Historisches Gerät

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MartinF

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Hallo zusammen,

auf der Sternwarte, die unser Verein betreut, ist das Hauptinstrument ein über 100 Jahre alter 6"-Refraktor auf einer massiven Säule. Die Optik wurde vor einigen Jahren durch einen Halb-Apo von Lichtenknecker ersetzt, der sehr ordentliche Bilder liefert.

Link zur Grafik: http://hikwww2.fzk.de/avka/images/b2282.jpg

Leider macht aber die Mechanik immer mehr Zirkus - Klemmungen halten nicht mehr, die Nachführung (gewichtsbetriebenes "Uhrwerk") bleibt hängen, der Okularauszug ist eine Fummelei.
Logischerweise ist jede Reparatur ein Kraftakt, wenn überhaupt machbar. Wer kann z.B. schon spz. Zahn-/Kegelräder herstellen, für die es nicht einmal Daten gibt?

Was also tun? Ewig teuer restaurieren um das Stück zu erhalten? In die Ecke als Anschauungsobjekt stellen? (dazu fast zu groß, f=2600mm, siehe Bild)

Zweites Gerät auf der Sternwarte ist ein altes C11, das meist im Koffer schlummert und nur bei bes. Anlässen auf die Terrasse kommt. Dieses Gerät auf die Säule zu setzen wäre wohl nicht ideal, da dann das Okular für Besucher viel zu hoch wäre.

Was hättet Ihr denn für Ideen? Sicher entscheide ich selbst da gar nichts, aber Ideen einbringen kann man ja.

Gruss - Martin
 
Hallo,
Also ich würde es bedauern wenn das Gerät nicht restauriert würde.
Meine Heimatsternwarte, die "Wilhelm-Foerster-Sternwarte" besitzt einen Refraktor der noch ein wenig größer ist, die Optik ht 12 Zoll Öffnung. Vor ein paar Jahren wurde der Refraktor und die Montierung restauriert. Ich war wirklich platt, welche Schönheit da unter der alten Farbe verborgen war.Link zur Grafik: http://www.wfs.be.schule.de/pics/Bamberg1_large.GIF
Grüße Martin
 
Hi,
sieht nach Sternwarte Kassel aus ?! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
gewichtgetriebenes o.ä. Uhrwerk-die Stuttgarter Stw. u. die Kuffner Stw. haben solche noch laufen ?!
die besagten Stw. können sicherlich Auskunft geben , denn dessen Refraktoren samt Monti wurden vor nicht allzu langer Zeit restauriert.
als Ausstellungsstück ist das Teil echt zu schade,eher Spenden bzw. Sponsoren für Restaurierung sammeln.
Ihr habt euch sicherlich ein Namen gemacht durch die Führungen , das wird bestimmt honoriert .
steht der Refraktor unter Denkmalschutz-dann kommt ihr ohne aufwendiges (spricht Originalteile reproduzieren)Restaurieren nicht herum .
fummelei am OAZ-wie meinst du das genau?
Schneckenräder :entweder Herrn Gierlinger mal fragen od. direkt 4H Jena Engineering
Klemmungen halten nicht mehr-wahrscheinlich Gewinde von klemmbock bzw. Klemmschraube überdreht
wurde überhaupt schon mal dran rumrestauriert ? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />
mach doch mal hellere kontrastreiche Bilder der Problemzonen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Wer ist überhaupt der Erbauer dieses Kunstwerks? optik(alt) u. Mechanik
Grüzi
 
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Hallo Martin,

bei uns in der Sternwarte Aachen tut auch noch so ein altes Schätzchen, sogar mit original 8" f/15 Zeiss-Linse, seit 70 Jahren seinen Dienst. Hat auch eine "Uhrwerknachführung".

Diese Mechanik wurde vor ein paar Jahren restauriert.
Vielleicht wäre es interessant für dich, hier auch mal Kontakt aufzunehmen: Link zur Homepage

Moderne Teleskope kann man immer kaufen. Diese alten Refraktoren aber kriegt man für kein Geld der Welt mehr!

Viele Grüße

Kai
 
Hallo Martin,

wenn das Sternwartengebäude auch so alt wie das Gerät ist, könntest du versuchen, alles unter Denkmalschutz zu stellen und über die Kultur-und Denkmalschutzbehörde Fördergelder zu beantragen. Dann könntet ihr noch einen Förderverein gründen um über das Spendenaufkommen und die Mitgliedsbeiträge den Erhalt und vielleicht auch die Restauration des Geräts zu sichern.

Ähnliches haben wir an der Sternwarte Hamburg gemacht: www.fhsev.de

 
Danke erstmal für alle Infos bis dahin. Gerade habe ich auch noch entdeckt:
"2003: Am 30. April wird das Fernrohr und die Sternwarte in die Liste der Denkmäler in Baden-Württemberg aufgenommen."
Das wusste ich bisher selbst gar nicht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />
Somit sind die weiteren Schritte ja fast schon klar.
Sehr gut gefällt mir auch dieser Satz von Kai, der bei evtl. Verhandlungen sicher gute Dienste leisten kann:
Moderne Teleskope kann man immer kaufen. Diese alten Refraktoren aber kriegt man für kein Geld der Welt mehr!
Gruss - Martin
 
Hallo MartinF

Alte Montierungen mit langer Einsatzdauer, an denen Generationen von Amateurastronomen (begabt mit mehr oder weniger Verständnis für die Belange der Montierung) beobachtet haben, zeigen irgendwann die Folgen dieser Geschichte.

