Anette_Aslan
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Liebes Sternenvolk,
ich nenne sie die isländische Nacht! Der Himmel gehörte seit Erfindung des Flugzeuges mal wieder sich selbst und ich habe mich schon als Jugendliche immer gefragt: "Könnte man irgendwo auf dieser Welt sein, an irgend einem Ort, wo mal kein Flugzeug über einem fliegt?"
Das dieser Ort für mich der Dreh-und Angelpunkt allen europäischen Flugverkehrs, nämlich Wien sein würde und dann auch noch mein Wohnort, der mitten in der Einflugschneise Schwechats liegt, hätte ich mir niemals träumen lassen, da müssen dann solche Naturgewalten wie Vulkanausbrüche geschehen, um sowas zu ermöglich, irre, absolut!
Die untergehende drei Tage alte Mondsichel bettete sich in der Nähe von Venus in ein malerisches Abendrot. Fast mystisch die Stimmung. Ob es wohl an der Vulkanasche lag oder daran, dass mal kein Kerosin die Atmosphäre verschmutzte weis ich nicht, dieses Abendrot und das Rotgold der Sichel hat auch bestimmt viele Fotografen dieser Tage entzückt.
Windstill, 12 Grad Celsius und geschätzte 5,5 mag mit einer Startzeit um 20h waren meine Ausgangsbedinungen.
Ich schleppte die schwere ADM und den 6 Zöller in die nordwest Ecke des Gartens, wo ich eben dieses Schauspiel ungehindert durch Bäume besser betrachten konnte.
Das Meer der Gefahren war schon voll ausgeleuchtet und ich verweilte noch lange und meditativ am Terminator, als mir langsam auffiel, dass man ja sogar deutlich alle Umrisse auf der noch unbeleuchteten Seite des Mondes sehen konnte, wie manchmal beim aschgrauen Licht des Mondes! Ich meinte doch deutlich das Regenmeer und Tycho erkannt zu haben.
Unheimlich, diese dunkle, doch wahrnehmbare Kugel in der Schwebe! Mir ist das so noch nie aufgefallen.
Venus gab nichts her, im Fraunhofer eh nicht, das reinste Prismenspiel!
Es wurde langsam dunkler und da ich mir beim Aufbau mal so richtig Mühe gab und die Montierung exakt nach Norden ausrichtete, war es ein Genuß nur in einer Achse nachführen zu müssen.
Ich sattelte den Telrad vom Dobson auf den FH um und begab mich in den Fuhrmann, der hoch im Südwesten steht, um mir in aller Ruhe M37, M36 und M38 mit dem 32mm Weitwinkel vorzunehmen.
Ach welch ein Genuss! Jedesmal, wenn ein neuer Offener Sternhaufen im Okular erscheint,bekomme ich so einen Herzhüpfer vor lauter Entzücken. Man möchte schier hineinspringen in diese Dinger.
Ich nahm mir wirklich Zeit. Fast schon kam ich mir wie Heidi Klum vor, die vor der schwierigen Entscheidung steht, das nächste Top-Modell zu nominieren, denn ich fragte mich, wer von den Dreien wohl der schönste sei?
Ich stimme für M37. Er kommt im 6 Zöller brilliant durch das 32mm Weitwinkel rüber: nadelfein wie eine Priese Salz auf schwarzem Samt unter holographischer Effekt-Beleuchtung in 3D.
Ich erhöhte im 16ner Baader Hyp, was den Hintergrund erhellte und mir um die nadelspitzen Sternlein noch was nebeliges erscheinen lies, kann das sein? So wie manchmal die Sterne der Plajaden bei guten Aufnahmen abgebildet werden, waren im Hintergrund etwas diffusere Sterne in irgendwas eingehüllt.
Als ich meinte mich sattgesehen zu haben, schwenkte ich auf M35 in den Zwillingen und ein erneuter Herzhüpfer lies alles andere im Schatten stehen. Fürchterlich diese Promiskuität!
Im Rausche des Genusses holte ich noch den Dobson raus, um mit ihm das Areal der bei mir sichtbaren Ekliptik zwischen Ost und Südwest abzusuchen, die in der anderen Ecke des Gartens zu sehen ist. Leider habe ich wegen einiger und sehr alter, hoher Bäume keine Rundumsicht. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, diese Bäume deshalb zu fällen: Wusstet ihr, das Bäume Sehnsucht nach den Sternen haben? Weshalb wohl haben sie diese ausladende Gestalt, so als wollten sie ihre Arme gen Himmel strecken? Das verstehen wir doch erst recht, nicht wahr?
Heute wollte ich mir mit viel Disziplin mal wirklich Mühe geben und einige Galaxien jagen. Aber ohne Deep Sky Atlas darf man das bei maximal 5,5 mag vergessen!
