Hallo liebe Freunde und Freundinnen klassischer Astro-Geräte, hier folgt nun etwas Stoff zu
JSO (
Japan Special Optics ). Ich wollte das eigentlich alles in 1 Beitrag schreiben, hatte aber oben nicht bedacht, dass es eine Ablaufzeit zum Editieren gibt. So dann in ggf. 3 Beiträgen.
In diesem Teil möchte ich etwas an Informationen zum Hersteller JSO teilen.
In einem weiteren, dann abschließenden Teil werde ich noch etwas geräte-technische Daten und Detailfotos zum Modell PN-126 liefern.
Wichtig vorab : alle folgenden Angaben ohne Anspruch auf 100%ige Korrektheit!
Warum ?
JSO war ein relativ kleiner Hersteller, der auch nur relativ kurze Zeit produziert hat. Bei meinen Recherchen stützte ich mich daher im Wesentlichen auf die Informationen eines japanischen Sammlerkollegen ( der auch so lieb war, mir die Beschreibung des PN-126 aus dem japanischen Katalog ins Englische zu übersetzen ), sowie auf Beiträge in japanischen Foren und z.T. US-Foren.
Erschwerend kommt hinzu, dass es kaum Katalog-Material von JSO gab.
Dies liegt hauptsächlich daran, dass JSO kein Massen-Hersteller war, sondern zumindest anfänglich viele Instrumente rein handwerklich und auch nicht in großen Stückzahlen produziert hat. Es gab auch Sonderanfertigungen z.B. für öffentliche Einrichtungen wie Schul- oder Universitäts-Sternwarten. Hierfür wurde nicht extra ein Katalog gedruckt.
Selbst das Gründungsjahr von JSO ist schleierhaft – das Unternehmen tauchte irgendwann in den frühen 70er Jahren auf. Der Gründer und Firmen-Chef von Japan Special Optics war der Ingenieur und Optik-Konstrukteur Sakao Yamada ( *1918 -1986 ).
Herr Yamada hatte zuvor als „freier“ Berater und Optik-Konstrukteur für viele japanische Firmen gearbeitet und Optik-Designs entworfen.
Da er sich in dieser Arbeit genötigt sah, oft „Kompromisse“ aufgrund von Kostenvorgaben der Auftraggeber und ( Massen- ) Hersteller einzugehen, wollte er gerne seine eignen Ideen auf hohem Qualitäts-Niveau und ohne Kostenzwänge verwirklichen.
So kam es zur Gründung von JSO.
Diese Firmen-Philosophie brachte es mit sich, dass JSO als Manufakturbetrieb preislich sehr weit oben angesiedelt war.
Alle Spiegeloptiken wurden im eigenen Hause individuell und handretuschiert bis zur letzten Politur hergestellt. Es existiert die „Sage“, dass zumindest zu den Anfangszeiten, keine Optik die Firma verließ ohne von Herrn Yamada persönlich geprüft worden zu sein.
Der Qualitätsanspruch war sehr hoch. Für Spiegel galt eine absolute Mindestanforderung von 1/8 ptv im grünen Wellenbereich, was durch Handretusche eigentlich immer übertroffen wurde und Firmen-intern für die ehrgeizigen Mitarbeiter schon als „unterste“ Qualität galt !
Für bestimmte Modellreihen, wie auch den PN-126 und PN-185 war eine Mindest-Qualität von 1/10 ptv vorgeschrieben. Gelobt wurden die Spiegel vor allem für ihre extrem „glatte“ Politur.
Weltweit gewann JSO später vor allem durch seine SC Optiken Bekanntheit.
Einen interessanten Bericht dazu gibt es hier :
Aber nicht nur auf die optische Qualität wurde Wert gelegt, sondern auch auf die mechanische Ausstattung.
JSO Newtons erinnern etwas an russische TAL-Geräte – ähnlich robust, aber wesentlich feiner gearbeitet.
Der Tubus des PN-126 besteht aus dickwandigem, nahtlosen Stahlrohr. Sucherhalterung, Spiegelzelle, der Rohrschellenkäfig und auch der OAZ sind extrem robust und präzise gefertigt.
So wiegt alleine der nackte Tubus des kleinen PN-126 je nach Ausstattung 5kg. Zu den Geräte-Details später mehr.
Der PN-126 war vornehmlich als fotografischer Newton ausgelegt, der Hauptspiegel extrem glatt und natürlich parabolisch auf 1/10 ptv Mindeststandard auspoliert. Der Fangspiegel mit 42 mm auf der kleinen Achse für das damals vorherrschende KB-Format 24x36 ausgelegt. Besonders zu erwähnen ist der um 360° frei rotierbare OAZ !
Trotz der fotografisch bedingten Obstruktion liefert das Teleskop dank der außergewöhnlich hohen Oberflächenglätte des von Hand retuschierten JSO-Spiegels eine Schärfe und einen Kontrast, die im visuellen Einsatz oft auf dem Niveau völlig obstruktionsfreier Systeme liegt.
Wie schon erwähnt, galten die JSO Geräte in Japan als ebenbürtig zu Takahashi und waren definitiv keine Geräte für den schmalen Geldbeutel.
