Im lichten Getümmel der Offenen Sternhaufen

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Anette_Aslan

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Liebe Gemeinde des göttlichen Funkengartens....

sorry, bin grad hoch inspiriert....

der frühe Abend des 8.Februar bescherte uns im Wiener Becken einen gnädigen Blick in den Funkengarten der Schöpfung! Wie anders sollte man (frau auch) drauf sein, bei solch seltenen Gelegenheiten?
Kaum senkte sich die noch junge Nacht so gegen 19h hernieder, zog ich den 16ner Dobson aus seinen Schuppen durch die noch schmatzend nasse Wiese, die eine mächtige Schneedecke von über 40cm langsam schmelzend schön durchweichte.
Bei Null Grad, einem recht trockenem Lüftchen und einem völlig wolkenlosen Himmel ohne Mond (welch Seegen) sehnte ich mich danach, in den Kronleuchtern des Himmels zu versinken und suchte alle offenen Sternhaufen auf, die erreichbar waren:

Zunächst M50, schräg links, oberhalb von Sirius mit seinem auffallend rötlichem Sternenmitglied. Im 32iger Weitwinkel offenbarte sich dieser durchaus schöne Offene so kurz vor seiner Kulmination als kompakte Sterneninsel im Gesichtsfeld, wie selten hatte ich die Gelegenheit, M50 einmal so ausgiebig meditativ zu betrachten! Immer störte die tiefe Deklination oder die Horizontsuppe, nun steht die Gelegenheit so günstig wie nie: früher Abend, recht dunkel und M50 fast im Meridian, herrlich!
Bei dieser Gelegenheit stieg ich dann herab zu M41, dem kleinen Bienenhaufen und fand pieksig feine Sternlein, dicht beieinander, ei welch funkelnde Freude!

Meine Magnituden schätzte ich auf 4,5......um auf 5 zu kommen, bedarf es hier im Wiener Becken einer außergewöhnlich günstigen Wetterlage, entweder nach dem Durchgang einer Kaltfront und dann so gegen 2 bis 3h nachts oder einer extrem trockenen Ostwetterlage. So war der Himmel aber doch durchschnittlich zufriedenstellend.

M36 und M37 im Fuhrmann gestalten sich so hoch im Zenit als wiedereinmal sportliche Herausforderung! Die Leiter musste her und es war nicht so einfach, den Korb des Riesentrumms in Position zu bringen! Ein kleiner Windhauch kann bei dieser Feinarbeit und den Verrenkungen gehörig stören! Doch ich bekam sie beide ins 32iger Okular..........was soll ich sagen? Sind eh der Schmuck der Frau Nacht...I see them with a womans eye! Unter den Offenen sind sie my best friends...

In das Schatzkästchen der Kronjuwelen, der Plejaden - griff ich ohne Leiter, diesmal leicht bläulich schimmernd, es musste aber das 42iger Weitwinkel her, sie sprengten im 16ner das gesamte Gesichtsfeld! Die Plejaden sind ein Hochgenuß in kleinen Fernrohren.

In der Kassiopeia rührte ich nur so herum, diese Zenitposition ist wirklich sehr anstrengend. Zufällig bekam ich den ein oder anderen offenen Kluster hinein und nahm eine wahre Sternendusche, welche in diesen Höhen dann in den beiden Ha und Chi des Perseus zu einem wahren Bade in nächtlichen Traumfunken wurde.....liebe Zeit, was war ich auf Entzug!!!

M 35 in den Zwillingen auch am kulminieren - kann irgendwie mit dem majestätischen Anblick des legendären M13 mithalten, finde ich! Ich meinte auch irgendwie fliehende Sternenketten zu erkennen. Wo ich schon in den Zwillingen war suchte ich noch leider vergeblich den Eskimonebel...es gestaltet sich schwierig, bei höherer Vergrösserung und einem kleineren Gesidhtsfeld im Himmel herumzusuchen, ich gab es auf und setze meinem Trumm wieder das 32iger Oku auf, so fand ich immerhin den NGC 2420 gleich daneben, ein kleines nebulöses Etwas, dass sich bei Vergrösserung als Mini-Open Cluster entpuppt, wie süss!!!
Gut hoch im Südosten stand schon der Krebs vor dem Löwen, diesen Krebs würde ich hier ohne den Löwen so schnell nicht finden, wegen seiner ohnehin lichtschwachen Sterne. Ihren Bienenhaufen, den M 44 kann man mit bloßem Auge aber erahnen und so tauchte ich mal ordentlich ein in das Bienengewusel, dass seinen Namen wahrhaftig verdient hat!

