Historische Sternkarten und Atlanten

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dann dürfte ja auch dies Karte aus dem Atlas Celeste von Jean Fortin 1776 nicht ganz unbekannt sein:
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Jepp, ist gut bekannt; die Karte ist ja sehr schön erhalten :):y:. Allerdings stammt Deine Karte aus der 2. Auflage von 1795, zu erkennen am neu hinzu gekommenen Sternbild "Herschel's Teleskop" und der Kennzeichnung des Ortes von M1; beide waren 1776 noch nicht enthalten (unten ein Foto aus meinem Exemplar von 1776). Ich habe das Glück, einen kompletten Original-"Fortin" von 1776 zu besitzen. Der Atlas hat als verkleinerte Version des sehr unhandlichen und kaum zu bekommenden Flamsteed-Atlasses einen wichtigen Standard gesetzt. Andere Zeitgenossen wie Bode und von Zach haben sich - nu ja - den "Fortin" sehr, sehr gut für ihre eigenen Werke "angesehen" ;). Wobei Bode mit der Uranographia dann 1801 auch ein sehr beeindruckendes Werk geschaffen hat (das aber auch nicht auf dem Fortin/Flamsteed beruht).
...Übrigens fällt mir gerade auf, dass der "Atlas Céleste" dieses Jahr seinen 250. Geburtstag feiert!
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Dank dir für die Klarstellung, war mir nicht bewußt. Ich habe das Blatt gerade wegen des "Herschel Telescopes" mir gekauft.
 
Sammlung von fünf Sterncharten für die Himmelsgegenden: Nord, Ost, Süd, West und für das Zenith, zum Einzeichnen der Sternschnuppen der November-Periode
M. DuMont-Schauberg´sche Buchhandlung, Köln, Lithos: A. Henry, Bonn
Eduard Heis 1868

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Das besondere dieser Karten ist die auf ihren Verwendungszweck zum Einzeichnen von Meteoren abgestimmte gnomonische Projektion, die es erlaubt die Bahnen der Meteore als Geraden zu zeichnen.
In den Astronomischen Nachrichten Nr. 1664 (1867) vermeldet er die Herausgabe seiner Meteorkarten.

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Zuvor hatte Bessel auf die Unzulänglichkeit von Sternkarten für Meteorbeobachtungen hingewiesen. „Diese Schnelligkeit des Verlaufes schliesst die Anwendung jedes Instruments aus und reduzirt die Beobachtungen auf die Einzeichnung der scheinbaren Bahnen in die Himmelskarten. Ich bin stets der Meinung gewesen, dass die sämmtlichen mir bekannten nicht speziellen Karten dieser Art den Forderungen, welche an sie gemacht werden dürfen,
nicht angemessen eingerichtet sind:“ Es folgen eine Reihe von Einwänden, wie zu kleiner Ausschnitt, zu großer Maßstab, zu viele Linien für die Sternbilder und unpraktische Gradnetze (Bessel 1839). Weiter schreibt er:
„Aus diesen Gründen habe ich längst die Entwerfung neuer allgemeiner Himmelskarten für etwas sehr wünschenwerthes gehalten, und nun […] den schon bekannten Freund und Kenner der Astronomie, zu dessen, der Wissenschaft schon nützlich gewordenen Eigenschaften, auch alle zum Kartenzeichnen nothwendige Fertigkeiten und die große Genauheitsliebe gehören, dazu aufgefordert. Dieses ist Herr Ingenieur-Hauptmann Ritter Schwinck in Pillau.“ Gemeint ist der Ingenieur-Offizier Gustav Schwinck.

Viel Spaß
speul
 
Hallo Speul,
Erst die Wolf-Palisa-Karten und jetzt der "kleine Heis" - Du hast exakt die Werke, die mir noch fehlen ;). Anbei ein paar Fotos vom "großen Heis" - dem Atlas Coelestis Novus von 1872. Dieser Atlas ist aus mehreren Gründen historisch wichtig: Erstens sind nur noch die (von 52° n. Br. aus sichtbaren) Sternbilder enthalten, die 1922 auch von der IAU auf ihrer ersten Generalversammlung als "offizielle" Sternbilder anerkannt wurden. Zweitens ist es der letzte professionelle Atlas, der noch figürliche Sternbilddarstellungen zeigt. Und drittens ist hier erstmals die Milchstraße in ihren Helligkeitsstufungen so abgebildet, wie sich dem (Heis'schen) bloßen Auge zeigt - eine direkte Reaktion auf Argelanders "Aufforderung an Freunde der Astronomie..."aus Schumacher's Jahrbuch 1844 (ein in seiner Wirkung für die Entwicklung der Amateurastronomie gar nicht zu überschätzender Beitrag übrigens!), die Milchstraße genauer zu beobachten.
Viele Grüße,
Arndt
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Genau, es gab den Katalog auch noch. Beeindruckend, was Heis alles von Münster aus mit dem bloßem Auge hat beobachten können (z. B. ist auf den Atlaskarten M33 verzeichnet!). Macht echt Spaß, mal ein bisschen von seinen Schätzchen zeigen zu können!
 
