In 8 Minuten zum Blauen Schneeball

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blue_scape

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Hallo,

in der Nacht vom vergangenen Freitag zum Samstag warf ich gegen Mitternacht einen Blick aus dem Fenster und es zeigte sich, zumindest beim kurzen Hinsehen, ein sternenklarer Himmel. Orion stand schon ziemlich im Süden und der 23 Tage alte Mond krabbelte gerade über die Häuserdächer. Ich schnappte meine ganzen Utensilien inklusive Karkoschka und kurz vor 0:30 MEZ (06. November) hievte ich dann meinen 8" Skywatcher nach draußen.

Als einziges Objekt, nahm ich mir eigentlich nur NGC 7662 vor. Im Sommer hatte ich im Bilder-Board eingige Aufnahmen gesehen und ich glaube gelesen zu haben, dass er sogar der hellste planetarische Nebel sein soll. Aber im Sommer lässt natürlich Andromeda/Pegasus noch ganz schön auf sich warten, doch jetzt hatte das Warten ein Ende.

- 0:33 MEZ - Ich nahm endlich auf meinen 4 Buchstaben (es sind ja tatsächlich 4 <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />) platz und fand natürlich sofort die markante Gruppierung aus lambda, kappa und iota Andromedae. 13 Andromedae konnte ich gerade noch hin und wieder mit bloßen Augen ausmachen und daher reichte wohl das Seeing nicht zum Anpeilen dieses Sterns.

- 0:36 MEZ - Der Himmel wurde von einer Schnuppe aus der Tauriden-Familie nahezu parallel zum Horizont durchzogen. Sie kreuzte so etwa die Region Widder/Dreieck und Pegasus.

- 0:41 MEZ - So hangelte ich mich zu 13 Andromedae mit meinem Übersichtsokular bei 50-facher Vergrößerung und da war schon ein Nebelfleckchen in meinem Blick, das sich nicht scharfstellen ließ. Es war ein regelrechtes Kinderspiel und der Karkoschka reichte zum Aufsuchen völlig aus. Ein sehr zu empfehlendes Starhopping-Ziel und allemal besser als M27 oder M33 zu finden, wie ich meine.

Natürlich wollte ich sofort stärker vergrößern, doch durch die Verhältnisse bedingt, beobachtete ich den Blauen Schneeball schließlich nur bei 100-facher Vergrößerung. Die blaue Färbung war nun wirklich nicht zu übersehen und etwas mehr als einen Nebeldurchmesser entfernt, konnte ich ein 14,6mag Sternchen sichten.

Kann das sein? Ein Stern mit 14,6mag bei 100-facher Vergrößerung. Vielleicht war es ja doch das 6,5mm Okular (154-fach).

Jedenfalls war es mein 4. planetarischer Nebel überhaupt, aber leider habe ich zu M27 und dem Eskimo-Nebel keine Aufzeichnungen gemacht.

Danach fing das Rätselraten an. Welches Objekt wollte ich als nächstes bestaunen. Der Orion stand gut und ich wollte ebenfalls schon immer mal M78 anfahren, doch Starhopping war da wohl nicht angesagt. Dieser Nebel braucht wohl eine genauere Aufsuchkarte, aber irgendwann werde ich ihn mal suchen gehen. Die Supernova 2004et wollte ich eigentlich auch noch meiner Freundin vorführen, aber vom Garten aus war es anscheinend mit der Kepheus-Zeit vorbei.

Ich entschied mich dann doch für Saturn und bewunderte ihn von 1:00 MEZ ungefähr eine Viertelstunde. Ich postierte mich so im Garten, dass sich die helle Mondscheibe noch hinter einem Hausdach befand und ich kurbelte die Vergrößerung bis auf das 375-fache. Immer wieder ließ ich den Ringplaneten durch das Gesichtsfeld ziehen, um so optimal fokussieren zu können. Ich meine dann letztendlich doch noch die Cassini-Teilung stellenweise erkannt zu haben.

Ich versuchte mir vorzustellen, wie weit sich derzeit noch der Orbit der Sonde Cassini in den Raum erstreckt und dass Huygens auf jenem Lichtpunkt landen soll, den wir Titan nennen. Zwischen Titan und Saturn erkannte ich noch einen weiteren Punkt, der sich als Rhea herausstellte.

Irgendwann hob ich den Kopf und mußte feststellen, dass eine geschlossene Wolkendecke bereits fast den halben Himmel bedeckte. Wo kam die denn so plötzlich her? Ich konnte regelrecht zusehen, wie die Sternbilder verschwanden: Fuhrmann, Stier, Kastor und ein paar Minütchen später Pollux und schließlich wurde Saturn im Okular zusehens unschärfer und ich mußte ausweichen.

Ich richtete den Tubus auf das einzige Objekt, welches noch nicht eingeschlossen war: der Mond

Gegen 1:30 MEZ startete ich mit 375-fach noch einen kleinen Mondflug. Zur Zeit war die Scheibe noch zwischen 42% und 43% beleuchtet und es war einfach ein phantastischer Anblick, als ich über die Krater und die anderen Strukturen am Terminator flog. Hinweg über Krater, die sich schon komplett wieder mit Nacht gefüllt hatten und nur der östliche Kraterwall noch weißlich leuchtete. So bestaunte ich zum Beispiel Archimedes.

Besonders lange beobachtete ich Kopernikus, den ich noch nie so groß gesehen hatte, wenn ich mich recht entsinne. So können auch die Minuten schwinden. Mir kam es so vor, als ob sich der Krater trichterförmig zeigt. Also, dass Kopernikus am oberen Ende des Kraterwalls breiter ist, als am Kraterboden. Es wirkte tatsächlich, als ob ich in einen Kessel hineinsehen würde, wobei sich die östliche Tribüne bereits in Schatten hüllte.

Ich bewunderte die zentralen Berge und die nördlich gelegenen Karpaten und sah, wie einzelne Wolkenbänder über die Mondoberfläche segelten. Das weiße Licht wurde matter, schwamm ein wenig und im nächsten Augenblick wurde der Mond wieder leuchtend und gestochen scharf. Um die Mondscheibe war zu dieser Zeit auch ein halbes Halo zu sehen.

Mittlerweile war der ganze Himmel zugezogen, doch ich hielt immer noch am Mond fest und überlegte, ob es sich noch lohnen würde, Papier und Bleistift zu holen. Ich wollte tatsächlich noch Kopernikus auf Papier bannen. Es gab dann auch die ersten Wolkenlücken, aber die hielten nicht lange und so baute ich alles ab und räumte es in das warme Wohnzimmer. Da muß es so kurz vor 2:00 MEZ gewesen sein, so dass ich nur 90 Minuten an der frischen Luft war.

Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt, zu dieser spontanen und kurzen Himmelsexkursion aufzubrechen.

Bis dann

Gruß - Nico
 
Hi,

das sind doch aufmunternde Ergebnisse.
Mit was beobachtest Du denn? Ich mein, 375x is doch schon mächtig Holz..


Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Markus A. R. Langlotz
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