Infos zu den Privatsternwarten von Dr Egon Wecker in Mainhardt und Carl Bosch in Heidelberg gesucht

Jürgen

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Bin auf der Suche nach Infos zur Wecker-Sternwarte. Den Artikel zur Heilbronner Sternwarte, mit einem Hinweis auf Egon Wecker kenne ich bereits. Mich interessieren vor allem die Instrumente seiner Sternwarte bzw. deren Verbleib. Ein Teil davon ging an das astronomische Institut in Tübingen aber wo ist der Rest?

Zudem suche ich Infos zur "kleinen" Sternwarte von Carl Bosch in Heidelberg. Diese Sternwarte war im Garten seiner Villa am Wolfsbrunnenweg. Sie wurde ca. 1919 gebaut. Hauptinstrument war ein Carl-Zeiss Refraktor mit einem 110 mm B-Objektiv und einer Brennweite von 165 cm. Was wurde aus dieser Sternwarte und den Instrumenten nachdem die neue "große" Sternwarte mit dem 12" Carl-Zeiss Refraktor 1927 eröffnet wurde?

Fragen über Fragen aber wer weiß ...

Gruß in die Runde,
Jürgen
 
Hallo Jürgen,
hast Du schon mal das BASF Archiv konsultiert? Dort könnte sich etwas zum Nachlass finden.
Eine kleine Besserwisserei: Die Bosch Villa steht im Schlo0-Wolfsbrunnenweg der zum Wolfsbrunnen führt.
CS von einem alten Heidelberger
Dieter
 
Hi!

Du meinst sicher Ernst Wecker, nicht Egon :)

Ich schicke dir mal eine Würdigung zu seinem Geburtstag und den Brief, mit dem er den damaligen OB um ein neues Teleskop für die RMS angefragt hatte, nachdem seine Spende ans THG ging (wurde dann ein Kosmos E68). Seit 2009 stehen beide Teleskope auf der RMS; ich weiß nicht, ob du den Wecker-Refraktor auch schon gesehen hattest, als du mal da warst – wir vermuten, dass er Teile aus seinem Bestand zusammengesetzt hatte. Ich schicke dir noch ein Bild von seinem Standort im THG, bevor er wieder auf die RMS kam.

Mehr Infos haben wir leider auch nicht – auch dass einige Geräte nach Tübingen gingen war mir neu.

Schöne Grüße aus Heilbronn,
Alex
 
moin Alex,
wäre schön, wen n du die unwissenden aufklären könntest, was THG und RMS bedeutet. Mein Abkürzungslexikon kennt dies Bezeichnungen nicht!
nur mal so
Grüße speul
 
Ernst Wecker hatte ab 1912 wesentlich bei der Einrichtung der Robert-Mayer-Sternwarte (RMS, wird seit 1987 betrieben vom ebenfalls als RMS abgekürzten Verein "Robert-Mayer-Volks- und Schulsternwarte Heilbronn e.V.") auf der damaligen Oberrealschule und Realgymnasium (OR & RG) in Heilbronn mitgewirkt. Sie ist damit eine der ersten Volks- und Schulsternwarten, wobei es schon vorher eine Dachplattform für Schulastronomie gab.

Durchaus bedauerlich: Der damalige Sternwartenleiter Hans Seitz hatte schon im Vorfeld der Luftangriffe des 2. Weltkriegs vorgeschlagen, die Geräte der RMS auf die Sternwarte von Wecker in Mainhardt auszulagern, stattdessen wurden sie im Keller gelagert. Die fast völlige Zerstörung Heilbronns durch die Luftangriffe vom 4. Dezember 1944 überstand nur der Flügel mit der Sternwarte; die Geräte im Keller wurden nach dem Krieg endgültig von ehemaligen Zwangsarbeitern zerschlagen, und die Bibliothek verbrannt (wegen der Inventarstempel mit Hakenkreuz). Nur was oben auf der Sternwartenplattform verblieben war, hat überdauert. Das Stadtarchiv mit so gut wie allen Unterlagen wurde damals ebenfalls zerstört, zusammen mit der gesamten Innenstadt.

Nach dem Krieg war in dem Gebäudeflügel mit der Sternwarte das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) untergebracht. Wecker lag weiterhin viel an der Sternwarte, und durch die Hagenbucher'sche Ölfabrik (in der heute die experimenta Heilbronn ist) hatte er auch ausreichend finanzielle Mittel. Daher spendete Wecker den Wecker-Refraktor zusammen mit zahlreichen Büchern und anderem Astro-Zubehör rein rechtlich dem THG (aber für alle Heilbronner Schülerinnen und Schüler).

Als das THG in den 1950ern in ein eigenes Gebäude zog, nahm die Schule den Wecker-Refraktor natürlich mit, während das Robert-Mayer-Gymnasium (RMG) als Nachfolger des OR & RG das komplette Gebäude (soweit es halt wieder aufgebaut wurde) mitsamt der nun wieder leerstehenden Sternwarte übernahm. Wecker konnte den damaligen Oberbürgermeister Meyle zur Spende eines neuen Teleskops – des Meyle-Refraktors – für die RMS überreden, nachdem seine Spende die RMS verlassen hatte. 2009 kam der Refraktor dann vom THG wieder auf die RMS.

