Ernst Wecker hatte ab 1912 wesentlich bei der Einrichtung der Robert-Mayer-Sternwarte (
RMS, wird seit 1987 betrieben vom ebenfalls als
RMS abgekürzten Verein "Robert-Mayer-Volks- und Schulsternwarte Heilbronn e.V.") auf der damaligen Oberrealschule und Realgymnasium (
OR & RG) in Heilbronn mitgewirkt. Sie ist damit eine der ersten Volks- und Schulsternwarten, wobei es schon vorher eine Dachplattform für Schulastronomie gab.
Durchaus bedauerlich: Der damalige Sternwartenleiter Hans Seitz hatte schon im Vorfeld der Luftangriffe des 2. Weltkriegs vorgeschlagen, die Geräte der RMS auf die Sternwarte von Wecker in Mainhardt auszulagern, stattdessen wurden sie im Keller gelagert. Die fast völlige Zerstörung Heilbronns durch die Luftangriffe vom 4. Dezember 1944 überstand nur der Flügel mit der Sternwarte; die Geräte im Keller wurden nach dem Krieg endgültig von ehemaligen Zwangsarbeitern zerschlagen, und die Bibliothek verbrannt (wegen der Inventarstempel mit Hakenkreuz). Nur was oben auf der Sternwartenplattform verblieben war, hat überdauert. Das Stadtarchiv mit so gut wie allen Unterlagen wurde damals ebenfalls zerstört, zusammen mit der gesamten Innenstadt.
Nach dem Krieg war in dem Gebäudeflügel mit der Sternwarte das Theodor-Heuss-Gymnasium (
THG) untergebracht. Wecker lag weiterhin viel an der Sternwarte, und durch die Hagenbucher'sche Ölfabrik (in der heute die experimenta Heilbronn ist) hatte er auch ausreichend finanzielle Mittel. Daher spendete Wecker den Wecker-Refraktor zusammen mit zahlreichen Büchern und anderem Astro-Zubehör rein rechtlich dem THG (aber für alle Heilbronner Schülerinnen und Schüler).
Als das THG in den 1950ern in ein eigenes Gebäude zog, nahm die Schule den Wecker-Refraktor natürlich mit, während das Robert-Mayer-Gymnasium (
RMG) als Nachfolger des OR & RG das komplette Gebäude (soweit es halt wieder aufgebaut wurde) mitsamt der nun wieder leerstehenden Sternwarte übernahm. Wecker konnte den damaligen Oberbürgermeister Meyle zur Spende eines neuen Teleskops – des Meyle-Refraktors – für die RMS überreden, nachdem seine Spende die RMS verlassen hatte. 2009 kam der Refraktor dann vom THG wieder auf die RMS.
Jürgen war schon mal bei uns und kennt die Sternwartengeschichte, die wir auch auf
Robert-Mayer-Sternwarte recht ausführlich haben, und die Geräte mit Kurzgeschichte stehen auf
https://www.sternwarte.org/ueberuns/#historisch. Daher habe ich direkt die Abkürzungen genommen.
Die Quellenlage ist leider sehr dürftig, auch das Vorkriegsinventar der RMS ist nur über die Erinnerungen von Hans Seitz grob bekannt, zu dem in den 1980ern noch zufällig ein Briefkontakt entstand. Auch Fotografien der RMS aus der Vorkriegszeit sind uns keine bekannt (aber vielleicht hat ja hier jemand was?). Über die Sternwarte in Mainhardt hat bei uns auch nichts überdauert.
Beste Grüße,
Alex