irrsinniger Mars

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lion

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Hi Leute,

Was muss ich tun, wenn ich mit einem R200SS solche Mars-Aufnahme wie im "Mars-Forum" (2cm Durchmesser in der Aufnahme) bzw. solch einen Blick im Okular in dieser Vergrößerung haben möchte?

Vixen-R200SS: 200/800mm-Newton (f/4)

Okulare:

Nagler 2,5
LVW 3,5mm
LVW 8mm
LV 20mm

Bringt eine Barlow diesen grandiosen Erfolg? Wie genau und welche?

Was sonst?

Diese Frage würde mich auch interessieren.

Solong, Lion
 
Hi,

beim "irrsinnigen" Erfolg mussen alles stimmen:

* bestes Seeing (im Tubus und draussen)
* Knackige Kollimation
* Allerbeste Optik
* Beste Kenntnis über die Bildverarbeitung

Vielleicht das beste ist der FFC von Baader, ein Projektionsokular. Oder die 5x Powermate von TeleVue. Ist glaube ich ein 4-Linser. Zudem arbeitet man dann beim Kombinieren der Rohbilder mit Superresolution. 2x oder 2.5 x. Ausserdem sollte man von vorneherein so hoch samplen, dass ein Pixel so etwas bei 1/2 bis 1/3 der Auflösung des Telekopes nach Rayleigh hat.
 
Hi,

Planetenfotografie ist so eine Sache. Durch die Webcams ist vieles einfacher geworden, das heisst aber nur, daß man leichter ansehnliche Ergebnisse zustande bringt.
Ein echtes Spitzenbild hingegen ist heute noch genauso schwierig und selten, wie es 1988 war.

Das wichtigste für das perfekte Bild ist Routine. Routine deshalb, weil das perfekte Bild nur bei perfekten Bedingungen entsteht. Perfekte Bedingungen ohne Routine bedeuten meistens, daß irgendein Fehler das Bild versaut...

Nun mal konkret. Also, das R200SS, welches ich selbst habe, ist nunmal keine Planetenkanone. Das ist auch jeden Fall eine wichtige Einschränkung.
Wenn Du eine Webcam betreibst, dann erreichst Du mit einer 2x Barlow zwar eine ganz nette Vergrößerung, aber für die richtig tollen Details braucht es mehr Vergrößerung.
Das heisst, Du müsstest in Okularprojektion gehen.
Ach ja, ob chemisch oder Webcam: Immer direkt auf den Chip/Film projizieren, also keine "Fremdoptik" dazwischen. Webcam-Linse abschrauben!
Für Okularprojektion hast Du einfach die falschen Okulare. Ich will zwar nicht behaupten, daß die Okulare nicht funktionieren, aber selbst wenn sie eine ordentliche Projektion machen würden, bringen sie durch ihre Größe Probleme ins Spiel. Ausser das LV 20, das aber hat zu wenig Vergrößerung, um bei Okularprojektion sinnvoll zu sein.

Allgemein nimmt man zur Okularprojektion Orthos. Es lohnt schon, ordentliche Orthos zu nehmen. Noch besser sind wohl Projektionsokulare (z.B. Pentax XO, so teuer wie Dein Nagler). Muß aber nicht sein. Ein ordentliches Ortho genügt.
Jetzt kommt die Faustformel ins Spiel. Vergrößerung mal Projektionsabstand gibt die Effektivbrennweite.
Also Beispiel: 8mm Ortho am R200SS: 100-fache Vergrößerung. Abstand zwischen Okular und Webcam sei 50mm. Dann sind das 100x50mm=5000mm Effektivbrennweite. Das gibt auf der Toucam einen ca 100 Pixel grossen Mars. Für chemie müssen mindestens mal 30m Effektivbrennweite an den Start...
Wenn Du damit loslegst (5m bei Webcam, 30m chemisch), wirst Du erstmal lustig wuseln, bis Du Mars überhaupt im Bild hast! Nur wenn der Webcam-Adapter ganz gerade zum Chip sitzt, hat man eine Chance. Deshalb ist hier ein Adapter, der ins Gewinde der Webcam geschraubt wird, praktisch notwendig.
Beim Einstellen des Planeten, so daß sein Licht auf den Chip kommt, ist wieder Routine gefragt. Ausserdem muß die Webcam auf lange Belichtungszeiten gestellt werden, damit man die riesige, unscharfe Scheibe des Planeten überhaupt sieht.
Wenn es dann ums Fokussieren geht, so ist das ohne Fokussiermotor sauschwer, weil man bei so starker Vergrößerung alles Verwackelt und deshalb den Schärfepunkt nicht erkennen kann. Ich habe mir so einen Motor selbst gebastelt.