@Arndt,
dein Einband ist schöner als der Meinige. Auffällig, daß Dein Exemplar auch so stockfleckig ist wie meins. Scheint am Papier zu liegen.
 
und zur Einstimmung ins Wochenende:

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Plassmann schreibt in seiner Himmelskunde 1898: „Die Vereinigung der Freunde der Astronomie und kosmischen Physik hat vor einigen Jahren Herrn Dr. Rohrbach in Gotha mit der Herstellung neuer Karten für Sternschnuppen- und Zodiakallicht-Beobachtungen betraut; diese Karten tragen in Bezug auf Brauchbarkeit und Wohlfeilheit allen Anforderungen Rechnung.“
Der Atlas enthält 12 Karten, 9 davon stellen den in Mitteleuropa sichtbaren Himmel dar, drei weitere Karten zeigen den Südhimmel mit Kartenzentren bei -52°,6. Die Karten selbst sind Lichtzinkhochätzungen, vervielfältigt von R. Loës, Leipzig. Auf der Rückseite dieser Kartensammlung ist zu lesen: „Diese Sternkarten sind zum bequemen Einzeichnen auch in einer Blockausgabe – je 10 Expl. einer Karte auf einer starken Pappe befestigt- zu haben.“ Der Preis für einen Block lag ebenso wie der Preis für den gehefteten Atlas bei jeweils einer Mark (Verlagsverzeichnis Ferd. Dümmlers, Berlin 1907). 1907 erschien eine dritte, vermehrte Auflage im Kommissionsverlage von E. F. Thienemann zum Preis von 1,40 Mark. Mitglieder der Vereinigung von Freunden der Astronomie und kosmischen Physik (V.A.P.) erhielten sie zum Vorzugspreis von 75 Pfennigen zuzüglich 5 Pfennige für Porto und 10 Pfennige für Verpackung (Vorstand der V.A.P. 1907)
Eine kurze Anweisung für Meteorbeobachtungen ist ebenfalls beigefügt. Die beobachtete Bahn soll in nach Lage und Gestalt als Pfeil in eine geeignete Karte eingetragen und mit einer Nummer versehen werden. In einem Beobachtungsbuche sind dann weitere Angaben aufzuzeichnen, darunter wieder Zeit, Helligkeit und Farbe, Vorhandensein oder Fehlen eines Schweifs, Länge, Dauer, Farbe und Veränderungen desselben.

Grüße Speul
 
Toller Thread!
Mein besonderes Interesse liegt bei der Astronomie des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Hier eine selten gezeigte Sternkarte. Es handelt sich um die älteste europäische "echte" Sternkarte. D.h. die erste Sternkarte, in der die Sternpositionen per (wahrscheinlich) stereographischer Projektion dargestellt worden sind.

Die Sternkarte stammt aus einem anonymen Manuskript der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien: De Composicione Sphere Solide, ca. 1440

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Gruß
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,
ja, das sind zwei der ganz frühen echten Sternkarten mit identifizierbaren Sternen und nachweisbarer Epoche, hier noch als Handschrift. Nach meinen Informationen ist der Autor Reinhardus Genfelder aus ca. 1434/35. Die Karte diente offenbar Albrecht Dürer und Konrad Heinfogel als Vorlage für ihre Sternkarten von 1515, die durch Beifügung zu den frühen gedruckten Almagest-Ausgaben bekannt geworden sind. Diese sind damit die ersten gedruckten Sternkarten der Geschichte.
Viele Grüße,
Arndt
 
Hallo Arndt,
folgende Schrift habe ich gerade noch zu dem Thema gefunden: Martin Roland: Die Wiener Sternkarten von 1435
Auf Seite 44 kann man sehen, dass Albrecht Dürer seine berühmte Sternkarte von dem 80 Jahre älteren Manuskript abzeichnet hat.

