Historische Sternkarten und Atlanten

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speul

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Hallo zusammen,
ich mache hier mal einen Faden auf, verbunden mit dem Aufruf, Bilder von alten Sternkarten und Sternatlanten zu zeigen. Da gibt es ja mehr als man landläufig so denkt. Ich glaube da können wir eine schöne Sammlung zusammentragen.
Anfangen möchte ich mit der Wolf-Palisa-Sternkarte, die Johann Palisa in Zusammenarbeit mit Max Wolf, der die Fotos in Heidelberg gemacht hat.
Insgesamt sind 11 Teillieferungen veröffentlicht wurden, die ersten 10 enthielten Originalfotos, die letzte Lieferung, die von Palisas Schwiegersohn Rheden herausgegeben wurde, waren 10 Lichtdrucke.
Aus dem genannten Werk stammen die beigefügten Fotos:

20260521_093755 [800x600].jpg

20260521_093943.jpg

20260521_093930 [800x600].jpg


Grüße
speul
 
na vielleicht kommt über Pfingsten was dazu.
Bis dahin erfreut euch an diesem hier:

Bode Karte gestirnter Himmel 11.JPG


Johann Elert Bode: Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels, 3. Auflage 1777.
Karte November mit Aur, Pers, Tri, Ari, Cet, Tau.
Leider habe ich nicht das ganze Werk sondern nur diese eine Karte.
Grüße
speul
 
Hallo Speul, das ist eine hübsche Ausgabe des Bode! Es ist immer für mich interessant zu sehen, womit der Orion fuchtelt - hier also eine Keule und ein Schild.

In meinem Fundus finde ich jene Kartenblätter besonders eigenwillig die als herausfaltbare Kupfer am Ende der "Uranographie ou Traité Élémentaire d'Astronomie" von L.-B. Francoeur, Paris 1821, enthalten sind. Hier das erste Blatt mit der Nordpolregion. Dies ist das früheste mir bekannte Werk, das komplett auf figürliche Darstellungen der Sternbilder verzichtet und stattdessen die - beklagenswerten, so meine ich - Strichfiguren einführt, die im 20. Jahrhundert dominant wurden.
1779461735807.jpeg

Man beachte die Paris-Bezogenheit der Angabe der Sternsichtbarkeit, die noch deutlich andere Position des Himmelsnordpols, sowie die interessante Idee, die Sterne im Kopfbereich von UMa unter einem eigenen Asterismus namens "Tête" aufzuführen.

Beste Grüße, Christopher
 
Hallo zusammen,
ich mache hier mal einen Faden auf, verbunden mit dem Aufruf, Bilder von alten Sternkarten und Sternatlanten zu zeigen. Da gibt es ja mehr als man landläufig so denkt. Ich glaube da können wir eine schöne Sammlung zusammentragen.
Anfangen möchte ich mit der Wolf-Palisa-Sternkarte, die Johann Palisa in Zusammenarbeit mit Max Wolf, der die Fotos in Heidelberg gemacht hat.
Insgesamt sind 11 Teillieferungen veröffentlicht wurden, die ersten 10 enthielten Originalfotos, die letzte Lieferung, die von Palisas Schwiegersohn Rheden herausgegeben wurde, waren 10 Lichtdrucke.
Aus dem genannten Werk stammen die beigefügten Fotos:

Den Anhang 553837 betrachten
Den Anhang 553836 betrachten


Grüße
speul

Komakorrektor wurde wohl erst später erfunden ;-)
Das Bild ist ist auch leicht verzerrt, wie man an den Koordinatensystemlinien erkenne kann...
Claus
 
auf ein Neues:
Maier's Drehbare Sternkarte: Wandausgabe- Salonausgabe mit
Golddruck 75 Pfgl. Ravensburg Verlag von Otto Maier, [um 1890].
(25x25),Tafel mit einmontierter drehbarer Scheibe mit Ausstanzung und
Textillasche zum Drehen, rückseitig Anleitung und Verlagsangabe.

Sternkarte [1024x768].JPG


Sternkarte0002 [1024x768].JPG


Soll von Max Valier (dem Raketenpionier) entworfen wurden sein, der das Patent aber wegen Geldmangels verkaufte.
 
Hallo Sternfreunde,

zum großen Bild am Fadenanfang:

Deklinationen wachsen nach unten, d.h. das Bild steht auf dem Kopf - so wie es vermutlich original auf der alten Photoplatte erscheint.

