Hi folks!
@Antje
Zunächst muß man sich vor der Anschaffung eines Teleskopes die Frage stellen, was damit beobachtet werden soll. Denn gerade danach richtet sich die Wahl des Gerätes - also ob man Deep-Sky oder Planeten, vornehmlich beobachten möchte. Dies entscheidet über die Kriterien, die dann das Teleskop zu erfüllen hat.
Da dein Vater aber Anfänger ist, will er sicherlich so viel wie möglich am Anfang beobachten und wird sich erst später auf ein Gebiet festlegen - das ist meistens so. ;-) Hinzu kommt, daß die Option des Anschlusses einer Digitalkamera offen sein soll. Die meisten (nicht alle) digitalen SLR-Kameras können, wie eine "normale" KB-SLR per T2-Ring und Adapter am Teleskop angeschlossen werden. Das geht auch an fast allen Teleskopen - doch die Astrofotografie setzt eine gute, stabile, parallaktische Montierung voraus um dem Lauf der Sterne bzw. des Objektes am Himmel beim Belichten zu folgen. Bei längeren Belichtungszeiten ist zudem eine motorische Nachführung und eine genaue Aufstellung unerlässlich. Das klingt vielleicht am Anfang alles sehr kompliziert, ist aber garnicht so schwer. Darüber gibt es zahlreiche gute Literatur.
Mittlerweile werden zahlreiche gute und günstige Geräte angeboten - wenn man die Augen offen hält und vergleicht, kann man damit sehr gut in die beobachtende Astronomie einsteigen. Eine Empfehlung z.B. von anderen Beobachtern kann aber immer nur eine sehr subjektive, persönliche sein, da auch viele Faktoren mit eingehen, die man so auf die Schnelle in einem Forums-Thread z.B. nicht einbringen kann.
Ich versuche dennoch eine Empfehlung für ein gutes Einsteiger-Gerät in der von dir genannten Preisklasse:
1. Ein Newton mit 6 Zoll Öffnung, z.B. 150/750 mm, wie er von Celestron oder Synta angeboten wird (sind aber beide baugleich). Dazu eine EQ-5 oder Astro-5 Montierung, welche sich später problemlos mit Motoren und einer Computersteuerung aufrüsten lässt. Der Newton ist mit rund 750 mm Brennweite sehr kompakt, lässt sich also gut transportieren und wird von den genannten Montierungen einwandfrei getragen. Damit ist dann später auch sehr schöne Astrofotografie möglich. Und da sind wir schon bei den Vor- und Nachteilen des kurzen Newton. Durch sein großes Öffnungsverhältnis von f/5 ist er eine sehr gute und günstige Lösung für die Fotografie und Beobachtung von Deep-Sky Objekten. Er besitzt ein recht großes Gesichtsfeld. Leider ist er für die Planetenbeobachtung weniger optimal, was nicht heisst, daß es nicht geht - aber eben nicht so "gut". Man wird mit dem Newton nicht so hoch vergrößern können und höhere Anforderungen an gute Okulare sind durchaus gegeben. Beachtet man die Grenzen dieses Gerätes, kann man damit sehr schöne Beobachtungen und Aufnahmen machen.
2. Ein Refraktor von 4 Zoll Öffnung mit ca. 1000 mm Brennweite. Diese Geräte werden in guter Qualität z.B. von Teleskop-Service angeboten. Ich besitze selbst einen 102/1000 mm FH von TS und beobachte sehr gern mit diesem. Einen Erfahrungsbericht findest Du von mir hier:
http://people.freenet.de/dstrangfeld/TS102.htm
Dieses Gerät ist eher ein Allrounder. Er bietet z.B. noch "genügend Brennweite" für schöne Planetenbeobachtung, ist auch im Deep-Sky-Bereich durchaus brauchbar - aber eben von allem ein bischen. Was die Wahl der Okulare angeht, so ist er sehr genügsam. Er wird von den oben genannten Montierungen ebenfalls sehr gut geführt, wenngleich ein stabileres Stativ durchaus empfehlenswert ist. Auch hier lässt sich eine Kamera problemlos anschließen. Durch die kleinere Öffnung und das kleinere Öffnungsverhältnis von 1:10 sind die Belichtungszeiten jedoch deutlich länger. Der Schwerpunkt liegt aber bei diesem Gerät eher auf visuelle Beobachtung. Ein weiterer Pluspunkt ist die einfache Bedienung. Ein Refraktor muss nicht, wie ein Newton-Reflektor, justiert werden. Besonders bei kurzen Newton-Teleskopen wie obigem, hat die Justage einen erheblichen Einfluß auf die Abbildungsleistung. Eine Justage kann z.B. auch schon nach einem längeren Transport des Gerätes nötig sein, ist aber - einmal geübt - sehr schnell durchzuführen.
