Jacques trifft auf IC 1805

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Hallo Forum,
mehr als eine Woche ist es jetzt schon her, als in der Nacht vom 19. auf den 20. August Komet Jacques auf IC 1805 zuzog. Da ich aber erst letzte Nacht endlich Glück hatte und die letzten Aufnahmen vom Nebel sammeln konnte, bin ich dann wohl das Schlusslicht beim Zeigen dieser Konjunktion.

Die Liste an Pannen war dieses Mal wirklich lang. Zuerst eine schlecht kollimierte Optik weil ich den Hauptspiegel kurz vorher zum Reinigen ausgebaut hatte - bei f/3,8 tödlich für die Bildecken. Dann konnte ich aufgrund Wolken nur, für eine ungekühlte DSLR lächerlich wenige, 2.5 Stunden Ha-Aufnahmen sammeln. In der dritten Nacht dann Totalverlust aller [OIII]-Aufnamen wegen zugetauter Optik. Und immer wieder vor einem langen Arbeitstag um 2 Uhr aufstehen und das Teleskop anwerfen, weil die Region vorher einfach nicht aus den Bäumen nördlich meiner Säule hervorkriechen wollte!
Was soll ich sagen? Es hat Spaß gemacht, das Alles gehört nun mal zu diesem Bild dazu! Zwischendurch konnte ich das halbfertige Bild schon nicht mehr sehen. Und jetzt freue ich mich riesig, denn es ist mein bislang bestes Bild - trotz der Mühen und des stundenmäßig dürftigen Materials. Und deswegen übersehe ich die kleinen Macken, die ich dem Bild natürlich ansehe und freue mich einfach darüber, als noch relativer Anfänger etwas Schönes aus etwas "hässlichem" gemacht zu haben :/

Link zur Grafik: http://nauris.de/temp/Jacques meets IC1805_klein.png

Und hier in groß und mit Aufnahmedaten:

C/2014 E2 Jacques meets IC 1805

Viel Spaß beim Betrachten!
Wünscht Daniel

P.S Astrobin stellt das Bild zu groß (deswegen etwas weichgespült) und etwas zu farbenfroh dar. Wenn jemand weiß, wie ich das besser machen kann, dann bitte Hilfe!
 
Hallo,


einfach nur toll die Aufnahme, super in Szene gesetzt. Da kann man nur neidisch werden, vor allem, da an uns, aus wettertechnischen Gründen, mal wieder alles vorbeigezogen ist.
Die Mühe hat sich gelohnt!

Gruß

Christian
 
Spektakuläres Bild - Kompliment !
Preis verdächtig :respekt2: :super:

 
Vielen Dank euch beiden! Schön, dass euch das Bild gefällt :)
Wettertechnisch waren die letzten zwei Wochen hier auch ein Krimi, leicht zugunsten der klaren Nächte. Aber oft genug wurde auch gutes Weter vorher gesagt und ich stand unter Wolken...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Dank dir Tommy. Gerade bei den Farben hatte ich arge Probleme, da die Originalversion, die in PS sehr gut aussah, nach dem Upload auf Astrobin viel zu starke Farben aufwies. Hat mich sehr gewundert, da ich dachte, dass PNG keinen "Interpretationsspielraum" zwischen verschiedenen Programmen zulässt. Deswegen hatte ich noch eine zweite Version hochgeladen, die ich zuvor in PS etwas entfärbt hatte - jetzt passt es besser, ist aber vielleicht immer noch etwas zu knallig.

Hast den Komten sehr gut dargestellt, ist ja ein Haufen Arbeit.
Stimmt. Und weißt ja, wovon Du sprichst. Aber ich hatte bis zur Aufnahme der [OIII]-Daten eine Woche Zeit, um an der Darstellung des Kometen zu feilen, dann relativiert sich das mit der Arbeit ;)

Viele Grüße,
Daniel
 
Hallo Daniel,

es macht wirklich viel Spaß dein Bild zu betrachten :applaus: . Wundervoll. Eine wirklich beeindruckende Arbeit und einfach ein sehr schönes Bild, welches die Faszination des Kosmos widerspiegelt!
Kannst du vielleicht ganz kurz die Bearbeitungssteps verraten?
Bin nur durch Zufall auf dein Bild gestoßen, da ich selbst überlegt habe, wo das passende Forum für meinen kleinen Spaßversuch ist. Ich könnte mir vorstellen, dass noch sehr viel mehr Leute dein Bild bewundern würden, wenn du es-oder zu mindestens einen Link- ins Fotogalerie oder Deep sky Forum einstellst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass da viel mehr Leute reinschauen...
Viele Grüße von
Jörg
 
