Ursus corpulentus
Aktives Mitglied
Monemvasia, Griechenland, 21. April 2026, 4.30 Uhr loc., Seeing II, mild und trocken.
MIYAUCHI Pleiades (15x60, f/4 mit 3°) auf Berlebach mit Video-Neiger.
(In Griechenland käme niemand auf die Idee, den Schützen „Teekanne“ zu nennen, da der Kaffee dort die erste Geige spielt – neben dem Ouzo. Wie dem auch sei …).
Ein ausgiebiger Ritt über den Südhimmel, der erste, seit Namibia.
Und der Anblick ist umwerfend!
Obwohl mein Standort nur mit Bortle 3,5 angegeben ist – was der Beleuchtung vor allem des benachbarten Hafens geschuldet sein dürfte, denn bereits zwei Kilometer weiter sieht es eine Klasse besser aus – habe ich den Eindruck eines deutlich dunkleren Himmels im Vergleich zu mir zu Hause (Bortle knapp 4). Nach Norden schirmt mich der rund 200 Meter hohe Felsblock ab, der in vergangenen Zeiten als uneinnehmbar galt.
Das flauschige Tuch der Milchstraße zieht sich gut sichtbar über das Firmament. Ihr Anblick macht mir Freude, denn ich habe sie lange nicht mehr so ausgeprägt gesehen – und vermisst, wie mir in diesem Moment klar wird. Und sie macht mich durch ihre bescheidene Erhabenheit auch immer ein wenig demütig. Wenn ich darüber nachdenke, erscheint sie mir wie eine Persönlichkeit, die durch ihr ruhiges Auftreten beeindruckt und nicht durch laute Effekthascherei, wie es dem aktuellen Zeitgeist entspricht.
M22 erscheint mir im Glas am schönsten, gefolgt von M24, der mir als Süd-Laie als Navigationspunkt dient. Daneben im Skorpion drängen sich M6 und M7 praktisch auf. (Irgendwie scheine ich immer automatisch an ihnen hängenzubleiben, wenn ich in diese Richtung schwenke. Ihre Deklination scheint mit meiner Körpergröße und der Höhe Einstellung am Stativ zu korrelieren. Ich bin nicht so der Senkrecht-Beobachter, wenn es nicht sein muss).
In der Teekanne steppt der Bär! Steckt man ein Instrument in ihre Richtung, dann stößt man, egal, wo man hinsieht, – peng! – auf einen (oder gleich mehrere) kleine und kleinste Nebel, Wölkchen oder Sternhaufen. Es ist praktisch unvermeidbar.
Der Süden ist das Schlaraffenland des Nachthimmels!
Da dieser Urlaub in erster Linie dem Tauchen gilt, habe ich ein hochvergrößerndes Teleskop zu Hause gelassen. Und immer wieder mal überkommt mich der Drang, ein Objekt hochvergrößern zu müssen. Gerade bei den Kugelsternhaufen (M22!) vermisse ich einen Refraktor. Doch dieser Eindruck geht so schnell vorüber, wie der stechende Kopfschmerz, der entsteht, wenn man im Sommer sein Eis zu schnell isst. Zurücklehnen, entspannen, den Blick kreisen und die Seele baumeln lassen.
Was sich jedoch lohnt, ist die laufende Nachjustierung der Gläser. Nominal ändert sich im Laufe eines Beobachtungsabends (-morgens!) zwar nichts, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass es etwas bringt.
Im Laufe des Morgens wird mir sogar die Identifikation der beobachteten Objekte mir immer unwichtiger. Der halbherzige Versuch, die einzelnen Objekte nebenher, beziehungsweise danach zu bestimmen, erstirbt recht schnell im Schein der schwächer werdenden Batterie der Taschenlampe. Wofür auch? – Ich bin im Urlaub! Es zählt der Eindruck im Hier und Jetzt und das damit einhergehende schöne und zutiefst befriedigende Gefühl, das der Blick in den Himmel in mir auslöst.
Danke, Himmel.
Es wird langsam hell. Das Farbspiel beginnt ganz zart im Osten, und mein Bett ruft.