Den Namen Reinhard Gensfelder hatte ich inzwischen auch gefunden. Ich habe mich allerdings nicht weiter darin vertieft, sodass ich nicht weiß, ob seine Urheberschaft tatsächlich gesichert ist. Die Österreichische Nationalbibliothek gibt als Autor jedenfalls nach wie vor "anonym" an.

Gruß
Wolfgang
 
Hallo Sternfreunde,

Die Karte
Hier eine vielleicht noch beeindruckendere (und noch seltener veröffentlichte) Karte aus dem selben Manuskript. Sie stellt den Südhimmel dar.
und
Die Sternkarte stammt aus einem anonymen Manuskript der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien: De Composicione Sphere Solide, ca. 1440
sind Blick auf die Himmelskkugel von außen konstruiert. Beim Nordhimmel ist das noch relativ leicht zu erkennen: Blick von innen (wie von uns gewohnt) und N oben haben zur Folge, dass Löwe, Jungfrau, Waage und Skorpion von Re nach Li wandern. In der Karte ist es anders herum.

Im Süden kann ich mir "N oben" nicht vorstellen. Ich sortiere die Sternbilder: Oben ist dick und fett Cet, dann kommen auf der Karte im Uhrzeigersinn Eri, Ori, CMa, das Ensemble Pup, Car, Vel, darüber weiter außen Hya mit Cra und Crv. Unten Cen, der den Lup aufspießt. darüber Ara und CrA, der Fisch links oben ist PsA. In dieser Reihenfolge wachsen die genannten Sternbilder grosso mode in RA - auf der Karte IM Uhrzeigersinn. Blick von innen haben die Rektaszensionen im S aber im GEGEN-Uhrzeigersinn zu wachsen. Also ist die Karte Blick von außen.

Die Alten betrachteten das, was sie sahen, von hinten und zeichneten es so auf. Merkwürdig, aber auf zahllosen alten Karten und Globen belegt.....

Ralf
 
Moin,
zu diesem Thema sicherlich empfehlenswert das gewichtige dreibändige Werk "Sternbilder des Mittelalters und der Renaissance"

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darin steht: "Die beiden Sternkarten ... sind auf die Kugel zu übertragen, was die Gottessicht, also den Blick von außen auf den Sternhimmel verständlich werden läßt.
 
Moin,
zu diesem Thema sicherlich empfehlenswert das gewichtige dreibändige Werk "Sternbilder des Mittelalters und der Renaissance"

Den Anhang 557653 betrachten

darin steht: "Die beiden Sternkarten ... sind auf die Kugel zu übertragen, was die Gottessicht, also den Blick von außen auf den Sternhimmel verständlich werden läßt.

Super Tipp! Allerdings kostet das Buch 320 EURO! Leider zeigen weder Amazon noch Bücher.de an, dass es sich um ein dreibändiges Werk handelt. Dementsprechend ist mir nicht klar, ob sich die 320 EURO wirklich auf alle Bände beziehen. Kannst du dazu etwas sagen? Besitzt du dieses Buch?
Gruß
Wolfgang
 
Hallo in die Runde,
hier kommt eine weit verbreitetes Missverständnis zur Sprache: Ein Sternglobus war kein Kunstobjekt, sondern ein Arbeitsgerät. Die Sternkarten und Globen zeigen nicht den Blick „von außen“ auf die Sternbilder, um den „göttlichen Anblick“ zu simulieren - das wäre ja schlimmstenfalls Blasphemie. Der Grund ist viel profaner: Es sind die Messinstrumente, mit denen man die Sternpositionen am Himmel maß, insbesondere die Armillarsphäre, die bereits Hipparch benutzte und die Ptolemäus im Almagest ausführlich beschreibt. Man peilte mit ihr die Sternpositionen über den "großen Ekliptikring" an (nachdem man sie auf die Ekliptik ausgerichtet hatte; Sternpositionen wurden damals ekliptikal vermessen) und las die Position dann an der eingravierten Gradskala ab. Die war natürlich so angelegt, dass man dort ablas, wo das Auge war. Und schon ergab sich, wenn man die Positionen später auf einen Sternglobus projizierte, ein scheinbar "verkehrtes" Bild. Wobei das gar nicht verkehrt ist, sondern sehr richtig: Wenn man nun einen Sternglobus nachts unter den Sternenhimmel stellte und richtig ausrichtete, musste man ihn nur noch entsprechend der täglichen (nächtlichen) Himmelsdrehung mitdrehen (und zwar in *dieselbe* Richtung wie der Himmel!), um immer ein aktuelles Bild des Himmels auf dem Globus zu sehen. Hätte man die Sternbilder "richtig herum" (also eigentlich: falsch herum) aufgezeichnet, hätte man den Globus immer *entgegen* der täglichen Himmelsdrehung drehen müssen.
Also nix mit "göttlich" - das war ganz simple Benutzerfreundlichkeit ;).

