Horizonterweiterung um 10 Astronomische Einheiten (mit Fernglas 10x50)

FelixK

Aktives Mitglied
Guten Abend in die Runde.

Heute wollte ich den Uranus beobachten, den hatte ich noch nie mit eigenen Augen gesehen. Gerade bildet er mit den Plejaden und dem Stern 41 Arietis ein schönes Dreieck, das hat schon mal geholfen, die Gegend am Himmel einzugrenzen, an der ich suchen musste. Ein markantes, c-förmiges Sternmuster in der unmittelbaren Nähe, das gemeinsam mit Uranus ins Gesichtsfeld von meinem Fernglas passte, hat mir schließlich den Weg gewiesen. Und da war er. :)

Eigentlich nichts spektakuläres. Ein kleines Pünktchen, das man für einen Stern halten könnte. Aber wenn man weiß, dass es der Uranus ist und vorher in unserem Sonnensystem mit den eigenen Augen nur bis zum Saturn vorgedrungen ist, dann ist es eine Horizonterweiterung um 10 Astronomische Einheiten. Und wiedermal etwas, was ich zum ersten Mal mit dem alten Feldstecher von meinem Opa gesehen habe. :)

Mal sehen, ob ich demnächst auch den Neptun erwische…

Herzliche Grüße,
Felix
 
Glückwunsch zu deinem ersten Uranus und danke für den Bericht. Ende Januar, in Teneriffa auf dem Teide Hochplateau hatte ich zwei schöne Abende und es gab viel zusehen mit einem 120/600 Refraktor, für meine Frau aber war ihr erster Uranus das Highlight.
Neptun verschwindet abends bereits vor der Venus im Horizontdunst, viel Erfolg beim Neptun und CS to Ansgar
 
Hallo Ansgar,

danke für Deine Antwort. Sieht man mit dem 120/600 Refraktor schon ein Scheibchen? Wie hoch hast Du vergrößert?

Gruß,
Felix
 
Moin Felix!

Glückwunsch zur Erstsichtung! :y:

Ähnliches wie du habe ich zusammen mit einem Kumpel vor über 25 Jahren bereits ausprobiert. Damals standen Uranus (und Neptun) zusammen im Steinbock, also sogar noch etwas niedriger in der Deklination als heute. Wenn man sich eine gute Aufsuchkarte mit Sternen ähnlicher Helligkeit wie die des Planeten ausdruckt, dann ist die Aufsuche per Starhopping im Grunde kein großes Problem. Uns gelang damals das Auffinden beider Planeten mit einem 8x30-Fernglas. Das war ein echtes Schlüsselerlebnis, denn gerade diese Planeten wurden seinerzeit von den Hobby-Astronomen einfach "übersehen". Andere Planeten mit ihren Details waren da sicher interssanter.

Danach bin ich natürlich mehrfach mit Teleskopen unterschiedlicher Größe auf die beiden Gasriesen losgegangen. Uranus im besonderen ist (AFAIR) bereits ab ca. 150fach im Dreizöller als Scheibchen zu erkennen. Er und Neptun fallen dadurch auf, daß sie im Gegensatz zu Sternen nicht flackern (szintillieren). Das liegt an ihrer flächigen Erscheinung (ca. 4" und 2" Durchmesser). Diesen interessanten Effekt habe ich mehrfach beobachtet und es half so einige Male, die beiden Planeten jeweils im Sternenfeld zu finden, auch wenn die Vergrößerung zu gering war, um den Planeten gleich direkt als Scheibe erkennen zu können.
 
Hallo Felix, hallo Winnie,

Mein Setup war ein Grab&Go bzw das Flugreise Setup mit leichtem Carbon Stativ und sehr wackelig, bei 65 fach ist die Grenze des Sinnvollen wohl überschritten auch hinsichtlich des Farbfehlers des "Richfielders". Aber wie Winnie beschreibt, Uranus ist deutlich anders als die Sterne drumherum, kaum flackern, flächiger, grünlicher. Mit einem Zehn-Zoll Dobson geht da ein kleines Scheibchen, der passt aber nicht in den Koffer viele Grüße, Ansgar
 
Ja, mit einem Großteleskop ist so ein unscheinbarer Planet wirklich was anderes. Ich hatte vor einiger Zeit einen 12" ACF-SC an der Lokalen Vereinssternwarte zur Verfügung. Damit fallen natürlich an den Planetenscheibchen schon die deutlichen Farben auf. Die vier hellsten Uranusmonde gingen damit auch. Triton beim Neptun habe ich leider mangels entsprechender Karte nie gesehen.

@ansgar:
So einen 120er Richfielder hatte ich auch lange Zeit im Gebrauch. Für Planetenbeobachtungen hatte ich ihn aber nie benutzt, dafür waren die Newtons da. Bei mir war damit auch in Ausnahmen bei 100fach Schluß. Kurzbrennweitigere Okulare hatte ich zu dem Zeitpunkt auch nicht und eine Barlow benutze ich wirklich nur, wenn es mal nicht anders geht.
 