Hallo Jörg,
ok, das mit der Fotogalerie werde ich interessehalber einfach mal versuchen, danke für den Tipp. Aber im Grunde bin ich mit dem Feedback hier schon total glücklich. Es zeigt mir, dass ich als noch relativer Neuling in der Astrofotografie auf dem richtigen Weg bin.
Auch wenn meine nächsten Ergebnisse wieder etwas weniger interessant sein werden, da Jacques schon eine echte Steilvorlage für ein hübsches Bild geliefert hatte ;)

Mit deiner Bitte, einen kleinen Workflow niederzuschreiben, triffst Du einen wunden Punkt. Denn im Moment regiert bei mir noch ein bisschen das Chaos, ich bin selber noch in der Findungsphase, wie was am besten funktioniert. Wenn Du meine 25 Ebenen im Browser von Photoshop sehen würdest, dann wüsstest Du, was ich meine ;) Bin ja auch erst seit etwa einem Jahr soweit, die Montierung und das Teleskop so zu beherrschen, dass halbwegs runde Sterne heraus kommen. Auch wenn ich schon Jahrzehnte in der Amateurastronomie unterwegs bin, so ist diese Fotogeschichte noch sehr sehr neu für mich (was aber gleichzeitig den enormen Reiz für mich ausmacht).

Also kurz beschrieben: ich mache wahrscheinlich auch nicht viel anders als jeder, der sein Bild etwas intensiver nachbearbeitet. Es ist dann letztlich eine Frage der Qualität des Rohmaterials und der Geduld bei der Nachbearbeitung, die über das Ergebnis entscheidet.

Etwas ausführlicher:
Die Datenreduktion geschieht bei mir mit dem Programm Nebulosity. Ist zwar nicht Freeware, erlaubt mir aber viel mehr Freiheiten als DeepskyStacker. Und das Ergebnis finde ich persönlich als Ausgangspunkt viel geeigneter für das Post-Processing.
Also erstelle ich dort mittels Lights, Flats und ordentlich viel Biasframes einmal die geditherten Aufnahmen auf die Sterne und einmal auf den Kometen gestackt.

Weiter geht’s in Photoshop. Zuerst kümmere ich mich um Gradienten mit dem Plugin GradientXTerminator, welches auch schon für eine schöne Farbbalance des gesamten Bildes sorgt. Dann konzentriere ich mich darauf, mittels Tonwertkorrektur und Gradiationskurven
1. Den Hintergrund auf ein Helligkeitsniveau von grob 15-20 zu bringen und
2. Die Sterne einerseits brillant wirken zu lassen und andererseits die Durchmesser zu reduzieren

Dann geht es an die sehr mühsame und schwierige Arbeit, mittels Kopierstempel den verwaschenen Kometen aus dem Bild zu entfernen. Kostet viel Zeit und Nerven.
Als letzten Schritt in diesem Grundbild selektiere ich die Sterne und erhöhe die Sättigung nach Geschmack und entrausche leicht den Hintergrund.

Der Kometenstack muss zunächst mittels „Staub und Kratzer“ von den Strichspuren der Sterne befreit werden. Ist dies geschehen, so hat es mir noch sehr geholfen den Tipp anzuwenden, den Tommy im Nachbarthread in einem Antwortposting vorgestellt hat. Damit bekommt man dann wirklich auch die letzten feinen Reste der Sternleichen aus Schweif und Koma ‚gedithert‘ – danke Tommy, der Tipp kam zum perfekten Zeitpunkt! :)

Ist das Kometenbild sternleichenfrei, so geht es daran, den schwachen Schweif heraus zu arbeiten. Dafür verwende ich Techniken, die auch bei der „normalen“ Bearbeitung von Deepsky-Objekten angewendet wird. Also das Stretching und gerne ich Screen Mask Invert der SW-Version (Luminanz) des Kometenbildes. Das Alles zu erklären ist aber unmöglich, ich verweise auf das absolut sehenswerte zwei Stunden Videotutorial von Scott Rosen hier im Link http://www.astronomersdoitinthedark.com/dslr_llrgb_tutorial.php , an dem ich mich gerne entlang hangele. Ist zwar in englischer Sprache, aber er spricht gut verständlich.
Beim Zusammenführen von Luminanz und RGB des Kometen wird natürlich wieder an den Farben geschraubt, so gut es eben geht.

