IOptron CEM40 und GEM45 | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Tsarenbombe

Mitglied
Moin an alle,

Nachdem meine Bresser Exos-2 den Geist aufgegeben hat Suche ich nun nach einem Ersatz.

Dabei bin ich auf die CEM40 und die GEM45 von IOptron gestoßen.

Nun hab ich schwierigkeiten mich zwischen Ihnen zu entscheiden.

Mein Primäres Ziel wäre es diese zur Astrofotografie zu verwenden.

Mein derzeitiges Teleskop ist ein Skywatcher 150/750 PDS Newton, ich könnte mir in Zukunft aber auch Vorstellen einen Newton mit 200mm Öffnung darauf zu setzen.

Nun zu meiner Frage: Wer hat Erfahrungen mit diesen Montierungen und könnte es etwas berichten oder kann generell Vor und Nachteile der jeweiligen Konstruktionsweise nennen?

Z.B wie weit über den Meridian hinaus das tracken funktioniert bevor man einen Meridian Flip anwenden muss oder bei welchem das Teleskop schneller mal an das Stativ aneckt?

Besonders interessieren würde mich die nutzung von Newtons beim CEM-40, da ich aus einigen anderen Foren gelesen habe, das die GEM für Newtons besser geeignet wäre/Komplikationen auftraten.

Zudem würde es mich interessieren ob jemand einen Raspberry Pi/ Astroberry/ Stellarmate/ Zwo Asiair nutzt um die Montierung zu steuern?

Denn ich überlege mir das Wi-fi Modul für 129€ dazu zu kaufen, wenn jedoch mein Astroberry das leicht handeln kann wäre dies Wohl verschwendetes Geld. (Außer man kann Ipolar sich mit IPolar über Wi-Fi verbinden, falls jemand Infos dazu hat)


Die GEM45 kostet im Astroshop 100€ Mehr als die CEM 40, trägt aber auch 2 Kilo Mehr (was vernachlässigbar ist), deshalb tendiere ich derzeit zur CEM-40.


Ich bin für jeden Rat/Hilfe dankbar.
 

Jan-Fre

Mitglied
Hallo!

Ich habe in den letzten Jahren von Ioptron eine IEQ45 Pro (klassische deutsche Bauart), eine CEM60 und eine CEM70 verwendet. Die IEQ45 Pro war die Montierung, die trotzt einer anfängerischen Grobschlichtigkeit von meiner Seite am besten performt hat. Die CEM 60 hatte nach ca. 1/2 Jahr etwas nachgelassen. RMS-Wert bei ca. 1.2'', und der PE konnte nicht mehr richtig korrigiert werden, auch bei höherer Guiderate von 0.9x. Ich hatte die CME60 zur Wartung gegeben, wo herauskam, dass es etwas Abrieb gab und dass das RA-Schneckenrad ein paar Macken hat. Dies ist jetzt gerade behoben worden. Bei meiner CEM70 hatte ich bisher nur Ärger. Lockerer DEC-Belt (viel Spiel) und zwei fehlerhafte Elektronik-Boards. Ich warte derzeit immer noch darauf, dass die Ersatzboards kommen und ausgetauscht werden.

Nach meiner (kleinen) Erfahrung ist der Vorteil der CEM-Bauweise, dass das Ganze etwas leichter gebaut werden kann, da der Schwerpunkt immer an der gleichen Stelle innerhalb der beiden RA-Lager sitzt. Wahrscheinlich merkt man als Nutzer davon wenig, mit Ausnahme, dass solche Montierungen vielleicht etwas leichter gebaut werden können.

Was mir an der CEM-Bauweise aber nicht so gefällt, ist, dass es keine richtige Kupplung gibt, und dass die Schneckenwellen quasi immer vor- und zurück bewegt werden beim Kuppeln. Dies ist anders als bei der deutschen Bauweise, wo Scheckenwelle und Schneckenrad ständig im Eingriff sind, und wo eine reibschlüssige Kupplung verwendet wird, um die Achsen zu verbinden. Im Fall der CEM ergibt sich die Konsequenz, dass man schnell mit der Welle über die gesamte Schneckenradseite ratschen kann, wenn man die Welle ungewollt doch nicht vollständig zurückgezogen hat. Auch ist es so, dass man Rad und Welle "zusammenquetschen" kann, wenn man die Verbindung schließen will, aber der RA-Sicherungsbolzen/Schlüssel immer noch steckt. Solche Fehler werden wahrscheinlich nicht so häufig verziehen. Die Schneckenräder sind bei Ioptron aus einer weichen Alu-Legierung. Man findet auf Cloudy Nights einige Bilder, bei denen Nutzer Alu-Abrieb und Ausbrüche zeigen.

Natürlich sind die CEM sonst gut. Ich hatte auch schonmal einen RMS-Wert unter 0.5''. Sie haben aber diese Schwachstelle.... Ich persönlich würde jetzt wieder zu einer klassischen deutschen Bauweise neigen.... die GEM45 kenne ich aber nicht.