Der Stern in der Mitte ist Gamma Gem, Spektralklasse A; visuelle Helligkeit 1,93; Farbindex 0,00. Der hellste Stern rechts oben im Eck ist Xi (Ksi) Gem, visuell 3,35; Spektralklasse F, Farbindex 0,44. Die damaligen Photoplatten waren blaulastig ("orthochromatisch"), d.h. sie reagierten auf blaues Licht stärker als auf rotes. Der Farbindex von Ksi ist höher als der von Gamma, Ksi ist röter. Das erklärt m.E. den überproportionalen Klecks-Größen-Unterschied der beiden Sterne auf der Platte.

Unten steht "9h 14m .... M. Z. Königstuhl". Damals gab es noch keine Zonenzeiten und die Sternwarten verwendeten ihre mittlere Ortszeit - hier Königstuhl (bei Heidelberg). Im astronomischen Kontext begann der Tag mit dem Mittag und 9h 14m bedeutet in unserem Verständnis 21h 14m. Man zwang den Astronomen in den 1920er-Jahren den mitternächtlichen Tagesbeginn auf. Sie fuhren daraufhin Meldungen im bürgerlichen Zeitformat weitgehend herunter und bevorzugten die unanschauliche julianische Tageszählung mit Bruchteilen, wo der Tag ja bis heute mittags beginnt: Eine ganze Tageszahl ist ein Zeitpunkt mittags in Greenwich. Der mittägliche Tagesbeginn ist eine uralte astronomische Gewohnheit und geht wohl darauf zurück, dass man den oberen Meridiandurchgang der Sonne technisch viel einfacher beobachten kann als den unteren.

Rechts oben steht "Aequin. 1875.0". Das bedeutet, dass das Gradnetz so über das Bild gelegt wurde, dass die Sternorte dem Aequinoktium 1875.0 - also fast 30 Jahre vor der Aufnahme - entsprechen. Der fette Gamma in der Bildmitte steht heute nach Cartes du Ciel "astrometrisch" (= auf ein Standardäquinoktium reduziert) bei J2000 RA: 06h37m42.736s DE:+16°23'55.97". Wenn man das Bild "richtig" (kopfüber) hält, wäre er 2000.0 zwei Kästchen weiter links. Tatsächlich (2026.25) steht er heute bei RA: 06h39m14.340s DE:+16°22'33.95". Ksi rechts oben hat heute astrometrisch J2000 RA: 06h45m17.156s DE:+12°53'39.12" und wäre schon aus dem Bild gefallen.

An der Deklination ändert sich wenig, weil wir in Nähe von 6h oder 90° sind; da marschiert die Präzession ungefähr parallel zum Äquator.

Ralf
 
Lieber Ralf,
danke für Deine sorgfältigen und kenntnisreichen Erläuterungen. Ich finde sie sehr erhellend!
Beste Grüße, Christopher
 
vielleicht als Motivation für alle, mal in den Altpapierkeller zu steigen und zu sehen, was da so an Sternkarten sich angesammelt hat, bevor es die Enkel dann wirklich entsorgen ;)

Sternkarte Einhorn und kleiner Hund aus:
Rockstroh, Heinrich: Sterne. Zur Belehrung und Unterhaltung für gebildete Leser besonders jüngeren Der gestirnte Himmel oder Anweisung zur Kenntniß der Gestirne und der vorzüglichsten Alters. Mit gestochenem Frontispiz, gestochenem Titel mit Vignette und 38 teilweise gefalteten Kupfertafeln. Berlin, Amelang, 1830. IV, 428 S. 14,5 x 12,5 cm.Rockstroeh 1830, handkoloriert

Rockstroh Einhorn und Hund.jpg
 
vielleicht als Motivation für alle, mal in den Altpapierkeller zu steigen und zu sehen, was da so an Sternkarten sich angesammelt hat, bevor es die Enkel dann wirklich entsorgen ;)
Das hört sich so an, als hättest Du die selbst noch in Deiner Jugend im 19. Jahrhundert benutzt… :ROFLMAO:

So ein handkolorierter Kupferstich macht schon ziemlich was her!

Danke fürs Zeigen,
Felix
 
Hallo Sternfreund
Hier noch eine unerschöpfliche Quelle historischer astronomischer Daten:

ich versuchte an der von Dir gegebenen Stelle, eine alte AN zu laden, ging aber nicht.
Verfasst von:Schmidt, J. F. Jul
Titel:Beobachtungen auf der Sternwarte zu Olmütz
Verlagsort:Altona
Verlag:WILEY-VCH Verlag
Jahr:1854
Umfang:3 S.
Fussnoten:ArticleID:ASNA18540381004 ; ark:/67375/WNG-TP72P6CD-6 ; istex:CEF2A87F241BA7F986242AE652EFDF859B9193E6
ISSN:0004-6337
Titel Quelle:Astronomische Nachrichten
Jahr Quelle:1854
Band/Heft Quelle:38, 10, S. 157-159
DOI:doi:10.1002/asna.18540381004
URL:http://www.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/edok?dok=https%3A%2F%2Fapi.istex.fr%2Fark%3A%2F67375%2FWNG-TP72P6CD-6%2Ffulltext ...
DOI: https://doi.org/10.1002/asna.18540381004