Nun wird der großteils fertige Komet als neue Ebene (oder auch zwei Layer, falls man Kern+Koma und Schweif separat bearbeiten möchte) mittels „Aufhellen“ in das Bild des Sternhintergrundes kopiert. Beide Ebenen müssen so aneinander angepasst werden (separat Tonwertkorrekturen, Helligkeiten usw. bearbeiten), bis ein harmonischer Eindruck entsteht. Dazu kann es auch notwendig werden, z.B. den Sternhintergrund nochmals als neue Ebene auf die beiden vorherigen zu legen und wieder mittels Aufhellen die Brillanz der Sterne wieder her zu stellen. Gerade dieser Schritt ist schwierig zu beschreiben und erfordert etwas Fummeln und Probieren.

Als Letztes gebe ich dann noch nach Geschmack HAlpha und [OIII] hinzu. In meinem Fall war speziell HAlpha aufgrund der nur 2,5 Stunden Belichtungszeit sehr rauschig, so dass ich zurückhaltend bleiben musste.
Wie das zusammenführen von Schmalband zu RGB gut funktioniert, ist hier gut beschrieben: http://www.cloudynights.com/topic/167294-ha-blend-tutorial-for-dslrs-explained-rowe-techn/
Allerdings muss man auf CloudyNights angemeldet sein, um die Bilder in den Beiträgen sehen zu können. Trotzdem, diese Technik gefällt mir noch am besten, mit anderen Techniken bin ich zumindest nicht so gut zurecht gekommen.

Zum Schluss hat man in PS also 20 Ebenen oder so übereinander liegen, die alle bestimmte Bildinformationen repräsentieren. Dazu dann noch ein paar Hochpassebenen zum Beispiel für die Dunkelstrukturen im Gasnebel oder Gradiationskurven für bestimmte Bereiche und schon ist das Chaos perfekt ;) Aber es funktioniert irgendwie! Man muss nur geduldig sein und manchmal eine Nacht drüber schlafen.

Ich weiß nicht, ob dieser kurze Abriss interessant oder hilfreich war? Ich hoffe, dass es zumindest halbwegs rüber kam, was ich gemacht habe. Und ansonsten können das andere viel besser erklären als ich. Deswegen empfehle ich wärmstens das Videotutorial von Scott Rosen. Einfach mal zwei, drei Stunden an ein eigenes Bild setzen und Schritt für Schritt genau das nachbasteln, was er im Video zeigt. Zum Schluss ist man erstaunt, was aus dem Bild geworden ist!

Viele Grüße,
Daniel
 
Wow,

Komplementärfarben auf einem Astobild sieht man nicht so häufig :-)

Ein irre schönes Bild, das bei mir gleich zum Bildschirmhintergrund geworden ist, vielen Dank dafür !

Jochen
 
Hallo Daniel,
das ist total nett von dir, dass du meiner Bitte so ausführlich nachgekommen bist. Das ist sehr interessant, hat mir viele Anregungen gebracht und zeigt, welche Arbeit in deinem Bild steckt. Aber das Ergebnis ist wirklich vorzeigenswert!!
Ich werde wohl doch noch etwas mehr Aufmerksamkeit und Mühe in die Bildbearbeitung investieren-dein Ergebnis motiviert ;-).
Noch einmal Danke für die Mühe und viele Grüße!
Jörg
 
Hallo Daniel,

ich finde nicht nur das Bild super, sondern auch Deine Art, vom Weg zum Bild zu schreiben. Ein bissel Hintergrundinfo macht das Ganze eben lebendiger und symphatischer finde ich. Sieht man an deinem Beispiel sehr schön - vor allem die Freude an der Sache kommt prima rüber :super:

Schöne Grüße

Norman
 
Hey Norman! :)
Ich bin in den letzten Jahren ein bisschen eingerostet, was das Schreiben anbelangt. Aber die Leidenschaft für das Hobby ist noch da wie es schon immer war. Der Rest geht dann auch ohne Training von alleine ;)

Ich weiß nicht, ob man bei jedem Foto etwas vom Werdegang einstreuen kann. Dieses Mal hat es einfach super gepasst. Ich denke, dass ich die nächsten Fotos auch einfach nur herzeigen werde, in der Hoffnung, dass sich jemand über ein hübsches Bild freut, so wie ich mich drüber freue. Es ist ja auch nicht so, dass jedes Mal etwas schreibenswertes passiert... fast hätte ich "zum Glück" gesagt.

CS,
Daniel
 
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