Viele Grüße
Jan
 

Jan-Fre

Mitglied
Hallo nochmal,

nochmal ein paar weitere Punkte:
- Es sollte keinen Unterschied machen, ob Du ein Newton oder sonstwas nutzt, solange der Setup gut austariert ist. Allerdings sind Newtons windempfindlicher, da größere Fläche. Vielleicht wäre da die GEM45 besser, da etwas mehr Tragfähigkeit. Was hast Du für eine Pixelscale? Mit einem 200er Skywatcher würde bei ggf. kleinen Pixeln eine sehr hohe Nachführgenauigkeit verlangt. Wenn die Pixelscale unter 1'' ist, kann es anspruchsvoller werden. Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen!

- Ich habe bis vor ca. einem Jahr den ASIair an der IEQ45 Pro und der CEM60 verwendet. Lief tadellos, bis auf, dass der automatische Meridionflip niemals geklappt hat. Hatte viel probiert, auch Einstellungen von anderen Nutzern übernommen, aber ohne Erfolg. Der Asiair hatte zu jener Zeit aber auch sehr viele Bugs. Kann sein, dass das heute besser klappt.

- Ich persönlich würde mir kein Wifi-Modul kaufen. Der Asiair packt das. Wenn man später doch nochmal etwas mehr Performance benötigt und auf Mini-PC oder Laptop wechselt, braucht man sowieso keinen Wifi-Adapter.

Viele Grüße
Jan
 

Tsarenbombe

Mitglied
Hallo nochmal,

nochmal ein paar weitere Punkte:
- Es sollte keinen Unterschied machen, ob Du ein Newton oder sonstwas nutzt, solange der Setup gut austariert ist. Allerdings sind Newtons windempfindlicher, da größere Fläche. Vielleicht wäre da die GEM45 besser, da etwas mehr Tragfähigkeit. Was hast Du für eine Pixelscale? Mit einem 200er Skywatcher würde bei ggf. kleinen Pixeln eine sehr hohe Nachführgenauigkeit verlangt. Wenn die Pixelscale unter 1'' ist, kann es anspruchsvoller werden. Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen!

- Ich habe bis vor ca. einem Jahr den ASIair an der IEQ45 Pro und der CEM60 verwendet. Lief tadellos, bis auf, dass der automatische Meridionflip niemals geklappt hat. Hatte viel probiert, auch Einstellungen von anderen Nutzern übernommen, aber ohne Erfolg. Der Asiair hatte zu jener Zeit aber auch sehr viele Bugs. Kann sein, dass das heute besser klappt.

- Ich persönlich würde mir kein Wifi-Modul kaufen. Der Asiair packt das. Wenn man später doch nochmal etwas mehr Performance benötigt und auf Mini-PC oder Laptop wechselt, braucht man sowieso keinen Wifi-Adapter.

Viele Grüße
Jan
Hallo Jan,

Danke für deinen Beitrag, das war sehr hilfreich für mich.

Zum Pixel Scale: Ich nutze aktuell eine Canon Eos 450D und Plane in Zukunft mir wieder eine Canon 1100D anzuschaffen, beide haben einen Pixel Pitch von 5,19µm, laut Astronomy.tools bei meinem Skywatcher 150PDS nen 1,4" und bei dem 200PDS wären es 1,05" scale. Zudem nutze ich gelegentlich eine Canon eos 1300d, da könnte es mit ihrem 4,29µm Pitch etwas knapper werden beim 200PDS (0,88" scale).

Wenn ich mich recht entsinne, kann man am Handcontroller nen Meridianflip machen, korrekt? Funktioniert das denn (Zuverlässig)?
Kann die Asiair den IPolar nutzen bzw. die Polausrichtung damit durchführen oder nutzt du dafür einen Laptop?

Zudem würde mich interessieren ob das Gegengewicht sich bei der IEQ-45 Pro in der DEC Achse mitbewegt (beim GEM-45 soll dies wohl nicht der Fall sein, wodurch man jederzeit seine Polausrichtung prüfen kann, im gegensatz zu anderen GEM's)

Wie Lange nutzt du schon die IEQ-45 PRO und musste diese schon gewartet werden? (ist der GEM 45 noch am ähnlichsten)

Wie lange nutzt du schon die CEM-70 bzw. wie lange war sie im Betrieb bevor die Boards nicht mehr funktionierten und wie lange wartest du schon auf die Ersatz Boards? Und welche Fehlfunktionen sind aufgetreten durch die Fehlerhaften Boards/ Woran hat man den Defekt erkannt?

Ich hatte mit dem Betreiber von Teleskop-spezialist am Telefon geredet und er hatte verhement von den Ioptrons abgeraten, da laut seinen Angaben, knapp 50% der Stative wegen Mangelhafter Boards min. 1 mal zurückgesendet wurden und ich solle dies auf Cloudy nights etc. prüfen. (Andere Händler konnten dies nicht bestätigen)

Dort habe ich jedoch recht wenig zu solchen Komplikationen gefunden und wenn doch im zusammen hang mit dem Software Update was scheinbar zu kaputten Boards führte, aber inzwischen behoben sein soll.