Die Mechanik verschleißt dabei viel weniger: sie verdreckt! Schrauben, die man nicht ölen soll, werden von ahnungslosen Montierungsfreunden eingeölt, damit sie ja nicht rosten. Ketten des Uhrwerks verdrecken innerhalb von Jahrzehnten, weil ihr Öl verharzt, Wellenlager beginnen durch verharztes Öl zu klemmen...

Da befürchtet man zunächst oft Verschleiß, aber bei genauerer Betrachtung sind die Kupplung zwecks Konservierung vielleicht irgenwann mal ein bisschen geölt worden (und klemmen daher jetzt nicht mehr) oder die Getriebe der Nachführungen und der Feintriebe sind irgendwann mal mit Nähmaschinenöl geölt (statt mit Hochdruckfett gefettet !)worden (Öl verharzt mit der Zeit ...) .

Was man nun tun kann:
Man muss die Kette mit Petroleum und einem Borstenpinsel abwaschen. Dann muss man muss das Getriebe mit Petroleum abwaschen. Anschließend kann man mit Heißluft und Caramba eventuell "fest" gewordenen oder klemmenden Lagern zu Leibe rücken. Schließlich schmiert man die Lager mit Fett. Außerdem kann man die Zähne der Zahnräder leicht einfetten. Sehr gut ist hier MOS2-Fett.

Die Montierungen der alten Refraktoren sind sehr sorgfältig konstruiert und bei richtiger Pflege sehr sehr langlebig. Dafür musste man damals auch zwei bis fünf durchschnittliche Bruttojahresgehälter anlegen...

Bei unserem Aachener Refraktor haben wir eine parallaktische Zeiss-Montierung mit einen 18-zölligen (!!) Schneckenrad. Die funktioniert einwandfrei und zuverlässig. Aber sie tat das erst wieder, nachdem ich alle Schrauben entölt hatte, die eifrige Astronomen daran zwecks Rostschutz mit Motoröl geölt hatten. Durch dieses Ölen hatten sich einige Muttern gelockert, und die Feintriebe arbeiteten dadurch mit immer größerem Spiel. Außerdem hatte man auch die Kontermuttern der Spitzenlager an den Steuerkugeln des Fliehkraftreglers geölt. Die Lager verstellten sich dadurch von selbst, die Steuerkugeln rutschten aus den Lagern und schlugen beim Drehen an das Gehäuse des Fliehkraftreglers ... Kling-klang-kling-klang-schepper
--Panik ...

Das ist nun alles Geschichte: Jetzt funktioniert es wieder, wie es von Zeiss vorgesehen war.


Der Denkmalschutz ist bei einer reparaturbedüftigen Montierung eher nicht der richtige Ansprechpartner, weil Denkmäler Bauwerke sind, und keine Maschinen. Außerdem ist es manchmal eine zweischneidige Sache, wenn beamtete Personen in die Belange des Betriebes einer Sternwarte hineinreden können. Manche wissen und begreifen, was sie da vor sich haben, manche aber nicht ...

also erst mal keine Panik...

Beste Grüße,

Günther



 
Hallo Martin,

aber einfach schöne Geräte diese Oldtimer und Sie sind Zeugnisse der astronomischen Technik von damals, die auf jeden fall erhalten werden sollte.
Hier ein Beispiel, dass ich 1978 in einem Urlaub in Breslau in der Sternwachte Ul. Kopernika 11, vom Wartungsrundgang der Kuppel durch den geöffneten Kuppelspalt aufgenommen habe.

Es zeigt einen Clark Repsold Refraktor 203mm F 2880 daneben ein Astrograph.

Link zur Grafik: http://www.directupload.net/images/050210/mK9463xh.jpg

Das selbe Gerät heute nach einer Restaurierung (meiner Meinung nach mit zuviel Weis) aber nach 123 Jahren immer noch voll im Einsatz.
Etwas Historie mit Bildern hier! http://www.astro.uni.wroc.pl/transmisja/clark-repsold_en.html

Gruß Günter

 
Hallo Martin,

habt Ihr mal das Gerät bzw. die Montierung komplett zerlegt, gereinigt (altes Fett raus, neues rein, evtl. Lager austauschen) und wieder zusammengesetzt mit vernünftiger Justage? Vielleicht kann so kostengünstig die Qualität der Montierung deutlich verbessert werden - wurde zumindest in der Art vor 1-2 Jahren in der Erkrather Sternwarte mit einem über 100 Jahre alten Refraktor von Merz/München erfolgreich gemacht - die Montierung führt jetzt wieder sehr gut nach.

Es soll ja auch Sternwarten geben, wo das Regenwasser durch die Kuppel sickert und im Uhrwerk zu Eiszapfen erstarrt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" /> (alles schon erlebt).

Schöne Grüße,
Stefan

PS: Die Erkrather Sternwarte hat keine Kuppel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

 
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