Georg_Dittie
Aktives Mitglied
Hi Leutz,
Ich bin gerade mal drei Stunden aus Südafrika zurück und muß unbedingt loswerden, wie unser Team von der Bonn Eclipse Task Force die totale Sonnenfinsternis vom 4. Dezember beobachten konnten: Wie ich gerade von den daheimgebliebenen erfuhr, war im Fernsehen ja nur das Pech der südafrikanischen TV-Teams zu sehen, die unter Wolken im Krüger-Nationalpark standen.
Dem war aber nicht überall so: In JoBurg am Flughafen trafen wir noch einen Eclipse Chaser aus England, der in Botswana perfekt klares Wetter hatte, na, und wir selbst, wir hatten auch Glück und genau da eine Wolkenlücke, wo die Sonne stand und dann auch noch gerade über die gesamte Totalität hinweg !
Aber langsam:
Die diesjährige Sonnenfinsternis fing überm Atlantik an, traf die Küste Afrikas in Angola von dort streifte der Pfad des Kernschattens den Kaprivistreifen zwischen Zambia, Namibia und Botswana, ging durch Nord-Botswana und dann durch Zimbabwe um dann die Nordprovinz Südafrikas am Limpopo-Fluß zu überqueren, um aus Afrika wieder durch Mosambique in die Tiefen des Indischen ozeans zu entschwinden (später endete die Fionsternis am Lake Eiry in Australien bei dem dortigen Sonnenuntergang )
Angola ist wegen des dort herrschenden Bürgerkrieges und Millionen von Landminen off limits. Mosambique ist mittlerweile friedlich und viele Minen sind geräumt, aber es ist bettelarm und es gibt keine Infrastruktur (z.B. Tankstellen), zudem war Mosambique clouded out. Zimbabwe ist ebenfalls off limits für Weiße, weil ein alternder, an der Macht klebender Despot das Land im Moment so zu Grunde richtet, daß selbst die schwarze Bevölkerung in Scharen flieht. Bleiben Botswana und Südafrika. Wir entschieden uns für Südafrika wegen der sehr guten Infrastruktur - teilweise ist das Land von europäischen Verhältnissen kaum unterscheidbar.
Laut Berichten und eigener Erfahrung sind wir auf herzlichste empfangen worden und alle waren sehr darum bemüht, unseren Aufenthalt so sicher und komfortabel wie möglich zu machen. die Organisation der Südafrikaner, die Straßen und die Finsterniszone zugänglich zu machen und zu sichern. Von daher war alles bestens.
Zur Organisation so einer Tour: Man muß mobil sein, insbesondere im Südsommer, also unserem Winter. Denn dann herrscht im südlichen Afrika die Regenzeit und man muß sich immer darauf einstellen, das entscheidende Wolkenloch zu jagen. Leichter gesagt als getan, in einem Land, wo die viele Straßen eher bessere Feldwege sind. Für sowas mietet man einen Allrad-Camper, der einen selbst durch die für südafrikanische Verhältnisse wilde Limpopoprovinz bringt und zweitens gleichzeitig als superflexible Herberge dient.
Beides war am Finsternismorgen bitter nötig.
Denn just für die Stunde der Totalität war das Eintreffen einer Schlechtwetterfront von Nordosten aus Mosambique vorhergesagt.
Am Abend zuvor waren wir in ein Buschcamp in einem kleineren Park gefahren, wo sich schon viele hunderte Eclipsechaser eingefunden hatten. Die Nacht war sehr klar und wir konnten bis zum Insbettgehen den schönen Südsommerhimmel (Orion und alles dadrunter incl. der magellanischen Wolken) bewundern.
Aber um halb fünf in der frühesten Dämmerung aus den Dachzelten der Camper rausgeschaut: Oh je - Wolken, die in der Richtung, aus der der Wind kam, immer dichter wurden. Leider ist der südafrikanische Wetterbericht ziemlich gut !
Kurz nach fünf Uhr morgens waren wir abmarschbereit. Wir sind zuerstmal auf der ca 16 km langen Schotterpiste zum Tor des Parks gefahren, wo wir dann die Szenerie etwas weniger durch Baobabs (die dort gigantische Ausmaße annehmen) und durch Berge analysieren konnten: Je weiter man nach Westen fahren würde, um so klarer könnte es sein. Also los.
Während der Fahrt durch die Wildnis wurde aber immer klarer, daß wir uns den Beginn der partiellen Phase, den 1. Kontakt schenken konnten - wir hätten bis dahin nicht der anrückenden Wolkenfront ausweichen können.
