Januar 2026 - IC 443, Supernovarest in den Zwillingen

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Zu Jahresbeginn wünscht das AdM-Team allen Lesern ein gesundes und erfolgreiches 2026. Mögen die Teleskope und Kameras ihre Aufgaben bestens erfüllen, auf dass schöne neue Bilder entstehen.

Heute geht es um den Supernovarest IC 443 im Sternbild Gemini. Er befindet sich auf der Verbindungslinie der Sterne Eta und My Geminorum, etwa 1/4 von Eta entfernt. Bildautor Carsten Aits hat ihn Anfang März 2025 in Attenkirchen (Landkreis Freising) aufgenommen. Dabei entstanden - je nach Filterung - in verschiedenen Nächten unterschiedliche Belichtungsreihen. Aufnahmeteleskop war ein Skywatcher Explorer 250PDS, ein Newton-Teleskop von D = 250 mm Öffnung und f = 1200 mm Brennweite, also mit dem Öffnungsverhältnis D/f = 1:4,8. Die verwendete Kamera ist eine Farbkamera des Typs Omegon veTec16000C. Die parallaktische Montierung ist eine SkyWatcher EQ6-R Pro.

Belichtet wurde mittels Autoguiding insgesamt 501 min mit Einzelbelichtungen von je 3 min Dauer. Am 02.03.2025 startete die RGB-Serie mit 39 min Belichtungszeit. Am 04.03.2025 folgte eine erste Teilserie mit einem Dualbandfilter Askar D2 für [O III]+[S II] mit jeweils 6 nm Halbwertsbreite. Eine reine Ha-Serie über 153 min Belichtungszeit ergab sich am 05.03.2025. Die zweite Teilserie mit dem Askar D2 schloss sich am 06.03.2025 an, so dass sich für [O III]+[S II] insgesamt 309 min Belichtungszeit ergaben.

Die Nachbearbeitung geschah mit DeepSkyStacker, Gimp, Starnet++, GraXpert und DxO Optics Pro 11 - letzteres eine Software zur Korrektur von Fehlern der Optik. Für das Alignment und die Überlagerung der Bilder in Gimp verwendet Carsten Aits einige selbstprogrammierte Plugins. Er schreibt dazu: "Ich verwende DxO OpticsPro11. Am Anfang meiner Astrofotgrafie-Reise habe ich es für fast den gesamten Workflow benutzt, mittlerweile verwende ich überwiegend Gimp, und mache nur noch den letzten Feinschliff mit DxO. Das Programm hat ein paar ganz nette Optionen, um das Histogramm zu manipulieren, und auch in der Farbbearbeitung überzeugt es mich mehr als Gimp."

Und nun ist das Endbild eine SHO-Variante, d.h. [S II] wird dem Rotkanal zugeordnet, Ha dem Grünkanal und [O III] dem Blaukanal. Unter Astrofotografen spricht man daher von einem "Falschfarbenbild", Echtfarben sind nur mittels breitbandiger RGB-Filterung erreichbar, wenn die rotgefilterte Serie dem Rotkanal zugeordnet wird, die grüngefilterte dem Grünkanal und die blaugefilterte dem Blaukanal.

Anmerkungen: Etwas darf ruhig einmal besprochen werden. Das eingesandte Bild von IC 443 hatte Norden rechts liegen, also ohne astronomische Orientierung. Hat diese Orientierung denn überhaupt eine Bedeutung? Klar - denn zu jedem Astrofoto gehört auch die anschließende Analyse, um enthaltene Objekte mit dem realen Himmel abzugleichen, z.B. mit Hilfe des Himmelsatlasses Aladin. Nun habe ich IC 443 um 90° gedreht und Norden liegt in etwa oben. Außerdem war die Originalversion recht dunkel, so dass Carstens IC 443 bei einem Vergleich mit guten Aufnahmen aus dem Internet in der Objekttiefe schwächelte. Die 8 Stunden 21 Minuten Belichtungszeit wurden dem Bildeindruck nicht gerecht. Es wurde daher von mir - vertretbar - in der Helligkeit angehoben. Nun treten auch blaue Farbtöne am nördlichen Nebelrand deutlich hervor.

