Richtung die Wolken bis dahin herangeströmt waren, musste der Nachschub offenbar nachlassen.
Sir William hat mit seiner etwas störrischen aber robusten Fockelpinne das Privileg der Okularwahl aus dem LVW-Koffer. Wir begnügten uns fast ausschließlich mit dem 13 Millimeter Okular, dass an vielen Stellen noch einen Rest Hintergrundhelligkeit zeigte, und dem 8 Millimeter Okular. In Einzelfällen wurde noch das 5 mm LVW konsultiert. Die längeren Brennweiten (17 und 22) gingen unterdes zum Arbeitsamt. Der 9x50 Synta-Sucher hat immer wieder großes Lob verdient, weil die Positionierung auf ein Feld von 30 Bogenminuten stets treffsicher möglich war und die Sterne aus dem Sky Atlas Deluxe und den Aufsuchkarten des Karkoschka alle gut erkennbar waren.
Als hartnäckiger Verweigerer im Karkoschka war mir bisher NGC 1023 entwischt. Todesmutig stürzte sich der Perseus schon dem Nordwesthorizont entgegen. Eile war geboten. Nun, wir haben die Funzel gefunden. Birgit hat die Sichtung unabhängig bestätigt. Haken dran und auf bessere Sicht hoffen.
Von Nordwesten kam also Besserung und dort war jetzt von Auriga auch mehr zu sehen. Noch im Feldstecher war Kembles Kaskade zu entdecken. Für mich ein Neuling, über den ich im heiligen Stoyan schon viel gelesen hatte. Auffällig im Feldstecher war eine kleine Verdichtung von vier Sternen auf dem Weg von alpha Persei zur Kaskade. Der Sky Atlas zeigte an besagter Stelle den Sternhaufen Stock 23. Dieser war dann der Auftakt für viele Non-Messier-Haufen, die folgen sollten. Im Teleskop wird Stock 23 nicht viel reicher an Sternen. Insgesamt sind es etwa 10 Sternlein. Am spannendsten also im Feldstecher zu erspechteln.
Der Sky Atlas war auf Blatt 5 geöffnet und blieb dort eine ganze Weile. Von NGC 1664 hatte der Rohrspecht geschwärmt. Für einen 8-zöller ein Paradeobjekt, dessen hellere Vertreter wohl noch 12m erreichen. Insgesamt ein mittlerer Sternenreichtum mit schöner Anordnung. Noch im heiligen Karkoschka verzeichnet ist NGC 2281. Der Stoyan hilft mir hier jetzt auf die Sprünge: Offenbar steckt hier der schöne Salmi mit den zwei Doppelsternen, den wir beobachten konnten. Birgit klebte gebannt am Okular. Dieser Haufen wird uns noch wiedersehen.
Collinder 62 zeigte keine nennenswerte Haufenstruktur - oder der Beobachter war zu blind. Ein Stück weiter soll NGC 1857 zu finden sein. Er zeigte sich zunächst bockig. Mit dem LVW 8 und einer optimalen Abschirmung des Auges gegen Streulicht ging es dann doch. Vor einem deutlichen Schimmer nicht aufgelöster Sterne kamen einzelne Lichtpunkte hervor. Hier muss der zukünftige 12,5 Zöller der ASS mal genauer gucken gehen. Sicherlich ein schönes Objekt für noch größere Öffnungen.
NGC 1907 ist der nahe Begleiter von M38. Nach einigen Irrungen beim Aufsuchen - M36 konnte leicht gefunden werden - überbrückte ein sanftes Kurbeln der Deklinationsachse die Lücke zwischen den ungleichen Gesellen. Im Gegensatz zur Begleitung von M35 in den Zwillingen, gibt NGC 1907 aber viel leichter Einzelsterne preis. Ein schöner, kompakter Sternhaufen.
Auch der Großinquisition bisher entronnen war NGC 1931. Ohne Birgits Aufsuchhilfe wäre ich wieder vorbeispaziert. Im 8-Zöller steht der Nebel um einige schwächere Sterne herum. Das Gebilde ist kompakt genug, um im LVW-13 mit UHC letztlich sehr gut aufzufallen. Beim letzen Auriga-Haufen für den Abend, NGC 1893, war der Filter noch dringeblieben. Der hier allgegenwärtige Nebel (IC 410) waberte um die Sternlein herum. Ohne Filter wurden es ein paar mehr. Insgesamt aber eher unscheinbar.