Je weiter man nach Westen kommt, desto näher kommt man leider auch der Grenze zum unbetretbaren Zimbabwe. Wir schlossen dann einen Kompromiß, indem wir ca 10 km westlich von Musina am Straßenrand uns aufbauten, nicht mehr auf der Zentrallinie, aber soweit westlich wie es halt geht.
Das war goldrichtig.
Wir konnten zusehen, wie die Wolken langsam, aber unerbittlich auf uns zurückten, während die Finsternis immer weiter fortschritt und es zusehends dunkler wurde. Egal: Aufbauen ist die Devise. Ich bin ca 45 Minuten vor der Totalität einsatzbereit, meine beiden Begleiter ca 15 Minute (huhhhhh !) Die sechs anderen wollen nocht mehr zocken und entschwinden ca 4 km in einem Seitenweg. Nach dem Wiedertreffen stellt sich heraus, daß auch sie rechtzeitig fertig geworden sind.
Wenn einmal das Fernrohr, in meinem Fall die nachgeführte Videokamera steht, ist alles vorbei - dann hilft nur nocht abwarten. Und der Himmel ist gnädig, es ziehen zwar einzelne Wolkenbänke und Fetzen über die immer schmaler werdende Sonnensichel, aber irgendwie zeigt sich doch am Horizont noch ein blauer Streifen:
Genau der gibt die Sonne ca. 90 Sekunden vor dem 2. Kontakt, dem Beginn der Totalität frei. Supergrell erstrahlt nochmals ein hauchfeiner Bogen an einem dunkelblauvioletten Himmel. In einem schnell schrumpfenden Punkt verschwindet die helle Photosphöäre in einem letzten Mondtal, dazu wird schon die Korona ringsum sichtbar, weswegen die Sonnen nun so aussieht wie ein Brilliantring.
Wer genauer hinsieht, bemerkt auch den hauchfeinen, aber grellpinken Rand - das ist die wirklich nur bei totalen Sonnenfinsternissen sichtbare Chromosphäre über der Photospäre.
Ich reiße im optimalen Augenblick den Filter von der Kamera, die die Korona, Cromosphäre und die letzten Strahlen der Sonne durch ganz tiefe Mondtäler ab dann automatisch einsaugt.
Völlig fasziniert schaue ich zur Sonne und nicht durch meinen Kamerasucher - diese zwanzig Sekunden gehören der Sonne und mir - und nicht der Technik.
In diesem Augenblick geht was schief - meine Nachführung quittiert aus unbekannten Gründen den Dienst - die Sonne wandert aus dem Bild.
Eigentlich wär' jetzt der Nervenzusammenbruch fällig. Neeee, denkste - so fasziniert ich auch bin - ich bin eigentlich schon mit 6 Totalen ein erfahrener Hase. Ich höre mich selber später auf dem Videoband nüchtern bemerken: "Die Nachführung fällt aus - jetzt wird von Hand nach geführt !" Gesagt getan, Klemmen los und auf Sicht geschwenkt - das hat funktioniert !!!
Den Rest der Finsternis kann ich perfekt aufzeichen und sogar noch die Tiefen der Korona und der Protuberanzen erforschen, indem ich mal mit der Belichtungszeit spiele.
Und merke, daß es auch schon wieder vorbei ist: Am gegenüberliegenden Rand taucht wieder die Chromosphäre auf - untrügliches Zeichen, daß die Sonne in Sekunden wieder vom Mond freigegeben wird.
Und ich leiste mir wieder den unglaublichen Luxus, mit der endenden Finsternis, der grellpinken Chromosphäre, dem Brilliantring-Effekt und dem folgenden Perlschnurphänomen alleine zu sein - Kamera hin oder her - egal !
Etwa 10 Sekunden nach Ende der Finsternis, dem 3. Kontakt setze ich nur kurz den Filter wieder auf und schwenke die Sonne von Hand wieder in die Bildmitte, um dann noch dem über den Wolkenfeldern abziehenden Mondschatten hinterherzu schauen.
Dann erreichen die Wolken die dünne Sonnensichel und unsere innere Anspannung den Jubelnerv und Arme und Beine. Der Tanz wär reif für die Folkloreshow vom Vorabend
Der Rest geht dann in wohlige Entspannung über: Wir packen erstmal die Frühstücksklamotten aus dem Allrad-Camper und Frühstücken zünftig an der Hauptstraße westlich von Musina, in Steinwurfweite zum Limpopo und zu Zimbabwe. Übrigens klart es nochmal auf, so daß ich den vierten Kontakt, das Ende der partiellen Phase, noch vollständig beobachten kann - ein Schmankerl, das sonst niemand macht ... Wo uns doch der erste Kontakt durch die Lappen gegangen ist.