Schöne Grüße,
Urs
MIYAUCHI Pleiades (15x60, f/4 mit 3°) auf Berlebach mit Video-Neiger.
(In Griechenland käme niemand auf die Idee, den Schützen „Teekanne“ zu nennen, da der Kaffee dort die erste Geige spielt – neben dem Ouzo. Wie dem auch sei …).
Ein ausgiebiger Ritt über den Südhimmel, der erste, seit Namibia.
Und der Anblick ist umwerfend!
Obwohl mein Standort nur mit Bortle 3,5 angegeben ist – was der Beleuchtung vor allem des benachbarten Hafens geschuldet sein dürfte, denn bereits zwei Kilometer weiter sieht es eine Klasse besser aus – habe ich den Eindruck eines deutlich dunkleren Himmels im Vergleich zu mir zu Hause (Bortle knapp 4). Nach Norden schirmt mich der rund 200 Meter hohe Felsblock ab, der in vergangenen Zeiten als uneinnehmbar galt.
Das flauschige Tuch der Milchstraße zieht sich gut sichtbar über das Firmament. Ihr Anblick macht mir Freude, denn ich habe sie lange nicht mehr so ausgeprägt gesehen – und vermisst, wie mir in diesem Moment klar wird. Und sie macht mich durch ihre bescheidene Erhabenheit auch immer ein wenig demütig. Wenn ich darüber nachdenke, erscheint sie mir wie eine Persönlichkeit, die durch ihr ruhiges Auftreten beeindruckt und nicht durch laute Effekthascherei, wie es dem aktuellen Zeitgeist entspricht.
M22 erscheint mir im Glas am schönsten, gefolgt von M24, der mir als Süd-Laie als Navigationspunkt dient. Daneben im Skorpion drängen sich M6 und M7 praktisch auf. (Irgendwie scheine ich immer automatisch an ihnen hängenzubleiben, wenn ich in diese Richtung schwenke. Ihre Deklination scheint mit meiner Körpergröße und der Höhe Einstellung am Stativ zu korrelieren. Ich bin nicht so der Senkrecht-Beobachter, wenn es nicht sein muss).
In der Teekanne steppt der Bär! Steckt man ein Instrument in ihre Richtung, dann stößt man, egal, wo man hinsieht, – peng! – auf einen (oder gleich mehrere) kleine und kleinste Nebel, Wölkchen oder Sternhaufen. Es ist praktisch unvermeidbar.
Der Süden ist das Schlaraffenland des Nachthimmels!
Da dieser Urlaub in erster Linie dem Tauchen gilt, habe ich ein hochvergrößerndes Teleskop zu Hause gelassen. Und immer wieder mal überkommt mich der Drang, ein Objekt hochvergrößern zu müssen. Gerade bei den Kugelsternhaufen (M22!) vermisse ich einen Refraktor. Doch dieser Eindruck geht so schnell vorüber, wie der stechende Kopfschmerz, der entsteht, wenn man im Sommer sein Eis zu schnell isst. Zurücklehnen, entspannen, den Blick kreisen und die Seele baumeln lassen.
Was sich jedoch lohnt, ist die laufende Nachjustierung der Gläser. Nominal ändert sich im Laufe eines Beobachtungsabends (-morgens!) zwar nichts, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass es etwas bringt.
Im Laufe des Morgens wird mir sogar die Identifikation der beobachteten Objekte mir immer unwichtiger. Der halbherzige Versuch, die einzelnen Objekte nebenher, beziehungsweise danach zu bestimmen, erstirbt recht schnell im Schein der schwächer werdenden Batterie der Taschenlampe. Wofür auch? – Ich bin im Urlaub! Es zählt der Eindruck im Hier und Jetzt und das damit einhergehende schöne und zutiefst befriedigende Gefühl, das der Blick in den Himmel in mir auslöst.
Danke, Himmel.
Es wird langsam hell. Das Farbspiel beginnt ganz zart im Osten, und mein Bett ruft.
Schöne Grüße,
Urs