Der UHC brachte mich auf den Appetit. Die Große Bärin stand jetzt nach Mitternacht günstigst. M97 war das Ziel der Begierde. Birgit war auch hartnäckig auf Jagd nach Jupiters Geist. Der Vergleich der Objekte lag also nahe. M97 war der klare Gewinner, auch mit dem schwindelerregenden Schwenk von Sir William von einem Objekt zum anderen. Wo ist denn M108? Soll in der Nähe sein! Eine eindeutige Sichtung ist möglich, wobei eine ganz erkleckliche Ausdehnung erreicht wird. M109 am Vorderrad ist schwieriger. Den hellen Kern umgibt ein sehr schwaches diffuses Scheibchen.
Noch besser stand inzwischen die M81 Gruppe. M81 sah im LVW 13 optimal aus. Bei M82 brachte der Okularwechsel zum LVW 8 den Rausch der Emotionen. Birgit und ich hatten diese wunderbare Galaxie noch nie so strukturreich beobachten können. NGC 3077 ging auch noch, NGC 2976 nicht. Gerne hätte ich noch zu NGC 2403 in die Giraffe geschwenkt, woran mit aber die Stativbeine hinderten. Schade, Dobsonauten sind doch im Vorteil.
Weiter im Süden zeigte Sir William seine Stärken noch bei NGC 2903 mit Andeutungen von Strukturen. Die Spindel in Sextans war schön länglich, mehr nicht. Die ASS hat halt nach Norden viel weniger Streulicht. Jupiters Geist und der Eskimo beendeten den Reigen. Wie Birgit den Abend erlebt hat, kommt jetzt wieder in ihren eigenen Worten.
Wisst Ihr, WIE deprimierend es sein kann, wenn der Mitspechtler ruft: "Ah, diese Aufsuchroute ist ja ganz einfach!" Oder "Yeah, ueberhaupt kein Problem, da haben wir doch schon den markanten hellen Stern! Jetzt noch 2º oestlich ueber einen DS und schon sind wir im Sternhaufen!" ;*) Wenn er dazu noch den Sky Atlas ohne Sternbildlinien versteht, waehrend man selber anderthalb Stunden gen Himmel Richtung Hydra starrt und nichtmal dieses Sternbild nachvollziehen kann, geschweige denn die Aufsuchsterne fuer Jupiters Geist oder gar die Spindelgalaxie findet... ! Doch wozu gibt´s eigentlich Grossinquisitoren, die die allerbeste Beziehung zum heiligen Karkoschka haben? Richtig! Um sie zu nerven. Und waehrend Jochen also in den Aurigahaufen rumturnte, saegte und saegte ich immer wieder "Joooooochen .....!!! Guck doch mal bitte!!!" "Jooooochen!!! Ich seh diese Sternenkette einfach nicht!" Der Grossinquisitor stand hinter mir und fuhr mit meinem Zeigefinger den Himmel ab .... ahaaaa .... jaaaaa, da blitzelte doch in der Tat ein Sternchen, das ich bisher uebersehen hatte!
Karolinchen drehte sich auf ihrer GP um die eigene Achse und ich tanzte um sie herum, als ich eeeendlich Jupiters Geist NGC 3242 im Okular hatte! Ein wundervoller, heller, grosser PN, der allerdings gestern nicht so auffaellig gruen strahlte wie vor ein paar Naechten. Mit weiblicher Logik machten Karolinchen und ich uns dann auf die Suche nach lambda Hya, denn von dort aus sollten wir den Sprung zur Spindelgalaxie NGC 3115 schaffen. Von Anfang an stimmte alles mit dem Stoyan ueberein, der uns ueber zwei Doppelsysteme direkt in die Arme der Galaxie trieb! Das ist noch viel schoener, als auf Anhieb rueckwaerts einparken zu koennen!!! Allerdings sind Galaxien definitiv Chefsache auf der ASS, denn Sir William hob dann doch sehr viel deutlicher den hellen Kern und die Form hervor.
NGC 2903 hatte ich ja auch noch nie eigenstaendig gefunden! Aber Jochen erklaerte mir, dass der von mir angepeilte Stern tatsaechlich das Mehrfachsystem epsilon Leo war. Sone Bestaetigung laesst einen dann ja frohgemut weitermachen mit der Suche und jaaaaa, da war ein heller Lichtknoten. Was fuer eine Emotion!!! Jochen und ich fielen uns in die Arme, ich aus Begeisterung ueber meine Funde und Jochen wohl eher aus Erleichterung darueber, dass auch dieses unbegnadete Bedienpersonal der ASS mal nen Treffer landet!