Später in Musina im Restaurant bei einem wirklich gigantischen T-Bone-Steak erfahren wir, daß wir den eizigen klaren Zipfel in Südafrika erwischt hatten. Die Stadt selber hats auch gesehen, aber östlich davon, im Camp wo wir übernachtet hatte, erst Recht auf der zentrallinie und im Krüger-Nationalpark waren alle komplett clouded out !
Eben auch alle Fernsehteams, die natürlich in die offiziellen Beobachtungscamps gefahren waren. Im übrigen auch angesichts der heranziehenden Katastrophe: Auf unserer frühmorgendlichen Wolkenflucht sind uns hunderte Autos entgegengekommen, die alle zur Zentrallinie wollten (und somit direkt und die sichtbar heranziehenden Wolken fuhren), aber kaum jemand folgte uns.
Soweit dieser erste Bericht, gerade so frisch getippert, wie ich es nach dem langen Rückflug kann. Die genaue Auswertung folgt noch, die Webseite geb ich dann bekannt ....
Eine Bemerkung sei mir noch erlaubt: Sonnenfinsternisse finden nicht nur über einem Land statt, sondern auch in einem Land, das voller Natur, Geschichte (in diesem Fall einer ziemlich berüchtigten !) und Kultur steckt. Wir haben natürlich die fällige Rundreise durch ein wunderbares Land unternommen und sind überall mit einer Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft empfangen worden, die mich verlegen macht.
Wenn's der Admin erlaubt, ist halt offtopic, aber mein Dankeschön an die Gastfreundschaft der Urbevölkerung des südlichen Afrikas: Angesichts des kommenden Weihnachtsfestes hätte ich eine Geschenkidee: AIDS ist hier schlichtweg eine Katastrophe, jeder fünfte Afrikaner ist infiziert. Wie wärs, sich eine Spende an die AIDS-Stiftung schenken zu lassen, anstatt Klamotten, wo wir eh alles haben ?
Viele Grüße, Georg.
Ich bin gerade mal drei Stunden aus Südafrika zurück und muß unbedingt loswerden, wie unser Team von der Bonn Eclipse Task Force die totale Sonnenfinsternis vom 4. Dezember beobachten konnten: Wie ich gerade von den daheimgebliebenen erfuhr, war im Fernsehen ja nur das Pech der südafrikanischen TV-Teams zu sehen, die unter Wolken im Krüger-Nationalpark standen.
Dem war aber nicht überall so: In JoBurg am Flughafen trafen wir noch einen Eclipse Chaser aus England, der in Botswana perfekt klares Wetter hatte, na, und wir selbst, wir hatten auch Glück und genau da eine Wolkenlücke, wo die Sonne stand und dann auch noch gerade über die gesamte Totalität hinweg !
Aber langsam:
Die diesjährige Sonnenfinsternis fing überm Atlantik an, traf die Küste Afrikas in Angola von dort streifte der Pfad des Kernschattens den Kaprivistreifen zwischen Zambia, Namibia und Botswana, ging durch Nord-Botswana und dann durch Zimbabwe um dann die Nordprovinz Südafrikas am Limpopo-Fluß zu überqueren, um aus Afrika wieder durch Mosambique in die Tiefen des Indischen ozeans zu entschwinden (später endete die Fionsternis am Lake Eiry in Australien bei dem dortigen Sonnenuntergang )
Angola ist wegen des dort herrschenden Bürgerkrieges und Millionen von Landminen off limits. Mosambique ist mittlerweile friedlich und viele Minen sind geräumt, aber es ist bettelarm und es gibt keine Infrastruktur (z.B. Tankstellen), zudem war Mosambique clouded out. Zimbabwe ist ebenfalls off limits für Weiße, weil ein alternder, an der Macht klebender Despot das Land im Moment so zu Grunde richtet, daß selbst die schwarze Bevölkerung in Scharen flieht. Bleiben Botswana und Südafrika. Wir entschieden uns für Südafrika wegen der sehr guten Infrastruktur - teilweise ist das Land von europäischen Verhältnissen kaum unterscheidbar.