Ich gehe nun bewusst nicht auf die optischen Abbildungsfehler dieser Geräte ein, da jedes seine Vor- und Nachteile hat und - wie ich meine - für den Anfänger kaum relevant sind. Die einen werden die obstruierte Optik des Newton und seine Koma bemängeln (die Sternenpünktchen werden ausserhalb der optischen Achse zu kleinen Strichen - "Kometen" - auseinandergezogen), wiederum andere den Farbfehler des Fraunhofer-Refraktors. Jedoch sind diese dem Teleskoptyp immer anhaftenden Fehler nicht wirklich so störend, wie manch es einer hier gern hätte. Aber es gibt noch eine dritte Möglichkeit, die beide oben genannten Fehler nochmals minimiert, wenn auch mit einem anderen Nachteil:
3. ein Newton mit 6 Zoll Öffnung und 1200 mm Brennweite - Öffnungsverhältnis 1:8. Gerade diese aus der Mode gekommenen Newtons mit f/8 und 6 Zoll Öffnung leisten hervorragende Dienste am Himmel, egal ob Deep-Sky oder Planeten. Von Synta wird ein solches Gerät auf der EQ-5 angeboten - mit parabolischem Hauptspiegel. Bei f/8 ist der Gegenspiegel deutlich kleiner (und weiter vom Hauptspiegel entfernt), so daß die obstruierende, beugungsbeinflussende Wirkung nicht so deutlich ist wie beim f/5 Newton. Hinzu kommt die längere Brennweite, so daß dieses Gerät auch sehr gute Bilder am Planeten hergibt. Die Deep-Sky Beobachtung leidet indes kaum, das Bildfeld ist zwar kleiner, aber bei f/8 sind durchaus schöne Beobachtungen möglich.
Die Koma ist zudem kaum merklich bei diesem Gerät, da diese bei solchen Brennweiten und einem parabolischen Spiegel deutlich gegenüber f/5 reduziert ist. Ein solches Gerät leistet bei guter optischer Qualität einiges ... Altmeister wie Hans Rohr ("Das Fernrohr für jedermann") und H. Oberndorfer (u.a. "Fernrohr Selbstbau") beschreiben die Leistungen und Vorzüge dieser Geräte sehr ausführlich.
Ein besonderer Nachteil soll nicht verschwiegen werden: der dicke und hier besonders lange Tubus erfordert schon eine stabile Montierung und ein kräftiges Stativ. Zudem ist das gut 1.2 Meter lange Rohr nicht sehr handlich und man benötigt schon einen großen Kofferraum, wenn man das Gerät transportieren möchte.
Wie bei vielen anderen Dingen im Leben erkauft man sich auch einen gewissen Vorteil mit einem Nachteil auf der anderen Seite. Letztlich sind es nur Empfehlungen - es lohnt sich aber diese Geräte näher anzuschauen. Geräte von Synta/Skywatcher z.B. bieten ein gutes Preis-/Leistungsverhäkltnis. Besonderes Augenmerk sollte man auf die optische Qualität legen. Leider ist es für einen Einsteiger nicht leicht, wenn nicht fast unmöglich, die Qualität einer Optik zu beurteilen. Hier sollte man mit dem Händler einen Zusatz ausmachen, der ein Umtauschrecht bei Unterschreiten der "beugungsbegrenzten" Abbildung einräumt. Man sollte dann das gerät z.B. bei Teleskoptreffen mitnehmen oder in der Nähe ansässige Sternfreunde mit Erfahrung bitten, eine Beurteilung der Leistung vorzunehmen. Meistens hat man dann auch Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Geräten.
Günstige Angebote findest Du z.B. bei
http://www.megaoptics.de/ (Synta/Skywatcher, liefert sehr schnell und sehr günstige Preise),
http://www.teleskop-service.de (großes Lieferprogramm, viel Zubehör und auch eigene Werkstatt und Prüfeinrichtung) und vielen anderen. Eine Händlerliste findest Du z.B. hier:
http://people.freenet.de/dstrangfeld/astronomie/Astro-Anschriften_A4.pdf
cu ...
Luzy