Viele Grüße,
Arndt

...P.S.: Übrigens stammen die beiden handgezeichneten Sternkarten von ca. 1534/35, die Wolfgang gezeigt hatte, aus einer Arbeit mit dem Titel "Tractatus de sphaera solida...", in dem es um die Konstruktion von Himmels*globen* geht. Die Karten dienten also schlicht der Vorlage der figürlichen Darstellungen zum Abzeichnen auf den Globus, was deren "verkehrte" Darstellung erklärt. Die Sternpositionen müssten aus den Alfonsinischen Tafeln (umgerechnet (Präzession) für etwa 1440) stammen.

P.P.S.: Auch aus moderner Zeit existieren Globen in der "inversen" (natürlichen) Darstellung. Ich habe mal ein Foto von einem sowjetischen Navigationsglobus angehängt, der aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt. Man erkennt sehr schön. dass die Sternbilder "seitenverkehrt" eingezeichnet sind, was für die Navigation absolut Sinn ergibt. Und die Sowjets spreche ich mal vollständig von der Absicht, einen Globus in "göttlicher Ansicht" in Umlauf zu bringen, frei... :LOL:
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Zuletzt bearbeitet:
Hallo Speul und alle,
als Literatur kann ich noch folgendes empfehlen:
--> DAS Standardwerk ist sicherlich Deborah J. Warner: The Sky Explored. Celestial Cartography 1500-1800. Alan R. Liss, Inc, 1979.
--> Gerade für Darstellungen des Sternenhimmel von der Antike bis 1500 ist das folgende Werk mittlerweile auch eine Art Standard: Elly Dekker: Illustrating the Phaenomena. Celestial Cartography in Antiquity and the Middle Ages.Oxford University Press, 2013.
Dann gibt's noch: Nick Kanas: Star Maps, Ernst Künzl: Himmelsgloben und Sternkarten. Und natürlich die von Dir, Speul, genannten "Sternbilder des Mittelalters und der Renaissance".
Viele Grüße,
Arndt
 
Allerdings kostet das Buch 320 EURO! Leider zeigen weder Amazon noch Bücher.de an, dass es sich um ein dreibändiges Werk handelt. Dementsprechend ist mir nicht klar, ob sich die 320 EURO wirklich auf alle Bände beziehen. Kannst du dazu etwas sagen? Besitzt du dieses Buch?
Ja, steht bei mir in der Bibliothek. Der Preis sollte für alle drei Bände gelten, es steht da:
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 1662 Seiten
und das ist die Seitenzahl für alle drei Bände
 
--> Gerade für Darstellungen des Sternenhimmel von der Antike bis 1500 ist das folgende Werk mittlerweile auch eine Art Standard: Elly Dekker: Illustrating the Phaenomena. Celestial Cartography in
An Elly Dekker hatte ich mich gar nicht mehr erinnert. Das Buch habe ich als E-Book. Daraus noch ein sehr schönes Beispiel einer Planisphaere. Achtung jetzt wird es immer älter. Das Bild ist aus dem frühen 11. Jahrhundert.

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Bern MS 88

Gruß
Wolfgang
 
Hallo
Das Bild ist aus dem frühen 11. Jahrhundert.

Das Bild ist interessant, weil es den Blick auf die Himmelskugel, wie heute gewohnt, von INNEN zeigt. Das überrascht für das 11. Jahrhundert.

Der stark gefärbte Ring ist die Ekliptik, die meisten Tierkreisbilder kann ich erkennen, an ihrer Reihung im Uhrzeigersinn besteht kein Zweifel. Die drei konzentrischen Kreise sind der Himmelsäquator und zwei Parallelkreise. Der exzentrische Kreis bildet eine lokale Sichtbarkeit ab - nach Augenmaß wegen der geringen Polhöhe ziemlich südlich (mindestens Mittelmeer) - zu einer bestimmten Sternzeit; Jungfrau, Waage, Corvus kulminieren eben.