Laut Berichten und eigener Erfahrung sind wir auf herzlichste empfangen worden und alle waren sehr darum bemüht, unseren Aufenthalt so sicher und komfortabel wie möglich zu machen. die Organisation der Südafrikaner, die Straßen und die Finsterniszone zugänglich zu machen und zu sichern. Von daher war alles bestens.
Zur Organisation so einer Tour: Man muß mobil sein, insbesondere im Südsommer, also unserem Winter. Denn dann herrscht im südlichen Afrika die Regenzeit und man muß sich immer darauf einstellen, das entscheidende Wolkenloch zu jagen. Leichter gesagt als getan, in einem Land, wo die viele Straßen eher bessere Feldwege sind. Für sowas mietet man einen Allrad-Camper, der einen selbst durch die für südafrikanische Verhältnisse wilde Limpopoprovinz bringt und zweitens gleichzeitig als superflexible Herberge dient.
Beides war am Finsternismorgen bitter nötig.
Denn just für die Stunde der Totalität war das Eintreffen einer Schlechtwetterfront von Nordosten aus Mosambique vorhergesagt.
Am Abend zuvor waren wir in ein Buschcamp in einem kleineren Park gefahren, wo sich schon viele hunderte Eclipsechaser eingefunden hatten. Die Nacht war sehr klar und wir konnten bis zum Insbettgehen den schönen Südsommerhimmel (Orion und alles dadrunter incl. der magellanischen Wolken) bewundern.
Aber um halb fünf in der frühesten Dämmerung aus den Dachzelten der Camper rausgeschaut: Oh je - Wolken, die in der Richtung, aus der der Wind kam, immer dichter wurden. Leider ist der südafrikanische Wetterbericht ziemlich gut !
Kurz nach fünf Uhr morgens waren wir abmarschbereit. Wir sind zuerstmal auf der ca 16 km langen Schotterpiste zum Tor des Parks gefahren, wo wir dann die Szenerie etwas weniger durch Baobabs (die dort gigantische Ausmaße annehmen) und durch Berge analysieren konnten: Je weiter man nach Westen fahren würde, um so klarer könnte es sein. Also los.
Während der Fahrt durch die Wildnis wurde aber immer klarer, daß wir uns den Beginn der partiellen Phase, den 1. Kontakt schenken konnten - wir hätten bis dahin nicht der anrückenden Wolkenfront ausweichen können.
Je weiter man nach Westen kommt, desto näher kommt man leider auch der Grenze zum unbetretbaren Zimbabwe. Wir schlossen dann einen Kompromiß, indem wir ca 10 km westlich von Musina am Straßenrand uns aufbauten, nicht mehr auf der Zentrallinie, aber soweit westlich wie es halt geht.
Das war goldrichtig.
Wir konnten zusehen, wie die Wolken langsam, aber unerbittlich auf uns zurückten, während die Finsternis immer weiter fortschritt und es zusehends dunkler wurde. Egal: Aufbauen ist die Devise. Ich bin ca 45 Minuten vor der Totalität einsatzbereit, meine beiden Begleiter ca 15 Minute (huhhhhh !) Die sechs anderen wollen nocht mehr zocken und entschwinden ca 4 km in einem Seitenweg. Nach dem Wiedertreffen stellt sich heraus, daß auch sie rechtzeitig fertig geworden sind.
Wenn einmal das Fernrohr, in meinem Fall die nachgeführte Videokamera steht, ist alles vorbei - dann hilft nur nocht abwarten. Und der Himmel ist gnädig, es ziehen zwar einzelne Wolkenbänke und Fetzen über die immer schmaler werdende Sonnensichel, aber irgendwie zeigt sich doch am Horizont noch ein blauer Streifen:
Genau der gibt die Sonne ca. 90 Sekunden vor dem 2. Kontakt, dem Beginn der Totalität frei. Supergrell erstrahlt nochmals ein hauchfeiner Bogen an einem dunkelblauvioletten Himmel. In einem schnell schrumpfenden Punkt verschwindet die helle Photosphöäre in einem letzten Mondtal, dazu wird schon die Korona ringsum sichtbar, weswegen die Sonnen nun so aussieht wie ein Brilliantring.
Wer genauer hinsieht, bemerkt auch den hauchfeinen, aber grellpinken Rand - das ist die wirklich nur bei totalen Sonnenfinsternissen sichtbare Chromosphäre über der Photospäre.
Ich reiße im optimalen Augenblick den Filter von der Kamera, die die Korona, Cromosphäre und die letzten Strahlen der Sonne durch ganz tiefe Mondtäler ab dann automatisch einsaugt.