Jürgen war schon mal bei uns und kennt die Sternwartengeschichte, die wir auch auf Robert-Mayer-Sternwarte recht ausführlich haben, und die Geräte mit Kurzgeschichte stehen auf https://www.sternwarte.org/ueberuns/#historisch. Daher habe ich direkt die Abkürzungen genommen.

Die Quellenlage ist leider sehr dürftig, auch das Vorkriegsinventar der RMS ist nur über die Erinnerungen von Hans Seitz grob bekannt, zu dem in den 1980ern noch zufällig ein Briefkontakt entstand. Auch Fotografien der RMS aus der Vorkriegszeit sind uns keine bekannt (aber vielleicht hat ja hier jemand was?). Über die Sternwarte in Mainhardt hat bei uns auch nichts überdauert.

Beste Grüße,
Alex
 
Vielen Dank für eure Antworten!
@Dieter: BASF-Archiv, Zeiss-Archiv und das CB-Museum haben leider keine weiteren Infos zur kleinen Bosch-Sternwarte und klar, Du hast natürlich recht mit deiner korrekten Angabe Schloß-Wolfsbrunnenweg! Übrigens, dass sich ebenfalls dort befindliche Carl Bosch Museum ist wirklich sehenswert!

@Alex: klar erinnere ich mich an den Besuch auf eurer tollen Sternwarte! - Gott wie lange ist das schon wieder her ...
Zu "Ernst" Wecker hab ich den den Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft aus dem Jahr 1956 (S. 100) folgende Mitteilung der Tübinger Sternwarte gefunden:
"Eine wertvolle Bereicherung erfuhr der Instrumentenbestand durch eine Stiftung von Herrn Dr. Wecker-Heilbronn, für die auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Aus seiner Privatsternwarte in Mainhardt erhielten wir u.a. eine komplette kleine Schmidt-Kamera 140 mm Durchmesser, f:1,8 von Ohlmüller mit Leitrohr, einen Zeiss'schen Fünflinser 120/720 mm, 2 große Petzval-Objektive, Objektivprismen und sonstige lose Optik. Meßgeräte und eine kräftige azimutale Montierung mit 150 mm-Fernrohr"
Besonders interessant fand ich hierbei natürlich den Hinweis auf ein 150 mm Fernrohr. Ist das vielleicht euer gesuchtes Instrument?

Gruß in die Runde,
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

besten Dank auch für die weiteren Infos. Da Wecker doch viel an der RMS lag, dürfte das nicht unser Gerät sein – den heutigen kleinen Wecker-Refraktor hatte er 1952 der Stadt Heilbronn gespendet, "anstelle des vernichteten früheren Instrumentariums" (seine eigenen Worte). Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Stadt dagegen war, die Teleskope einer Privatperson anzuvertrauen, und sie lieber in den Schulkeller brachte. Auch die Bevölkerung sollte ja lieber in Luftschutzkellern Schutz suchen statt die Stadt verlassen, was in dem Feuersturm '44 viele das Leben gekostet hatte.

Aus der Erinnerung von Hans Seitz, der die RMS ab 1929 geleitet hatte, waren in der Kuppel ein Zeiss-Refraktor mit ca. 10cm Öffnung, darauf eine Astrokamera mit ebenfalls 10cm Öffnung und 1m Brennweite (Format 9x12cm) sowie weitere Kamera mit 13x18cm Bildformat – was ausreichte, um die Montierung völlig zu überlasten, sodass nur noch kaulquappenähnliche Sterne fotografiert werden konnten.

Ein Monteur bei Zeiss hatte dagegen (allerdings ohne Zugriff auf die Lieferunterlagen) recherchiert, dass es stattdessen ein 130/2300mm Refraktor mit A-Objektiv gewesen wäre, dazu Kameras mit 60/270mm Astro-Petzval-Objektiven. Dazu Okulare für Vergrößerungen von 47-466x. Das würde beinahe zu dem erwähnten Zeiss'schen Fünflinser passen, aber den hätte Wecker wohl spätestens 1952 zurückgegeben, statt einen neuen Refraktor zusammenzustellen.

Aber die Erinnerung kann trügen – ein Prof von der FH hatte in den 80ern berichtet, dass 1955 das Original-Instrumentarium noch vorhanden gewesen wäre, ein nicht zu langer Refraktor mit Uhrwerksantrieb. Das war aber gewiss schon der von Wecker drei Jahre zuvor gespendete Ersatz.

Von der Zerschlagung der im Keller ausgelagerten Geräte durch polnische Zwangsarbeiter, um das Metall weiterzuverwerten, hatte der damalige Hausmeister einem Lehrer berichtet; von dem haben wir die Info. Ich gehe daher davon aus, dass die ehemalige Ausrüstung den Krieg wirklich nicht überlebt hat – wobei es mich auch nicht wundern würde, wenn sie vorher schon beschädigt gewesen wäre, je nachdem in welchem Flügel sie eingelagert war. Von der ausgebrannten Schule stand nicht mehr viel; und in dem überlebenden Gebäudeflügel ist/war der Kohlenkeller. Kein guter Ort für Optik.

Beste Grüße,
Alex
 
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