Zuguter letzt besuchte ich noch Jupiter, der nun bequem hoch im Südwesten ohne Leiter erreichbar war und nahm von dem einen gelungenen Shot durch mein Handy..freu, freu....habe ich gleich als Backgroundpicture gespeichert: die große Kugel mit drei kleinen Mondchen links im Schlepptau...musste schon ein Weilchen herumexperimentieren, doch es funktioniert Leute!!!!
Galilei wäre ausgeflippt...ganz sicher hätte sein berühmtes Matschauge vor Freude geleuchtet!

Leo kroch höher, das Galaxientriplet hätte mich noch interessiert doch konnte es trotz Anstrengung heute nicht finden, also doch keine 4,5mag sondern nur 4 !!!!

Weil ich trotz eintretender Kältestarre nicht los konnte, wollte ich mir den Veränderlichen Teufelsstern Algol zu Gemüte führen und seine Helligkeitsschwankungen endlich mal zur Notiz nehmen...na ja, ich fror fast fest am Oku und Teufel auch was es da oben alles gibt? Gottes Himmelsleuchten, Engelsperlen...die ganze Palette religiöser Gesinnung..Steven Hawking könnte sich darob aus den Sternenketten einen Strick drehen...smile....

nach diesem herrlich himmlischen Bade grüsst Euch Anette
 
Hallo Anette,

wie immer ein schöner Bericht voller Poesie und Begeisterung.

Weiter so!

Achim
 
Hallo Anette,

sehr schöner Bericht.

M44 wäre für mich sicher auch sehr sehenswert gewesen vorgestern. Den habe ich jedoch irgendwie überlesen im Atlas!

Grüße,
Josef
 
Hallo Anette,

na, Dich haben die Musen aber innig geküßt.

Kaum senkte sich die noch junge Nacht so gegen 19h hernieder, zog ich den 16ner Dobson aus seinen Schuppen durch die noch schmatzend nasse Wiese, die eine mächtige Schneedecke von über 40cm langsam schmelzend schön durchweichte.
Friedrich Hölderlin?

Richard Wagner?

Homer?

... nur so ein paar Assoziationen. Danke für den schönen und dichterisch begeisterten Bericht.

Viele Grüße
Johannes
 
Hi Annette,

Leo kroch höher, das Galaxientriplet hätte mich noch interessiert doch konnte es trotz Anstrengung heute nicht finden, also doch keine 4,5mag sondern nur 4 !!!!

Unglaublich, die beide hellen M-Galaxie sind doch schon mit einem 10x50 Fernglas (ggf. auf Stativ) zu sehen! (ab 5m-5m5 Himmmel)

Gruß
Lots
 
Danke für Euer liebes Feedback....ich schmöker in der Tat gern in alten Klassikern, das schlägt sich Gottseidank nur beim Schreiben nieder, sonst wär ich ziemlich einsam.....

Ach Lots! Ich denk eh immer an Dich, wenn ich auf Galaxienjagd gehe, weil du für mich der Innbegriff des Galaxienjägers bist hier! Ja, so traurig ist mein Süppchen hier, doch besser, viele, viel besser als damals in Stuttgart, mit hell erleuchteter Tankstelle eine Parallelstrasse weiter und einer Strassenlaterne direkt vor dem Balkon! Da kochte manchmal neben der Begeisterung auch die Wut mit hoch....ich sinnierte schon über Beleuchtungs-Anschläge ..aber es gab auch dort Zeiten, da konnte ich M51 sehen und auch mal das Leo-Triplet....ich kann mich erinnern.
Hier bin ich nur von flachen, grossen Gärten umgeben, habe Blick auf ein viel, viel größeres Himmelsareal als damals in meinem kleinen Vorstadt-Hanggarten....eine 10.000 Einwohnerstadt mit Einkaufszentrum 3 Strassen weiter und immerhin orangerot leuchtenden Strassenlaternen, die färben bei weisser Schneedecke alles in ein lachsfarbenes Licht.