Einen Tipp darf ich dem Bildautor auch noch geben: Heute ist es ja üblich, Sterne und Nebel in der Bildbearbeitung getrennt zu handhaben. Dann aber hat man doch gern "knackigere" Sterne für einen besseren Eindruck. Je nachdem, in welchem Maß man die Schärfung vornimmt, entsteht um jeden Stern (insbesondere bei denen vor dem Nebeluntergrund) ein dunkler Ring. Die Kunst besteht also darin, das richtige Schärfungsmaß zu wählen und beim Rückeinbau von Sternen in das Nebelbild kritisch auf diesen Punkt zu achten.

IC 443 trägt auch den verbreiteten Namen "Quallennebel". Warum? Weil die helle nordöstliche Kugelschale dem Oberteil eines Quallenkörpers ähnelt. Aber dann gehören zu einer richtigen Qualle auch die Tentakel. Die sind aber aufgrund der nicht passenden Verhältnisse von Objektgröße, Brennweite und Detektorfläche nur zu einem ganz geringen Teil in der Südwestecke des Bildes zu sehen. Hier hätte ein Vorabblick in Aladin gut getan. Die 1200 mm Brennweite sind in Kombination mit dem Detektor nicht auf das Objekt in seiner wahren Ausdehnung abgestimmt. Das Bildfeld beträgt 35' x 46'. Die Hälfte der Brennweite wäre für IC 443 in Verbindung mit diesem Kamerachip vorteilhafter.

Der Supernovarest ist etwa 5000 Lichtjahre entfernt (Fesen 1984). Aus dem AdM lässt sich kein realer Winkeldurchmesser bestimmen. In der Datenbank Simbad werden 45' x 25' genannt, Das bedeutet eine wahre Ausdehnung von 65 Lichtjahren für IC 443. Sein Alter ist nicht genau bekannt, die Angaben variieren zwischen 3000 und 30000 Jahren (Petre et al. 1988). Eine wahrscheinlich präzisere Altersbestimmung stammt von Lee et al. (2008), sie kommt auf 20000 Jahre. IC443 ist nicht nur im optischen Spektralbereich zu sehen. Der von den Filamenten eingeschlossene Innenbereich leuchtet stark im Bereich der Röntgenwellenlängen. Auch in Radiowellenlängen kann IC 443 gut beobachtet werden.

Was mir gefallen hat, ist die überlegte Filterwahl. IC 443 ist einer der am besten untersuchten Supernovareste. Er zeigt im optischen Spektrum im Wesentlichen die Emissionslinien Hα, [O III] und [S II]. Gerade HII-Regionen zeigen oftmals nur sehr geringe [S II]-Anteile. Im Gegensatz dazu ist [S II] in Supernovaresten oftmals sehr stark. Kein Wunder, denn Schwefel kann ja nur entstehen, wenn ein Supernovaausbruch schwere Elemente wie Stickstoff, Kohlenstoff und Schwefel aus dem explodierten massereichen O-Stern freisetzt.

Auch wenn es bei diesem AdM einige kritische Anmerkungen gibt - Carsten, Du wirst diese Kommentare schnell "verdauen", denn sie sind ja gut gemeint. Insofern möchte das AdM-Team unserem Bildautor für seine eingeschickte Aufnahme herzlich danken.



Peter Riepe
Bildautor: Carsten Aits



Koordinaten (J2000.0) von IC 443:
RA = 06 h 17 min 00 s, Dec = +22° 34' 12"


Vollbild unter: https://www.astronomie.de/aktuelles...r-2026-ic-443-supernovarest-in-den-zwillingen


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