Völlig fasziniert schaue ich zur Sonne und nicht durch meinen Kamerasucher - diese zwanzig Sekunden gehören der Sonne und mir - und nicht der Technik.
In diesem Augenblick geht was schief - meine Nachführung quittiert aus unbekannten Gründen den Dienst - die Sonne wandert aus dem Bild.
Eigentlich wär' jetzt der Nervenzusammenbruch fällig. Neeee, denkste - so fasziniert ich auch bin - ich bin eigentlich schon mit 6 Totalen ein erfahrener Hase. Ich höre mich selber später auf dem Videoband nüchtern bemerken: "Die Nachführung fällt aus - jetzt wird von Hand nach geführt !" Gesagt getan, Klemmen los und auf Sicht geschwenkt - das hat funktioniert !!!
Den Rest der Finsternis kann ich perfekt aufzeichen und sogar noch die Tiefen der Korona und der Protuberanzen erforschen, indem ich mal mit der Belichtungszeit spiele.
Und merke, daß es auch schon wieder vorbei ist: Am gegenüberliegenden Rand taucht wieder die Chromosphäre auf - untrügliches Zeichen, daß die Sonne in Sekunden wieder vom Mond freigegeben wird.
Und ich leiste mir wieder den unglaublichen Luxus, mit der endenden Finsternis, der grellpinken Chromosphäre, dem Brilliantring-Effekt und dem folgenden Perlschnurphänomen alleine zu sein - Kamera hin oder her - egal !
Etwa 10 Sekunden nach Ende der Finsternis, dem 3. Kontakt setze ich nur kurz den Filter wieder auf und schwenke die Sonne von Hand wieder in die Bildmitte, um dann noch dem über den Wolkenfeldern abziehenden Mondschatten hinterherzu schauen.
Dann erreichen die Wolken die dünne Sonnensichel und unsere innere Anspannung den Jubelnerv und Arme und Beine. Der Tanz wär reif für die Folkloreshow vom Vorabend
Der Rest geht dann in wohlige Entspannung über: Wir packen erstmal die Frühstücksklamotten aus dem Allrad-Camper und Frühstücken zünftig an der Hauptstraße westlich von Musina, in Steinwurfweite zum Limpopo und zu Zimbabwe. Übrigens klart es nochmal auf, so daß ich den vierten Kontakt, das Ende der partiellen Phase, noch vollständig beobachten kann - ein Schmankerl, das sonst niemand macht ... Wo uns doch der erste Kontakt durch die Lappen gegangen ist.
Später in Musina im Restaurant bei einem wirklich gigantischen T-Bone-Steak erfahren wir, daß wir den eizigen klaren Zipfel in Südafrika erwischt hatten. Die Stadt selber hats auch gesehen, aber östlich davon, im Camp wo wir übernachtet hatte, erst Recht auf der zentrallinie und im Krüger-Nationalpark waren alle komplett clouded out !
Eben auch alle Fernsehteams, die natürlich in die offiziellen Beobachtungscamps gefahren waren. Im übrigen auch angesichts der heranziehenden Katastrophe: Auf unserer frühmorgendlichen Wolkenflucht sind uns hunderte Autos entgegengekommen, die alle zur Zentrallinie wollten (und somit direkt und die sichtbar heranziehenden Wolken fuhren), aber kaum jemand folgte uns.
Soweit dieser erste Bericht, gerade so frisch getippert, wie ich es nach dem langen Rückflug kann. Die genaue Auswertung folgt noch, die Webseite geb ich dann bekannt ....
Eine Bemerkung sei mir noch erlaubt: Sonnenfinsternisse finden nicht nur über einem Land statt, sondern auch in einem Land, das voller Natur, Geschichte (in diesem Fall einer ziemlich berüchtigten !) und Kultur steckt. Wir haben natürlich die fällige Rundreise durch ein wunderbares Land unternommen und sind überall mit einer Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft empfangen worden, die mich verlegen macht.
Wenn's der Admin erlaubt, ist halt offtopic, aber mein Dankeschön an die Gastfreundschaft der Urbevölkerung des südlichen Afrikas: Angesichts des kommenden Weihnachtsfestes hätte ich eine Geschenkidee: AIDS ist hier schlichtweg eine Katastrophe, jeder fünfte Afrikaner ist infiziert. Wie wärs, sich eine Spende an die AIDS-Stiftung schenken zu lassen, anstatt Klamotten, wo wir eh alles haben ?
Viele Grüße, Georg.