Der Himmel sollte wirklich besser sein als in Stuttgart, ist er aber nicht! Der legendäre Stefan Seip, der bei mir damals um die Ecke wohnte, schätzte den Himmel dort damals auf 4,5 und ein absoluter Astrofotografie-Profi hier im Kaff schätzt auch diesen hier auf 4,5 bestenfalls. Ich habe aber schon mehr als 5 erleben können, wenn Föhn ist oder knurztrockene kontinentale Ostwetterlagen...dann kann ich sogar Whirlpool sehen und auch das Leotriplet...aber selten...solche Nächte erlebe ich, wenn ich zufällig so wiedermal um 3h aufwache und ausm schrägen Klofenster gucke...dann hauts mich aus dem Halbschlaf und ich bin putzmunter und nix wie raus....manchmal kommt halt der Himmel von selbst vorbei...smile....

Tschüssle von Anette
 
Hallo Anette,

ein schön geschriebener Bericht - wie immer - und sehr erhellend, Deinen Schreibstil mit verfolgen zu dürfen. Die Musen scheinen Dir stets gewogen zu sein.

Nur was mich wundert - Du schreibst von 4,5 Magnituden derer, und erwähnst im nächsten Atemzuge, Du hättest Praesepe freiäugig erahnen können. Ich denke fast, Du siehst Deinen Himmel kritischer, als Du es vielleicht tun solltest? Und dass man vor Kälte mal eine Galaxiengruppe nicht mehr findet - vielleicht, wenn selbige erst grade so übern Horizont kriecht - das verwundert auch nicht wirklich. Meist ist sowas ein untrügliches Zeichen dafür, es für diese Nacht bei dem bereits Gesehenen bewenden zu lassen.

Viele Grüße

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Juniper Hill Observatory

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Sternwarte: sternwarte.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory (at) freenet.de



 
Wie schon geschrieben...habe nun eine Goto und die Galaxien purzeln mir nun nur so rein! Ich schipperte einfach oft daneben und verlor die Geduld! Ich seh ja mehr als ich je erhofft hätte...

Alles Gute für heute Nacht lieber Markus! Bei uns verziehen sich die Cirren, schön trockene Luft! ABer heute werd ich nicht mehr so lange aufbleiben können, Nachtschicht zweimal hintereinander macht mich doch fertig!

Gruss von Anette
 
Hallo Anette

Nicht bitte nicht überstürzen, du hast jetzt ein Refraktor der Motorisiert ist, Jahre lang mit dem Dob langes aufsuchen
und am Himmel rum rührrerei ist vorbei toll.

Studiere dein Beobachtungsabend an, Schreibe auf einen Notizblock was beobachtet wird, Beobachte das was du Notiert hast, viel Astronomen machen das.

Die Depsky laufen nicht vom Himmel weg.

Ich weiß wie es ist kalt Tränen in den Augen, 1a Himmel man kann die Galaxien nicht mehr so Sehen wie es sein sollte, das kann Nerven, da verflucht man die Kälte.

Manfred

Die Erfindung der Augen Wärmer, wann ?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Lieber Manfred,

hast recht, ich stürze mich geradezu in den Himmel mit den neuen Möglichkeiten. Als wär ich 18 und hätte zum ersten Mal ein Auto unterm Hintern: da lockt die einsame Landstraße zu unerhörtem Leichtsinn! Nur gut, dass man da oben nirgends anstoßen kann und einem niemand in die Quere kommt! Aber die neue Technik auszuprobieren reizt so ungemein, ich mach mich erstmal vertraut mit den ganzen Programm, dann aber wie du sagst Manfred: aufschreiben...dass sehe ich schon jetzt ein, ich weis noch nicht mal mehr was ich alles wieder gesehen habe, was ich nun detailliert berichten könnte...

genießen wir diese kurze Zeit, ab Mittwoch solls ja wieder zuziehen...Gruss von Anette
 
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