Während man zu Anfang der 1980er Jahre einen typischen Einsteiger-Newton, wie z.B. den Tasco 11T o.ä. mit 114 mm Öffnung zu Preisen von etwa 500 – 1000 DM ( als Komplettgerät mit Montierung und Stativ ! ) bekommen konnte, kostete der JSO PN-126 rund 2000 DM und zwar nur als OTA !
Zum JSO PN-126 heisst es im Katalog von 1986 wie folgt :
„
Das PN-126 ist derzeit das am weitesten verbreitete Newton-Teleskop unter Amateurastronomen. Dieses Modell verwendet einen kurzbrennweitigen Parabolspiegel (f/6), der sich in den letzten Jahren zum Standard für Newton-Teleskope entwickelt hat und ausreichend Helligkeit für die Fotografie von Nebeln und Sternhaufen bietet – Bereiche, in denen ältere Newton-Teleskope mit f/8 bis f/10 Nachteile hatten. Newton-Teleskope sind einfach zu bedienen, haben einen unkomplizierten Aufbau, sind weniger anfällig für Störungen und ermöglichen die einfache Justierung.
Dies ist das Spitzenmodell unter den Newton-Teleskopen.
Da Newton-Teleskope dieser Klasse weit verbreitet sind, gibt es viele verschiedene Modelle auf dem Markt, von preiswerten bis hin zu High-End-Modellen, die je nach Verarbeitung auch für ambitionierte Hobbyastronomen interessant sind.
Das PN-126 gehört zur letztgenannten Kategorie der High-End-Modelle, ist aber auch für Anfänger benutzerfreundlich gestaltet und eignet sich daher für ein breites Spektrum an Nutzern, vom Einsteiger bis zum ambitionierten Hobbyastronomen.
Die Bezeichnung ist etwas zurückhaltend und lässt es wie ein 12-cm-Teleskop klingen, doch mit einem effektiven Durchmesser von 128 mm für den Hauptspiegel bietet es tatsächlich die Leistung eines 13-cm-Teleskops. Das optische System verwendet Pyrex-Glas mit geringer Wärmeausdehnung für Haupt- und Fangspiegel. Die Oberfläche ist nach dem Foucaultschen-Test in eine wunderschöne Parabolform geschliffen. Die hohe Qualität zeigt sich auch im großzügigen Einsatz von Edelstahlschrauben und anderen Komponenten.
PN = Photo Newton
Komfortabler und benutzerfreundlicher Mechanismus
Sowohl das PN-126 als auch das PN-185 verfügen über einen drehbaren Okularauszug mit großer Öffnung. Dank des drehbaren Okularauszuges ist der Fokussierknopf stets leicht erreichbar, was ein schnelles Komponieren bei Astrofotos ermöglicht. Der Auszug mit 52 mm Innendurchmesser bietet ausreichend Platz für den 35-mm-Zenitspiegel und reduziert schädliche Lichtreflexionen. Das PN-185 verfügt außerdem über einen großzügigen 7x50-Sucher, der das Auffinden von Himmelsobjekten auch bei schwach besetztem Himmel erleichtert. Es eignet sich sowohl für die visuelle Beobachtung als auch für die Astrofotografie.
Beide können sowohl 24,5-Zoll-Okulare als auch 36,4 mm-Schraubokulare verwenden. Die minimale und maximale Vergrößerung beträgt 18x–250x (126) bzw. 26x–360x (185); das Okular wird je nach dem zu beobachtenden Himmelsobjekt gewechselt.
Es wäre keine „legendäre Maschine“ ohne diese zahlreiche Errungenschaften.“
Soweit der Katalog……
Einen Auszug des JSO Programms um 1986 zeigt dieser Katalog :
Herr Yamada verstarb im Jahre 1986 und mit ihm ging leider auch die Qualität…..
Zu Ehren seines Lebenswerks und seiner Beiträge zur Astronomie wurde der Asteroid (3786) Yamada nach ihm benannt
Nach Yamadas Tod wurde die Firma vom damaligen Gross-Hersteller Kenko-Optics übernommen.
Kenko konnte/wollte aus wirtschaftlichen Gründen die extrem qualitätsintensive Fertigung von JSO nicht übernehmen – die Geräte sollten zu massenmarkt-tauglichen Preisen angeboten werden und so mussten zwangsweise Abstriche gemacht werden.
In der japanischen Astro-Gemeinschaft werden deshalb auch heute noch nur Geräte bis max. Baujahr 1986 als „echte“ JSO akzeptiert und geschätzt.
Als "Erkennungsmerkmal" gilt z.B. die Geräteplakette, die aus einem kleinen Blech oder aber auch aus einer dicken Metallfolie bestand, während spätere JSO Geräte nur noch einen dünnen Sticker trugen.
Dies soll natürlich nicht bedeuten, dass die nachfolgenden Kenko-Geräte schlecht gewesen wären, aber die hohen Qualitätsstandards von einst ( wie z.B. die ptv-Werte ) konnten zu den nun offerierten Preisen einfach nicht mehr gehalten werden und auch mechanisch wurde nun auf dünneres Rohrmaterial usw. zurückgegriffen. Als Marke wurde JSO dann 1996 endgültig aufgegeben und ein weiterer berühmter Astro-Hersteller Japans war endgültig Geschichte…
Die Tage werde ich dann noch Detailbilder des PN-126 zeigen....
Liebe Grüße in die Runde, Michael