Dann kann es ans Belichten gehen. Du musst eine grosse Serie Bilder (locker 500-1000 Stück) machen, und zwar bei der richtigen Belichtungszeit. Die findet sich bei der Webcam recht leicht, man sieht ja das Rohbild. Aber auch hier ist wieder Routine das Erfolgsrezept.

Wenn dann die Aufnahme läuft, dann zeigt sich zum einen, wie gut das Seeing ist, zum anderen, wie gut Deine Routine beim Aufstellen der Montierung ist.
Das gute Seeing ist zum einen Wettersache (Glück und oft Zeit zum gucken haben), zum anderen aber auch unbedingt Standortsache. Städte mit ihren warmen Hauswänden und Asphaltflächen und Wärmespuckenden Schornsteinen sind Seeing-Killer.
Wenn Du Deine Montierung nicht einigermassen ordentlich auf Polaris ausgerichtet hast, dann wandert Dir während der Belichtung der Planet aus dem Ausschnitt. Sei froh, wenn es nicht dauernd während der Einstellerei der Software passiert. Dann musst Du nachkorrigieren, und man erwischt immer und garantiert den Knopf für die Gegenrichtung (es sei denn, man hat Routine) und der Planet flutscht aus dem Bild - wenn man Pech hat, ist er weg und man muß die Kamera abbauen und ihn visuell mitm Okular wiedersuchen. Bei der Vergrößerung hilft nämlich ein Sucher garnix.

So. Nun hast Du mal ziemlich anschaulich gehört, was für ein Krampf sowas schnell werden kann.
Funktionieren tut's trotzdem.
Ich würde sagen, Du machst Deine ersten Bilder direkt im Fokus den Teleskops bei 800mm, oder eben mit 2x Barlow bei 1600mm. Das dürfte sogar mit der Barlow noch mehr werden, weil die Kamera weiter aussen sitzt als ein Okular.

Damit hast Du schonmal gute Erfolgsaussichten.
Wenn das klappt, dann kannst Du Dich steigern, und auf Okularprojektion umsteigen.

Clear Skies
Sven
 
@Sven_Wienstein

Ich bin in einer ähnlichen Situation Ich habe ein GSO Newton 150/750. Dabei waren ein 25mm und ein 9mm Plössel und ich wollte nun pünktlich zur Opposition mir auch ein neues Okular zulegen - hauptsächlich für Okularprojektion mit meiner Digitalkamera.

Es wird immer geschrieben, dass Orthos die besseren Planetenokulare zur Projektion wären - aber soweit ich das sehe habe die meisten nur ein sehr kleinen Einblick, da wären doch LV's deutlich besser, oder nicht?

Da mir die LV's zu teuer sind hatte ich an die günstigeren TS-SW bzw. TS-LE gedacht.

Ich hatte eigentlich vor mit ein TS-SW 6mm oder ein TS-LE 5mm zu kaufen. Sind diese denn auch für Projektionen zu gebrauchen? Welches würdest du empfehlen?

Gruss
NetRipper
 
Hallo NetRipper,

ich glaube, daß Du eine falsche Vorstellung von „Okularprojektion“ hast. Wenn Du, wie ich vermute, Deine Digitalkamera mit dem Objektiv hinters Okular des Teleskops stellst, ist das keine Okularprojektion! Vielmehr ist dann das Teleskop so zu fukussieren, daß es – wie für visuelle Beobachtung – ein virtuelles Bild zeigt. In diesem Falle brauchst Du ein Okular mit

1. großem Gesichtswinkel,
2. großem Einblickdurchmesser,
3. großem Pupillenabstand,

damit die Vignettierung möglichst klein bleibt.

Bei Okularprojektion dagegen wird das Okular weiter nach außen gefahren, so daß nun kein viertuelles, sondern ein reelles Bild in gewissem Abstand hinter dem Okular entsteht (das Okular „projiziert“ also ein Bild, das auf einem weißen Blatt Papier sichtbar wird, wenn das Objekt hell genug ist – daher die Bezeichnung „Okularprojektion“). Du kennst diese Methode vielleicht von der Beobachtung der Sonne, die so hell ist, daß das reelle Bild hinter dem Okular auf einem Schirm (z.B. auf weißer Pappe) aufgefangen werden kann. ACHTUNG, dazu sind aber Vorsichtsmaßnahmen nötig, die ich hier nicht darstellen will, weil das ein ganz neues Thema wäre.

Okularprojektion in Verbindung mit einer Digitalkamera ist nur möglich, wenn das Objektiv der Kamera abnehmbar ist. Denn das Okular prijiziert das Bild dann direkt ins Kameragehäuse auf die Sensorfläche.