Als ich mich um 2005 herum mit der Materie intensiv befasste, gab es einen Service "ADS", wo ich gescannte Literatur fand. Das finde ich aber nicht mehr bzw. die haben es nicht. Ich habe also nur meine handschriftlichen Aufzeichnungen von 2005: Schmidt war Fachastronom (ca. 1820 bis 1880) und richtete in den 1850ern einem "Domherrn" (also einem kirchlichen Würdenträger) in wochenlanger Arbeit eine Sternwarte auf der Residenz in Olmütz ein. Diese liegt wohl auf einem Berg in der Stadt und blickt nach Süden auf einen Garten: Wenig Lichtverschmutzung.

An dem Artikel faszinierten mich die verwickelten Methoden und allgemein der Aufwand, mit denen der exakte geographische Ort der Warte bestimmt werden musste. Das gaben die damaligen Karten (meistens Militiärkarten) nicht her und dafür war Schmidts Fachkunde gefragt. Vom Sozialen her war es im 19. Jahrhundert Standard, dass der Astronom bei dem Domherrn als Gast untergebracht und verpflegt wurde - das war praktisch Teil seiner Vergütung.

Ich notierte auf 100stel Sekunden genaue, von Schmidt in den AN mitgeteilte Termine des Eintritts dreier Sternbedeckungen im OKT1851 und JUL 1852 - und zwar in "mittlerer Olmützer Zeit". Außerdem exakte geographische Längen von Greenwich, Paris, Bonn und Berlin und eine sekundengenaue geographische Breite. Das muss Schmidt wohl alles bestimmt haben bzw. es diente ihm zur Fixierung der geographischen Länge, die ja früher bekanntlich das weitaus größere Problem war ("Längendienst"). Im Zeitalter von GPS kann man sich das gar nicht mehr vorstellen.

Schloss man aus dem Termin der Bedeckungen auf die Länge? Oder stellte man nach der Bedeckung quasi die Uhr und konnte mit der Uhr dann Meridiandurchgänge terminieren? Jede Sternwarte des 19. Jahrhunderts verwendete hochpräzise Pendeluhren, manchmal sogar "evakuiert" und unter Aufsicht eines studierten Uhrmachermeisters.

Fragen über Fragen. Ralf
 
Hallo speul,

Dank für Deine Mühe. Das ist, was ich suchte:
AN_869.jpg
Man bekommt aber nur die Titelseite - will man alles, muss man sich anmelden und etwas zahlen. Das mache ich nicht (am wenigsten wegen des Geldes, sondern wegen der Einloggerei mit Passwort usw....) und will auch nicht, dass man es für mich macht. War ein Versuch, ist nicht so wichtig.

Mit freundlichen Grüßen, Ralf
 
natürlich gibt es alle Seiten frei, da mußt du nichts bezahlen:
https://articles.adsabs.harvard.edu/pdf/1854AN.....38R.157.
man muß halt nur richtig suchen!
Hallo speul,

ich gebe einen Screenshot. Außerdem reden wir von verschiedenen AN-Artikeln. ICH meine AN_37_73 = Nr. 869 von 1853. Bericht .... in Olmütz. Die AN wurden bis in die 1920er-Jahre nach Nummern zitiert ("Kollege Müller berichtet in den AN Nr. 12345 über seine neuen Beobachtungen"), ADS kennt aber nur Band und Seite, so wie ich es eingangs schrieb. Das Zuordnen Nummer und Band/Seite machte mir damals um 2005 massive Zusatzmühe und zwang mich mehrfach, in die Sternwarte nach Bamberg zu fahren und in den gebundenen Originalen herumzublättern!

Screenshot 2026-05-31 at 07-03-59 Bericht über die neue Sternwarte des Herrn E. Ritter von Unk...png

Ralf
 
Hallo Ralf,
das Astrophysics Data System erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit, dort ist alles downloadbar. Die wesentlichen Elemente sind seit über 20 Jahren unverändert.
==> https://ui.adsabs.harvard.edu/
==> "Classic Form" wählen
==> Bei "Classic Form" musst Du nur die entsprechenden Daten ausfüllen (Autor: Schmidt, Jahr: 1855). Da findest Du sofort das Schmidt-Paper, das Du nach Klick auf den Paper-Link auch komplett downloaden kannst (oben rechts, bei "Full Text Sources").