Gratulation zur Sichtung, Ansgar! Wenn man mal das Glück hat, unter einem wirklich dunklen Himmel zu sein, kann sogar ein Versuch mit bloßen Augen erfolgreich sein. Vor vielen Jahren war ich mal auf der Emberger Alm in Kärnten, leider ohne Teleskop. Es war ein wunderschöner Himmel und nach Lokalisieren des Zielgebiets konnte ich den Uranus mehrmals und sicher kurz erkennen. Sowas ist etwas anstregend, aber es macht Spaß. Es gibt ja kein Objekt im Sonnensystem, das freisichtig erkennbar und weiter entfernt wäre.
Habe mal irgendwo gelesen (weiß aber nicht, ob das stimmt), dass die seefahrenden Südseebewohner angeblich den Uranus als Wanderer erkannt haben. Wenn jemand dazu Genaueres weiß, dann gerne eine Quelle nennen.
 
Hallo Thomas,

die "Geschichte" mit Uranus und den Bewohnern von Tahiti kenne ich vorn Bruno H. Bürgel in "aus fernen Welten" in der Erstauflage von 1910. Woher er diese Information hatte, verrät er uns dort aber nicht.

CS Gerhard
 
Hallo Gerhard, danke für die Info!
Es ist halt zweierlei, den Uranus zu erkennen, wenn man weiß wo er ist und zu entdecken, dass sich ein sehr schwaches Lichtpünktchen von Woche zu Woche ein wenig bewegt hat. Die Seefahrer im Pazifik müssen enorm aufmerksam gewesen sein. Ich vermute, dass die Menschen damals Sternkarten gezeichnet haben, denn sonst wäre es doch nur aus dem Gedächtnis heraus sehr unwahrscheinlich, die Bewegung zu entdecken. Immerhin hatten sie keine Lichtverschmutzung.
 
Gratulation zur Sichtung, Ansgar! Wenn man mal das Glück hat, unter einem wirklich dunklen Himmel zu sein, kann sogar ein Versuch mit bloßen Augen erfolgreich sein. Vor vielen Jahren war ich mal auf der Emberger Alm in Kärnten, leider ohne Teleskop. Es war ein wunderschöner Himmel und nach Lokalisieren des Zielgebiets konnte ich den Uranus mehrmals und sicher kurz erkennen. Sowas ist etwas anstregend, aber es macht Spaß. Es gibt ja kein Objekt im Sonnensystem, das freisichtig erkennbar und weiter entfernt wäre.
Habe mal irgendwo gelesen (weiß aber nicht, ob das stimmt), dass die seefahrenden Südseebewohner angeblich den Uranus als Wanderer erkannt haben. Wenn jemand dazu Genaueres weiß, dann gerne eine Quelle nennen.

Das ist interessant, hab im Forum vor ner Weile nämlich gelesen, das man über ne Kate von nem Hausdach oder so ohne Fernglas die Monde des Jupiter sehen kann, da hab ich mich gefragt wurden sie schon viel früher entdeckt also vor Galileo Galilei
 
Moin!
> Es ist halt zweierlei, den Uranus zu erkennen, wenn man weiß wo er ist und zu entdecken, dass sich ein sehr schwaches Lichtpünktchen von Woche zu Woche ein wenig bewegt hat.

Naja, "von Woche zu Woche" ist etwas übertrieben. Wikipedia schreibt, daß sich der Planet im Jahr (!) nur 4° am Himmel fortbewegt. Da muß man aber schon sehr genau hinsehen, um etwas zu entdecken. Von Sternkarten der Polynesier habe ich noch nie etwas gehört, geschweige denn in dem Detailgrad, der zum Auffinden von Uranus nötig ist. Es ist aber bekannt, daß sie Sterne mit ihren Auf- und Untergangsorten sehr genau kannten und zur Navigation auf der freien See benutzten.
Überlegt euch mal, wie viele Sterne man heute noch auf freier See ohne störendes Mondlicht sehen kann. Die Zahl im Pazifik muß für uns Stadtmenschen unglaublich sein, zumal ja auch viel vom noch auffälligerem Südhimmel dazukommt.
Unsere nordeuropäischen Vorfahren haben jahrhundertelang ebenfalls einen sehr dunklen Himmel zur Verfügung. Uranus ist ihnen aber trotz einer Maximalhelligkeit von +5m6 immer durch die Lappen gegangen. Selbst den ersten Kartografen mit ihren ersten Sternatlanten (Flamsteed "34 Tauri" oder Tobias Mayer) ist er zwar aufgefallen, wurde aber nicht als sich bewegender Planet erkannt. (Wikipedia) Auch Herschel (1781) dachte ja zunächst an einen Kometen, bis er genauer hinschaute.

Das mit den Monden das Jupiter sollte andernorts diskutiert werden, das ist zu weit ab vom Topic.
 
William Herschel hatte recht! Es ist wirklich ein Planet. :giggle:

Heute habe ich den Uranus zum ersten Mal als winziges Scheibchen gesehen. Beobachtet habe ich mit einem Refraktor 120/1000 bei ca. 190x.

War insgesamt ein schöner Abend. Beim Aufstellen der Montierung war der Polarstern gleich auf Anhieb im Polsucher. Das ging schonmal gut los. :) Nach dem Uranus habe ich noch dem Jupiter einen Besuch abgestattet. Zufällig war gerade der Schatten von Europa zu sehen. Am Ende habe ich noch den Mars angesehen. Bei 280x konnte ich eine Struktur erkennen, von der ich denke, es könnte die Große Syrte gewesen sein (auch eine Horizonterweiterung :)).

Nachdem ich gestern im Wechsel zwischen Sofa und Garten auf Wolkenlöcher gewartet habe, weil mich der Wetterbericht zum Aufbauen verleitet hatte und am Ende ohne Uranussichtung einpacken musste, lief es heute besser. :)

Freundliche Grüße in die Runde,
Felix
 
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