Ich nehme an, daß Dir jetzt klar geworden ist, warum es zu dem scheinbaren Widerspruch zwischen Sven Wiensteins Empfehlung eines Orthos zur Okularprejektion einerseits und dem Verlangen nach großem Okulardurchlaß andererseits für das Kameraobjektiv am Okular gekommen ist.

MfG Walter E. Schön
 
Danke für die schnellen Antworten.
Ja da hat man mich gleich ertappt - als blutiger Anfänger hab ich wohl doch weniger Ahnung als ich dachte. Jetzt ist mir die Sache mit der Okularprojektion endlich klar geworden. Danke dafür.

Dann wären meine angepeilten Okulare ja schon das richtige. Welches ist denn eher zu empfehlen bzw. hat schon einer Erfahrung mit einem? Also entweder das TS-SW 6mm oder das TS-LE 5mm?

Gruss
NetRipper
 
Hi,

ich habe beide Okulare an einigen Geräten durchprobiert. Ich wurde ganz ganz extrem zum TS-SW 6mm tendieren. Das LE 5 bekommt unterhalb von f/8 also auch an Deinem f/5 recht "flatschige" Sterne.

Clear Skies
Sven
 
@ Sven and ALL

Ist es nicht besser direkt für die WebCAM eine x5-Powermate-Barlow zu nehmen, damit man trotz der geringen Brennweite (200/800,f/4) des R200SS schöne, große Aufnahmen z.B. von Mars erhält?

Solong, Lion

 
Hi Lion,

für Aufnahmen mit einer 5x Barlow musst Du erstmal entsprechend gutes Seeing haben. Du musst dann mit der Belichtungszeit deutlich herunter, ich schätze 1/25 statt 1/250 Sek. Das stellt herbe Ansprüche ans Seeing.
Darüber hinaus will das auch erstmal scharf gestellt werden. Das wird bei 1/25 noch schwerer, denn Du wirst Dir das Bild entsetzlich verwackeln, sobald Du das Teleskop anfasst.
Ich habe mir hauptsächlich aus diesem Grund einen Fokussiermotor selbst gebaut, und ich habe bis jetzt eben nur mit 2x Barlow gearbeitet!

Du hast noch nicht viel Erfahrung. Ich glaube, Du setzt noch zuviel auf das verwandte Material. Das würde ich nicht tun. Bei der Fotografie muß die Mechanik usw. gut sein, aber ab einem gewissen Anspruch ans Bild ist nicht mehr Material, sondern Übung gefragt.
Mein Vorschlag: Kaufe erstmal eine günstige 2x-Barlow, die Du mit IR-Sperrfilter kombinierst.
Wenn Du damit dann genug Erfahrung gesammelt hast, dann kannst Du die teure Powermate in 5x kaufen - wenn Du glaubst, die Brennweite dann noch beherrschen zu können.

Ich denke, Du willst nun im Hauruck-Verfahren Marsfotos machen, besser als alle anderen. Das haut aber so nicht hin, und wenn Du mit der 5x-Barlow nicht klar kommst, dann wirst Du am Ende gar keine Fotos haben.
Übrigens, schau Dir doch ruhig mal an, von wo aus die besten Marsfotos gemacht sind. Hier in Deutschland geht schon was, aber im Mittelmeerraum, wo Mars viel höher steht, da werden die richtig guten Bilder gemacht.

Also: Sieh zu, daß Du das beste aus Deinen Möglichkeiten machst. Die 5x ist eine Option, die man eher selten nutzt. Viel öfter wirst Du die 2x drin haben. Also kommst Du um den Kauf einer 2x Barlow nicht drumrum.

Und was ich noch einmal ganz dringend wiederholen muß: Das R200SS ist nicht das Gerät, mit dem man am Planeten einem 150mm Intes-Mak das Fürchten lehren kann! Justiere die Optik sorgfältigst, dann kannst Du je nach Seeing in die Nähe solcher Bilder kommen.
Setze Dir nicht zum Ziel, die perfektesten Bilder zu machen! Hubble ist ohnehin besser... Setze Dir zum Ziel, ansehnliche Bilder vom Mars abzuliefern.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Lion

Die LV Okulare sind für Planeten sehr gut!

Hier mein Tip!

Vorderen Teil abschrauben und ohne die im Gummistück
sitzenden Linsen verwenden!
Also nur das verchromte Teil einsetzen !

Mach das schon seit Jahren so Super Aufnahmen!

Foxi
 
Hi Foxi,

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Das ist wirklich gut, weil, was dann vom LV als einziges übrig bleibt, ist eine Barlow...
Klar, daß das prima funktioniert. Spart vielleicht ein paar Mark, wenn ein LV vorhanden ist, aber ein teureres Okular würde ich auf diese Weise nicht der inneren Verstaubung aussetzen!!!

Clear Skies
Sven
 
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