Tut mir leid für den Fragen Ansturm und Danke im Voraus.
Gruß
Jack
 

Jan-Fre

Mitglied
Hallo Jack,

ich helfe gerne :)

- Den Meridian Flip kann man auch manuell machen. Einfach ein Goto zu den vorherigen Koordinaten geben, nachdem diese den Meridian passiert haben, die Monti schwingt dann einfach rüber.

- Die IEQ hatte ich ca. ein Jahr. Danach wurde ich etwas zu gierig. Sprich größeres Equipment, etc. Die CEM60 musste her. Würde sagen, dass ich die 45er nicht ganz ein Jahr hatte. Ich hatte sie irgendwann hier verkauft. Gewartet wurde sie in der kurzen Zeit nie.

- iPolar gefällt mir sehr gut! Läuft aber nur mit Computer. Nicht mit asiair oder so.

- Zu dem CEM70-Boards: Ich hatte eine der ersten CEM70-Modelle, die letztes Jahr herauskamen. Du findest Fotos dazu in einem Posting in diesem Forum. Ich hatte die Probleme von Anfang an. Ich hatte diese aber erst nach und nach richtig realisiert, da ich auch immer noch am Lernen war/bin, da ich ein Problem nach dem anderen identifiziert (und teils ausgemerzt) hatte, und da seit Herbst letzten Jahres leider recht wenig freier Himmel zum nutzen/testen/probieren war... Der Service von Ioptron gab in einer Mail zu, dass ALLE CEM70-Modelle aus dem letzten Jahr Elektronik-Probleme haben und dass hier die Boards getauscht werden müssen. Berichtet wurden RA-Schwingungen (dazu gibt es Youtube-Videos). Bei mir was es so, das die RA-Achse schlicht zu langsam war und ständig beim Guiding in eine Richtung nachkorrigiert werden musst. Dadurch konnte dann der PE nicht mehr richtig kompensiert werden, selbst bei einer Rate von 0.9x und 130% Aggressivität. Siehe auch früheren Post hier..... Ach ja. Der Dec-Belt war extrem lose. über 2,6s Backlash-Korrektur war bei 0.9x Rate nötig zur Kompensation. Bei Ioptron hatte wohl die Qualitätssicherung versagt...

- Informationen zu Komplikationen findest Du recht viel in der Ioptron-Facebook-Gruppe. Vor allem vor knapp 1/2 Jahr las man viel. Der Tenor war oft, dass viele verschiedene neue Modelle auf den Markt in kurzer Zeit kamen und dass es QS-Mängel gibt. Der Service schien zu dieser Zeit auch überfordert gewesen zu sein. Es gab nur selten Antworten. In Facebook findest Du Post u.a. von Simon Lewis, der seine CEM70 zurückgegeben hatte und auf eine gebrauchte aber sehr gut laufende CEM60 umgestiegen ist. William Shaw hatte eine Odyssee mit der CEM40. Divye Ruhela hat vor zwei Tagen ein nettes Video zum Backlash mit seiner CEM26 gepostet. Das sieht mir nach mehreren Grad aus...

- Ich glaube, dass ich mich seit Februar um neue Boards bemühe. Ich schrieb aber auch schonmal Ende letzten Jahres an Ioptron - ohne Rückmeldung. Erst als ich im Februar (ungefährer Zeitpunkt) bei denen in den USA angerufen hatte und mit dem Sales Manager (Roger Rivers) sprach, kriegte ich Rückmeldung. Irgendwann sagt man mir, dass sie keine Boards mehr in den USA haben und dass sie mir diese direkt aus China zusenden müssten. Man würde noch den Preis ermitteln, den ich (jawohl, ich!) für den Versand zu zahlen hätte. Diese Info kriegte ich aber nie. Habe viele Male noch nachgefragt und auch geschrieben, dass das nicht so toll ist, dass man keine Rückmeldung mehr kriegt (auch hinterher mit Roger Rovers in CC). Brachte aber nichts. Die Montierung habe ich dann zurück an TS gesendet, wo ich sie gekauft hatte. Das ist jetzt knapp 2 Monate her. Man sagte mir dort, dass sie neue Boards bestellt hätten, und das diese sofort eingebaut werden würden, wenn sie da sein.... Könnte mal wieder nachfragen, wie der Status ist. Aber ich bin nur begrenzt optimistisch. Ich hatte in der Vergangenheit ca. 4x eine neue Libelle für die IEQ 45 Pro bestellt. Die ersten drei Male kam die nicht an.

So... ich will jetzt nicht Ioptron hier schlecht reden. Es gibt sicher viele Leute, bei denen alles rund läuft. Und auch von anderen Montierungen werden schonmal Probleme berichtet. Meine Erfahrungen waren aber jetzt echt nicht ganz so doll. Ich habe für mich entschieden, dass ich nach dieser persönlichen Erfahrung wahrscheinlich keine Ioptron-Montierungen mehr kaufen werde. Eine gute Sache hatte das ganze jedoch: Ich habe recht viel über Montierungen und Guiding gelernt, was vielleicht nochmal irgendwann nützlich sein könnte.

Viele Grüße,
Jan
 
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