Zunächst das Triplet im Leo. Wer sich an Theta Leonis orientiert und etwas schräg nach links runter davon schaut, sollte sie alle drei auf einmal in ein 32mm Weitwinkel bekommen. Entweder bin ich noch keine geübte Seherin, aber ausser Wusel nichts Gefusel mit etwas erhelltem Kern würde ich sagen, keine weiteren Strukturen, geschweige denn Spiralarme. Dennoch, schön zu wissen, dass ich sowas in den Weiten des Kosmos finden kann.
Ich habe mich deshalb auch noch nie in den Virgohaufen getraut, aber so voller Motivation musste das sein und nach gründlichen Einstudieren seiner Position im DeepSkyAtlas schnell gefunden, d.h. wieder so ein Fusel im Okular gehabt, aber nur einen. Auf Astrofotos erscheinen da ja immer mehrere Galaxien und die Karte zeigt ein wahres Gewimmel. Ich konnte aber nicht mehr ausmachen und weis nun auch gar nicht welche der vielen Galaxien diese nun gewesen sein könnte?
War es die zentrale Galaxie des Haufens M87 oder M94? Sie sind im SkyAtlas mit zwei Sternchen markiert, dass doch immerhin impliziert, dass man sie als normal Sterbliche am Familienteleskop sehen kann. Mehr als das Prädikat: "ich seh das was" kann ich hier nicht abgeben.
Neugierde auf weitere Treffer dieser Art führte mich in den Coma-Haufen, in dem ich aber nur die NGC 4565 erblicken konnte. In der Tat ein etwas länglicher Hauch mit erhelltem Kern und so heisst sie ja auch nicht umsonst: Needle Galaxy.
Den M3 hat jemand geklaut. Ich bin fast verzweifelt, manchmal habe ich den sofort im Oku, gestern war das Suchen trotz Telrad und Skyatlas und immer und immer wieder neuen Anfahrens nicht geglückt. TsTS.....versteh das einer!
Dann weiter auf die M51 Strudelgalaxie. "Ein Hauch von Rauch in trauter Nachbarschaft mit Kern an Telrad durch Dobson auf Kräuterwiese". Dieses Gericht sollte mir dann den Geschmack auf noch andere Galaxien in einem 5,5 mag Restaurant nicht weiter anregen.
Der Abschluss bildete wieder etwas herzerfrischendes: Alkor mit seinem Reiterlein! Dafür bekam der Koch auch vier Sterne im SkyAtlas. Alkor und sein Reiterlein mag ja für Profis in die Kategorie "Schulklassenvorführungen an Volkssternwarten" gehören, aber sage mir einer was davor und daneben denn einfach wirklich schöner aussieht?
Eyjafjalla sei Dank und liebe Grüsse von Anette
ich nenne sie die isländische Nacht! Der Himmel gehörte seit Erfindung des Flugzeuges mal wieder sich selbst und ich habe mich schon als Jugendliche immer gefragt: "Könnte man irgendwo auf dieser Welt sein, an irgend einem Ort, wo mal kein Flugzeug über einem fliegt?"
Das dieser Ort für mich der Dreh-und Angelpunkt allen europäischen Flugverkehrs, nämlich Wien sein würde und dann auch noch mein Wohnort, der mitten in der Einflugschneise Schwechats liegt, hätte ich mir niemals träumen lassen, da müssen dann solche Naturgewalten wie Vulkanausbrüche geschehen, um sowas zu ermöglich, irre, absolut!
Die untergehende drei Tage alte Mondsichel bettete sich in der Nähe von Venus in ein malerisches Abendrot. Fast mystisch die Stimmung. Ob es wohl an der Vulkanasche lag oder daran, dass mal kein Kerosin die Atmosphäre verschmutzte weis ich nicht, dieses Abendrot und das Rotgold der Sichel hat auch bestimmt viele Fotografen dieser Tage entzückt.
Windstill, 12 Grad Celsius und geschätzte 5,5 mag mit einer Startzeit um 20h waren meine Ausgangsbedinungen.
Ich schleppte die schwere ADM und den 6 Zöller in die nordwest Ecke des Gartens, wo ich eben dieses Schauspiel ungehindert durch Bäume besser betrachten konnte.
Das Meer der Gefahren war schon voll ausgeleuchtet und ich verweilte noch lange und meditativ am Terminator, als mir langsam auffiel, dass man ja sogar deutlich alle Umrisse auf der noch unbeleuchteten Seite des Mondes sehen konnte, wie manchmal beim aschgrauen Licht des Mondes! Ich meinte doch deutlich das Regenmeer und Tycho erkannt zu haben.
Unheimlich, diese dunkle, doch wahrnehmbare Kugel in der Schwebe! Mir ist das so noch nie aufgefallen.
Venus gab nichts her, im Fraunhofer eh nicht, das reinste Prismenspiel!
Es wurde langsam dunkler und da ich mir beim Aufbau mal so richtig Mühe gab und die Montierung exakt nach Norden ausrichtete, war es ein Genuß nur in einer Achse nachführen zu müssen.
Ich sattelte den Telrad vom Dobson auf den FH um und begab mich in den Fuhrmann, der hoch im Südwesten steht, um mir in aller Ruhe M37, M36 und M38 mit dem 32mm Weitwinkel vorzunehmen.