))))))))
Das Hochdruckgebiet hält sich noch. Wir brauchen die Siesta für weitere Abenteuer auf der Herschelterrasse! Auch andernorts gönnen wir Euch natürlich eine klare Neumondnacht.
Doña Brigida de Villa Flor
Don Jochen de Toledobüttel
Sir William Herschel alias Skywatcher 200/1000 mm mit 8 x 50 Sucher auf EQ 5 und Hartholzstativ und
Karolinchen Herschel geb. Vixen 130/720 mm auf GP
Standort: Marbella / Suedspanien
Uhrzeit: 21h30 bis 2h15 mit Unterbrechungen
Liebe Sternenfreunde!
Was fuer ein wunderschoener Fruehlingstag gestern, der sich mit einem herrlichen Abendrot in den schoensten Rot- und Gelbtoenen verabschiedete! Zusammen mit meinem lieben Besuch, Marita und Jochen, konnten wir uns kaum an den warmen Farbtoenen sattsehen, unterdes im Garten noch eine aufgeregte Vogelschar zwischternd nach Material fuer Nester suchte oder ganz einfach mit diesem Konzert seiner Freude Ausdruck verleihen wollte. Beschwingt sahen und hoerten wir der Natur zu, wie sie sich nach und nach fuer die Nacht vorbereitete. Ein aufgeregt flatterndes Fledermauspaerchen kuendigte an, dass nun seine Stunde des Tages gekommen sei. Und unsere auch: wir konnten´s kaum abwarten, Sterne zu gucken!!!
Doch ein Wermutstroepfchen truebte unser Glueck: diese verflixten Hochwolken! Und anstatt sich in Wohlgefallen aufzuloesen, wurden sie immer dichter. Bei Einbruch der Dunkelheit waberte dann tatsaechlich nur Jupiter so gerade durch sie hindurch. Und nach ner Stunde sah´s nicht besser aus ... Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Jochen und ich guckten uns an, rutschten unruhig auf der Wohnzimmercouch hin und her, und Marita, die sich ja selbst nicht sooo sehr fuer´s Sternegucken begeistern kann, bekam Mitleid mit uns.
Auf Jupiter stand kein Mondschauspiel und auch kein GRF-Durchgang an, aber irgendwas himmlisches wollten wir sehen, also stellten wir Karolinchen nach draussen und peilten den Planeten an! Genial! Diese Hochwolken sorgen ja fuer das allerruhigste Seeing! Oha, da waren ja auch wenigsten die drei Orionguertelsterne zu erkennen! Eine ganze Weile ergoetzten wir uns an sigma Ori! Wie man sich ueber ein Dreifachsystem - die vierte Komponente wollte einfach nicht fallen - freuen kann, wenn man in dickster Suppe steht! Aber nein! Da war ja auch ein Teil Aurigas frei! Mensch klasse! Immerhin ist epsilon Aur mit ca. 3400 Lichtjahren der weit entfernteste Stern, den man mit blossem Auge sehen kann! Waehrend wir uns noch diebisch ueber epsilon Aur freuten und uns halbkaputtlachten, mit wie wenig wir uns doch zufriedengeben musste, wurden ploetzlich mehr und mehr Sterne sichtbar!
"Das wird!!! Das wird!", rief Jochen ganz begeistert und schleppte Sir William noch mitten im dicksten NAN nach draussen! Er behielt recht!!! Was fuer eine Nacht! An dieser Stelle gebe mal ab an Jochen, denn gemeinsam wollen wir in diesem Bericht erzaehlen, wie sehr wir gestern Nacht hier geschwelgt haben!
Sir William durfte die Bühne betreten, nach dem ich (Jochen) mit dem 10x50 Minolta Feldstecher Olé die Andromeda-Galaxie nur wenige Grad über den nordwestlichen Bergketten aus dem eigentlich nicht vorhandenen Dunst geholt hatte. Da aus dieser Richtung die Wolken bis dahin herangeströmt waren, musste der Nachschub offenbar nachlassen.