Präzession über 1000a sind etwa 13° ekliptikal oder eine knappe Stunde. Der Äquator geht dem Widder im Bild gerade durch den Hals, heute müssten wir den dunklen Ring mit allen sichtbaren Bildern so drehen, dass der Äquatorkreis zwischen den beiden Fischen durchgeht. Schwierig ist das Innenfeld mit den Nordbildern. Ich finde keinen Adler, keinen Schwan, keine Leier. Der mit der gelben Peitsche ist wohl der Bärenhüter, der Ring evtl. CrB; Pegasus ist zu einem Mini-Fabelwesen geschrumpft. Die Schlange in der Mitte Dra, UMa und UMi die zwei roten Wesen dazwischen.

Oben über rechts nach unten randbildend PsA, Cet, Eri, Ori, Lep und die beiden Hunde. Links offensichtlich von Ptolemäus abgekupfert: Das Argonautenschiff, Centaurus, Lupus und Ara. Diese Sternbilder waren um 1000 und selbst zu Ptolemäus´ Zeiten im Mittelmeerraum nicht oder höchstens in kleinen Teilen sichtbar.

Ralf
 
Hallo Wolfgang,

interessant ist an dieser Darstellung auch, dass das äquatoriale Koordinatensystem (Deklinatinoslinien) eingezeichnet ist Man erkennt so sehr leicht, dass der Frühlingspunkt im Widder liegt und die Ekliptik im Krebs ihre nördlichste Deklination erreicht, was recht gut zur Epoche 275 v. Chr. passt und somit zur Entstehungszeit der "Phainomena", dem klassischen Lehrgedicht des Aratos über die Sternbilder. Die Phainomena waren in Bezug auf die Sternbilddarstellungen sehr einflussreich und ich denke, dass ebendieses Werk für diese Sternkarte Pate gestanden hatte. Berühmt wurde übrigens eine besondere Ausgabe, nämlich die "Leidener Aratea" genannte illuminierte Handschrift der Phainomena, die Ludwig der Fromme (oder eine seiner Frauen, das ist nicht ganz klar) um 820 in Auftrag gegeben hatte; siehe z. B hier (ein Bild - Drache und die beiden Bären - aus dem Faksimile [Wikimedia Commons] dazu im Anhang). Wobei nach meinem Wissen die Mehrzahl der Sternbilder so beschrieben wurde, als würden sie wieder "seitenverkehrt" auf einem Globus betrachtet. Neuere Arbeiten zur Aratos-Tradition gehen tatsächlich davon aus, dass Aratos im Wesentlichen den Himmelsglobus des Eudoxos poetisch beschreibt (wobei ich mich da noch nicht im Detail eingelesen habe).

Gruß, Arndt

P.S.: Wenn man die Abbildung unten mit dem Berner Manuskript vergleicht, sieht man meiner Meinung nach sofort die sehr deutliche Übereinstimmung. Nicht, dass dem Autor direkt die "Leidener Areta" vorgelegen haben muss, aber schon die "Phainomena"...

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es geht auch noch etwas älter!
all die schönen Karten die hier gezeigt wurden haben einen entscheidenden Nachteil: Es sind Unikate, unerreichbar für uns, manchmal, aber nicht immer ausgestellt. Da füge ich noch etwas unerreichbareres hinzu, eine Immobilie mit Wandmalereien aus dem 8. Jh.
Quasair Amra in Jordanien:

Quasair Amra (1) [1024x768].JPG


Quasair Amra (2) [1024x768].JPG


eigene Fotos aus dem Jahr 2000, damals war man noch sparsamer mit seinen Diafilmen ;)
 
Liebe Leute,

was für ein schöner Faden, da lese ich gerne mit!
Vielen Dank für die vielen tollen Beiträge!