Ach welch ein Genuss! Jedesmal, wenn ein neuer Offener Sternhaufen im Okular erscheint,bekomme ich so einen Herzhüpfer vor lauter Entzücken. Man möchte schier hineinspringen in diese Dinger.
Ich nahm mir wirklich Zeit. Fast schon kam ich mir wie Heidi Klum vor, die vor der schwierigen Entscheidung steht, das nächste Top-Modell zu nominieren, denn ich fragte mich, wer von den Dreien wohl der schönste sei?
Ich stimme für M37. Er kommt im 6 Zöller brilliant durch das 32mm Weitwinkel rüber: nadelfein wie eine Priese Salz auf schwarzem Samt unter holographischer Effekt-Beleuchtung in 3D.
Ich erhöhte im 16ner Baader Hyp, was den Hintergrund erhellte und mir um die nadelspitzen Sternlein noch was nebeliges erscheinen lies, kann das sein? So wie manchmal die Sterne der Plajaden bei guten Aufnahmen abgebildet werden, waren im Hintergrund etwas diffusere Sterne in irgendwas eingehüllt.
Als ich meinte mich sattgesehen zu haben, schwenkte ich auf M35 in den Zwillingen und ein erneuter Herzhüpfer lies alles andere im Schatten stehen. Fürchterlich diese Promiskuität!
Im Rausche des Genusses holte ich noch den Dobson raus, um mit ihm das Areal der bei mir sichtbaren Ekliptik zwischen Ost und Südwest abzusuchen, die in der anderen Ecke des Gartens zu sehen ist. Leider habe ich wegen einiger und sehr alter, hoher Bäume keine Rundumsicht. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, diese Bäume deshalb zu fällen: Wusstet ihr, das Bäume Sehnsucht nach den Sternen haben? Weshalb wohl haben sie diese ausladende Gestalt, so als wollten sie ihre Arme gen Himmel strecken? Das verstehen wir doch erst recht, nicht wahr?
Heute wollte ich mir mit viel Disziplin mal wirklich Mühe geben und einige Galaxien jagen. Aber ohne Deep Sky Atlas darf man das bei maximal 5,5 mag vergessen!
Zunächst das Triplet im Leo. Wer sich an Theta Leonis orientiert und etwas schräg nach links runter davon schaut, sollte sie alle drei auf einmal in ein 32mm Weitwinkel bekommen. Entweder bin ich noch keine geübte Seherin, aber ausser Wusel nichts Gefusel mit etwas erhelltem Kern würde ich sagen, keine weiteren Strukturen, geschweige denn Spiralarme. Dennoch, schön zu wissen, dass ich sowas in den Weiten des Kosmos finden kann.
Ich habe mich deshalb auch noch nie in den Virgohaufen getraut, aber so voller Motivation musste das sein und nach gründlichen Einstudieren seiner Position im DeepSkyAtlas schnell gefunden, d.h. wieder so ein Fusel im Okular gehabt, aber nur einen. Auf Astrofotos erscheinen da ja immer mehrere Galaxien und die Karte zeigt ein wahres Gewimmel. Ich konnte aber nicht mehr ausmachen und weis nun auch gar nicht welche der vielen Galaxien diese nun gewesen sein könnte?
War es die zentrale Galaxie des Haufens M87 oder M94? Sie sind im SkyAtlas mit zwei Sternchen markiert, dass doch immerhin impliziert, dass man sie als normal Sterbliche am Familienteleskop sehen kann. Mehr als das Prädikat: "ich seh das was" kann ich hier nicht abgeben.
Neugierde auf weitere Treffer dieser Art führte mich in den Coma-Haufen, in dem ich aber nur die NGC 4565 erblicken konnte. In der Tat ein etwas länglicher Hauch mit erhelltem Kern und so heisst sie ja auch nicht umsonst: Needle Galaxy.
Den M3 hat jemand geklaut. Ich bin fast verzweifelt, manchmal habe ich den sofort im Oku, gestern war das Suchen trotz Telrad und Skyatlas und immer und immer wieder neuen Anfahrens nicht geglückt. TsTS.....versteh das einer!
Dann weiter auf die M51 Strudelgalaxie. "Ein Hauch von Rauch in trauter Nachbarschaft mit Kern an Telrad durch Dobson auf Kräuterwiese". Dieses Gericht sollte mir dann den Geschmack auf noch andere Galaxien in einem 5,5 mag Restaurant nicht weiter anregen.
Der Abschluss bildete wieder etwas herzerfrischendes: Alkor mit seinem Reiterlein! Dafür bekam der Koch auch vier Sterne im SkyAtlas. Alkor und sein Reiterlein mag ja für Profis in die Kategorie "Schulklassenvorführungen an Volkssternwarten" gehören, aber sage mir einer was davor und daneben denn einfach wirklich schöner aussieht?
Eyjafjalla sei Dank und liebe Grüsse von Anette