Sir William hat mit seiner etwas störrischen aber robusten Fockelpinne das Privileg der Okularwahl aus dem LVW-Koffer. Wir begnügten uns fast ausschließlich mit dem 13 Millimeter Okular, dass an vielen Stellen noch einen Rest Hintergrundhelligkeit zeigte, und dem 8 Millimeter Okular. In Einzelfällen wurde noch das 5 mm LVW konsultiert. Die längeren Brennweiten (17 und 22) gingen unterdes zum Arbeitsamt. Der 9x50 Synta-Sucher hat immer wieder großes Lob verdient, weil die Positionierung auf ein Feld von 30 Bogenminuten stets treffsicher möglich war und die Sterne aus dem Sky Atlas Deluxe und den Aufsuchkarten des Karkoschka alle gut erkennbar waren.
Als hartnäckiger Verweigerer im Karkoschka war mir bisher NGC 1023 entwischt. Todesmutig stürzte sich der Perseus schon dem Nordwesthorizont entgegen. Eile war geboten. Nun, wir haben die Funzel gefunden. Birgit hat die Sichtung unabhängig bestätigt. Haken dran und auf bessere Sicht hoffen.
Von Nordwesten kam also Besserung und dort war jetzt von Auriga auch mehr zu sehen. Noch im Feldstecher war Kembles Kaskade zu entdecken. Für mich ein Neuling, über den ich im heiligen Stoyan schon viel gelesen hatte. Auffällig im Feldstecher war eine kleine Verdichtung von vier Sternen auf dem Weg von alpha Persei zur Kaskade. Der Sky Atlas zeigte an besagter Stelle den Sternhaufen Stock 23. Dieser war dann der Auftakt für viele Non-Messier-Haufen, die folgen sollten. Im Teleskop wird Stock 23 nicht viel reicher an Sternen. Insgesamt sind es etwa 10 Sternlein. Am spannendsten also im Feldstecher zu erspechteln.
Der Sky Atlas war auf Blatt 5 geöffnet und blieb dort eine ganze Weile. Von NGC 1664 hatte der Rohrspecht geschwärmt. Für einen 8-zöller ein Paradeobjekt, dessen hellere Vertreter wohl noch 12m erreichen. Insgesamt ein mittlerer Sternenreichtum mit schöner Anordnung. Noch im heiligen Karkoschka verzeichnet ist NGC 2281. Der Stoyan hilft mir hier jetzt auf die Sprünge: Offenbar steckt hier der schöne Salmi mit den zwei Doppelsternen, den wir beobachten konnten. Birgit klebte gebannt am Okular. Dieser Haufen wird uns noch wiedersehen.
Collinder 62 zeigte keine nennenswerte Haufenstruktur - oder der Beobachter war zu blind. Ein Stück weiter soll NGC 1857 zu finden sein. Er zeigte sich zunächst bockig. Mit dem LVW 8 und einer optimalen Abschirmung des Auges gegen Streulicht ging es dann doch. Vor einem deutlichen Schimmer nicht aufgelöster Sterne kamen einzelne Lichtpunkte hervor. Hier muss der zukünftige 12,5 Zöller der ASS mal genauer gucken gehen. Sicherlich ein schönes Objekt für noch größere Öffnungen.
NGC 1907 ist der nahe Begleiter von M38. Nach einigen Irrungen beim Aufsuchen - M36 konnte leicht gefunden werden - überbrückte ein sanftes Kurbeln der Deklinationsachse die Lücke zwischen den ungleichen Gesellen. Im Gegensatz zur Begleitung von M35 in den Zwillingen, gibt NGC 1907 aber viel leichter Einzelsterne preis. Ein schöner, kompakter Sternhaufen.
Auch der Großinquisition bisher entronnen war NGC 1931. Ohne Birgits Aufsuchhilfe wäre ich wieder vorbeispaziert. Im 8-Zöller steht der Nebel um einige schwächere Sterne herum. Das Gebilde ist kompakt genug, um im LVW-13 mit UHC letztlich sehr gut aufzufallen. Beim letzen Auriga-Haufen für den Abend, NGC 1893, war der Filter noch dringeblieben. Der hier allgegenwärtige Nebel (IC 410) waberte um die Sternlein herum. Ohne Filter wurden es ein paar mehr. Insgesamt aber eher unscheinbar.
Der UHC brachte mich auf den Appetit. Die Große Bärin stand jetzt nach Mitternacht günstigst. M97 war das Ziel der Begierde. Birgit war auch hartnäckig auf Jagd nach Jupiters Geist. Der Vergleich der Objekte lag also nahe. M97 war der klare Gewinner, auch mit dem schwindelerregenden Schwenk von Sir William von einem Objekt zum anderen. Wo ist denn M108? Soll in der Nähe sein! Eine eindeutige Sichtung ist möglich, wobei eine ganz erkleckliche Ausdehnung erreicht wird. M109 am Vorderrad ist schwieriger. Den hellen Kern umgibt ein sehr schwaches diffuses Scheibchen.