Sehr erhellend fand ich auch die Ausführungen zur Außenansicht auf den Sterngloben…

Gruß,
Felix
 
Hallo in die Runde,

um den Thread am Laufen zu halten, hier eine weitere, selten gezeigte Karte, und auch zum zuletzt diskutierten Thema: Es ist eine Planisphären-Darstellung beider Himmelshälften in der Tradition der alten Sternkarten in ekliptikalen Koordinaten, mit allen im Almagest erwähnten 48 "klassischen" Sternbildern (und allen im Ptolemäischen Sternkatalog verzeichneten 1025 Sternen), gezeichnet von Johann Elert Bode, aus: "Claudius Ptolemäus [..] Beobachtung und Beschreibung der Gestirne [...]", 1795. Dies ist die erste deutsche Übersetzung des siebten und achten Buchs des Almagest. Diese Karte dürfte die unbekannteste aller Bode-Sternkarten sein.
Viele Grüße,
Arndt

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Sorry, kleine Korrektur: Bode hat in seinem angegebenen Werk nur das siebte und nicht auch das achte Buch des Almagest übersetzt und kommentiert, wie von mir vorher angegeben; insbesondere enthält es aber den - übersetzten und bearbeiteten - Sternkatalog aus dem 7. Buch. Ich hatte länger nicht mehr in den "Bode" reingeschaut, mir fiel das eben beim Lesen erst wieder auf...

Gruß,
Arndt
 
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Hallo,

Diese Karte dürfte die unbekannteste aller Bode-Sternkarten sein.

ich schnitt die Karte digital zu und entfernte den Grauschleier.

ptolemaeus_arndt_2026JUN15_bearbeitet&beschriftet.jpg


Sternreihung N-Hälfte IM, S-Hälfte GEGEN Uhrzeigersinn - Blick von innen auf die Himmelskugel.

Randbildende Skala mit GERADEN Speichen und Mittelpunkt (MP) in Kreismitte: ekliptikale Längen in Grad; gerade Speichen treffen ihre Skala in 30°-Schritten, jeder solcher Abschnitt ist bezeichnet mit 0 bis XI, mit einem Tierkreisnamen und Symbol; man hat also im Grobfeld VII (Scorpion mit Symbol; 7*30°) pro Schachbrett-Feinfeld 210° um 1° zu vermehren.

Halbskala mit gebogenen (Kreissegmente) Speichen und MP außerhalb der Grafik: Rektaszensionen ohne Grobfeld-Bezeichnung, pro Quadrant 9 gebogene Speichen, d.h. ein Speichenintervall entspricht 40 RA-Minuten, 3 gebogene Speichen sind 2 RA-Stunden. In jedem Speichenintervall 10 Schachbrettfelder, eines enspricht 4 RA-Minuten. Die gebogenen Speichen treffen die randbildende Ekliptik-Skala an beliebigen ("krummen") Stellen. (Zu den 4 RA-Min: Wer in Dezimalgrad gegebene geographische Längendifferenzen mit in Zeitstunden gegebenen Meridianen in Beziehung setzen muss, kennt die Beziehung 1° = 4min....)

Kreisschar um den Nordpol in 10°-Schritten. Die Kreise haben wegen der stereographischen Projektion nicht diesen und überhaupt keinen gemeinsamen Mittelpunkt. Bode gibt einige zusätzliche Kreise (Polarkreis, Südhorizont in Alexandria usw..)

Ptolemäus beobachtet laut Bode "im 2. Jahrhundert", ich nehme ein Äquinoktium 150.0 an.

Alp Leo ekl. Länge 2000.0: 149,1° >>> Präzession in Ekliptiknähe mit vereinfachtem Verfahren >>> Alp Leo ekl. Länge 150.0: 124,0°. Stimmt überein mit Bode-Karte: Feld IV (gerade Speichen) = 120°, dazu 4 Schachbrettfelder.

Bet Cas äquatoreal 2000.0: 00h09m10,6s +59°08´59" >>> Verfahren mit modernen Orten und Theorien >>> Bet Cas äquatoreal 150.0: 22h42m14,2s +49°05´32". Auf Bode-Karte Bet Cas 150.0 gering vor Speiche RA 22h40, etwa bei 22h38m, DEC knapp unter +50° (passt besser). Man beachte den DEC-Sprung von +49 (150.0) auf +59 (2000.0)!

Ich kenne Bet Cas als "Colur"-Stern. Mit einer heutigen (2000.0) RA nahe 0h, ausreichender Polnähe und Zirkumpolarität für uns Nordhalbkügler markiert er die Zeigerspitze der natürlichen Sternzeituhr (00h oben, Zifferblatt mit 24 Marken). Zu Ptolemäus´ Zeiten hätte man ein Objekt in der Gegend zwischen Eps Cas und dem nördlichsten Perseus nehmen müssen (von mir rot markiertes Feld in der Karte).

Ralf
 
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