Gruß,
Arndt
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Arndt,

Danke für Deine Mühe, aber so wie du schriebst, hat es immer noch nicht funktioniert. Der Titel lautet: "Bericht über die neue Sternwarte des Herrn E. Ritter von Unkrechtsberg zu Olmütz in Mähren". Mein Screenshot hat richtig J. F. Jul. Schmidt als Autor (hier klein und blau; im alten Paper am Ende des Textes) und an dieser Stelle verlangt ADS einloggen und Geld. An Deiner Stelle taucht aber nicht Schmidt als Autor auf, sondern "von Unkrechtsberg" - wohl ein Fehler im ADS. Unter "von Unkrechtsberg" fand ich den Artikel und konnte ihn laden. Da stehen die von mir damals notierten Sternbedeckungen und Hauptstadt-Orte drin und ich sehe es mir nach 20 Jahren noch einmal genau an.

Ich hatte 2005 wegen Streits zwischen Linux und proprietärer Software keinen Drucker. Linux war der vergiftete Rat eines Stern-"Freundes", der sich an 5 Fingern hätte abzählen können, dass ich damit nicht umgehen kann A. weil ich für so etwas schon damals zu alt war und B. weil ich auf dem Land wohne, bis heute keinen Mobilfunkempfang und damals Internet nur über "ISDN" hatte. Das Linux kam von einer CD und schoss mir als erstes meinen Drucker ab. Ich brach den Kontakt zu dem Stern-"Freund" und seinem Verein ab und machte ohne Drucker weiter.

Ralf
 
Hallo Ralf,
Du hast nicht meine Anleitung befolgt, sondern bei Anzeige des Papers auf den DOI-Link geklickt.
Gruß,
Arndt
 
Hallo Arndt,

anders rum: Das mit dem DOI kenne ich nicht, weiß nicht, was das sein soll. Muss was kommerzielles sein wegen dem Cookie-Disclaimer. Mit DOi kommt mein obiger Screenshot mit dem richtigen Autor Schmidt und es wird einloggen verlangt. BEVOR ich auf DOI klicke kommt folgendes Fenster mit dem FALSCHEN Autor.
Screenshot 2026-06-01 at 08-05-38 Bericht über die neue Sternwarte des Herrn E. Ritter v. Unkr...png
Ganz rechts auf ADS PDF und dann kommt das paper komplett und ohne einloggen.

Ralf
 
Es erscheinen bei Eingabe von "Schmidt" und "1855-1855" nicht eine, sondern zwei Arbeiten (siehe Anhang). Aber das wird mir hier jetzt auch zu mühsam, sorry...
1780321224174.png

Gruß,
Arndt
 
na, nun habt ihr es ja geschafft, den Thread komplett zu crashen, vielen Dank dafür! so vergeht einen die Lust etwas zu zeigen. :mad:
 
Ach, Speul... ruhig bleiben. Hier was Schönes aus meiner Sammlung: Die Sternkarte, in der neben dem Kometen von 1758 erstmals M1 abgebildet ist, von Charles Messier gezeichnet, und aus den Mémoires de l'Académie Royale des Sciences 1759 (1765). Foto aus der Hand und ohne geometrische Korrekturen. Zum Scannen ist das Bild zu groß.

Gruß,
Arndt
Messier_1765.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Es gibt auch eine Menge schöne Karten aus neuerer Zeit. Hier eine von drei Milchstraßenzeichnungen von besagtem Julius Schmidt, zwischen 1864 und 1872 in Athen angefertigt und von Antonin Pannekoek 1924 in den Annalen van de Sterrewacht te Leiden veröffenlicht.

Gruß,
Arndt

Schmidt_Voie_Lactee.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für den Zuspruch! Vielleicht gefällt euch das hier:

nach J. Flamsteed, gedruckt von J.Fortin & F.G.Deschamps in Paris, 1776 A.D.
aus: " Atlas Céleste..."

IMG_9995 [800x600].JPG


Sternbilder - Einhorn & Hund
"La Licorne, le Gd. Chien."

John Flamsteed (* 19. August 1646 in Denby; † 31. Dezember 1719 in Greenwich) war ein englischer Astronom und ab 1675 der erste Hofastronom (Astronomer Royal) des englischen Königshauses.

Grüße speul
 
Hallo Speul,
sehr schön kolorierte Karte! Hast Du den ganzen Atlas Céleste von Fortin, oder ist das eine Einzelkarte?
Gruß,
Arndt
 
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