Noch besser stand inzwischen die M81 Gruppe. M81 sah im LVW 13 optimal aus. Bei M82 brachte der Okularwechsel zum LVW 8 den Rausch der Emotionen. Birgit und ich hatten diese wunderbare Galaxie noch nie so strukturreich beobachten können. NGC 3077 ging auch noch, NGC 2976 nicht. Gerne hätte ich noch zu NGC 2403 in die Giraffe geschwenkt, woran mit aber die Stativbeine hinderten. Schade, Dobsonauten sind doch im Vorteil.
Weiter im Süden zeigte Sir William seine Stärken noch bei NGC 2903 mit Andeutungen von Strukturen. Die Spindel in Sextans war schön länglich, mehr nicht. Die ASS hat halt nach Norden viel weniger Streulicht. Jupiters Geist und der Eskimo beendeten den Reigen. Wie Birgit den Abend erlebt hat, kommt jetzt wieder in ihren eigenen Worten.
Wisst Ihr, WIE deprimierend es sein kann, wenn der Mitspechtler ruft: "Ah, diese Aufsuchroute ist ja ganz einfach!" Oder "Yeah, ueberhaupt kein Problem, da haben wir doch schon den markanten hellen Stern! Jetzt noch 2º oestlich ueber einen DS und schon sind wir im Sternhaufen!" ;*) Wenn er dazu noch den Sky Atlas ohne Sternbildlinien versteht, waehrend man selber anderthalb Stunden gen Himmel Richtung Hydra starrt und nichtmal dieses Sternbild nachvollziehen kann, geschweige denn die Aufsuchsterne fuer Jupiters Geist oder gar die Spindelgalaxie findet... ! Doch wozu gibt´s eigentlich Grossinquisitoren, die die allerbeste Beziehung zum heiligen Karkoschka haben? Richtig! Um sie zu nerven. Und waehrend Jochen also in den Aurigahaufen rumturnte, saegte und saegte ich immer wieder "Joooooochen .....!!! Guck doch mal bitte!!!" "Jooooochen!!! Ich seh diese Sternenkette einfach nicht!" Der Grossinquisitor stand hinter mir und fuhr mit meinem Zeigefinger den Himmel ab .... ahaaaa .... jaaaaa, da blitzelte doch in der Tat ein Sternchen, das ich bisher uebersehen hatte!
Karolinchen drehte sich auf ihrer GP um die eigene Achse und ich tanzte um sie herum, als ich eeeendlich Jupiters Geist NGC 3242 im Okular hatte! Ein wundervoller, heller, grosser PN, der allerdings gestern nicht so auffaellig gruen strahlte wie vor ein paar Naechten. Mit weiblicher Logik machten Karolinchen und ich uns dann auf die Suche nach lambda Hya, denn von dort aus sollten wir den Sprung zur Spindelgalaxie NGC 3115 schaffen. Von Anfang an stimmte alles mit dem Stoyan ueberein, der uns ueber zwei Doppelsysteme direkt in die Arme der Galaxie trieb! Das ist noch viel schoener, als auf Anhieb rueckwaerts einparken zu koennen!!! Allerdings sind Galaxien definitiv Chefsache auf der ASS, denn Sir William hob dann doch sehr viel deutlicher den hellen Kern und die Form hervor.
NGC 2903 hatte ich ja auch noch nie eigenstaendig gefunden! Aber Jochen erklaerte mir, dass der von mir angepeilte Stern tatsaechlich das Mehrfachsystem epsilon Leo war. Sone Bestaetigung laesst einen dann ja frohgemut weitermachen mit der Suche und jaaaaa, da war ein heller Lichtknoten. Was fuer eine Emotion!!! Jochen und ich fielen uns in die Arme, ich aus Begeisterung ueber meine Funde und Jochen wohl eher aus Erleichterung darueber, dass auch dieses unbegnadete Bedienpersonal der ASS mal nen Treffer landet!
Das Hochdruckgebiet hält sich noch. Wir brauchen die Siesta für weitere Abenteuer auf der Herschelterrasse! Auch andernorts gönnen wir Euch natürlich eine klare Neumondnacht.
Doña Brigida de Villa Flor
Don Jochen de Toledobüttel